Risikoversicherung im Konkursfall

Folgende Problematik stellt sich für mich:
Ich möcht ein Unternehmen als GmbH gründen. Die Gründung ist vom Prinzip her eine Art Unternehmensnachfolge, da ich die Kunden- und Lieferantenkontakte, das Inventar, die Lagerware und die Mitarbeiter einschließlich bisherigen Eigentümer übernehmen möchte.
Das bisherige Unternehmen schreibt seit einigen Jahren rote Zahlen. Die Gründe hierfür sind vielfältig (z. B. 50.000 Pacht, enorme Zinsen mit nahezu 100.000,-, Rente für ehemaligen Eigentümer 50.000,-, Verschwendung, keine Werbung und schließlich auch der Tot des Partners). Durch Wegfall dieser Belastungen und eine entsprechende Steigerung des Umsatzes ist die Rückkehr in die Gewinnzone eigentlich schnell zu schaffen.

Um auf dem bestehenden Grundstück zu bleiben müßte ich nahezu 45.000,- an Miete für eine Halle die dem bisherigen Eigentümer gehört, neben der Pacht bezahlen. Für Vergleichbare Grundstücke und Hallen liegen die Kosten bei ca. 75.000,-.
Für ein geeignetes Grundstück einschließlich Anschubfinanzierung, Investitionen, etc. etc. komme ich nun auf einen Betrag von ca. 1.000.000,- DM. Die Jährliche Belastung liegt insbesondere in den ersten 3 Jahren bei ca. der Hälfte der vergleichbaren Mietkosten. In den Jahren darauf sind die Kosten nahezu identisch. Also für mich keine Frage.
Eine Eigeneinbringung von 15 % ist nicht das Problem. Die Finanzierung durch die Bank scheinbar ebenfalls nicht.
Meine oder vielmehr die Bauchschmerzen meiner Familie richten sich auf die Situation wenn alles schief gehen sollte. Das Grundstück würde im ungünstigsten Falle bei einer Versteigerung 500.000,- DM einbringen. Unter Berücksichtigung meiner Eigeneinbringung und weiteren Werten verbleiben 300.000,- Forderungen an mich.

Nun zu meinen Fragen:
1.) Gibt es eine Risikoversicherung oder vergleichbares zur Absicherung eines solchen Betrages im Falle eines Konkurses? Und wie hoch sind da die jährlichen Raten?

2.)Hat jemand Erfahrungen wie Banken in diesem Falle reagieren, da ich meiner Frau vorher noch ein Grundstück überschreibe.

3.) Hat jemand sostige Tips zur Beruhigung der Partnerin (Aspirin sind nicht gemeint), um das finanzielle Risiko in Grenzen zu halten?

Bin für alle Tips und Antworten dankbar!
Jack

Hallo,

du schmeißt ja mit ganz schön hohen Summen um dich.
Was ich nicht ganz verstanden habe, du wirst Pacht zahlen müßen, sagst du ! Nur wie kann dann im Konkursfall das Grundstück mit in die Konkursmasse reinzählen ???

NaJa, wie auch immer. Das geschäftliche Risiko nimmt dir eigentlich keiner ab. Aber evt. kann man eine Landes-Bürgschaft bekommen, welche etwas Risikoentlastung bedeuten würde.

Zudem haftet man bekannterweise im Konkursfall ja lediglich mit dem Einlagevermögen, d.h. Privat kann man dann nicht konkurs gehen, es sei denn es wird Konkursverschleppung nachgewiesen.

Mein Tip zur Auswahl der Bank:

Suche dir eine, die Bereit ist auch die Kosten für Werbemassnahmen mitzufinanzieren. Institute welche behaupten, das die Werbung ja durch hierdurch erzielbare Mehreinnahmen
finanziert werden kann, sind absolut zu meiden. Habe selbst
diese Erfahrung mitgemacht, habe jetzt 6 Jahre gebraucht um in die schwarzen Zahlen zu kommen und weiß genau, das dieses in 2 Jahren mit entsprechenden Werbemassnahmen möglich gewesen wäre.

Viel Erfolg.

