Servus
es stimmt trotzdem nicht ganz.
Erstens hatte Caesar gar keinen Eroberungsauftrag - auch nicht
für Gallien. Den hat er sich selber erteilt und seine Legionen
hat er quasi „am Senat vorbei“ ausgehoben.
Nix dagegen zu sagen. Nur, als er sich mal - immer vom BG als Quelle ausgehend - in das Problem mit den Helvetiern „eingearbeitet“ hatte, dürfte dem gewieften Politiker Caesar klar geworden sein, dass er es eigentlich mit einem Ariovist-Problem zu tun hatte, das, wenn er nicht schnell was unternahm, größer werden würde. Ein zu mächtiger Ariovist hätte über kurz oder lang auch die römischen Interessen in Gallien beeinträchtigt, die ja schon vor Caesar bestanden (siehe die verschiedenen Freundschaftsverträge mit diversen gallischen Stämmen).
Caesar wollte sich eigentlich ganz klassisch mit Norditalien und der Narbonensis sanieren, aber die Gelegenheit konnte er sich nicht entgehen lassen. Um seinen Gegnern in Rom den Wind aus den Segeln zu nehmen (eben wegen des nicht erteilten Eroberungsauftrags), konstruierte er gleich die Gesamtheit der möglichen Gründe für einen „bellum iustum“, also zur vertraglichen Verpflichtung Bundesgenossen gegenüber und dem Schutz des römischen Volkes auch noch die Notwehr.
Und wieso sollte der Rhein als Grenze nicht ausreichen?
Imemrhin ist er ein recht großer Fluß und hat tatsächlich ja
ein paar Jahrhuinderte lang als Grenze gehalten. Was also
seoll da der Quatsch vom Land zwischen Rhein und Elde als
vorgeschobenes Territorium?
Weil der Rhein erst seit jüngster Zeit ein breiter, unüberwindlicher Strom ist. Bis ins Mittelalter hatte er immer wieder Stellen, an denen der Fluß so verzweigt war, dass sich Furten ergaben, die leicht überwindbar waren. Wie sonst wären die ganzen Völkerschaften während der Völkerwanderung oder die Alemannen, Markomannen und sonstigen Plünderer über Rhein und Donau ins römische Reich gekommen?
Denn wenn man so weiter macht,
kann man dann das Land zwischen Elbe und Oder noch besetzen,
um das gerade eroberte Land zwischen Rhein und Elbe zu
schützen.
Klar. Nur irgendwann gehen auch dem Römischen Reich die Legionen aus.
Und die Germanen hatten da natürlich was dagegen. Deshalb war
der Kampf von Arminius nicht weiter als der Abwehrkampf
eroberter Stämme um ihre Freiheit.
Ganz klares Nein. Du setzt ein neuzeitliches Freiheits- und Volksverständnis voraus. So ein germanischer Stamm, insbesondere in der Frühzeit, von der wir sprechen, das waren ein paar hundert Leutchen, die sich mit Begeisterung mit den Nachbarn bekriegten, um ein paar Kühe oder Frauen zu erbeuten.
Was stellst du dir in der augusteischen Zeit unter „Unfreiheit“ vor? Versklavung? Macht doch gar keinen Sinn! Um ein Land zu beherrschen brauchst du zumindest in der Anfangszeit auch immer Beherrschte, sonst verwildert dir das Land in kürzester Zeit und du kannst es zu gar nix mehr brauchen!
Mit denen waren die Römer
nämlich zusammengestoßen, genau so wie Caesar sich bei der
Verfolgung der eingedrungenen Germanen die bisherigen Grenzen
seiner Provinz ünerschritten und sozuusagen nebenbei dann
gleich die Bundesgenossen mit bekämpft und in die Sklaverei
verkauft hat, die ihn ursprünglich um Hilfe gebeten hatten.
CAesar hat nur Stämme versklavt, die ihn bekämpft hatten oder ein Treueversprechen gebrochen haben. Gut, nach dem Vercingetorix-Aufstand waren das fast alle gallischen Stämme, aber da hat Caesar auch Milde walten lassen - so viele Sklaven brauchte nicht einmal das Römische Reich! So ein Überangebot ist Gift für die Preise…
Ausserdem war Caesar froh, den Aufstand überhaupt überstanden zu haben, da musste er Mittel und Wege finden, die Gallier zu beruhigen und von der Wohltat römischer Herrschaft zu überzeugen. Zu weitgehende VErsklavung hätte doch nur zum nächsten Aufstand geführt. Caesar aber wollte endlich Ruhe in Gallien, um sich um seine Gegner in Rom kümmern zu können!
