Rinder schlecht versorgt

Hallo,

eine Angus-Rinderherde in meiner Umgebung wird schlecht versorgt.
Die Rinder bekommen nur sporadisch Futter, ihre abgegraste Weide sieht aktuell so aus:
http://karin-web.gmxhome.de/rinder-weide.html

Seit gestern abend haben sie kein Futter bekommen.

An wen soll ich mich wenden um auf den Mangel aufmerksam zu machen?

Letzes Jahr habe ich den Besitzer, bzw. ein weibliches Mitglied seines Haushaltes, persönlich per Handy erreicht, damals hatte ich gemeldet, dass die Wassertränken leer wären. Als ich auch auf die mangelhafte Nahrungsversorgung aufmerksam machte (es wurden ab und zu Kohlabfälle auf die Weide gekippt), wurde mir versichert, dass die Tiere sehr gut versorgt werden würden. Kurz darauf wurde die Herde an einen, mir unbekannten, Ort gebracht.

Gruß
karin

Ich würd mich bei dem örtlichem Tierheim, einem Tierarzt oder notfalls der örtlichen Polizei (natürlich NICHT die 110 anrufen) wegen sowas wenden. Die haben bestimmt eine Adresse von einem Tierschutz Verein oder ähnlichem, an dem man sich wenden kann.

Hallo Karin,

Die Rinder bekommen nur sporadisch Futter, ihre abgegraste
Weide sieht aktuell so aus:
http://karin-web.gmxhome.de/rinder-weide.html

Nach abgegrast sieht die Weide auf den Bildern nicht aus. Bei einer abgegrasten Weide sieht man keine langen Halme mehr, sondern Erde zwischen max. 5cm hohem gras durchschimmern. Das das Gras nicht mehr hochsteht kommt vom draufrumlaufen der Tiere und spielt keine Rolle. Auch sehen die Rinder nicht dürr und verhungert aus.

Seit gestern abend haben sie kein Futter bekommen.

Was soll man denn auch füttern, wenn sie Gras haben?

An wen soll ich mich wenden um auf den Mangel aufmerksam zu
machen?

Zuständig ist das Veterinäramt des Landkreises. Der Amtsveterinär besichtigt bei einer Anzeige den Tierbestand, beurteilt ob die Haltung mangelhaft ist und prüft, ob alle Vorschriften erfüllt sind.

Letzes Jahr habe ich den Besitzer, bzw. ein weibliches
Mitglied seines Haushaltes, persönlich per Handy erreicht,
damals hatte ich gemeldet, dass die Wassertränken leer wären.

Wasser ist eben auch mal alle, doch weder Mensch noch Tier verdurstet, wenn mal wenige Stunden kein Wasser da ist. Das ist natürlich stark vom Wetter abhängig. Bei Grasfütterung, kühlen Temperaturen und Regenwetter haben die Tiere kaum Tränkbedarf. 2x täglich satt tränken wird amtlicherseits als vertretbar gewertet.

Als ich auch auf die mangelhafte Nahrungsversorgung aufmerksam
machte (es wurden ab und zu Kohlabfälle auf die Weide
gekippt)

Es spricht nichts dagegen Rindern Kohl zu füttern. Kohl gibt man allerdings nicht als Grundfutter sondern zusätzlich.

Kurz darauf wurde die Herde an einen,
mir unbekannten, Ort gebracht.

Sicher nicht um sie deinen Blicken zu entziehen, sondern weil es Zeit war für eine sattere Weide.

Ich finde es durchaus gut, wenn darauf geachtet wird, daß Tiere nicht leiden müssen, aber diejenigen die die Haltung ankreiden sollten über die Haltung der Tierart eine gute Portion Grundwissen haben und genau das scheint bei dir nicht der Fall zu sein.

Man darf nicht vergessen, daß Rinder Nutztiere sind. Das Landwirte ihre Herden nicht gut versorgen ist äußerst selten, denn sie sind sein Broterwerb, sein Kapital, sein Einkommen. Damit geht man sorgsam um, wenn man auch morgen noch Geld für Brötchen haben will.

