Leider war ich noch nie an der Nordsee, deswegen wäre es gut,
wenn mir da noch jemand paar Tips zu Friesland geben könnte.
Wegbleiben.
Ist zumindest meine Erfahrung aus knapp vier Tagen Aurich.
In Aurich ist’s schaurig? Naja, ein bisschen vielleicht, wenn man schlechte Laune hat und gerade viel lieber im Karwendel wäre. Aber Aurich ist mitnichen typisch für Ostfriesland und für die Nordsee schon gleich gar nicht.
Die Gegend läßt sich leicht in drei Teilen erklären: Eine
Seite ist grau und wackelig, das nennt man „Meer“. Wenn man
versucht, sich darauf fortzubewegen, dann muß man kotzen.
Einverstanden, mit Hang zur Seekrankheit wird man nicht leicht eine Liebe zum Meer entwickeln. Trotzdem kann ein Ausflug zu einer Ostfriesischen Insel nett sein, besonders zu einer, die nur tidenabhängig erreichbar ist. Ein solcher bedarf allerdings einiger Vorbereitung.
Was darin lebt riecht schlecht und ist nicht eßbar.
Du musst die Krabben puhlen, bevor du sie isst!
Es gibt Fischereigenossenschaften z.B. in Norddeich oder Greetsiel, da gibt es wunderbar frischen Fisch, zunehmend sind jetzt auch Restaurants angeschlossen.
Ein anderer Teil ist flach, grau-grün und todlangweilig, das
nennt man „Land“.
Es ist nicht sehr hügelig, das ist wahr. Richtung Deich gibt es viel Wiesen und Weiden mit echten Kühen darauf, im Landerinneren gibt es Moor oder ehemaliges Moor, welches jetzt Äcker und Felder ist. Verstreute Bauernhöfe, nette Ortschaften, Windmühlen, Leuchttürme… Nichts fürchterlich Spektakuläres, aber viele sehenswerte Kleinigkeiten.
Obendrüber ist es meistens grau und naß, selten auch mal blau
Das schlechte Wetter in Ostfriesland hat einen entscheidenden Vorteil: Es dauert nicht lang. Das gute allerdings auch nicht. Wind gibt es immer.
Zwischen dem ersten und dem zweiten Teil gibt´s noch einen
Streifen Matsch, den nennt man wohl Küste.
Das ist das Watt, welches je nach Tageszeit und Örtlichkeit zwischen einem Meter und mehreren Kilometern breit ist, aber immer nach Watt riecht. Und da ist der Deich, auf dem man wunderbar Radfahren kann. In die eine Richtung mit unbeschreiblichen Genuss (mit dem Wind). In die Gegenrichtung leistet man ähnliches wie der Sieger einer Bergetappe der Tour de France.
Ich weiß nicht, wieviel man vom Reiz Ostfriesland beim puren Vorbeifahren erfahren kann. Vielleicht nimmt man die Deichstraße und sticht ab und zu je nach Lust und Laune zu den alten Sielhafenorten. Norden/Norddeich ist besuchenswert.
Greetsiel ist pittoresk, aber touristisch.
Vielleicht schaut man auch mal ins Moor ( Ewiges Meer ).
Es klingt abgedroschen, aber in einer alten Windmühle einen Ostfriesentee zu trinken ist jedenfalls empfehlenswert.
Leer ist auch recht schön.
Und vieles gibt es, was man aber eben nicht auf dem ersten Blick entdeckt.
Hardey