Hier aus dem ‚Stern‘…
Hallo alle,
hier aus dem Stern:
AUS STRASSEN WERDEN BITS
Ein Heer von Kartografen ist unterwegs, um die Navigationsgeräte in den Autos mit Daten zu versorgen. Der stern begleitete ein Team
Vier Bildschirme glotzen uns an. Alle zeigen den Hambur ger Hafen - Straßen, Wasserbecken, Rangierbahnhöfe. Holger Iversen hat einen Laptop auf den Knien. Der zeigt das Gleiche noch einmal - nur größer.
Das Auto, in dem wir sitzen, rollt mit Tempo 30 durch die Straßen. Iversen hält Ausschau nach Straßennamen, Wegweisern, Vorfahrtschildern. Alles, was neu ist im Verkehr, hält er fest. Er spricht die Änderungen in ein umgeschnalltes Mikrofon, das sie gleich auf der Festplatte seines Laptops speichert. Im heimischen Büro muss er die Änderungen nur in den elektronischen Stadtplan eintragen.
Was Iversen mit einem Mitarbeiter hier treibt, ist „Feldbegehung“. Seine Firma Navtech liefert Daten für Navigationssysteme, wie sie seit ein paar Jahren in Autos eingebaut werden. Ein kompliziertes Unternehmen. Denn es genügt keinesfalls, eine Landkarte zu kaufen und elektronisch einzuscannen. Solche eingelesenen Karten wären nicht „navigierbar“. Der Computer im Navigationsgerät könnte daraus nicht errechnen, welche Strecke am schnellsten von A nach B führt oder wo der Fahrer abzubiegen hat - alles Angaben, die von einem modernen Navigationsgerät erwartet werden. Die Straßenkreuzungen müssen vielmehr als Datensätze am Bildschirm eingegeben werden - Stück für Stück, in aufwendiger Handarbeit.
Vor zwölf Jahren begann die Datensammelei. Iversen: „Die Straßen der Bundesrepublik haben wir jetzt komplett erfasst - bis ins kleinste Dorf.“ Das sind rund sechs Millionen Datensätze mit je 150 Einzelinformationen. Immerhin unterhält die Republik ein Straßennetz von 1,1 Millionen Kilometern. Die längste Straße, so fanden die zumeist gelernten Kartografen beiläufig heraus, ist die Frankfurter Straße in Köln mit 15,5 Kilometer.
Die immense Arbeit lohnt freilich nur dort, wo Aussicht auf Rendite besteht - wo also genügend potenzielle Käufer für ein Navigationsgerät samt CD-Rom mit dazugehörigen Straßendaten leben. Für Afrika, wo auf dem gesamten Kontinent weniger Autos angemeldet sind als in Berlin, gibt es mangels Käufern keine elektronischen Landkarten.
Doch abgeschlossen ist die Datensammelei auch in den hoch entwickelten Ländern niemals. Straßen werden neu gebaut, verbreitert oder umbenannt. Einbahnstraßen ändern ihre Richtung. Kreisel werden eingerichtet. „Mehr als 20 Prozent aller Navigationsdaten müssen jedes Jahr erneuert werden“, erklärt Holger Iversen.
Das ist eine gute Gelegenheit, Fehler zu korrigieren: Gelegentlich warnt die synthetische Frauenstimme im Computer vor Kreuzungen, die es gar nicht gibt, und rät zum Abbiegen, wo es nur geradeaus geht. Legendär ist die Irrfahrt eines BMW-Lenkers, der im brandenburgischen Caputh in die Havel tauchte, weil sein Navigationsgerät ihm dort eine Brücke vorgaukelte.
Solche Aktualisierung erhält den „Feldbegehern“ ihren Job. Und von den Autofahrern wird erwartet, dass sie jedes Jahr eine neue CD-Rom mit den aktuellen Daten kaufen - zum Preis von 200 Mark aufwärts. Die Kosten müssen ja wieder eingefahren werden.
Informationen zum Thema finden Sie unter http://www.navtech.com, www.vdodayton.com oder http://www.skypower.de/streetpilot.htm
Bildunterschrift: Die kleinen Bildschirme sind serienmäßige Navigationsgeräte. Am Laptop werden aktuelle Änderungen eingegeben /
Fotonachweis: Jürgen Gebhard
Quelle: STERN Suchwort: Navigationssystem
gruß
dennis