Hallo,
ich bin die 15 jährige tochter!
Hi Tochter,
off topic: was hältst Du davon, Dir einen eigenen Account bei Werweisswas zuzulegen? Daran muß man noch nicht sparen. 
seit einiger zeit ist meine freundin (14) sehr merkwürdig
drauf. sie hat viele probleme in der schule, zuhause sowieso
bei ihren freunden. dann hat sie mir erzählt es wäre alles so
scheiße, und sie wolle nicht mehr leben. es hätte alles keinen
sinn mehr, denn es läuft sowieso nicht so wie sie es gern
hätte!
Das liest sich so als ob Deine Freundin große Probleme hätte. Du bist (bestenfalls und das ist wertungsfrei gemeint) eine angehende Erwachsene und noch keine Erwachsene und verfügst ferner nicht über berufliche Kompetenzen hierin. Ich schätze Dein Engagement und freue mich, dass Du ihr helfen magst. Sicher kannst Du sie auf ihrem Weg unterstützend begleiten, ihr zuhören, Mut machen, sie so annehmen wie sie ist…
Doch was Du schreibst, gehört in die Hände eines Fachmanns / einer Fachfrau. Selbst Menschen die die Psyche und mögliche Krankeheiten an Körper, Geist und Seele jahrelang studiert haben, können nicht immer mit SSVlern arbeiten und leiten sie an Kollegen weiter. Sagen will ich damit, dass ich bei allem Respekt für die Unterstützung Deiner Freundin auch sehe, dass Du mit der Situation Gefahr läufst Dich zu überfordern.
Anbei hier mal ein Link zu den FAQ’s: bzw. zum Archiv: http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/faqs/faqindex.fp…
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/searcharch…
Hallo,
durch manche lieder bekommt sie selbstmordgedanken- auch
wollte sie diese sogar öfters in die tat umsetzen! ich habe
sie inzwischen soweit (durch viel reden) dass sie sowas nicht
macht.
Woher willst Du wissen, dass sie es doch nicht mal macht? Weil sie es gesagt hat? Was wenn sie es doch eines Tages tut?
aber heute kommt sie in die schule mit dicken handschuhen, und
als ich sie drauf anspreche, zeigt sie mir ihre hände- und was
ich sehe sind ganz viele, blutige schnitte auf ihren
handgelenken sowie in der nähe der pulsadern!!! sie hat sich
also geritzt!
Ja, das kann sehr berühren, traurig machen, vielleicht Dich auch wütend und ohnmächtig fühlen lassen, wenn ein Mensch nicht anders mit seinem Leid umgehen kann.
ich war so schockiert, dass ich sie nur entsetzt angestarrt
habe. vor zwei tagen hat sie mir nämlich noch erzählt, dass
dies kratzer von ihrer katze seien (was ich aber damals schon
nicht so ganz geglaubt habe).
Doch Du wolltest es ihr wohl gerne glauben, oder? Deshalb meine ich auch, bei all Deinen guten Absichten, Du allein kannst ihr nicht helfen.
ich habe auch manchmal so phasen, und weiss so ungefähr wie
sie sich fühlt (ausser dass mit dem ritzen), aber dass es bei
ihr so krass ist, verstehe ich nicht!
Jeder Mensch hat andere Erfahrungen im Hintergrund. Vielleicht hat sie Probleme im Elternhaus, vor denen Du verschont bist. Vielleicht kann sie einfach nicht anders / besser mit ihren Problemen umgehen.
ich habe auch versucht
zu erklären dass wir grad voll in der pubertät sind, doch sie
sagt, dass weiss sie- aber sie werde damit nicht fertig!
im unterricht passe ich schon gar nicht mehr auf, aus sorge
irgendein anzeichen bei ihr zu verpassen, dass darauf
hinweist, dass es ihr grade wieder voll schlecht geht.