Wenn es dich beruhigt, wende dich an den Amtsveterinär, damit er den Bestand kontrolliert. Doch wenn ich die Bilder so sehe bin ich sicher, daß er die Fütterung nicht beanstanden wird.

Gruß Steffi

Servus Karin,

da pflichte ich Steffi bei: Kuh & Kalb stehen nicht besonders schlecht da, und Futter haben sie auf dem Stück noch eine gute Weile.

Es geht hier übrigens um reine Weidehaltung von Kühen mit Kälbern, im Gegensatz zur Milchviehhaltung braucht man da nichts zufüttern. Als Wiederkäuer haben die Viecher einen alten Trick zur Nutzung der Sonnenenergie: Sie können Zellulose (z.B. von dem gezeigten schon etwas älteren Grasaufwuchs) in Fett umbauen.

Schöne Grüße

MM

Hi Karin,
Du machst dir unnötig Gedanken denn bei Angus-Rindern wird in der Regel nicht zugefüttert, selbst die Kälber bleiben das ganze Jahr bei der Mutter und wenn das die aktuellen pics von der Weide sind, gibt’s kein Problem.
Gruß Jukaido

Finde auch, dass die Tiere ganz gut aussehen und die Weide noch ausreichend Futter zu bieten hat - habe da schon ganz andere Weiden gesehen - kein Gras, nur noch Erde…

Die Tiere sollen in der Regel nicht zu fett gehalten werden, da das Fleisch (wenn die Tiere langsam wachsen ) eine Delikatesse ist und sich farblich, in der Struktur und natürlich geschmacklich von der normalen Fleischware um Längen abhebt. … Wasser könnte man bemängeln - Rinder können aber auch ne Weile ohne auskommen - manche Landwirte fahren auch die Tiere täglich mit nem Wassertank an, dann können sie trinken und gut ist. Bei den aktuellen Wetterverhältnissen fällt zumindest bei uns eine Menge Morgentau an - das reicht zum Teil schon aus, um den Durst zu stillen.

Wenn Du aber ganz sicher gehen willst, Ruf das zuständige Vet-Amt an. Die können sich das ja noch mal ansehen.

Die Weide ist doch im Top-Zustand. Die Rinder haben es wirklich toll. Und mehr als Gras und Kräuter, was auf so einer Wiese eben alles wächst, brauchen sie nicht. Dass die Mastkälber im Stall zusätzlich mit Hafer und weiß-nicht-was gefüttert werden, tut dem Tier genau genommen gar nicht gut. Die werden gemästet, sie sollen also in kürzester Zeit viel Masse bilden. Die Kälber stehen immer an einer Stelle, bilden keine ordentlichen Muskeln. Das Fleisch, das bei einer solchen Haltung rauskommt, hat eine eher schlechte Qualität, relativ wenig Muskelfaser und eher viel Fett. Aber schön billig ist es.

Weiderind, das schön laufen kann, sich ganz natürlich von sattem Gras ernährt, bildet viel schöneres Muskelfleisch heraus. Das Fleisch ist viel dunkler. Aber letztlich ist es auch viel teurer, weil sie mehr Fläche brauchen, häufiger getrieben werden müssen (Weidenwechsel) und auch die Versorgungswege etwas länger sind. Und länger dauern tut es auch, bis man so ein Tier schlachten können. Es zahlt sich aber geschmacklich wirklich aus.

Bis denne
Schnoof

Hallo !

Bei uns wurde mal die Polizei gerufen, weil ein Kalb auf der Weide geboren wurde. OHNE bäuerliche Hilfe, ohne HEBAMME.

