Rinzai-Zen-Buddhismus

Hi,

ich bin auf der Suche nach einer Lebensphilosophie. Mein Leben stimmt zwar, aber ich brauche eine „Leitlinie“ die ich verfolgen kann. Zur Zeit ist jeder Tag ein neuer Tag ins Chaos (ich studiere). Nachdem mich Religionen wie Christentum, Islam oder Judentum wg. der Obrigkeitslehre abschrecken und Sekten (logischerweise) völlig indiskutabel sind, habe ich mich mal im www nach einem Buddhismus-Zentrum in meiner Stadt erkundigt und auch gefunden. Das Zentrum steht in der Tradition des Rinzai-Zen-Buddhismus. Meine Bewegpunkte dieses Zentrum zu besuchen und mich mit der Lehre auseinanderzusetzen sind hauptsächlich:

Ruhe finden, Stetigkeit finden (ich würde am liebsten 100 Sachen auf einmal anfangen, aber nichts zuende machen)und halt eine „Linie“ im Leben haben.

Frage also: Was genau ist dieser Rinzai-Buddhismus? Wie ist er in das Alltagsleben (und auf mich) implementierbar? Und welche Literatur empfiehlt Ihr um erstmal mit diesem Thema warm zu werden? Weiss nur wenig über den Buddhismus. Was bedeuten Begriffe wie Zazen, Dokusan und Koan?

Vielen Dank für Eure Antworten

Kuddel

Frage also: Was genau ist dieser
Rinzai-Buddhismus? Wie ist er in das
Alltagsleben (und auf mich)
implementierbar?

Was bedeuten Begriffe wie
Zazen,

Zen Sitzen, also Meditieren

Koan?

Eine nach logischen Regeln nicht beantwortbare Frage, über die meditiert wird.

Und welche Literatur
empfiehlt Ihr um erstmal mit diesem Thema
warm zu werden? Weiss nur wenig über den
Buddhismus.

Eine kurze, aber wie ich finde gut geschriebene Einführung folgt

Viel Spaß bei der Lektüre und natürlich auch bei der Praxis.