Es ist nicht herzlos, wenn Du Dich erstmal um Dich selbst kümmerst. Zunächst ist es an Dir für Dich selbst zu sorgen, dass es Dir gut geht. Nur wenn Du das kannst, kannst Du ein Stück von Dir auch anderen abgeben. Was sollte es für einen Sinn machen, wenn Du dich auch in ein Netz von Problemen dadurch verwickeln läßt? Nur in dem Maß in dem Du für Dich selbst sorgen kannst, kannst Du ihr auch unterstüztend helfen. Es ist sicherlich nicht so wild, mal was in der Schule nicht mitzubekommen. Zur Not kannst Du es auch durch Mitschüler/-innen nachholen. Doch Du solltest damit achtsam umgehen, dass Du selbst nicht dadurch Probleme machst.
ihren eltern will sie von der sache nichts erzählen, aus angst
sie würden denken, dass sie vollkommen bescheuert ist!
Hmm. Wie wäre es, sie geht mal zu ihrem Hausarzt (sofern sie einen hat und ihm vertraut) oder zu einer Stelle (bei der Krankenkasse anfragen, im Internet nachschauen…), die Therapieformen bzw. Therapeuten durch nach Vorgesprächen empfehlen.
Wie würden ihre Eltern darauf reagieren, wenn sie sagt, sie möchte eine Therapie machen, sie braucht Hilfe? Würden sie dies unterstüzten oder die Probleme abtun und eine Therapie verhindern. Es könnte empfehlenswert sein, dass Du / Ihr einen Erwachsenen einschaltet, dem Ihr vertraut, jemanden den Ihr kennt, der als neutraler Vermittler fungieren kann.
ich bin
eigentlich die einzige die davon weiss, obwohl ich nicht ihre
beste freundin bin… (denn ihre beste freundin hat mal voll
angefangen zu lachen, als sie versucht hat ihr dies zu sagen)
bitte helft mir!! ich weiss nicht was ich machen soll. sie
sagt auch immer wieder sie sei ein psycho und sei vollkommen
krank- deswegen trau ich mich auch nicht ihr zu sagen, sie
solle mal in eine therapie gehen…
Du hast hier die Freude und Bürde eine Vertraute, eine Eingeweihte zu sein. Es tut sicherlich auch gut, jemanden helfen zu können, für jemanden da zu sein und dessen Vertrauen zu genießen. Und dennoch kannst Du nicht alle Hilfe leisten, die dieses (noch) Mädchen / junge Frau offenbar benötigt.
Gibt es an Eurer Schule eine Vertrauenslehrerin, einen Vertrauenslehrer und würdest Du dorthin mit Ihr oder erstmal allein hingehen mögen? Hat sie Internetzugang und magst Du ihr die in den FAQ’s stehenden Foren nennen? Es könnte ihr eine Stütze sein, Menschen mit ähnlichen Problemen und ähnlichem Verhalten kennenzulernen.
Du mußt was machen! Damit meine ich nicht unbedingt nur für sie, sondern auch für Dich selbst. Angenommen sie bringt sich doch um. Würdest Du Dir dann nicht Vorwürfe machen, auch wenn es gar nicht Deine Schuld ist, gar nicht Schuld sein kann?
Ihr selbstverletzendes Verhalten ist ihr Hilferuf, doch es ist nicht Deine Aufgabe oder Dir nicht möglich ihr alleinig zu helfen.
Es ist schwierig hier was zu empfehlen. Rede mit ihr und sprich auch über Dich und Deine Gefühle, Deine Ängste.
Sage ihr auch, was ihr Verhalten mit Dir macht, z.B. dass Du in der Schule nicht mehr so aufpaßt und Gefahr läufst, vielleicht mal notentechnisch abzusacken. Formuliere es gegebenenfalls so, dass sie Du ihr auch Deine Sicht, Deine Grenzen vermittelst, ohne ihr das Gefühl zu geben, dass sie Dir zuviel ist, dass Du sie zurückweist.
Sage ihr, wenn es stimmt, dass Du gerne für sie da bist, ihr helfen magst, aber dass Du kein Profi bist und deshalb sie darin unterstützen möchtest, jemanden zu finden der ihr professionell helfen kann. Vermutlich wird der Heilungsweg ohnedies ein längerer werden.