Die anderen Kühe sahen neugierig zu und dem Anzeiger grauste es.

mfgConrad

Bei uns wurde mal die Polizei gerufen, weil ein Kalb auf der
Weide geboren wurde. OHNE bäuerliche Hilfe, ohne HEBAMME.
Die anderen Kühe sahen neugierig zu und dem Anzeiger grauste es.

mfgConrad

tja, das ist das Ende vom Lied wenn man Tiere zu sehr vermenschlicht, leider, leider…
…ich denke wo menschliche Hilfe tatsächlich erforderlich ist, isset i.O. aber die Hilfe wird aus Unkenntnis sehr oft übertrieben.
Gruß´ Jukaido

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Danke! aber …
Hallo, an Alle, die mir geantwortet haben

… eine paradiesische Rinderweide sieht sicherlich anders aus.
Dort würde es bestimmt einen Schutz vor Sonneneinstrahlung und Witterungseinflüssen geben, dazu eine kleine Wasserquelle, die nie versiegt.
Wobei mir bewusst ist, dass die Mehrheit aller Rinder, diesen Schutz auch nicht genießt.

Dieser eine Rinderzüchter, ist mir schon vorher negativ aufgefallen. Ich habe im Winter einen Blick, zwischen Holzritzen hindurch, in seine winzige „Rinderschutzhütte“ geworfen.
Die Tiere darin, hatten zwar eine Heuraufe, aber die Rinder standen eng gedrängt und bis zu ihren Knien im Schlamm und Dreck - keine Einstreu.
(Durch eine Ritze hindurch, kann ich bis jetzt leider noch nicht fotografieren.)

Eine tiergemäße Unterbringung stelle ich mir anders vor!

Heute morgen hat der Rinderzüchter übrigens wieder ein paar Kohlabfälle auf der Weide abgeladen.
Die Rinder liefen wie verrückt auf das Futter zu.

Aber, ich werde mich an eure fachgemässen Meinungen halten (deshalb habe ich ja die Bilder eingestellt) und nichts unternehmen.
Wäre vermutlich sowieso umsonst.

Gruß
karin

Hallo karin,

… eine paradiesische Rinderweide sieht sicherlich anders
aus.
Dort würde es bestimmt einen Schutz vor Sonneneinstrahlung und
Witterungseinflüssen geben, dazu eine kleine Wasserquelle, die
nie versiegt.
Wobei mir bewusst ist, dass die Mehrheit aller Rinder, diesen
Schutz auch nicht genießt.

schön, dass du dir Gedanken machst.

ABER: Gerade diese Rindersorte ist dazu geeignet ganzjährig auf einer Weide zu stehen. Das sind keine Haustiere oder Menschen!!! Bitte vergesse das nicht. Die Tiere sind die Natur gewohnt!

Gruß

Phoebe

Hallo, Phoebe

ABER: Gerade diese Rindersorte ist dazu geeignet ganzjährig
auf einer Weide zu stehen.

auch bei >30 Grad im Schatten, ohne Schutzmöglichkeit?

Dazu der Landestierschutzverband Baden-Württemberg:
http://www.landestierschutzverband-bw.de/html/hitze-…

"Auch Weidetiere, wie Schafe, Rinder und Pferde brauchen im Sommer Schattenplätze und wesentlich mehr Trinkwasser !

Immer wieder erreichen den Landestierschutzverband Meldungen besorgter Tierfreunde über Schafe, Rinder, Ponys und Pferde, die ohne ausreichende Versorgung mit Frischwasser und ohne Schatten in der Sonne „braten“.

Wie die kleinen Heimtiere leiden Weidetiere genauso an den Folgen zu intensiver Sonnen- und Hitzeeinwirkung.
Grundsätzlich gilt deswegen auch für Weidetiere: Schatten und Wasser sind unabdingbar.
Selbsttränke Rinder können ihren Wasserbedarf, selbst wenn frisches Grünfutter verfügbar ist, nicht ausschließlich über das im Futter gebundene Wasser decken. Daher muss Rindern ganzjährig hygienisch einwandfreies Wasser zur freien Verfügung stehen. Dabei ist bei erwachsenen Rindern von einem Durchschnittsbedarf von etwa 50 Litern auszugehen, an heißen Tagen noch wesentlich mehr. Im Vergleich dazu brauchen Pferde im Sommer mindestens ca. 60 Liter täglich pro Tier.

