Eherecht in Rom
Hallo Helena,
je nachdem, welche Eheform gewählt wurde, unterschieden sich die Möglichkeiten der Scheidung im römischen Recht.
Im frühen Rom sah das so aus:
Es gab drei Eheschließungs-Arten: coemptio, confarreatio und usus, bei denen aber immer die manus (d.h. die Vollgewalt)in die Hand des Bräutigam überging.
Die coemptio war ein symbolischer Verkauf der Braut, die confarreatio die rituelle Teilung eines aus Dinkel zubereiteten Kuchens und „usus“ bedeutete das eheähnliche Zusammenleben für ein Jahr.
Die Frau tauschte dabei immer die (rechtliche) Abhängigkeit gegenüber dem Vater als pater familias gegen die Abhängigkeit gegenüber ihrem Mann ein.
Die Scheidung solch einer manus-Ehe war selten und scheidungsberechtigt war ursprünglich nur der Mann. Wie die patria potestas war die manus eine Vollgewalt, die das Recht auf Leben und Tod einschloss.
Allerdings wurde schon ab dem 3. Jahrhundert vor Chr. die freie Ehe praktiziert. Hierbei blieb die Tochter in der potestas des Vaters. Wichtig dabei war, dass der Vater ohne Einwilligung der Tochter die Ehe scheiden konnte, um z.B. ein neues politisches Bündnis einzugehen. Sicherlich ist die Ablösung der manus-Ehe eine Erklärung für die instabilen Ehen in der späten Republik.
Hundertprozentig quellensicher kann ich deine Frage auch nicht beantworten, aus dem, was ich aber sonst über diese Zeit und das Eherecht weiß, gehe ich davon aus, dass
- die Willensbekundung des Mannes reichte (Frauen hatten keine Rechte in dieser Sache, mussten auch vor Gericht z.B. durch einen Vormund vertreten werden.)
- es eine Zeit war, in der relativ formlos und schnell geschieden wurde, da mittlerweile eine rechtlich lockere Form der Ehe praktiziert wurde.
Man darf aber nicht vergessen, dass Ehen damals nichts mit Liebesheiraten des 19. Jahrhunderts zu tun hatten, sondern politische Interessenverbindungen waren. Da in der Krise der römischen Republik sich das „Koalitionskarussel“ immer schneller drehte, wurden eben auch entsprechend wild Ehen geschlossen und geschieden, um die Bündnisse zu formieren. Ehen waren Instrumente des Prozesses beim Festigen und Formieren von politischen Beziehungen der Familien. So wurde ja z.B. die Allianz zwischen Caesar, Pompeius und Crassus dadurch besigelt, dass Pompeius Caesars Tochter Julia heiratete. Und ebenso schnell wurden Ehen gelöst, um neue Bündnisse einzugehen. So veranlasste Sulla Pompeius, den er an sich binden wollte, (zu einem früheren Zeitpunkt) sich von seiner Frau Antista scheiden zu lassen und stattdessen Sullas Stieftochter Aemilia zu heiraten, obwohl diese bereits mit Manius Gabrio verheiratet war und sogar ein Kind erwartete.
Viele Grüße,
barbara