Guy Rachet
Hallo Harry,
einen Überblick über Romane, die mit Alt-Ägypten zu tun haben, findest Du hier: http://www.selket.de/literatur.htm
Ansonsten ist es immer so eine Sache, den Literaturbegriff eines anderen zu treffen. Ein analoges Buch zu Sinuhe wirst Du eher nicht finden, da mir aus dem Stand kein anderer Roman geläufig wäre, der auf einer ägyptischen Sage beruht (obwohl es da schon noch einiges gäbe). Zudem macht die Sprache selbst schon einen gewissen Reiz aus.
In Bezug auf den Sprachstil würde ich Dir auf jeden Fall zum Fünfbänder von Guy Rachet raten, der ganz reizend und fast etwas antiquiert anmutend geschrieben ist. Zusätzlich angenehm ist, daß die Handlung im Alten Reich (komplette 4. Dynastie) stattfindet und sich damit von der Flut der Neuen-Reich-Romane abhebt. Rachet hat aus ganz wenigen Fakten (Stammbaum, Pyramiden) und dem Mythos von Djedefhor (ein Sohn von Cheops) als einem großen Weisen eine zauberhafte Geschichte geschrieben.
Grundsätzlich sind aber auch die erwähnten Jacq (hier eher die älteren Bücher) und Wassermann gut zu lesen, ich würde noch auf jeden Fall Pauline Gedge und auch Brigitte Riebe hinzufügen. Philipp Vandenberg eher nicht.
Zu bedenken ist immer, daß die Autoren sich mehr (Tips oben) oder weniger Mühe geben, die Fakten zu recherchieren und daraus einen historischen Roman zu basteln; deshalb ist auch das Neue Reich so beliebt, da es hier die meisten Erkenntnisse/Funde gibt und die üblichen Verdächtigen wie Ramses, Echnaton und Nofretete auch der breiten Masse (Stichwort Verkaufsaussichten) bekannt sind. Irgendwie verselbständigen sich dann die Klischees und die Handlungen ähneln sich in frappiender Weise, als ob - überspitzt ausgedrückt - ihr Leben medial so ausgeleuchtet wäre wie das von Lady Di.
Blöd ist dann, wenn man dann nach zig Hatschepsut-Romanen eine seit 1903 bekannte Mumie ihr zuordnen kann und sich rausstellt, daß sie nicht wie üblich propagiert über die Senenmut-Affäre tödlich gestolpert ist, sondern vermutlich an Diabetes oder Leberkrebs starb.
Daher sollte man die Romane nicht zu ernst nehmen (obwohl Pseudo-Sachbücher wie der angebliche Tutenchamun-Mord von Bob Brier wesentlich ärgerlicher sind, weil sie Wissenschaft vorgaukeln). Daher schätze ich es auch sehr, wenn ein Roman ein Vor-/Nachwort enthält, wo Fakten und Fiktion genannt sind. Was m. E. in jeden gut sortierten Bücherschrank gehört, ist das Lexikon der Pharaonen von Thomas Schneider (ΙSBN 3491960533), das zum Erscheinungszeitpunkt alle verfügbaren Infos zu den altägyptischen Herrschern auflistet. Für sagenhafte 14,90 € kein Schnäppchen, sondern ein Schnapp. Ich mache es gern so, daß ich nach dem Lesen eines Romans über eine/n Herrscher/in dort nochmal nachblättere und das Buch dann besser einordnen kann.
Viel Spaß beim Schmökern,
mowei