Rinder beispielsweise haben mit heißen Tagen größere Probleme als mit kalten. Bei hohen Außentemperaturen wird zunächst der Stoffwechsel reduziert und versucht z.B. durch Hecheln, überschüssige Körperwärme abzugeben. Gelingt es dem Tier nicht, die Körpertemperatur im physiologischen Bereich zu halten, kommt es zur Hyperthermie (Überwärmung).

Großtiere wie Rinder und Pferde haben mehr Probleme, überschüssige Körperwärme loszuwerden als sich vor Unterkühlung zu schützen. Ein Schutz vor der Sonne im Sommer ist deswegen mindestens ebenso wichtig wie ein Kälteschutz im Winter. Bei der ganzjährigen Weidehaltung von Rindern oder „Robusthaltung“ von Pferden ist deshalb auch im Sommer ein Witterungsschutz unabdingbar. Fehlen natürliche Schattenspender, wie dichte Laubbäume oder bieten diese nicht genügend Schatten für alle Tiere der Gruppe, müssen zusätzliche Schattenplätze geschaffen werden. Schon eine großflächig gespannte Plane bietet Schutz vor der direkten Sonneneinstrahlung.

Eine weitere Möglichkeit wäre es natürlich die Tiere über die Mittagshitze in den Stall zu holen und nur am frühen Morgen oder späten Abend - wenn die Temperaturen wieder „erträglich sind“ - auf die Weide oder Koppel zu lassen."

Gruß
karin

Hallo Karin,

Dort würde es bestimmt einen Schutz vor Sonneneinstrahlung und
Witterungseinflüssen geben, dazu eine kleine Wasserquelle, die
nie versiegt.

Ja, schön wär’s! Nur leider hat der Herrgott nicht so viele Wasserquellen werden lassen, daß jede Weide eine abbekommen hätte. Also muß der Bauer das Wasser für das liebe Vieh mit Arbeitsleistung ranschaffen.
Und Schutzhütten für ganze Herden sind ebenso unrealistisch. Wie groß soll denn die Hütte sein, damit alle bequem reinpassen? Tatsache ist, daß es ein Baugesetz gibt, daß die Größe von Unterständen vorschreibt. Und Tatsache ist auch, daß die stärksten Tiere den besten Platz beanspruchen, also die, die es am meisten brauchen würden gar nicht in den Genuß der Hütte kommen.

Die Tiere darin, hatten zwar eine Heuraufe, aber die Rinder
standen eng gedrängt

was bei Herdentieren nicht zwangsläufig negativ sein muß

und bis zu ihren Knien

Das Knie ist das Gelenk an Unterkante Bauch. Du meist entweder die Fessel- oder die Karpal- bzw. Sprunggelenke

im Schlamm und Dreck - keine Einstreu.

Es scheint sich nicht um einen festen Stall im Hofbereich zu handeln, sondern um einen (Offen-)stall im Außenbereich. Das im Winter viel betretener Boden (z.B. an der Heuraufe) durchmatscht, ist nicht zu vermeiden. Und es ist für Tiere auch nicht unnormal bei Regenwetter in Matsch zu treten. Es sollte aber ein Bereich vorhandensein, wo die Tiere auf festem Untergrund stehen können, wenn sie das möchten. Allerdings ist auch hier das Gesetz erschwerend im Weg, denn man darf im Außenbereich nicht einfach Flächen befestigen. Wenn sich an die Matsche genügend frei zugängliches Terrain anschließt, würde das auch reichen.

Heute morgen hat der Rinderzüchter übrigens wieder ein paar
Kohlabfälle auf der Weide abgeladen.
Die Rinder liefen wie verrückt auf das Futter zu.

Jeder kommt gerannt, wenn es etwas nicht alltägliches Leckeres gibt. Das hat nicht zwingend was mit Hunger zu tun. Stell dich mal mit Süßigkeiten auf einen Kinderspielplatz!

Wäre vermutlich sowieso umsonst.