Oliver Schwemmert

Hallo Jack,

Du wirst niemanden finden, der Dir das unternehmerische Risiko abnimmt. Zur Beruhigung Deiner Familie, insbesondere Deiner Frau hilft Überzeugung von der Richtigkeit des Ganzen. Ängste werden Streß und Spannungen hervorrufen. Deshalb sollte Deine Frau so weit irgend möglich über alles Wesentliche informiert sein, auch damit Du in ihr eine kompetente Gesprächspartnerin und Beraterin hast. Ich halte es für sehr vernünftig, so wie Du es vorhast, Deiner Frau zuvor das Dir gehörende Grundstück zu übereignen. Wenn Du diesen Schritt nicht gerade in zeitlichem Zusammenhang mit einem Konkurs vollziehst, wird das unkritisch sein. Natürlich abgesehen vom Risiko des Scheiterns der Beziehung.
Wenn Du Bankkredite brauchst, wird das nicht ohne Deine persönliche Haftung gehen, GmbH hin oder her. Selbst wenn Du über die Bank zusätzlich noch die Bürgschaft einer staatlichen Bank ins Boot nimmst, wird man im Falle eines Falles versuchen, Dich in die Pflicht zu nehmen. Lies das Kleingedruckte sorgfältigst und achte peinlich darauf, daß man Dir nicht mit der den Banken eigenen Salamitaktik irgendwann noch eine Bürgschaftserklärung Deiner Frau abverlangt. Dann sind alle Sicherungsversuche wenigstens des privaten Daches für die Katz!

Das zu Deinen Fragen.
Aber ich habe noch ein paar Fragen, die Du Dir selbst beantworten solltest: Wenn das Unternehmen seit Jahren rote Zahlen schreibt, wird es diese Verluste in seiner Bilanz auch ausweisen und einen entsprechenden Verlustvortrag besitzen. Wenn das der Grund für die Übernahme des bestehenden Unternehmens ist, dann laß’ die Finger davon. Du würdest als Rechtsnachfolger jahrelang für diese Schulden arbeiten. Wozu soll das gut sein?
Überhaupt Rechtsnachfolge. Wer sagt Dir, daß es da nicht noch irgendwelche versteckten Tretminen aus der Vergangenheit gibt?
Gehe eine Rechtsnachfolge u. a. nur dann ein, wenn der Alteigentümer eine Erklärung unterschreibt, daß er für alle eventuell plötzlich auftauchenden Verpflichtungen aufkommt (ist das Papier natürlich nur wert, wenn er noch Vermögen hat).

Ich hoffe, Du bist ein erfahrener Fachmann und Kaufmann in der Branche des Unternehmens, kannst also z. B. Lagerbestände selbst bewerten - unabhängig vom bisherigen Eigentümer und unabhängig vom Steuerberater. Wenn ja, ist es o.k., wenn nein, Finger weg vom Vorhaben.

Warum willst Du den bisherigen Eigentümer weiter beschäftigen? Wer lange selbständig war, hat zwar meistens viel gelernt, taugt aber kaum noch zum weisungsgebundenen Angestellten. Menschliche Probleme sind vorprogrammiert. Warum willst Du das?

Auch die Übernahme der übrigen Angestellten ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits hast Du Leute, die den Laden kennen. Andererseits haben wenigstens teilweise auch diese Angestellten, ihre Arbeitsweisen und Macken zu den Verlusten des Betriebes geführt. Möglicherweise jedenfalls. Wenn Du dem Betrieb Deinen Stempel, Deine Methoden und Denkweisen überstülpen willst/mußt, wirst Du möglicherweise mit eingefahrenen Wegen und Kumpanei zu kämpfen haben.

Die Kundenbasis des Betriebes und der Absatz sind zu klein, die Kosten zu hoch, Verluste sind die Folge. Ferner ist ein Umzug angesagt. Du fängst also praktisch von vorne an, nur mit Altverbindlichkeiten. Warum willst Du das? Ist nicht eine jungfräuliche Neugründung ohne Altlasten vorteilhafter?

Du sagst, eine Bankfinanzierung des Vorhabens sei wohl kein Problem. Wenn besagte Bank auch die bisherige Hausbank der Firma war, sollte Dir das ein Warnsignal sein. Möglicherweise ist die Bank bereits hoch im Obligo und freut sich, endlich jemanden zu haben, der dafür aufkommt.

Wenn Du das alles jetzt trotzdem noch willst, wünsche ich Dir jedenfalls viel Glück.

