Hi Franzi!
widerspruch.
Ach, ist das schön, mal wieder mit Dir streiten zu können. Meistens sind wir ja derselben Meinung.
Lehrer ist wichtig, auch wenn man noch so motivierte und
hilfsbereitee und geduldige Freunde hat. Die Software kann
deine Aussprache nicht so gut überprüfen, wie der Mensc
Lehrer, und sie kann dir auch nicht vormachen, wie es geht.
Richtig. Ich muss noch nicht mal „aber“ schreiben, denn das lieferst Du ja selbst.
Aber die Aussprache ist tatsächlich das geringste und am
leichtesten durch Freunde zu ersetzende Argument.
Trotzdem ist es für jemanden, der keinen (ausreichenden) Kontakt zu
Muttersprachlern hat, ein wichtiges Argument, für jedmanden,
der die Sprache auch sprechen will, ein Killerargument
Wie Du bestimmt weißt, haben mich schon einige hier im Forum für einen Litauisch-Muttersprachler gehalten. Auch in Litauen werde ich mitunter für einen Muttersprachler gehalten, der lange im Ausland lebte
. Dabei habe ich lediglich ein einziges Anfängerlehrbuch mit 2 Kassetten durchgearbeitet und war seitdem jedes Jahr ca. 14 Tage dort. Nicht gerade häufiger, aber offenbar ausreichender Kontakt. Dass ich dort Bekannte fand, ließ mich sprechen lernen. Meine Aussprache konnte ich nach und nach korrigieren. (Ich spreche immer noch nicht alle harten L wirklich hart, und die Betonung lerne ich erst seit zwei Jahren richtig. Dieselben Probleme hat man wohl auch beim Russischlernen.)
Sprachpraxis - ohne muttersprachliche Freunde ebenfalls nicht
zu erwerben, aber nötig. Sonst spricht / schreibt man die
Sprache wie die Google Übersetzung.
Aber auch mit Freundenist es so eine Sache… man lernt dann
halt Umgangssprache.
Ja, aber der Fragesteller möchte ja nicht von seinen Freunden Russisch lernen, sondern aus einem Buch oder Audiokurs, und dann mit den Freunden sprechen. Wieder mein Erfahrungsbericht: Im Litauischen gibt es das Wort truputį, was „ein Bisschen“ heißt. Dies hat mir mein Buch beigebracht. Fast alle Litauer, die ich kenne, benutzen jedoch das deutsche Lehnwort biškį. Das bedeutet doch aber noch lange nicht, dass ich dies auch schreiben würde oder in einem formalen Kontext verwenden.
Es ist einfach wichtig, in welcher Reihenfolge man lernt. Wenn man mit der Umgangssprache anfängt, ist es natürlich schwer, zu beurteilen, welche Wörter man im Gespräch mit seinem Bankberater nicht verwendet. Aber wenn man zunächst die Standardsprache lernt und einem dann in der Kneipe die Umgangssprache begegnet, merkt man doch instinktiv, dass hier Umgangssprache benutzt wird. Ich denke, dass niemand, dem sein Buch „что это“ beibringt und „schto ääto“ vorspricht, dies nicht anwenden kann, nur weil seine Freunde „чо это“ fragen und er niemanden hat, den er „что это“ fragt.
ихний
Das kenne ich gar nicht. Was heißt denn das?
Bei mir setzt nämlich der umgekehrte Effekt ein: Ich hatte nie jemanden, mit dem ich Umgangssprache sprechen konnte. Und die wird einem ja, im Gegensatz zur Hochsprache, nie in Büchern vermittelt. Da ist der Fragesteller klar im Vorteil, er kann beides lernen.
Wenn es dem UP genug ist, so zu sprechen, dann kann er ja
deinen Hinweisen folgen.
Hei, wie provokativ! (Nee, find ich wirklich schön, sarkastische Worte zu lesen.)
Und ich beteuere noch einmal: Wenn man eine Sprache gut (was immer das genau heißt) sprechen lernt, kann man andere Ebenen, die man nur vom Schreiben und Lesen kennt, auch problemlos verwenden.
Mach doch mal ein Experiment und erfinde ein Märchen oder erzähle eins nach, aber im „richtigen“ Stil. Ich denke, das ist kein Problem für dich, obwohl Du sicher niemals mit jemandem in Sätzen wie „Es war einmal eine arme alte Frau, der waren beide Kinder gestorben und sie hatte keine Menschenseele, die ihr den Ofen geheizt, das Essen bereitet oder das Bett gemacht hätte“ kommuniziert hast. Aber Du kennst die Wörter und kannst Dich darauf einlassen, in diesem Dir nur vom (Vor-)Lesen bekannten Stil (vorlesen tut das Audiomaterial des Lehrbuchs schließlich auch) Sätze zu bilden. Und das funktioniert mit jedem Stil. Wenn Du viele russische Märchen gelesen hast, kannst Du das sicher auch auf Russisch, nicht wahr?
Du stellst, so scheint mir, den Sinn von Selbstlernkursen generell in Frage. Dabei gibt es im Forum mindestens zwei Menschen (Maria, die immer ASSIMIL empfiehlt, und mich), die im Selbststudium mehrere Sprachen gelernt haben. Ich denke, Maria hat auch Sprachpraxis in einigen davon erwerben können, ich leider bislang nur im Litauischen und im Slowakischen, wobei ich letzteres leider lange nicht mehr gebraucht und deshalb wieder verlernt habe.
Sprachpraxiserwerb funktioniert im Alltag, so wage ich zu behaupten, deutlich besser als in der künstlichen Situation des Unterrichts, so dass es am Ende unerheblich ist, wie man die (theoretischen) Sprachkenntnisse erworben hat.
Ich weiß nicht, ob ich mich jetzt verständlicher gemacht habe als vorher. Ich befürchte sogar, dass ich Deine Skepsis dem Selbststudium gegenüber nicht verringern konnte. Aber ich will es wenigstens versucht haben.
Ich sage damit übrigens nicht, dass Sprachlehrer überflüssig sind. Erstens braucht man jemanden, der mit einem spricht, und wenn man sonst niemanden hat, tut es eben der Lehrer. Viel wichtiger ist jedoch, dass nicht jeder mit Selbstlernkursen zurechtkommt. Den einen fehlt die Disziplin, den anderen fehlt die Variationsbreite (man kann schließlich nur Sprechsituationen üben, die das Buch einem vorgibt), und wieder anderen reichen auch die ausführlichsten Erklärungen nicht aus, sie wollen jemanden, den sie mit ihren Fragen löchern können. Es gibt bestimmt noch tausend andere Gründe, nicht mit Selbstlernkursen lernen zu können; aber man muss es doch wenigstens einmal versuchen, bevor man sagen kann, das geht nicht.
Liebe Grüße
Immo