Wenn es wirkliche Mißstände gibt, ist es nicht umsonst.
Aber ob es Mißstände sind bemißt sich nach anderen Maßstäben als deinem Empfinden. Leider ist es so, daß die meisten Menschen heutzutage überhaupt keinen Einblick mehr in die Landwirtschaft haben und die menschlichen Maßstäbe der häuslichen Kleintierhaltung auf landwirtschaftliche Tiere übertragen, ohne die Tiere und die Gesetze (nicht nur den Tierschutz) so zu kennen, daß sie sie auch beurteilen können.

Wenn du was tun willst, so beschäftige dich mit der Materie. Informiere dich! Unterhalte dich mit Leuten, die von Landwirtschaft Ahnung haben. Du wirst oftmals erstaunt sein und mit der Zeit immer besser in der Lage sein solche Dinge halbwegs zu beurteilen.

Gruß Steffi

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Hallo Karin,

Eine weitere Möglichkeit wäre es natürlich die Tiere über die
Mittagshitze in den Stall zu holen und nur am frühen Morgen
oder späten Abend - wenn die Temperaturen wieder „erträglich
sind“ - auf die Weide oder Koppel zu lassen."

Wie groß ist eine Hütte für eine ganze Herde?
Und wie transportierst du eine Rinderherde mehrmals am Tag vom Stall zu einer Weide im Außenbereich und zurück?

Ich bin durchaus für Tier- und Naturschutz, aber nicht mit rosaroter Brille, sondern mit praktikabler Vernunft. Sorry, aber Tierschützer sind oft blinde Idealisten, denen ich wünschte sich nur mal 1 Jahr mit den Alltagsproblemen rumschlagen zu müssen.

z.B. fordert das Tierschutzgesetz einen Witterungsschutz (Hütte), die aber nach Baugesetz nur ein Vollerwerbslandwirt und auch nur bis zu einer max Größe bauen darf. Konsequent umgesetzt gäbe es nur noch Stallpferde (ob die das wohl gut fänden?), weil große Herden nicht in die kleinen Hütten passen und kleine Pferdehalter keine Hütte bauen dürfen. Stallpferde sind sehr kostenintensiv. Es gäbe also in Folge sehr viel weniger Pferde. Hast du eine Vorstellung davon wieviel Bruttosozialprodukt an den Pferden hängt, wieviel Arbeitslose das verursachen würde?
Und um beim Rind zu bleiben. Wie teuer das wenige Rindfleisch auf dem Teller würde, wenn jedes Rind unter rosaroten menschlichen Idealvorstellungen leben würde.

Zur Beurteilung der Lage gehört mehr als nur ein Tierschutzgesetz!

Gruß Steffi

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Kann es sein
dass Du aus einer Großstadt zugezogen bist?

Gruß
S

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Hallo Karin,

alldieweil die Wogen mal wieder hoch schlagen, noch ein paar Anmerkungen zur Sache, und gleich hier, obwohl ich ein paar Punkte von anderen aufgreife.

(1) Zum Thema Tränke: Auf einem der Bilder sieht man im Hintergrund das Tränkefass. Wasser ist also ok, soweit das Fass ab und zu neu gefüllt wird - Wasserbedarf ist bei Milchkühen sehr viel höher als bei den gezeigten Mutter- oder eventuell Ammenkühen, weil sie ja schon ihre 20-25 Liter täglich wieder als Milch abgeben, auch einen höheren Grundumsatz haben als Jungvieh, trockenstehende Kühe oder die hier gezeigten Mutterkühe & Kälber / Jungrinder. Soweit man von den Bildern aus die Herde und das Fass einschätzen kann, dürfte es auch bei trockenem Sommerwetter reichen, wenn das Fass alle acht Tage neu gefüllt wird.

Diese Form der Tränke ist sehr viel günstiger als etwa Bachlauf oder Quelle, weil sich dort im unvermeidlichen Schmadder unweigerlich Infektionsherde aller möglichen Parasiten bilden.

