ROMS 'Eroberungs-Philosophie'

Im Jahre 167 war Rom die unangefochtene Herrscherin der Mittelmeerwelt. Stand 50 Jahre zuvor die Republik vor dem Untergang? Oder ist das übertrieben? Weil die vielen Kriege zw. Karthago und Rom wechselten ja stets die Sieger:

218 v. Chr., Gefecht am Ticinus (Italien), Karthago besiegt Rom
218 v. Chr., Schlacht an der Trebia (Italien), Karthago besiegt Rom
217 v. Chr., Schlacht am Trasimenischen See (Italien), Karthago besiegt Rom
216 v. Chr., 2. August, Schlacht von Cannae (Italien), Karthago besiegt Rom vernichtend
215 v. Chr., Schlacht von Ibera (Spanien), Römer besiegen Karthager
212 v. Chr., Schlacht von Castulo (Spanien), Karthager besiegen Römer
212 v. Chr., Schlacht von Ilorci (Spanien), Karthager besiegen Römer
208 v. Chr., Schlacht bei Baecula (Spanien), Rom besiegt Karthago
207 v. Chr., Schlacht am Metaurus (Oberitalien), Römer besiegen Karthager
206 v. Chr., Schlacht von Ilipa (Spanien), Römer besiegen Karthager
202 v. Chr., Schlacht von Zama (Nordafrika), Rom besiegt Karthago

Aufstieg Roms (vom Hannibalkrieg,ab 220 v.Chr.bis
zur absoluten Hegemoniemacht 146 v.Chr… was sind hier
Erklärungsansätze?

Ein extremer Eroberungswille eines aggressiven Roms
oder
wird die Vorherrschaft Roms auf Kriege zurückgeführt, die Rom zur „Selbstverteidigung“ aufgedrängt worden seien(siehe auch Ciceros „gerechter Krieg“, De republica: §§ 34-35)

Welchen Charakter hatte die Hegemonie Roms bis
168 v.Chr. und wie veränderte sich dieser Charakter?

Klingt nach Hausarbeit? (und „paste & copy“) :wink:
Dennoch ein paar Ideen…

Weil die vielen Kriege
zw. Karthago und Rom wechselten ja stets die Sieger

Da sollte man aber schon zwischen Schlachten und Kriegen
unterscheiden…

Aufstieg Roms (vom Hannibalkrieg,ab 220 v.Chr.bis
zur absoluten Hegemoniemacht 146 v.Chr… was sind hier
Erklärungsansätze?

Wegfall sämtlicher Konkurrenten im Mittelmeer:

  • Karthago im Westen
  • Makedonien, Seleukiden im östlichen Mittelmeer

Wirtschaftlicher „Boom“ durch Kriegsbeute (Materielle Beute und
Sklaven) -> führte aber in der Folge gleichzeitig zur Verarmung der
freien Bauern, weil die Latifundien schneller und billiger
produzieren konnten.

Ein extremer Eroberungswille eines aggressiven Roms
oder wird die Vorherrschaft Roms auf Kriege zurückgeführt, die Rom
zur „Selbstverteidigung“ aufgedrängt worden seien(siehe auch
Ciceros „gerechter Krieg“, De republica: §§ 34-35)

Meine persönliche Meinung: Das gesamte Staats- und Finanzsystem Roms
war auf Expansion ausgelegt. So konnten sich z.B. Politiker nur durch
militärische Siege profilieren und das politische System verlangte
hohe persönliche Verschuldung der aufsteigenden Politiker, die sich
dann später nur durch Kriege wieder ihre Kassen füllen konnten.
Gerade die Argumentation des „gerechten Krieges“ ist sehr fragwürdig,
da die Siegermacht Rom eine nachträgliche Legitimation für politisch-
wirtschaftlich begründete Kriege suchte. Man sieht die Idee des
„aufgezwungenen Verteidigungskrieges“ ist kein Phänomen der
Moderne…

Welchen Charakter hatte die Hegemonie Roms bis
168 v.Chr. und wie veränderte sich dieser Charakter?

Äußere politische Stabilität führte zu innenpolitischen Unruhen und
Bürgerkriegen. War der Wegfall eines gemeinsamen äußeren Feindes der
Anlass sich mehr auf innenpolitische Missstände zu fokussieren?

Tach Multi,

wenn es keine Hausarbeit ist, für die Du das wissen möchtest und wenn Du etwas Zeit hast, dann lies von Gisbert Haefs „Hannibal“. Der beschreibt eben diese Zeit, und er beschreibt sie spannend und überzeugend.

