bei einer Betrachtung der röm.-dt. Kaiserliste von 800 bis 1806 fällt auf, dass sich kein Herrscher bei den antiken Vorbildern hinsichtlich des Namens bedient hat. Augustus war reiner Titel, etwas daneben mit Mehrer übersetzt; Caesar wird ebenfalls ein Titel, wird eben zu Kaiser, nun gut… Aber sonst?
ich könnte mir vorstellen das die Kaiser, nach Karl dem Großen,
sich mehr an ihm orientierten, als an den altrömischen Kaisern, weshalb sie sich auch nur den Vornamen gönnten und wenn sie einen entsprechenden Ahnen hatten, nur eine röm.Ziffer anhängten.
Otto Augustus oder Heinrich Caesar hört sich aber auch nich gut an. ; )
Interessante Frage, über die ich zum ersten Mal nachdenke.
Die Kaiser des Deutschen Reichs waren ja im Mittelalter nicht die Nachfolger der römischen Kaiser, sondern waren deutsche Könige, die zusätzlich (meist) die Würde der römischen Kaiser übertragen bekamen (mit der Verpflichtung, dem Papst beizustehen, also in Italien Herrschaftsrechte auszuüben; der Papst selbst unternahm ja alles, um die Herrschaft über Rom und seinen Kirchenstaat zu behalten).
Vom welchem der Königssöhne, Überleben mal vorausgesetzt, stand schon bei seiner Geburt fest, dass er einmal Kaiser werden würde? Das Reich war in erster Linie nicht Erb-, sondern (in germanischer Tradition) Wahlmonarchie. Die Taufe eines Kindes auf einen römischen Kaisernamen und damit der Anspruch auf die Königswahl und Kaiserkrönung wäre doch ein beispielloser Affront gewesen gegenüber dieser Wahltradition.
Und welcher Name wäre in Frage gekommen? Der erste wenigstens auf dem Sterbebett christlich gewordene Kaiser war Konstantin, und der steht in der Tradition des Reichs von Konstantinopel.
Bei der Namenswahl war die Stammes- und Familientradition der deutschen Dynastien verpflichtend (z. B. Otto, Heinrich, Konrad, Friedrich).
Gruß!
Hannes
mal ein ganz kurzer Abriss und ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Mit Chlodwig II wurden zunächst die Salfranken (populärer auch als Merowinger bekannt) führende Macht in Westeuropa und Schwertmacht Roms. Die hatten ihre eige Namenstradition und Namen wie Chlodwig, Dagobert, Childrich usw. wiederholen sich fleißig.
Ab 714 übernahm Karl Martell (Karl der Hammer) mehr oder weniger die Macht, ohne König zu sein. Er war eigentlich Hausmeier, d.h. sozusagen der Regierungschef der eigentlich merowingischen Könige. Nur die Merowinger gingen den Bach runter (lassen wir mal die Frage offen, iniweweit da die Kirche mithalf). Karl jedenfalls war aus dem Geschlecht der Arnulfinger und damit eng verbunden auch mit der Familie der Pippiniden. Das waren keine rein salfränkischen Häuser sondern eher schon Mixturen, die auch einen gehörigen Anteil germanischen Brauchtums enthielten. Wie damals üblich, hatte man natürlich keinen Nachnamen. Also bildete sich unter Karl Martells Nachfolgern so etwas wie die bisherige Familientradition als Namenstradition der deutschen Kaiser (denn mit Karl Martell begannen ja die Karolinger) heraus. Die wurde aber später im Rahmen einer Art von Kontinuitätspolitik auch von nachfolgenden Herrscherhäusern fortgeführt. Wir finden hier also eine lange Liste Karl (u.a. der Große), Otto, Ludwig, usw. Es wurden also Traditionsnamen bevorzugt, aber die waren eben nicht römisch sondern entstammten der Familientradition der Arnulfinger.
Gruß
Peter B.
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