Wenn man aus natürlichen Gewässern oder Gräben tränken will, installiert man ein Tränkebecken mit einem Pumpmechanismus (ähnlich der Ventilzunge, die Du am Tränkefass siehst, aber länder und größer), um das Wasser sauber ins Tränkebecken zu kriegen. Die Tiere lernen das Pumpen schnell.

(2) Zum Thema Weide: Futter ist noch genug da, aber die Weide ist nicht besonders gut geführt - „Top Zustand“, wie an anderer Stelle im Thread geäußert, sieht ganz anders aus. Die problematischen Punkte im Einzelnen:

Der Bestand ist dominiert von Knaulgras oder einem ähnlichen stark horstbildenden Gras mit geringem Futterwert, um das selektiv herumgefressen wird, so dass sich die Horste umso mehr ausbreiten können. Es wäre besser, bei dem kleinen Viehbestand viel kleinere Flächen am Stück zuzuteilen, so dass sauberer abgefressen wird, und öfter umzutreiben. Portionsweide mit ein- zweitägigem Nachschlagen des Zauns wird heute wegen des Arbeitsaufwandes kaum mehr gemacht, und wenn, nur bei Milchvieh. Ist aber die für die Führung der Weide die viel bessere Technik. Alternativ könnte man mit kleineren Koppeln, besser mit einer größeren Herde, ähnliches erreichen. Außerdem wäre es nötig, gleich nach dem Abweiden nachzumähen oder zu Mulchen, eventuell vorher durch Schafe nachweiden zu lassen. Auf diese Weise könnten sich Untergräser mit gutem Futterwert besser halten. Und zuletzt sieht man im Hintergrund ein Stück, das mit breitblättrigem Ampfer fast zugewachsen ist, was auf eine schlecht organisierte Gülle- oder Schwemmistwirtschaft schließen lässt.

Kurz: Aller Wahrscheinlichkeit nach entweder ein „Mondscheinbauer“ im Nebenerwerb, oder ein Landwirt, der sich anderweitig spezialisiert hat und die Weidemast nebenher mitlaufen lässt, auf den Stücken, die er sonst nicht verwenden kann (die Weide befindet sich auf einem schlechten, anmoorigen Talgrund, auf dem man sonst nichts anfangen kann). Für den Mondscheinbauer spricht der etwa dreissig Jahre alte winzige Ladewagen, den man im Hintergrund sieht. – Weidemast beim Profi sieht schon ein bissel anders aus, da gebe ich Dir Recht.

(3) Zum Thema Schatten: Wenn man öfter mal Rindvieh auf der Weide anschaut, sieht man leicht, dass Schatten in den Mittagsstunden ganz wichtig ist. Auf jeder Weide gab es seit vielen Generationen Schatten, sei es in Gestalt von Streuobstbau (SW), sei es in Gestalt von Pappelpflanzungen entlang Entwässerungsgräben (NW), sei es in Gestalt von einzelnen Solitären wie Eiche, Buche, Speierling etc. In der Maschinenmode der 1960er - 1980er Jahre, gleichzeitig Zeit intensivster Milchwirtschaft bei hoch subventionierten Erzeugerpreisen, wurden so gut wie alle derartigen Bäume als Wirtschaftshindernisse abgeräumt. Heute, wo wieder viel extensiver gewirtschaftet wird (vgl. die von Dir gezeigte Weidemast), dauert es seine Zeit, bis wieder Bäume stehen - falls man sie denn pflanzt oder hochkommen lässt. Ein Landwirt, der sich in Weidemast für Qualitätsfleisch engagiert, wird auf jeden Fall zusehen, dass ihm ein paar Bäume heranwachsen - nur dann kann er so gut werden wie die Nachbarn hinter den Vogesen, die ihm sonst mit ihrem Charolais und Limousin die Butter vom Brot nehmen, und seine deutschen Exporte im Gegenzug allenfalls in die Wurst verschaffen…

(4) Zum Thema Kohl: Kohl ist süß, und Rindviecher stehen wie sehr viele Tiere auf Süßes. Noch heftiger ist der Effekt, wenn man Rübenblatt ablädt: Das sollte tunlichst bloß von oben geschehen, dazwischen kommen möchte ich da nicht…

