hallo zusammen,
bin auch nicht hundertprozentig bewandert… trotzdem einige gedanken dazu:
Der
Schlusspunkt war die „Bill of Rights“. Allerdings hatte der
König bzw. die Königin auch danach noch eine ziemlich starke
Rolle, gefühlsmäßig würde ich sagen, bis etwa zum Ende des
ersten Weltkrieges. In den anderen europäischen Staaten
(Deutschland, Österreich-Ungarn, Russland) sorgten
Revoulutionen bzw. Umstürze zu dieser Zeit für eine deutliche
Zäsur. Verglichen dazu verläuft die britische Geschichte seit
Ende des 17. Jahrhunderts soviel ich weiß recht
kontinuierlich.
Da hast du schon recht, seit der Glorious Revolution haben keine großen Umbrüche / Angriffe gegen die Monarchie mehr stattgefunden. Die Bedeutung der Glorious Revolution und vor allem auch des vorangegangenen Bürgerkriegs sollte man, glaub ich allerdings, nicht unterschätzen: besonders die Zeit des Commonwealth of England, während der die Monarchie 1649-60 für gute zehn Jahre abgeschafft war.
Vielleicht ist tatsächlich das Fehlen der Verfassung ein
Schlüssel zum Verständnis: Wo nichts fest geschrieben ist,
muss auch nichts umgestoßen werden, um es zu verändern.
Wenn Englands Verfassung nun doch so sehr auf Tradition gründet, dann war der englische Bürgerkrieg und das Protektorat ein enormer Bruch mit dem Überlieferten… wenn das kein „Umstoß“ war?!
Ich frage mich viel mehr ob es nicht vielleicht ein Zeichen der Stärke des Parlaments im 18. und 19. Jh. ist, dass die quasi-Entmachtung der Monarchie so unblutig/-kriegerisch verlaufen konnte (vor allem wohl während der Regierungszeit von Victoria I.).
Frankreich, als ein Beispiel, hat dagegen einen verlorenen Krieg gebraucht um sich endgültig seiner Monarchen und ihrer absolutistischen Bestrebungen zu „entledigen“ (1870/71)… ein bisschen salopp ausgedrückt. Aber das ist denke ich der springende Punkt: nach dem Bürgerkrieg und der „Bill of Rights“ hat kein britischer Monarch mehr auch nur ansatzweise absolute Macht ausgeübt oder angestrebt. Im Gegenteil, das Parlament war stark genug Stück für Stück auch die übriggebliebenen Rechte des Monarchen an sich zu ziehen.
Wie das exakt von statten ging, da würde es sich wohl wirklich lohnen sich die Regierungszeit Victorias genauer anzuschauen… sie hat zwar immer oder lange Zeit versucht politische Macht auszuüben, ist jedoch zunehmend in den Hintergrund gedrängt worden und meines Wissens geht „the right to be consulted, the right to advise, and the right to warn“ auf ihre Zeit zurück.
Wie es nun heute um die Monarchie steht, weiß ich nicht… da müsst ich mal meine Omi fragen, die kennt sich bestens aus *g*.
Grüße von Kati
Hallo Hardey,
Erstmal vielen Dank für die Antwort.
De facto hat die Königin heute das Recht, informiert zu
werden, gehört zu werden, zu raten und zu warnen. Theoretisch
hat sie z.B. das Recht nicht verloren, Parlamente aufzulösen,
doch das wäre wider das Gewohnheitsrecht; ob sie tatsächlich
in der Lage dazu wäre, ist fraglich.
Interessant. Das hört sich so an, als wäre die Macht der Krone
etwas ziemlich Abstraktes. Erst wenn die Königin ihre Macht
einsetzen würde, fände man heraus, ob sie diese Macht
tatsächlich hat. Habe ich das so richtig verstanden?
Es war ein Prozess, der sich über Jahrhunderte, mal schneller
mal langsamer vollzog. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist die
„Glorious Revlolution“ Ende des 17. Jahrhunderts.
Das habe ich - zumindest bei Wikipedia - nachgelesen. Der
Schlusspunkt war die „Bill of Rights“. Allerdings hatte der
König bzw. die Königin auch danach noch eine ziemlich starke
Rolle, gefühlsmäßig würde ich sagen, bis etwa zum Ende des
ersten Weltkrieges. In den anderen europäischen Staaten
(Deutschland, Österreich-Ungarn, Russland) sorgten
Revoulutionen bzw. Umstürze zu dieser Zeit für eine deutliche
Zäsur. Verglichen dazu verläuft die britische Geschichte seit
Ende des 17. Jahrhunderts soviel ich weiß recht
kontinuierlich. Das ist der Grund meiner Frage. Obwohl es
keine erkennbaren Revolutionen gab, ist Großbritannien heute
ein moderner Staat, in dem nur noch wenige Anachronismen an
das 17. Jahrhundert erinnern.
Vielleicht gibt es ja noch weitere Antworten.
Gruß, Michael