Romanische Sprachen parallel lernen?

Hallo zusammen!

Ich bitte um Hilfe zu folgender Fragestellung:

Ausgangsvoraussetzungen

  1. Rudimentäre Latein- und ausbaufähige Italienischkenntnisse vorhanden.
  2. Bin alles andere als ein „Sprachgenie“ - das Erlernen fremder Sprachen fällt mir eher schwer - aber überzeugt von der Notwendigkeit, um bereiste Länder besser zu erschließen.

Zielsetzung
Möchte mir sowohl die spanische wie auch die portugiesische Sprache aneignen.
Aufgrund meiner Reisepläne sollte beides halbwegs gleichzeitig geschehen, nebst einer Verbesserung der vorhandenen Italienischkenntnisse.

Problematik
Sehe das Hauptproblem darin, bedingt durch die Ähnlichkeit der drei Sprachen in ein „sprachliches Chaos“ zu geraten.

Frage
Gibt es Techniken, Erfahrungsberichte, Tips und Tricks, die das parallele Erlernen romanischer Sprachen erleichtern?

Danke schon einmal im voraus.

Gruß, Hartmann.

Romanische Sprachen parallel lernen?
Hallo, Hartmann!

Ich war ein ähnliches Problem am haben:
Auf der „Basis“ von Schul-Französisch und Reisen nach Frankreich aufbauend Stammkneipe mit hs Spanisch-Sprachlern, vor ca 30 Jahren; zuhause spanisch gebüffelt, am Tresen angewandt.
Dann später Vorliebe zu Italienisch entwickelt, und zunächachst „alles Spanisch“ „vergessen“.
Beispiel: comer´ - mangiare´.
Dann begann ich damit anzufangen, dies als Muster des Unterschieds zu nehmen, und sogar besser in beide Sprachen „einzusteigen“ („zu Tisch zu sein“).
Im konkreten Situation verwechsele ich natürlich immer noch ein wenig, aber immer weniger.
Vielleicht hilft das: bei jedem Wort/jeder Wendung gleich b e i d e „Versionen“ hervorzuheben/sich zu merken?
Das verlangsamt natürlich aber möglicherweise den Gesamt-Lernprozeß.
Oder es gelingt einem, seine eigene Kapazität zu erweitern.
Das Gehirn soll ja sowieso nur zu schlagmichtot ausgenutzt sein (~10%???).
Und was macht es, wenn man (immer) noch im täglichen Gebrauch die Sprachen durcheinanderbringt?
Die „Eingeborenen“ werden hilöfreich „korrigierend zur Stelle sein“!!! (und lernen dabei vielleicht selbst noch dazu)

Salute,
moin, manni

Der sich inzwischen froit, daß er Polnisch und Russisch „unterscheiden“ könmnen tut.
Do widzenja/swidanje

Hallo, Hartmann,

es ist in der Tat etwas schwer, 2 Sprachen (nicht nur aus der gleichen Familie) gleichzeitig zu lernen, ABER! Ich habe beim guten Französich sehr intensiv Italienisch gelernt. Trotz des Vorsprungs habe ich die beiden Sprachen im Unterricht schon mal gemischt. Eine nette Lehrerin erklärte mir aber, daß dies die normalste Sache der Welt ist, machte mir Mut indem sie sagte, daß dies zwar vorkommen wird, aber in Italien werde ich sicherlich nie französische Wörter benutzen und in Frankreich nie die italienischen. So ist es in der Tat. Wenn Du Dich darauf einstellst, wird es einfacher:smile:

Besondere Tips habe ich leider nicht. Außer der Selbstverständlichkeit, daß man so früh wie möglich mit der Sprache direkt zu tun haben sollte. Also TV gucken, Zeitschriften blätter, sich vielleicht im Netz einen Mailfreund suchen.

Mir persönlich hat Latein auch beim Erwerb der Sprachen nicht geholfen. Klar, gewisse Sachen lassen sich ableiten, aber ob es eine Hilfe in der Praxis ist?

Ich wünsche Dir viel Erfolg und nicht verzweifeln:smile:

Gruß

Marta

Hallo Hartmann!

Frage
Gibt es Techniken, Erfahrungsberichte, Tips und Tricks, die
das parallele Erlernen romanischer Sprachen erleichtern?

Ich denke, wenn du wirklich ganz parallel anfängst, solltest du versuchen möglichst viele Unterschiede zu entdecken. Am besten selber (weil man es sich dann besser merkt), ansonsten fragen oder irgendwo nachschlagen.
Was Spanisch und Portugiesisch (Europäisches oder Brasilianisches?) angeht, so sind die Unterschiede in der Aussprache schon merkbar, insbesondere das Europäische Portugiesisch klingt nun wirklich deutlich anders als Spanisch. Ansonsten solltest du, auch wenn du Reisen willst, vielleicht die Sprachen erstmal nur schriftlich anwenden, da man mehr Zeit zum Überlegen hat. Z.B. habe ich nach dem ich ein bisschen Spanisch gelernt hatte, Italienisch lernen wollen. Der Kurs (AG in der Schule) konzentrierte sich sehr aufs Sprechen und wenn ich „e“ sagen wollte, kam bei mir immer das Spanische „y“ raus. Andererseits habe ich diese Probleme, wenn ich Portugiesisch oder Katalanisch (was ich mittlerweile zusätzlich lerne) nicht, da ich länger überlegen kann. Und nach einer gewissen Zeit fühlt man sich dann schon etwas sicherer. Vielleicht wäre es deswegen auch ganz gut erstmal mit der einen Sprache anzufangen und später mit der 2. zu beginnen. Dann kann man die Vorteile (Kenntnis der 1. Sprache) nutzen, wird aber auch schon von alleine die Unterschiede merken. Dieser Effekt tritt bei mir beim Katalanischen auf. Viele Wörter erinnern mich ans Spanische (oder ans Französische, was plötzlich beim Spanisch-Unterricht wieder bei mir auftauchte), aber die Unterschiede merke ich schon einigermaßen.
Es gibt einen Online-Kurs für Portugiesisch, der auch auf die Unterschiede zum Spanischen eingeht: http://alfarrabio.um.geira.pt/spl/rules.html
Ansonsten wirklich beim Portugiesischen auf die Nasale in geschriebener Form auf die entsprechenden Zeichen achten.