Gandalf

Zen:
buddhistische Schule der Meditation, die in China und später in Japan aus der Verschmelzung des indischen Mahayana-Buddhismus und dem chinesischen Taoismus entstand. Der japanische Begriff Zen entwickelte sich aus dem chinesischen Ch’an, das vom Sanskrit-Wort dhyana abgeleitet ist und einen meditativen Zustand innerer Versenkung bezeichnet. Dhyana meint in erster Linie den Bewusstseinszustand eines Buddhas, dessen Geist sich nicht mehr um die Unterscheidung zwischen der Individualität des einzelnen im Vergleich zu anderen bemüht. Alle buddhistischen Strömungen vertreten die Auffassung, dass jedes Ding nur in Relation zu einem anderen existiert. Dieses Charakteristikum der „Leere" (Sanskrit sunyata) verweist indes nicht auf die Nichtigkeit der Welt, sondern sagt lediglich aus, dass kein System fester Definitionen oder Klassifikationen die Natur zu erfassen vermag. Die Wirklichkeit ist das „So-Sein" (Pali tathata) der Natur oder der Welt, unabhängig von allen damit verbundenen Gedanken.
Lehre und Praxis
Zen ist der chinesische Weg zum buddhistischen Ziel, die Welt so zu betrachten, wie sie ist, ohne ihr eigene Ideen oder Gefühle (Sanskrit trishna) hinzuzufügen. Diese Haltung des „Nicht-Geistes" (chinesisch wu-hsin) entspricht einer Bewusstseinsstufe, auf der die Gedanken vorbeifließen, ohne Spuren zu hinterlassen. Im Gegensatz zu anderen buddhistischen Richtungen lässt diese Ebene sich in der Philosophie des Zen nicht durch eine graduelle Praxis erlangen, sondern muss sich direkt und plötzlich in einer Art Erleuchtungserlebnis äußern (chinesisch tun-wu; japanisch satori). Der Zen lehnt daher sowohl Theorien als auch spirituelle Übungen ab und vermittelt seine Vorstellung von Wahrheit mit Hilfe der Methode des direkten Zeigens, das auf alle philosophischen oder religiösen Probleme mit nichtsymbolischen Wörtern oder Taten antwortet. Die Replik liegt in der Handlung an sich, nicht in dem, was diese darstellt. Als typisches Beispiel mag die Erwiderung des Zen-Meisters Yao-shan dienen, der auf die Frage, was der Weg des Zen sei, zurückgab: „Eine Wolke am Himmel und Wasser in der Kanne!" Die Anhänger des Zen machen sich aufnahmebereit für derartige Antworten, indem sie meditieren (japanisch za-zen) und dabei ohne geistigen Kommentar beobachten, was immer auch geschieht.
Schulen
Die beiden bedeutendsten Schulen des Zen sind die Rinzai-Schule und die Soto-Schule in Japan. Letztere legt größeren Wert auf die Meditation selbst, während erstere Meditationsprobleme (japanisch koan) anhand von Dialogen (japanisch mondo) wie dem oben zitierten erörtert, vorzugsweise zwischen alten Meistern und ihren Schülern. Die Schüler der Soto-Schule sind gehalten, ihr Verständnis für eine Antwort des Lehrers in nonverbaler, direkter Form - z.B. durch Zeigen - im Rahmen eines Einzelgesprächs (japanisch anzen) zu verdeutlichen.
Einfluss auf Kunst und Handwerk
In der Regel vermitteln halbklösterliche Einrichtungen die Philosophie des Zen an Laien, die sich für einen beschränkten Zeitraum der Gemeinschaft anschließen. Ein Zenkloster entspricht daher in gewissem Sinne einer Trainingsstätte, in der Meditationsübungen mit einer beträchtlichen Menge an manueller Arbeit abwechseln. Die Studenten solcher Schulen widmen sich besonders der Kunst und dem Handwerk, vor allem der Malerei, Kalligraphie, Gartenarbeit, Architektur und der Tee-Zeremonie. In Japan kommen häufig Schwertfechten (Kendo), Bogenschießen (Kyudo) und Jiu-Jitsu hinzu.
Auf Kunst und Handwerk des Fernen Ostens übte der Zen großen Einfluss aus, weil sich seine Philosophie eher mit der Tat als mit der Theorie verband und die Natur, so wie sie erscheint, stets deren Interpretation vorzog. Der Geist dient nach Auffassung des Zen als Fensterglas und nicht als Spiegel und sollte deshalb eine direkte Sicht auf die Dinge statt deren Auslegung ermöglichen. Alle die Natur und die Wirklichkeit betreffenden Theorien stören im Grunde den unmittelbaren Blick. Mit dieser Position steht der Zen in direkter Nachfolge des buddhistischen Religionsstifters Gautama Buddha. Dieser hielt Leid für ein Resultat des Wünschens, da Geist und Empfindungen sich selbst zunichte machten, wenn sie sich bewusst an die Welt der Erfahrungen klammerten. Die Zenmalerei schöpft in erster Linie aus der Natur: Vögel, Gräser, Felsen und Berge in einem Stil, der ein Maximum an Technik mit einem Minimum an Planung und Überlegung vereint. Ikonographische Darstellungen lehnt der Zen indessen ab. Er bemüht sich darum, die Erfahrungen selbst, nicht aber die Ideen, die sich aus ihnen ableiten, ins Bild zu fassen und fühlt sich keinem System, keiner Lehre und keinem Glauben verpflichtet.
Geschichte
Der Tradition zufolge verbreitete der indische Buddhistenmönch Bodhidharma den Zen um das Jahr 520 in China. Zu den wichtigsten Gestalten der ganz auf China konzentrierten Anfangsphase gehörten Hui-neng, Te-shan und Lin-chi. Die chinesischen Tuschezeichnungen der Sung-Dynastie (960-1280) zählen zu den besten künstlerischen Werken der Zen-Schule.
Japaner, die in China studiert hatten, führten die beiden großen Zen-Sekten in ihrer Heimat ein: der buddhistische Mönch Eisai Myoan den Rinzai Zen (1191), sein Mitbruder Dogen Kigen den Soto Zen (1227). Beide Richtungen leben in Japan fort. Japanische Maler wie Sesshu, Sesson Shukei und Jasoku schufen Bilder, die die Naturbetrachtung des Zen zum Ausdruck bringen. Unter seinem Einfluss entwickelte sich die Tee-Zeremonie in Japan zu einem ausgefeilten Ritus. Die Versform des haiku verdankt ihre Entstehung ebenfalls dem Zen.
Das Abendland begann sich nach der Veröffentlichung des ersten fachlich kompetenten Beitrags über den Zen mit dessen Lehre und Praxis auseinander zu setzen. Er stammte von dem japanischen Wissenschaftler Daisetz T. Suzuki und erschien in englischer Sprache unter dem Titel Essays in Zen-Buddhism (Essays zum Zen-Buddhismus). Nach dem 2. Weltkrieg und der Besetzung Japans durch die Amerikaner nahm das Interesse der Europäer und US-Bürger insbesondere unter Künstlern, Philosophen und Psychologen abermals zu. Eine große Anziehungskraft übte der Zen vor allem auf abstrakte und nichtgegenständliche Maler und Bildhauer aus. Die Philosophen entdeckten Parallelen zum Konzept des österreichischen Denkers Ludwig Wittgenstein, zur Theorie der allgemeinen Semantik des amerikanischen Publizisten und Wissenschaftlers Alfred Korzybski und, in gewissem Maße, zu Überlegungen des deutschen Existenzphilosophen Martin Heidegger.