(5) Zum Thema Stallhaltung: Die hier betriebene Mutterkuhhaltung/Weidemast kennt keine Ställe mehr. Bis in die 1950er Jahre haben viele Milchbauern noch mittags zum Melken eingetrieben, man hatte drei tägliche Melkzeiten. Das ist aber lang her und hat schon damals eine Verwertung der Arbeitszeit von unter einer DM pro Stunde gebracht. Der Verschlag, den Du beschreibst, reicht für Angus aus, genau wie für Limousin und Charolais. Bessere Mastergebnisse erzielt man allerdings, wenn man nach Art eines Tiefstalls eingestreute Verschläge mit Liegeflächen zur Verfügung stellt. Wenn es sich um einen spezialisierten Betrieb mit hohem Qualitätsanspruch handeln würde, sähe der Verschlag, den Du beobachtet hast, anders aus. Hier haben wir vermutlich einen der immer noch enorm vielen viel zu kleinen Betrieben vor uns, dem der Spielraum fehlt, um eine Sache - und die richtig - zu machen. Das ist - auch - die Quittung für das jahrzehntelange Pflegen von kleinen und kleinsten Betrieben, das dazu geführt hat, dass denen, die vorwärts wollen und können, die Flächen fehlen. In Neufünfland gibts solche Bastler nicht.

(6) Und noch kurz zum Thema Angus: Die Talaue sieht mir so aus, als wäre sie besser dazu geeignet, dass man sie ein wenig verbuschen lässt und dann Galloways drauflässt: Die sind von den Ansprüchen her ungefähr wie Heidschnucken, ich glaube nicht, dass es noch viele andere (abgesehen von Zebus vielleicht) Rinderrassen gibt, die z.B. Brombeeren weiden… Aber mit einer noch extensiveren Weidemast mit Galloways wäre der Ertrag noch schmaler. Schade eigentlich, die Kerle haben ein sehr scharmantes Äußeres - man sieht eigentlich bloß an den Hörnern, wo vorne ist…

Wieauchimmer: Sicher kein Anlass, den guten Mann nicht machen zu lassen, solang er noch kann. Es wird keine Ewigkeit dauern, bis er das Feld räumt, wie so viele seiner Kollegen vor ihm. Wenns dann allerdings dumm ausgeht, und wenn ein geeigneter Übernehmer der freien Flächen da ist, kanns gut sein, dass dann zuallererst der Ampfer mit der Zwölfmeterspritze angegangen wird …

Schöne Grüße

MM

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Servus,

Die Weide ist doch im Top-Zustand.

Daran zweifle ich: Sie ist nicht besonders gut geführt. Auf einer Top-Weide herrscht Weidelgras, Wiesenrispengras und Klee vor. Die zugeteilten Stücke in den Abbildungen sind zu groß (bzw. die Herde zu klein), es wird offensichtlich nicht oder kaum nachgemäht, und der Bestand ist vor dem Beweiden zu alt geworden - er hätte vor dem Beweiden jetzt Ende Juli einen Heu- oder Silageschnitt gebraucht. Und hast Du auf dem Stück im Hintergrund den Ampfer gesehen? Das fällt nicht in die Abteilung „Gras und Kräuter“, sondern in die Abteilung „Schlamperei“. Wer die Tageszunahmen in Gestalt fast wässrig dünnflüssiger Kuhfladen aus seinem Vieh entweichen sehen will, lässt Ampfer hochkommen: Es gibt fast keinen schöneren Dünnschiss als den von breitblättrigem Ampfer.

Zur Frage der Deckungsbeiträge bei verschiedenen Mastmethoden können wir uns vielleicht ein anderes Mal unterhalten; teurer ist Weidemastfleisch in erster Linie, weil der Markt es hergibt. Mit Weidemast werden alle Produktionsfaktoren außer der Fläche selbst relativ gut entlohnt, intensive Stallmast ist eine Folge von im Vergleich zur Fläche in relativ großem Umfang vorhandenen Faktoren Arbeitskraft und Kapital. Beide werden dabei relativ schlechter entlohnt als bei der Weidemast.

