Saatkartoffeln

Hallöchen,

na ja, eine Gartenfrage ist das eigentlich nicht. Aber da es hier kein Landwirtschaftsbrett gibt, versuche ich es mal:

In einem Film der gerade bei Phoenix läuft, hieß es „die Bauern entlang des Karakorum-Highways haben sich auf die Zucht von Saatkartoffeln spezialisiert. Damit entfernen sie sich von der Selbstversorgung, aber das bringt Geld.“

Was unterscheidet denn Saatkartoffeln von anderen? Ist nicht jede Kartoffel als Saatkartoffel geeignet? Ich dachte immer, man verkauft die Ernte als Speisekartoffeln und hält einen kleinen Teil für die nächste Einsaat zurück. Ist das so falsch?

Neugierige Grüße
Peggy

Teile aus dem Artikel entfernt [MOD]

Hallo Peggy,

Saatkartoffeln sind, wie Du vermutest, ganz gewöhnliche Kartoffeln.

aber:
während der ganzen Wachstumszeit müssen diese vermehrt auf Kartoffelkrankheiten kontrolliert werden,d.h.der Landwirt, sowie ein Beamter vom Saatgutabnehmer müssen die Kartoffeläcker abschreiten.

Um ein Risiko abzuwenden, müssen Saatkartoffeln vermehrt gegen Kraut- und Knollenfäule chem.behandelt werden.

Daher die höheren Preise für qualitatives, sicheres Saatgut.

Es ist nicht zu empfehlen, eigene Kartoffeln zu verwenden !
Auch sollten sog. „Durchwuchskartoffeln“ beim Erscheinen im Frühjahr sofort vernichtet werden.Die seit über 150Jahren grasierende Kraut-und Knollenfäule kann eben nur am lebenden Material übertragen werden.

Uebertragen wird diese Krankheit hauptsächlich aus unkontrollierten Haus - und Kleingärten, kilometerweit auf Landwirtschaftsbetriebe. (Wind und Regen)

Gruss
Fritz
a.d.Uw.

Leicht off topic
Hallo, Peggy und Fritz,
hiezu vielleicht ein kleines Histörchen. 1974 nahmen wir in Larnaca (Cypern) eine Ladung (ca 4000 tons) Saatkartoffeln an Bord unseres Schiffes. Die Reise ging nach Großbritannien. Gut ein halbes Jahr später nahmen wir dann in Newcastle upon Tyne eine volle Ladung (ca 9000 tons) Speisekartoffeln. Der Bestimmungshafen war - Larnaca(Cypern).
Grüße
Eckard.

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Hallo Fritz,

ich habe mal gelesen, dass man die Saatkartoffeln aus eigenem Anbau grün werden lassen soll um eben dem von dir genannten Problem entgegen zu wirken. Ist da was dran?

Viele Grüße
Utemaus

Hallo Peggy,

ich kann mir da noch eine andere Erklärung vorstellen, wenn ich mich recht an meinen inzwischen doch gut 15 Jahre zurückliegenden Bio-LK erinnere. Oft handelt es sich bei den hochgezüchteten Nutzpflanzen um Hybride, also Kreuzungen. DIese sind oft nur dann stabil, wenn man sie in der F1-Generation einsetzt, da bestimmte Merkmale in weiteren Generationen nicht mehr ausreichend vererbt werden. D.h. für den Ertrag braucht es eben möglichst die F1-Hybride und die ist eben nur durch die direkte Kreuzung zu erzielen. Die Saatkartoffeln wären dann die direkt gekreuzten Kartoffeln aus dem Labor, die dann dafür sorgen würde, dass man aus ihnen zu entsprechenden Prozentsätzen Kartoffeln ziehen kann, die bestimmte Merkmale haben, die dann bei den nachfolgenden Generationen wieder verloren gehen, was die Weiterzüchtung aus eigenen F1-Kartoffeln uninteressant machen würde.

Zudm gibt es übrigens auch immer noch Streit um die Frage, ob rein rechtlich eine über einen Aussaat weiterführende Ausbeutung des teuer eingekauften Hochleistungssaatgutes überhaupt zulässig ist (Patentrecht).

Gruß vom Wiz

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Wiz,

diese Aussage trifft nur auf die geschlechtliche Vermehrung der Pflanzen zu, bei der das Erbgut zweier Pflanzen gemischt wird. Bei der vegetativen Vermehrung (Wurzelausläufer, Kopfstecklinge, Knollen) findet keine Vermischung statt, somit kann es auch keine „Rückkreuzung“ geben. Damit fällt der von dir genannte Grund für die Anzucht der Kartoffeln weg.

Der eigentliche Grund wurde schon genannt: die Kontrolle von Krankheiten.

Gruss, Niels