MfG,
Car

Der sich inzwischen froit, daß er Polnisch und Russisch
„unterscheiden“ könmnen tut.
Do widzenja/swidanje

Eigentlich „doswidanija“

selbst die Profis verhaspeln sich mal…
Hallo Leute,

habe vor eingen Jahren mal einen Vortrag einer Sprachwissenschaflterin auf Italienisch gehört. (Kurz zu ihrem Hintergrund: Sie unterrichtet auf dem Gymnasium Franz., Ital.& Latein bis zum Abitur, sollte es eigentlich „drauf haben“)

Sie ist dann in ihrem Vortrag über folgende Verwechslung gestolpert:

Franz. - Ital.
On verra - si vedrà (man wird sehen)
on viendra - si verrà (man wird kommen)

die beiden Paare ähneln sich also fieserweise (diagonal), wie man sieht!

Sie wollte also auf Ital. etwa sagen: „Nun, man wird sehen!“
Und kam nur bis „si verra…“ (Verwechslung mit Franz.)
Aber scheinbar kannte sie die Falle schon, wiederholte und setzte geschickt fort mit:„Sì! Verrà il momento in cui vediamo…“

Also auch die Profis verwechseln die Wörterbücher…

Ciao, JS

Trotz des

Vorsprungs habe ich die beiden Sprachen im Unterricht schon
mal gemischt. Eine nette Lehrerin erklärte mir aber, daß dies
die normalste Sache der Welt ist, machte mir Mut indem sie
sagte, daß dies zwar vorkommen wird, aber in Italien werde ich
sicherlich nie französische Wörter benutzen und in Frankreich
nie die italienischen. So ist es in der Tat. Wenn Du Dich
darauf einstellst, wird es einfacher:smile:

ooops
Ooops! „On vera“ nur mit einem r… Tja, so schnell kann’s gehen…

Da, Ja!
i spassiba, towarischtsch!

manni

Mit 2 ‚r‘ doch!
Hallo, Joachim,

„on verra“ ist doch richtig:smile:

Gruß

Marta

Hallo Hartmann!

So ein Problem hatte ich damals als ich (sogar als Kind) anfing Englisch und Französisch zu lernen: Englisch wollte ich lernen; Französisch gabs in der Schule. Und obwohl nicht beide Sprachen aus dem Lateinischen stammen, tat ich mir herzlich schwer, sie auseinander zu halten, vorallem was Satzbau und Wortschatz anbelangt. Dazu könnte ich noch heute ein paar Witze erzählen… ;o)

Meine Muttersprachen sind Spanisch und Katalanisch.

Jedenfalls, als Tipp könnte ich Dir nur sagen, daß ich an Deiner Stelle nicht zeitgleich und gleich intensiv mit den 2 „völlig neuen“ Sprachen anfangen würde. Wenn ich vor so einer Frage stünde, würde ich mich erst ein bißchen in einer von diesen Sprachen vertiefen und erst wenn ich in der Lage bin ein paar Sätzen selbst zu bauen und einen einfachen Text zu verstehen, würde ich mit der 2. anfangen.

Ob dir Deine Lateinkenntnissen hilfreich sind, kann ich aus meiner perspektive (muttersprachlerin einer lateinischen sprache) leider nicht sagen… Mir waren sie sicherlich nicht.

Jedenfalls wünsche ich Dir viel Erfolg und vorallem Ausdauer beim Lernen!

Alles gute und schöne Grüße!
Saludos!
Helena

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Herzlichen Dank …
… für die zahlreichen Tips an alle!

Ich denke ich werde den scheinbaren Widerspruch zwischen den Tips von Car und Dilda auf der einen und der Empfehlung von Helena auf der anderen Seite auflösen:

Aufbauend auf den vorhandenen Italienischkenntnissen und diese vertiefend, scheint es mir sinnvoll, zunächst die zuerst benötigte Sprache (europ. portugiesisch) intensiv und die zeitferner benötigte Sprache (amerik. spanisch) weniger intensiv aber doch parallel anzugehen und dabei bewußt die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu erarbeiten.

@ Dilda
:wink: Das mit dem Tresen scheint mir eine gute Idee: kommt meiner Mentalität entgegen und hat mir in einer vergleichbaren Situation vor Jahren im „Circolo Sportivo“ wie im „Cafe dello Sport“ beim Betrachten der sonntäglichen Übertragungen der Spiele der Serie A und den damit verbundenen Diskussionen auch sehr geholfen :smile:

Gruß, Hartmann.