Schöne Grüße

MM

Danke: und nun mal zu den Ländern in denen Rinder Massenweise gehalten werden: Ich glaube, dass weder in den Weiten der USA noch in Agentinien die Rinder auf ihren Weiden Unterstände haben und alle paar Meter ein Bach lang fließt. Die Tiere sind durchaus in der Lage Temparaturen jenseits derer die es in Deutschland gibt zu überstehen, natürlich nur, wenn sie von klein auf dran gewöhnt sind - das Wasserproblem ist in vielen Fällen auch keins, da sich die Tiere zum Teil den Morgentau aus dem Fell lecken bzw. morgens aus der Wiese aufnehmen. … und so heiß wars in diesem Jahr einfach nicht. Das hier sind keine Milchkühe, die auf Hochleistung getrimmt sind!!!

…und dass die Tiere zum Kohl hin rennen ist normal - alle Tiere rennen, wenns was besonderes gibt… selbst mein Hund, und der leidet wirklich keinen Hunger.

Hallo Martin,

danke für deinen echten Fachbeitrag!

Sicher, ein großer moderner Betrieb wirtschaftet anders, weil er anders wirtschaften kann. Aber es gibt eben auch kleine Bauern, die oft mit viel persönlichem Einsatz ihre Tiere so gut wie möglich zu halten, damit sie bis zum Rentenalter ihr Einkommen haben. Ich persönlich habe vor denen großen Respekt.

Noch ein Wort zu den Bäumen auf der Weide. Rinder werden von Landwirten gehalten, denen das Land i.d.R. gehört. Sie können Bäume pflanzen. Bei Pferdehaltern sieht das sehr viel anders aus. Die meisten haben ihre Weide gepachtet, oder nutzen eine Pensionsweide und haben somit keine Möglichkeit schattenspendende Bäume wachsen zu lassen. Landwirtschaftliche Tiere haben manchmal auch Vorteile.
Wie Alexandra schon schrieb, gibt es viele Rinder (Pferde und andere Tiere), die natürlicherweise in Gegenden leben, wo es kaum Schatten gibt.
Sicher ist Schatten angenehmer, aber kein Schatten ist nicht unnatürlich. Aber es braucht eine Gewöhnungsphase.

Gruß Steffi

Servus,

betreffend Tränke von Rindern gibts hier einen Bericht aus Kentucky. Zur Erläuterung: „Beefalo“ ist eine biologisch eigentlich nicht erlaubte Kreuzung zwischen Rind und Bison. Sie gilt als extrem robust und wetterfest. Aber ohne Wasser kommen selbst Beefalos nicht aus:

http://www.flightpathfarm.com/Library/where_beefalo_…

Nungut, meine Praxis beschränkt sich auf Allgäuer Höhenvieh, Allgäuer Höhenvieh x Brown Suisse, Fleckvieh, Jersey, Jersey x Schwarzbunt und Holstein Frisian x Schwarzbunt, jeweils in allen Zuständen von Kalb über Rind, Bulle und Milchkuh (melkend und trocken). Von den angeführten Rassen können allenfalls HF x Schwarzbunt als „hochgezüchtet“ bezeichnet werden.

Kein einziger der Landwirte, denen die beschriebenen Bestände gehören, hätte im Traum daran gedacht, die Viecher länger als maximal einen halben Tag ohne Wasser zu lassen. Besonders schön ist das in der Hopfenernte, wenn keiner der Mitwirkenden länger als vier oder fünf Stunden schläft, wenn nach der ersten Woche die Nerven blank liegen, und wenn man dann hört, abends um achte: „Ach, hol doch noch eben das Tränkefass aus den Dickenen und lass es vollaufen, das habe ich heute mittag schon gesehen, dass da nicht mehr viel drin ist…“

An die Möglichkeit, Weidevieh ohne Tränke zu halten, glaube ich dann, wenn ich einen konkreten Beleg dazu habe.

Schöne Grüße

MM