Haefs muß unendlich viele Quellen zu Rate gezogen haben, und die ZEIt meinte in einer Rezension, da, wo Haefs am phantastischsten erscheine, da sei er am nächsten bei den Quellen.

Bei der Lektüre wird es Dir passieren, daß Du auf seiten der Karthager gegen die Römer zu stehen kommst. Und Du wirst beginnen, Hannibal zu lieben!

Gruß - Rolf

HAllo,

wenn man schon die kathagischen Kriege anschaut, dann muß man diese bitte auch im Zusammenhang sehen. Und wenn man das tut, dann ist es recht eindeutig, daß Karthago den römischen Expansionsansprüchen im Wege stand - und zwar schon vom 1. Krieg an (da war von Hannibal noch keine Rede).
Ansonsten: Natürlich war Hannibal den Römern strategisch haushoch überlegen. Und natürlich war die Kage für Rom dadurch echt bedrohlich geworden, als Hannibal so quer durch Italien zog. Aber andererseits darf man dabei nicht übersehen, daß Hannibal keine Möglichkeit hatte, seine Eroberungen auch dauerhaft festzuhalten. Faktisch konnte er so auch nicht langfristig an Boden gewinnen. Es sei mal dahingestellt, ob ein direkter Angriff auf Rom daran etwas geändert hätte - aber nach Lage der Dinge war Rom so nie wirklich in seinem Bestand gefährdet, weil die Karthager zwar in der Regel siegten, aber das Land danach sofort wieder an Rom zurückfiel.
Praktisch nutzte sich Hannobals Heer ohne Nachschub dabei nur ab und wurde schwächer - und Rom hatt ja auch noch die Kraft, einen gegenangriff auf Karthago zu starten und die Stadt zu besiegen, ohne daß der in Italien stehende Hannibal dies verhindern konnte.

Gernot Geyer

RE: ROMS ‚Eroberungs-Philosophie‘
Danke für die AWs.

„Klingt nach Hausarbeit?“

Nein,ich besuche aber verschiedene Vorlesungen zum „alten Rom“.

„Kriege zw. Karthago und Rom wechselten ja stets die Sieger. Da sollte man aber schon zwischen Schlachten und Kriegen unterscheiden“

und

„… andererseits darf man dabei nicht übersehen,
daß Hannibal keine Möglichkeit hatte, seine Eroberungen auch dauerhaft festzuhalten.Faktisch konnte er so auch nicht langfristig an Boden gewinnen…“

Heist das,
das Rom nie ernsthaft(!)gefährdet war?

„Äußere politische Stabilität führte zu innenpolitischen Unruhen und Bürgerkriegen.
War der Wegfall eines gemeinsamen äußeren Feindes der Anlass sich mehr auf innenpolitische Missstände zu fokussieren?“

Nur die Probleme der billigen Sklaven, die die Bauern bedrängten?

Cicero?
Ja ja - an anderer Stelle steht auch: „Der Rechtsgrundsatz im Krieg jedenfalls ist aufs unverletzlichste im Fetialrecht des römischen Volkes schriftlich festgelegt. Daraus kann man ersehen, daß nur der Krieg gerecht ist, der für Schadenersatz geführt wird oder nach Androhung und Erklärung.“
(Cic. 1 11 35)

Lieber Multi,

„Kriege zw. Karthago und Rom wechselten ja stets die Sieger.
Da sollte man aber schon zwischen Schlachten und Kriegen
unterscheiden“

und

„… andererseits darf man dabei nicht übersehen,
daß Hannibal keine Möglichkeit hatte, seine Eroberungen auch
dauerhaft festzuhalten.Faktisch konnte er so auch nicht
langfristig an Boden gewinnen…“

Heist das,
das Rom nie ernsthaft(!)gefährdet war?

Rom hätte ernsthaft gefährdet sein können, wäre Karthago bereit gewesen, einen „totalen Krieg“ zu führen. Es hätte etliche Gelegenheiten gegeben Rom niederzuwerfen, wenn Karthago die Kraft und den Willen aufgebracht hätte, alle gesellschaftlichen Kräfte für diesen Zweck zu bündeln. Rom schaffte dies, mit bekanntem Ergebnis.

Oder ganz banal: Rom war nie gefährdet, weil die Verhältnisse waren wie sie waren.

Nur die Probleme der billigen Sklaven, die die Bauern
bedrängten?

Das Sklavereiproblem geht durchaus noch weiter: Nicht nur die Bauern wurden Opfer der Latifundienwirtschaft, auch das Handwerk litt unter billigeren Manufakturwaren. Effekt: Die mechanische Entwicklung (Erfindungen/Neuentwicklungen von Werkzeugen und Hilfsmitteln) hielt mit dem allgemeinen gesellschaftlichen Fortschritt nicht stand.

