Hallo Aragorn,
ich fürchte, es ist vergebene Liebesmüh. Ich habe noch nie erlebt, daß sich ein Nicht-Lehrer von einem Lehrer zum Thema Arbeitszeit hat überzeugen lassen. Die Leute wollen sehen, was sie sehen wollen. Und von uns (mein Mann ist Lehrer, ich war es mal) kriegen sie nur noch Wasser auf ihre Mühlen. Ja, er nutzt das schöne Wetter und ist im Garten, während andere im Büro schwitzen. Ja, er geht nachmittags mit den Kindern ins Spaßbad oder ins Kino oder repariert die Dachrinne. Und er denkt nicht mehr daran, sich dafür zu rechtfertigen. Es geht niemanden etwas an, warum in seinem Arbeitszimmer abends um halb elf noch das Licht brennt (und da sortiert er nicht seine Briefmarken, aber das erzählen wir keinem…). Wir hängen es nicht an die große Glocke, daß er auch an den Wochenenden manchen halben Tag am Schreibtisch und auch manches Stündchen in der Schule verbringt. Uns ist es inzwischen lieber, die anderen sind neidisch, als daß er sich pausenlos im Erklärungszwang befindet und die Erklärungen doch nichts fruchten. Liebe Lehrer, laßt den Nicht-Lehrern einfach ihren Neid! Dann haben sie doch auch was Eigenes…
(Du glaubst gar nicht, welchen Spaß es macht, zu schildern, was man letzte Woche nachmittags bei dem schönen Wetter alles gemeinsam unternommen hat, wobei die Hälfte ruhig geflunkert sein darf. Dann sagt das Gegenüber todsicher irgendwann den Satz: „Mußt DU ZEIT HABEN…“. Und dann sagst Du einfach: „Ja.“ und weidest Dich am Gesichtsausdruck des armen Büromenschen…)
Gruß
Aia
(deren Mann heute nachmittag in die Schule muß, aber nicht weitersagen!)
. Und wenn Du in den Pausen Milch verteilst, und Schülern Fundstücke zurückgibst, sitzt Du wenigstens nicht mehr faul und rauchend im Lehrerzimmer rum und planst mit den anderen Lauscheppern Deinen 6 Wochen- Urlaub