Zu guter Letzt noch eine Anregung: Wenn schon Betrieb in eigener Immobilie, warum bitteschön muß die Immobilie dem Betrieb gehören? Reicht es nicht, wenn die Immobilie Dir gehört (falls Du in persönlicher Haftung stehst, Deiner Frau)? Der Betrieb mietet die Räume, die an Dich oder Deine Frau gezahlte Miete ist sofort gewinnmindernd abzugsfähig und die Immobilie gehört im Crashfall nicht zur Masse. Die Sache kann sehr langfristig auch einen Haken haben, aber das würde hier den Rahmen sprengen und kann Dir der Steuerberater verklickern.
Ach, Steuerberater: Führe Deine Bücher selbst!

Gruß
Wolfgang

Hallo Oliver,
vielen dank für Deine Antwort!
Ich muß und werde natürlich für das Grundstück keine Pacht zahlen, da ich nicht auf diesem das Gewerbe betreiben möchte (wegen der hohen Kosten dort).
Deinen Tip bzgl. der Bank werde ich mir zu Herzen nehmen.
Matthias

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Bank und Haftung
Hiho,

Zudem haftet man bekannterweise im Konkursfall ja lediglich
mit dem Einlagevermögen, d.h. Privat kann man dann nicht
konkurs gehen, es sei denn es wird Konkursverschleppung
nachgewiesen.

Zu diesem Thema eine Warnung: Die Bank wird mit allen Mitteln versuchen das gesamte Kreditrisiko abzusichern d.h. Du haftest zwar nicht im Rahmen der GmbH-Haftung aber dann doch mit Deinem Privatvermögen so daß Dir die, so oft gepriesene, beschränkte Haftungssumme überhaupt nix bringt wenn Du in Konkurs gehen solltest. Wie Wolfgang schon erwähnt hat solltest Du auf jeden Fall das Grundstück auf Deine Frau überschreiben und sie bei den Finanzierungsgesprächen mit der Bank außen vor lassen.

Bei mir wollte die Bank gleich noch meine Eltern und Geschwister in die Pflicht nehmen und Bürgschaften auf Häuser und Grundstücke (am liebsten gleich noch auf Festgeldkonten) haben. Dies ging so lange bis ich auf den Tisch gehauen und gefragt habe ob sie jetzt Geschäfte mit mir machen wollen oder nicht.

Wichtig ist, der Bank ein schlüssiges Konzept vorzulegen, dann gehts auch mit einer kleinen Unterdeckung.

Was die Übernahme eines bestehenden Unternehmens betrifft: Achte auf den Ausschluß von nicht bekannten Altlasten jeglicher Art. Wenn der bisherige Inhaber schon geschlampt und die Firma in die roten Zahlen gebracht hat kann man davon unterstellen daß er sich bei dem Verkauf sanieren will und Du am Schluß mit höheren Schulden dastehst als geplant.

Bei einer Neugründung hättest Du das Problem nicht. In der Nachfolge ist es auch o.k. mit einem neuen Firmennamen an Deine bisherigen Kunden heranzutreten und sie darüber zu informieren. Du hättest die Rechtsnachfolge ausgeschlossen und müßtest auch nicht zwingend alle Mitarbeiter, die ja zum Teil für die Misere der alten Firma mit zuständig waren, übernehmen.

Keinesfalls will ich dem Vorbesitzer nur schlechte Absichten unterstellen. Ich selbst habe eine Firma übernommen und bin von der ehemaligen Eigentümerin absolut fair behandelt worden. Dies scheint mir aber eher die Ausnahme zu sein.

So, jetzt hab ich Deine Frage nicht ausgedruckt und weiss keine weiteren Punke aus Deinem Text mehr…(schlechte Organisation meinerseits *g*).

Viel Glück für Dein Unternehmen wünscht Dir

Rolf

Hallo Wolfgang,

vielen Dank für Deine Tipps und Hinweise. Glücklicherweise ist die Situation nicht annähernd so schlimm wie Du befürchtest. Auch die Bank ist nicht die Gleiche! Die Dame ist unter dem Strich nur komplett überfordert. Das Unternehmen ist mir seit vielen Jahren bekannt und die Rechtsnachfolge trete ich NICHT an. Ich erwerbe nur aus der Konkursmasse den gesamten Kram.
Ich werde trotzdem einige Deiner Hinweise gut gebrauchen können, zumal ich auch schon z. T. gleiche Gedanken hatte. (Siehe hierzu meine neue Frage!)
Nochmals schönen Dank Matthias