Gruß
Hardey

Servus erstmal.

Im Jahre 167 war Rom die unangefochtene Herrscherin der
Mittelmeerwelt. Stand 50 Jahre zuvor die Republik vor dem
Untergang? Oder ist das übertrieben?

Nein, ist es nicht. Allerdings brächte es mehr, noch weiter, zum 1.Punischen Krieg, zurück zu gehen. Damals (also 100 Jahre vor dem Ende des 3.Makedonischen Kriegs) war die Lage für Rom nämlich echt klamm. Die haben sage und schreibe FÜNF komplette Flotten aufgebaut und vier davon wieder verloren, bis sie Karthago endlich besiegen konnten (mit der letzten Flotte). Möglich war das nur, weil die römischen Patrizier ihr persönliches Eigentum einbrachten und die fünfte Flotte privat finanzierten.
Im Kriegsverlauf haben die Römer oft und deutlich Schlachten gewonnen, Karthago konnte aber immer wieder gegen halten (zuletzt dank eines Feldherrn namens Hamilkar Barkas…) und brachte so Rom an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit. Weil sich Karthago aber immer auch an anderen Kriegsschauplätzen engagierte, Rom aber zuletzt alles auf den Krieg gegen Karthago konzentrierte, mußte Karthago letztendlich um Frieden bitten.
Ähnlich lief es auch im 2.Punischen Krieg. Du schreibst zwar richtig, daß beide Kontrahenten während des Kriegs immer wieder mal gewannen und verloren, der letzte Sieger allerdings hieß Rom - und das ist bei einem Krieg immer entscheidend.

Aufstieg Roms (vom Hannibalkrieg,ab 220 v.Chr.bis
zur absoluten Hegemoniemacht 146 v.Chr… was sind hier
Erklärungsansätze?

Konsequenter Vernichtungswille Roms (siehe 146 v.Chr.) und das Bündnissystem Roms. Hannibal bekam trotz aller Siege während all seiner Jahre in Italien ja keinen rechten Fuß auf den Boden, weil es für die Bündnispartner Roms letztendlich, trotz aller Abfälle von Rom (siehe Samniten und Capua) attraktiver war, in Abhängigkeit zu Rom zu stehen als zu Hannibal. (Mal abgesehen davon, daß sich Hannibal keine dauerhafte Basis aufbauen konnte und immer auch gegen den Senat von Karthago kämpfen musste).
Wirklich vernichten konnte Hannibal Rom nicht, er wollte vielmehr das Bündnissystem Roms zerstören und Rom auf Mittelitalien beschränken. Roms Argumente bei seinen Bündnispartnern waren stärker.

extremer Eroberungswille eines aggressiven Roms
(…)

Wie schon geschrieben wurde, brauchten die römischen Magistrate den Krieg zu ihrer Legitimierung (die Finanzierung ihrer Wahlkämpfe und Gefolgschaft - den eigenen Lebensstil nicht zu vergessen - wurde erst im 1.Jh.v.Chr. im Zeitalter von Sulla und Caesar wirklich wichtig).
Rom war fast jedes Jahr in irgendeinem Krieg engagiert; zur Rechtfertigung (auch nach aussen, den gegenwärtigen und zukünftigen Partnern und Feinden gegenüber) hatte man die Staatsdoktrin vom „bellum iustum“ entwickelt, die Cicero dann so formulierte, daß sie bis in unsere Zeit übermittelt wurde.

Welchen Charakter hatte die Hegemonie Roms bis
168 v.Chr. und wie veränderte sich dieser Charakter?

Bis dahin war Rom im Wesentlichen auf Italien und das engere Umfeld konzentriert gewesen. Es war eine Macht unter mehreren (Karthago und die Diadochenreiche). Seit dem Ende der Antigoniden in Makedonien war Rom auf dem Weg, das Mittelmeer zu dominieren und nicht mehr gezwungen, auf Partner Rücksicht zu nehmen. Um das Eroberte zu sichern, war man vielmehr gezwungen, immer weiter auszugreifen, bis es schließlich nur noch darum ging, Lücken im Herrschaftsbereich zu schließen.
Rom wurde dabei zunehmend egozentrischer und unleidlicher (ein Vergleich mit den Bush-USA drängt sich auf…). Wurde vorher Widerstand gegen Rom noch im Rahmen des normalen Hin und Her der Staaten gesehen, wurde es in Rom nach 168 v.Chr. immer mehr als Zumutung gesehen, wenn ein Staat oder König NICHT Bündnispartner Roms sein wollte.

VG
Christian