„Zen“, Encarta® 99 Enzyklopädie. © 1993-1998 Alle Rechte vorbehalten.

hallo kuddel,

die kirche, die eine religion vertritt hat oft wenig mit der religion an sich zu tun. d.h. wenn du die kirchen ätzend findest (was ich gut verstehe), solltest du das christentum deshalb nicht unbedingt gleich abhaken. und sich einem zen-verein anzuschließen ist m.e. auch nicht anders als einer sekte oder einer kirche beizutreten: jemand anderer sagt dir, was du glauben oder denken sollst.
ich denke, dass das heute nicht mehr richtig ist. du solltest selbst für dich den weg finden, ohne gleich irgendwo beizutreten. es ist natürlich anstrengender, als einen guru das denken übernehmen zu lassen. mach dich auf die suche nach DEINER religion. vielleicht ist christus ja doch icht so schlecht und steht gar nicht im widerspruch zu buddha. (reinkarnation gibts auch in der bibel, aber nicht in der kirche!).
wenn du das findest, was alle religionen gemeinsam haben und für dich stimmt, dann kommst du sicher weiter, als dich irgendeinem verein anzuschließen.

viele grüße
cordula

Liebe Cordula,

da hab ich doch glatt ein paar Einwände zu dem was Du geschrieben hast.

und sich einem
zen-verein anzuschließen ist m.e. auch
nicht anders als einer sekte oder einer
kirche beizutreten:

Zen-Verein; klingt herrlich ist aber nicht ganz so richtig :wink:.

jemand anderer sagt
dir, was du glauben oder denken sollst.

Du scheinst Dich ja seeehr intensiv mit Zen auseinandergesetzt zu haben, oder sehe ich das falsch?!

du solltest selbst für dich
den weg finden,

Exakt das ist Zen

es ist natürlich
anstrengender, als einen guru das denken
übernehmen zu lassen.

Wenn Du dich auch nur 5 Minuten mit Zen beschäftigst hättest, würdest Du feststellen, daß das was Du hier behauptest, ziemlicher Bockmist ist!

mach dich auf die
suche nach DEINER religion.

Zen ist die „Individualreligion“ schlechthin, weil jeder seinen eigenen Weg suchen und beschreiten muß. Ein Meister im Zen ist nur ein Ratgeber, den man fragen muß, um etwas von ihm zu erfahren. Wenn Du ihn nicht fragst, wird er Dir nichts sagen. Soviel zum Vordenken.

Gandalf

Liebe Cordula,

da hab ich doch glatt ein paar Einwände
zu dem was Du geschrieben hast.

Zen-Verein; klingt herrlich ist aber
nicht ganz so richtig :wink:.

ok, ich gebe zu, dass es einen unterschied macht, ob ich den zj betretete oder regelmäßig ein zen-(verein?) besuche.

Du scheinst Dich ja seeehr intensiv mit
Zen auseinandergesetzt zu haben, oder
sehe ich das falsch?!

ich habe mich tatsächlich lange mit buddhismus beschäftigt. ich habe auch nichts gegen buddhismus - im gegenteil. ich hatte bei dem autor des ausgangsartikels nur den eindruck, dass er ein fertiges konzept wünscht. und auch buddhismus ist eine fertige weltanschauung v.a. in bezug auf die methode.

Exakt das ist Zen

nicht ganz. denn der weg ist in gewisser weise festgelegt. und einige grundgedanken (4 edle wahrheiten, es gibt kein ich, wiedergeburt, karma usw.) das ist nicht völlig frei!

Wenn Du dich auch nur 5 Minuten mit Zen
beschäftigst hättest, würdest Du
feststellen, daß das was Du hier
behauptest, ziemlicher Bockmist ist!

s.o.

Zen ist die „Individualreligion“
schlechthin,

das sehe ich nicht so. eine individualität gibt es im zen doch gar nicht. die ist doch nur illusion.

woher soll der meister besser wissen, was mein weg ist, als ich?

cordula

Hallo Cordula

: ok, ich gebe zu, dass es einen
: unterschied macht, ob ich den zj
: betretete oder regelmäßig ein
: zen-(verein?) besuche.

Worin siehst du denn den Unterschied ?

