Liebe Frankreichexperten,
ich suche für meine Schwester zum Geburtstag eine romantische Aktivität in Paris und Umgebung (muss ohne Auto erreichbar sein).
Kurze Hintergrunderklärung: sie besucht über ihren Geburstag im Februar ihren Freund in Paris. Ich möchte ihr jetzt dafür eine schöne Aktivität schenken, z.B. eine Übernachtung in einem romantischen Hotel oder einen tollen Ausflug, … Wichtige Anmerkung: sie hat zwei Jahre in Paris gelebt, die bekannten Attraktionen hat sie alle schon besichtigt.
Kennt ihr da vielleicht etwas? Hat jemand evtl. einen schönen Vorschlag
Vielen Dank und viele Grüße
Andrea
Servus Andrea,
wie viel Romantik da im Spiel ist, weiß ich nicht - bissel Definitions- und Ansichtssache auch. Aber hier ein Ausflug, den wir beim letzten Besuch in Paris gemacht haben, und der unseren Pariser Freunden (die teilweise seit zwanzig und mehr Jahren da wohnen) bloß als „auch etwas, das man mal machen könnte“ gewärtig war. Bloß noch mit einer oder zwei Nächtigungen ausgebaut…
Milly-la-Forêt (Essonne) liegt fußläufig bloß ein paar Kilometer von einer RER-Linie weg, aber ist bereits tiefste klassische französische Provinz. Die beiden Hotels in Milly, Au Colombier und Le Cygne, machen von außen beide einen recht scharmanten und gediegenen Eindruck, und der Clou wird dann ein Sonntagsspaziergang in den Wald von Milly, wo man die Monumentalplastik „Le Cyclope“ von Jean Tinguely erst erblickt, wenn man ein paar Schritte davor steht. Das Erlebnis ist gewaltig. Problematisch allerdings, dass der Cyclope (er ist im Inneren begehbar und sein Innenleben ist fast wichtiger als das Äußere, in einem Kabinett im Herzen der Plastik steht man unversehens vor der programmatischen Parole „Ni dieu ni mètre“ (sic!)) nur in der Sommersaison regelmäßig zugänglich ist. Vielleicht hilft jemand beim Syndicat d’Initiative?
Wenn man das Radel einpackt (im RER generell zugelassen), ist der benachbarte Forêt de Fontainebleau mit seinen Felslandschaften im Winter durchaus einen Abstecher wert (Karte 1:25.000 beim IGN besorgen), auch Fontainebleau selber mit Schloss kann man dazunehmen.
Zweiter Ausflug an einen Ort, den unsre Pariser eher vom Namen her kennen (und in der Touri-Saison mit Recht lieber meiden): Monets Garten in Giverny. Meines Wissens (aber vorher verifizieren!) ganzjährig zugänglich. Nicht bloß der Garten selbst ist (abgesehen von der Zeit Mai bis September) ein schöner Ort, sondern der ganze Talabschnitt. Am besten das Radel einpacken und von/bis Mantes-La-Jolie per Eisenbahn, dann ist man vor Ort beweglich; Vorsicht - es gibt nur ganz wenige Züge nach M-l-J, die Fahrräder mitnehmen. Hilfreich zum Umgehen der Hauptstraßen auch hier die 1:50.000 vom IGN.
Dritter und gar kein Geheimtip, aber auch schon so weit extra muros liegend, dass das was Besonderes sein könnte: Sonntagabend in einer Guingette in Marne-la-Vallée oder Nachbarorten. Auch hier vorher feststellen (z.B. Pariscope), wo überhaupt Winterbetrieb ist, und welche grade en vogue sind (wechselt rasch), um diese dann zu meiden…
Schöne Grüße
MM
Hallo Martin,
vielen Dank schon mal für die Tips.
Milly-la-Forêt (Essonne)
klingt interessant, vor allem weil sie auch ein Fan von Jean Tinguely ist.
Forêt de Fontainebleau und Monets Garten in Giverny
hat sie leider schon gesehen (und ich durfte schon die Fotos bewundern).
Nun habe ich aber eine Frage: was ist eine Guingette? Davon habe ich noch nicht gehört, vielleicht wäre das ja was, ob die offen haben kann ich dann rausfinden lassen. (Marne-la-Vallée wäre auch ganz passend, weil sie fast dort wohnt)
Vielen Dank und viele Grüße
Andrea
Hallo Andrea,
dieses ist jetzt die um das entscheidende zweite u korrigierte Version - mit dem deutsch verstümmelten „Guingette“ kann man natürlich nichts anfangen:
Hierzu
Nun habe ich aber eine Frage: was ist eine Guingette?
ein Artikelchen mit einschlägigen Adressen:
http://www.cg94.fr/ou_sortir/ou_sortir_guingp.htm
Die Guinguettes waren die Zentren der Vorstadtkultur für den Sonntagnachmittag/-abend der „kleinen Leute“. Es gab sie nicht bloß vor Paris, sondern überall, wo sich eine städtische Kultur von Arbeitern und Kleinbürgern entwickeln konnte.
Dazu gehört außer der im Gegensatz zu den bürgerlichen Etablissements viel freieren Etikette vor allem das Akkordeon, Musette und Java. Nicht zu verwechseln mit dem grässlich verstümmelten Zeug, mit dem heute alle möglichen Leute harmlose Metro-Passagiere quälen, bis sie ihnen ein paar Cent geben, damit sie aufhören…
Im Rahmen der „Retro“-Mode der zurückliegenden 15 Jahre haben die Guinguettes von Joinville und Marne-la-Vallée eine ziemliche Renaissance erlebt, die aber wie bei allen Moden und Mödelein mit Vorsicht zu genießen ist. Andererseits sind keine bedeutenden Vermögenswerte im Spiel, so dass man gut auch schauen gehen kann, wos einem gefällt. Problematisch dürfte eher die Jahreszeit sein, weil zur Guinguette zwar auch ein Saal gehört, aber vor allem die Tanzvergnügung im Freien bei Sommerbetrieb.
– Wegen Milly: Der RER-Halt ist an der Linie D4 Richtung Malesherbes, bin nicht mehr sicher, ob Boutigny oder Maisse näher dran liegt. Die damals extra für den Ausflug erstandene Wanderkarte haben wir unseren Gastgebern dagelassen, die sie mehr und öfter benutzen können.
Schöne Grüße
MM
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