Hallo,
Du glaubst doch hoffentlich nicht, daß das, was Du in den Filmen siehst, sich in Wirklichkeit so abgespielt hat? Das ist im wesentlichen die Phantasie des Regisseurs. Und das hat damit zu tun, daß man eigentlich gar nicht weiß, wie die Taktik zur Zeit der Ritter (also bis zum Beginn des 16.Jhds.) ausgesehen hat. Niemand hat damals Bücher geschrieben, die man heute als Regieanweisung nehmen könnte. Sei deshalb bei allem, was Dir jemand bei diesem Thema als Wahrheit verkaufen möchte, mißtrauisch!
Zum Thema Abrichten zum Töten bei Pferden: Das ist zum Teil richtig, war aber erst so, als im 17.Jhd. die Pferde nicht mehr gepanzert waren. Wenn Du einmal in die Hofreitschule nach Wien oder in die Königlich Andalusische Hofreitschule nach Spanien gehst und Dir die sog. Übungen der Hohen Schule ansiehst, dann kannst Du neben anderen eine ganz besondere Übung sehen: Die Kapriole. Das Pferd stellt sich auf die Hinterbeine, springt in die Luft und während es mit allen Vieren in der Luft schwebt, tritt es ruckartig nach hinten aus. Dann landet es wieder auf allen Vieren.
Das hat seinen Ursprung in der Kriegskunst, denn es gibt kaum etwas Wirkungsvolleres, als einem Gegner, der sich von hinten an einen Reiter heranmachen will, mit zwei beschlagenen Pferdehufen vor die Brust, oder noch brutaler, direkt ins Gesicht zu schlagen. Selbst bei einem Brusttreffer hat der Getroffene keine Chance mehr.
Bedenke aber: Auf dem Pferd sitzt der Reiter auf einem schweren hölzernen Sattel mit einer Art Lehne. Der Reiter hat schwere Stiefel an (die können durchaus 10 kg wiegen), eine schwere Uniform (etwa 8 kg), zwei Karabiner (je etwa 4,5 kg), zwei Pistolen (je etwa 2 kg), Degen oder Säbel (etwa 4,5 kg), das Pferd ist getrenst und trägt eine Kandare.
Allein wegen dieses Gewichtes macht ein Pferd eine Kapriole nicht sehr oft in einer Schlacht (heute wird diese Übrung höchstens mit einem kleinen Reiter auf einem leichten Sattel gemacht, das sieht aber immer noch beeindruckend aus).
Auch heute noch gibt es ja berittene Polizeistaffeln, und das nicht ohne Grund. Alleine durch ihre Statur sind diese Tiere schon respekteinflößend (zum Kriegsdienst hat man aber kleinere Rassen verwendet). Aber eigentlich sind diese Tiere äußerst brav. Jedes Pferd hat eine natürliche Scheu davor, kleinere Lebewesen niederzutrampeln. Selbst scheuende Pferde vor einer Kutsche kann man aufhalten, wenn man es schafft, sich direkt vor sie zu positionieren, die Arme waagerecht auszustrecken und beruhigend auf sie einzureden!
Man hat in früheren Zeiten niemals Hengste zum Kriegsdienst benutzt!
Warum? In einer Stutenherde ist immer irgendein Tier rossig. (Es gibt Stuten, die haben diesen Zustand alle zwei Wochen.) Wenn nun ein Hengst in der Nähe ist, dann wiehert er so laut (um die Stuten zu beeindrucken), daß z.B. ein unbemerktes Heranschleichen an den Feind vollkommen unmöglich ist! Ein Lagerplatz wäre über Meilen hinweg von Kundschaftern sofort auszumachen, denn gerade in der Nacht hört man das Wiehern der Hengste besonders gut.
Ist schon klar: viele Filme werden von Männern gemacht und viele Bücher von Männern geschrieben, da müssen es natürlich immer tolle Hengste sein, die die Hauptrolle spielen. Nur haben diese Männer meist nicht den leisesten Schimmer von Pferden (sag mal einem 16jährigen: „geh doch mal mit zum Reiten…“ und schau auf seine Reaktion!).
Also, laß Dich nicht für dumm verkaufen, es gibt viel Literatur zu diesem Thema (auch schon aus dem 17.Jhd.), aber das bedeutet lange Zeit und viel Geduld!
Heinrich
Heinrich