Aufgrund Deiner Erzählung möchte ich Dir kurz zwei Geschichten von SSVlerinnen erzählen. Eine junge Frau war mal in einer Klinik wegen Borderliner-Störung. Zu Hause hatte es diverse Formen von Mißbrauch gegeben. Zu ihrem Geburtstag bekam sie nichts von ihrer Familie, keinen Anruf, keinen Besuch oder Geschenk. Als sie entlassen werden sollte, schnitt sie sich die Pulsadern auf (machte einen Selbstmordversuch), nur um nicht wieder nach Hause zu müssen.
In einem anderen Forum wandte sich mal eine junge Frau in Deinem Alter an mich und erzählte mir von ihrem selbstverletzenden Verhalten. Wenn etwas geschah, das sie schmerzte, und sie diesen psychischen Schmerz nicht fühlen wollte / konnte, ritzte sie sich sehr stark. Und bei ihr war scheinbar einiges, das Leid verursachte, z.B. der Tod der Nichte. Oder sie erzählte, dass sie Zwillings-Schwestern gekannt hätte und dabei gewesen wäre, wie sich eine der beiden die Pulsadern aufgeschnitten habe. Ich wollte da aus diversen Gründen nicht zu sehr nachfragen. Wieso hat sie nicht mit erste Hilfe geleistet war eine Überlegung, wenn sie es hatte nicht verhindern können?
Sie thematisierte immer wieder diesen Suizid der Freundin. Ohne die genauen Hintergründe erfragt zu haben, schien ihr der Suizid äußerst extrem nahe zu gehen. Von daher bitte ich Dich auch Dich selbst zu schützen und einen Teil der selbst auferlegten Verantwortung in Form Deiner Hilfsangebote an einen Profi zu übergeben.
Es ist wichtig dass sie Vertrauen zu jemanden entwickeln lernt, der ihr auch tatsächlich helfen kann. Dazu gehört auch Dinge an- und auszusprechen in ihrer Therapie die ihr Angst machen. Wenn sie sich vom „Therapeuten“ unverstanden fühlt, meint er würde sich z.B. über sie belustigen oder sie nicht verstehen, so ist es an ihr zu lernen, das zu thematisieren. Und dies war nun ein klitzekleiner Teil vom Ganzen.
Es ist sicherlich gut, dass Du sie vom Suizid (erstmal) abgebracht hast. Doch Du hast keine Gewähr, dass sie es nicht doch mal macht. Vielleicht macht sie es nie, auch wenn Du nichts unternimmst. Doch es ist ein gewisses Risiko gegeben. Auch um Dich selbst vor seelischen Schaden zu schützen, wende Dich an jemanden mit ihr oder erstmal allein, der ihr weiterhelfen kann.
Ich weiß nicht wo Du wohnst, sonst würde ich mich bemühen Dir etwas herauszusuchen. Vielleicht kannst Du ihr helfen eine psychologische Einrichtung zu finden, in der sie durch ein Vorgespräch eine Therapieform und Therapeuten bzw. Therapeutin empfohlen bekommt. Vielleicht kannst Du sie begleiten ihren Arzt zu fragen oder erstmal Deinen. Vielleicht kann er jemanden vorort benennen, wohin sie sich wenden könnte? Eine Möglichkeit wäre wohl auch die Krankenkasse. Dort kann man sich Adressen geben lassen (Koordinationsstelle für Psychotherapie). Eine weitere Möglichkeit wäre mal die Seelsorge oder karitative Einrichtungen vorort anzurufen und die könnten Dir eventuell eine weiterhelfende Adressen geben. Ich weiß nicht inwieweit z.B. Einrichtungen wie „Pro Familia“ hier auch Adressen von Anlaufstellen für Therapie haben und ausgeben.
Helfe ihr, doch schütze auch Dich selbst. Sei Dir und ihr eine gute Freundin.
Alles Gute,
Romana
Liebe Grüße, und danke im voraus!