Und die Leere Germaniens ist doch da kein wiederepruch. Wie
war denn das mit Armimius? Er war Geisel in Rom bzw. in der
römischen Armee und damit Garant dafür, daß sein Stamm ruhig
blieb und Tribut zahlte.
Warum denn Tribut? Das war höchstens ein symbolischer Tribut. Der Austausch von Geiseln war in der Antike deshalb so beliebt, weil der Stamm, der Geiseln stellte, auf diese Art und Weise eine ideale Gelegeneheit zur Spionage hatte (die Geisel wurde ja extra in römischer Kultur und Waffentechnik geschult - Arminius hatte es ja schon bis zum Kommandeur in der römischen Armee gebracht), während der „Geiselnehmer“ die Garantie hatte, dass der Geiselsteller schön brav war - daher wählte man immer Söhne von Fürsten als Geiseln aus…
Da war keine heutige Infrasruktur
nötig - das Geld eintreiben erledigten die Stämme. Und die
saßen tatsächlich ziemlich verteilt auf weitem Raum im Wald.
Auch in Gallien übrigens - Caesar spricht ja selber davon.
Aber Caesar spricht auch von Städten in Gallien. Wenn die auch nicht alle so groß waren wie z.B. Manching, so waren es doch städtische Siedlungen - davon war in Germanien keine Spur!
Die heutige Kulturlandschft in ihrer Dichte entsoand in
Mitteleuropa erst im Mittelalter - davor war da nicht viel.
Auch die fränkischen und deutschen Könige zogen noch von Pfalz
zu Pfalz und jagten Wildschweine in den Wäldern, bis die
Gegend ausgejagd war und sie weiterziehen mußten.
Das hängt aber eher damit zusammen, dass damals noch die germanischen Grundstukturen durchschienen: Der König muss selbst anwesend sein und sein Ding durchsetzen, Krieg führen oder Recht sprechen, sonst fühlt sich keiner angesprochen. Als die europäischen Könige es mal geschafft hatten, dass sie ihre Stellvertreter schicken konnten und das, was die sagten, genauso galt als hätte es der König selbst gesagt, da zogen sich die Könige sehr schnell in feste Hauptstädte zurück!
der Handel kam eigentlich erst mit den
Römern. Es ist also mreine Spinnerei, die nebenbei auch durch
keine Funde belegt ist, wenn man einen regen Handel zwischen
den Stämmen annimmt.
Das betraf immer nur wenige Tauschgüter
von geringem Gewicht und hohen Wert und lief ohne
Berufshändler.
??Bernstein? Salz? Wie kamen die Erze aus den Alpen oder dem Harz nach Süden? Alltagsgüter wie Töpferwaren? Wie kamen die aus dem Römischen Reich nach Germanien? Nebenbei stellten die Germanen auch selber Töpfereien her, die sie verhandelten. Händler waren nebenbei gesagt sowas wie für uns die Zeitung. SO wenige konnte es also gar nicht geben!
Viel war da wrklich nicht zu holen. Wobei ja germanische
Sklaven und noch mehr Sklavinnen in Rom ja zeitweise recht
beliebt und entsprechend teuer waren - wegen ihrer blonden
Haare.
Die fielen aber hauptsächlich bei Kriegszügen ab - inngermanischen Kriegszüge, die häufig genug die Erbeutung von Sklaven als Hauptziel hatten. Die Sklaven verscherbelte man an die Römer weiter.
Aber ein wenig wird man sich schon davon versprochen
haben, auch finanziell, denn auch eine Elbgrenze hätte ja
letztlich die Entstehung von Garnisionen, Straßen und
Handelspunkten zur Folge gehabt, letztlich hätte sich das
Gebiet sicher genau so entwickelt wie der Teil westlich des
Rheines.
Das stimmt auch wieder, ist aber nur eine Folgeerscheinung, die die Römer „billigend in Kauf genommen“ haben. Wie viele Römer (bzw. Bewohner des Römischen Reiches), glaubst du, zogen freiwillig in die germanischen Wälder mit ihrem Regen und Nebel?
VG
Christian