:
:: Du scheinst Dich ja seeehr intensiv mit
:: Zen auseinandergesetzt zu haben, oder
:: sehe ich das falsch?!
: ich habe mich tatsächlich lange mit
: buddhismus beschäftigt. ich habe auch
: nichts gegen buddhismus - im gegenteil.
: ich hatte bei dem autor des
: ausgangsartikels nur den eindruck, dass
: er ein fertiges konzept wünscht. und auch
: buddhismus ist eine fertige
: weltanschauung v.a. in bezug auf die
: methode.

Entschuldige bitte, aber hier muss ich doch sehr lachen. Es gibt im
Buddhismus so viele unterschiedliche Methoden wie es Gruppierungen gibt.
Zen ist nur EINE davon.

:: Exakt das ist Zen
: nicht ganz. denn der weg ist in gewisser
: weise festgelegt.

Ein Weg ist ein Weg. Mehr nicht. Wenn dir dieser Weg nicht zusagt ist das
aus buddhistischer Sicht überhaupt kein Problem. Es gibt viele Wege.

und einige
: grundgedanken (4 edle wahrheiten, es gibt
: kein ich, wiedergeburt, karma usw.) das
: ist nicht völlig frei!

Sicherlich gibt es im Buddhismus gewisse Grundgedanken (ob die von dir
oben aufgeführen unbedingt alle dazu zählen, werd ich hier mal nicht weiter
kommentieren, das würde zu weit führen).
Die Freiheit, die der Buddhismus dir einräumt ist die, diese Grundgedanken
so viel zu hinterfragen wie du möchtest.

: woher soll der meister besser wissen, was
: mein weg ist, als ich?

Ein Meister oder Lehere ist dazu da, dir auf deinem Weg Hilfestellung zu gegben.
Wenn du damit nichts anfangen kannst, ist das kein Drama. Niemand
ZWINGT dich dazu, Buddhist zu sein. Man sollte seinem buddhistischem
Lehrer zwar ein gewisses Mass an Anfangsvertrauen entgegenbringen, aber
wenn dir mal jemand begegnet, der von dir verlangt, dass du „blind“
irgenwas „glauben“ sollst, dann würd ich an deiner Stelle ganz schnell die
Flucht ergreifen. Und
ein Zen-Meister, der diesbezüglich allzuviel redet, ist mir sowieso noch nicht
begegnet :smile:

Gruss
Marion

Hallo Cordula

: ok, ich gebe zu, dass es einen
: unterschied macht, ob ich den zj
: betretete oder regelmäßig ein
: zen-(verein?) besuche.

Worin siehst du denn den Unterschied ?

die zeugen jehovas sind viel unfreier

:

Entschuldige bitte, aber hier muss ich
doch sehr lachen. Es gibt im
Buddhismus so viele unterschiedliche
Methoden wie es Gruppierungen gibt.
Zen ist nur EINE davon.

Schön, dass du das auch schon gemerkt hast.

:: Exakt das ist Zen
: nicht ganz. denn der weg ist in
gewisser
: weise festgelegt.

Ein Weg ist ein Weg. Mehr nicht. Wenn
dir dieser Weg nicht zusagt ist das
aus buddhistischer Sicht überhaupt kein
Problem. Es gibt viele Wege.

es geht nicht darum, ob MIR dieser weg zusagt. (das bezieht sich auch auf deine ausführungen über lehre und meister)

lies den ausgansartikel und die folgenden

cordula
.

Hallo Cordula :smile:

Entschuldige bitte, aber hier muss ich
doch sehr lachen. Es gibt im
Buddhismus so viele unterschiedliche
Methoden wie es Gruppierungen gibt.
Zen ist nur EINE davon.

Schön, dass du das auch schon gemerkt
hast.

Ja, nicht ? :smile:

Ein Weg ist ein Weg. Mehr nicht. Wenn
dir dieser Weg nicht zusagt ist das
aus buddhistischer Sicht überhaupt kein
Problem. Es gibt viele Wege.

es geht nicht darum, ob MIR dieser weg
zusagt. (das bezieht sich auch auf deine
ausführungen über lehre und meister)

lies den ausgansartikel und die folgenden

Hab ich gemacht :smile:
Und in deinem Posting stand:

woher soll der meister besser wissen, was

: mein weg ist, als ich?

Ich bitte vielmals um Entschuldigung, wenn ich das mit „mein Weg“ und „Ich“ falsch verstanden habe.

Gruss
Marion

Hallo drachenkopf :wink:

: mein weg ist, als ich?

Ich bitte vielmals um Entschuldigung,
wenn ich das mit „mein Weg“ und „Ich“
falsch verstanden habe.

jaa, das hatte ich allgemein gemeint, das MEIN und ICH, ok.

dann haben wir ja die ungereimtheiten soweit geklärt…

herzliche grüße
cordula