Hallo,
in der Informatik gibt es den Begriff „rollback“ für die Möglichkeit Datenbanken zu einem bestimmten Zeitpunkt wiederherzustellen. In einem w-w-w Artikel habe ich jetzt die Verunglimpfung rollbacked anstatt rolled back gefunden.
Nach einer Suche im Internet habe ich auch noch rollbacking an Stelle von rolling back gelesen.
Erfinden nur Menschen mit Englisch als Zweitsprache solche Worte? Ich würde doch nie auf die Idee kommen _ge_zurück_t_rollen zu sagen.
Gruß
Christian
Solche Eindeutschungen …
… sind NICHT verboten. Erlaubt ist sowieso viel.
Aber bitte korrekt:
rollbackt - gegoogelt - gerippt - gescannt
Teutsch ist eine LEBENDE Sprache.
Nicht wie Latein oder Altgriechisch.
Deswegen schreibt man heutzutage auch „Deutsch“.
Gruß
Stefan
Servus Christian,
eine Verunglimpfung ist das nicht, übrigens.
Daß non-native speakers „kreativer“ mit einer Sprache umgehen, ist normal („Handy“).
Die Verwendung eines in eine Sprache hereingeliehenen Wortes mit der Grammatik dieser Sprache ist auch normal:
„Ich habe das Dokument eingescannt“ und nicht „Ich habe scanned das Dokument“. Oder „Kann man das nicht downloaden?“
Aber auch umgekehrt, aus einem (nicht ganz ernst gemeinten) Kochrezept für einen German chocolate cake: „First, you occupy der kitchen.“
Aus einem früheren Imperium, das ebenso sprachgewalt(tät)ig war wie das aktuelle, kennen wir heute im Deutschen z.B. „das Fenster“, obwohl das eigentlich „die fenestra“ heißen müsste. Auch „der Wein“ müsste „das vinum“ heißen, und „der Ziegel“ ist korrekt „das tegulum“.
Ist wie bei den Währungen: Starke Sprache verdrängt die schwächere, aber nicht restlos.
Schöne Grüße
MM
Hallo, Martin,
also werde ich weiterhin meine Rechner mit den downgeloadeten Dateien backuppen und (wenn ich nicht gerade „sichern“ sagen will).
Gruß
Eckard
Hallo Martin,
erst einmal Danke für Deine Antwort. Die Nennung von rollbacked und rollbacking war in englischen Fragestellungen (sowohl hier auf w-w-w, als auch im Internet), im D/E Mix hätte ich mich nicht gewundert 
Gruß
Christian
Servus Eckard,
„backuppen“ ist schön. Klingt wie ein heftiger Schluckauf in Verbindung mit Backerbsensuppe.
Ich will keineswegs jedes beliebige Verbiegen von Sprache „gut heißen“ - bloß feststellen, wie wenig man daran drehen kann. Klar ists sinnvoll, erstmal ein wenig drüber nachzudenken, obs nicht doch schon einen eigenen Begriff gibt, so daß der neue nicht gebraucht wird. Andererseits ist das was neu und zuerst eigentlich falsch oder wenigstens hässlich klingt, auf kurz oder lang nicht mehr ungewohnt (vgl. die „Nietenhosen“, die nur bei denen auf Dauer so genannt wurde, die sie nicht mochten).
In diesem Zusammenhang find ich ein Exempel aus der Frankophonie ganz interessant: Im Mutterland gabs ja vor allem in den 1980-1990er Jahren ein sogar per Gesetz unterfüttertes Bestreben nach Reinhaltung der Sprache von Anglizismen. Dennoch wurde die aufkommende Elektropost dort als „le mail“ (so verquer ausgesprochen, daß viele Nutzer glaubten, es gehe um ein frz. Wort „melle“) bezeichnet. Die nicht gesetzlich zum Sprachhüten verdonnerten Quebecois haben dann als erste den sehr schön und nicht artifiziell gebildeten Begriff „courriel“ benutzt, der inzwischen auch im Mutterland normal ist. Mittlerweile mitsamt der ebenfalls eleganten Ableitung „pourriel“ für Spam: Gelungene Bildung von neuen Begriffen für neue Gegenstände in der eigenen Sprache. Die deutsche „Elektropost“ wird sich wohl nicht so durchsetzen können, obwohl nichts dagegen spräche.
Moral: Man kanns nicht verzwingen - wo es aber zuwanderndes Vokabular gibt, geht dieses seine eigenen Wege. Um zum Ausgangsbeitrag zurückzukommen: Ungefähr so interessant wie die Entwicklung des US-Englisch ist derzeit, finde ich, die Entwicklung einer Art von internationalem Kommunikations-Pidgin, welches sich sowohl vom Englischen als auch von den Sprachen wie Deutsch, Spanisch etc. entfernt, die allesamt dran drehen: Ich glaube, daraus wird eine neue, von US- und UK-Englisch unabhängige Form des Englischen werden.
Schöne Grüße
MM
Hallo,
Gruß
Christian
Das Substantiv rollback gibt es laut Webster schon seit 70 Jahren.
the act of changing a situation to what it was before
Spencer from Oxford
Servus FJ,
das steht außer Frage, und als Kinder des kalten Krieges kennen wir den Begriff ja auch. Nun ist dieser aus dem Verb „to roll back“ substantiviert, und die Frage dreht sich um das aus diesem substantivierten Verb zurück-abgeleitete Verb, welches anstelle des originären Verbs verwendet wird.
Ungefähr analog im Deutschen: Mein Bruder begann nach einigen Jahren in Andalusien und anschließend in der Dominikanischen Republik im Deutschen (seiner Muttersprache) im berühmten siebten Jahr ein wenig unsicher zu werden, und fragte am Bahnschalter, als er zu Besuch in D war und einen besonderen Tarif haben wollte, den es nur für Nichtresidente gibt: „Welche Dokumente brauchen Sie dafür, daß ich mich in den letzten Jahren nicht in Deutschland geaufenthaltet habe?“ Die Frau am Schalter meinte schmunzelnd: „Danke, das genügt schon…“
Von „sich aufhalten“ unregelmäßig substantiviert „der Aufenthalt“ und von diesem zurück abgeleitet das Verb „sich aufenthalten“, das es natürlich nicht gibt, aber das ungefähr so gebaut ist wie „rollbacking“.
Soviel zur vorliegenden Fragestellung
MM
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