Hallo Moritz,
wundert mich eigentlich sehr, dass keiner der bisherigen
Antworten auf die richtige Antwort gekonmmen ist…
so so…
abgesehen davon, dass man eventuell ziemlich viel Geld braucht.
ja. Damit das System funktioniert, müssen die Einsätze EXPONENTIELL ansteigen. Und wo immer irgendwas exponentiell ansteigt, ist stets „schnell Feierabend“, und zwar viel schneller, als man intuitiv vermuten würde. Der König mit dem Schachbrett – ein Reiskorn auf dem ersten der 64 Schachbrettfelder, zwei Reiskörner auf dem zweiten, vier auf dem dritten und so fort – mußte davor kapitulieren: Er hätte für das ganze Schachbrett das 600-fache der derzeitigen Welt-Jahresproduktion an Reis benötigt. Es ist der Grund, warum Schnellballsysteme („Kettenbriefe“) nicht funktionieren können (weil bei einer Baumtiefe von nur 7 schon die gesamte Bevölkerung Deutschlands mitmachen müßte), und es ist auch der Grund, warum das Roulette-System nicht funktionieren kann.
Fängt man mit 100 € an und setzt immer auf ROT, so ist man nach einer „Pechsträhne“ mit nur 4 mal schwarz hintereinander mit dem danach zu setzenden Betrag bereits bei einem Monatsgehalt (1600 €) angekommen, nach weiteren 3 mal schwarz beim Preis eines Kleinwagens (12800 €). Dummerweise ist die Wahrscheinlichkeit, daß vier mal hintereinander schwarz kommt, gar nicht so gering; sie beträgt 0.5^4 = 0.0625 = 6.25 %. Gibt man nach dem vierten Mal schwarz auf, hat man 100 € + 200 € + 400 € + 800 € = 1500 € verloren. Rechnet man den mittleren Verlust aus, kommt man auf 50 €, genau so viel, wie wenn man nur ein einziges Mal spielen würde. Da man die Einsätze von Mal zu Mal gerade so steigern muß wie die Wahrscheinlichkeiten, daß n mal hintereinander schwarz kommt, sinken, gewinnt man bei dem System nichts.
Aber das Problem ist ein ganz anderes: Es gibt eben nicht nur
die Farben ROT und SCHWARZ auf dem Roulette Tisch, sondern
auch GRÜN, nämlich für die Zahl Null.
Nein, mit der Null hat es nichts zu tun. Es könnten auch 10 Nullen vorhanden sein, bei denen die Bank die Einsätze einsackt. Das könnte man immer dadurch ausgleichen, daß man die Einsäte nicht verdoppelt, sondern beispielsweise verdreifacht (eben angepaßt an die Gewinnchance bei einem Spiel). Mit der Null gibt es kein Problem. Der Haken besteht darin, daß man dann noch schneller an einem „zu großen Einsatz“ ankommt (Monatsgehalt, Kleinwagen, komplettes Vermögen des Spielers, Spielbank-Limit).
Wäre die Farbe GRÜN nicht, dann würde die geschilderte
Vorgehensweise wirklich - ausreichen cash money vorausgesetzt
Wie viel cash money man auch immer mitnimmt, vor dem exponentiellen Wachstum kann man sich nicht „in Sicherheit bringen“. Dadurch zeichnet es sich nämlich gerade aus. Man stecke also ruhig das Doppelte ein – um nur ein einziges weiteres Spiel machen zu können, mit dem Risiko, am Schluß auch das Doppelte verloren zu haben.
Das ist der einzige Haken bei der Geschichte.
Mit freundlichem Gruß
Martin