Hallo Raimund,
ich gebe Dir zwar Recht, wenn Du sagst, die
Selbstbeweihräucherung der Politiker sei peinlich.
Erstmal ein Punkt, in dem wir uns einig sind, schön.
doch ganz so einfach war die Wiedervereinigung nicht, wie Du
sagst!
Gorbatschov hat nur deshalb beide Augen zugedrückt, weil die
UDSSR finanziell am Boden (eigentkich unter dem Boden) war und
Kohl ihm massive finanzielle Hilfe angeboten hatte, für den
Fall, dass er nicht eingreift!
Glasnost und Perestroika - zwei Begriffe, die wir schon kannten, bevor irgendjemand auch nur auf den Mauerfall zu hoffen wagte, oder? Und bereits Anfang Juli 1989, noch vor den Montagsdemonstrationen, hat Gorbatchov auf dem Gipfeltreffen der Warschauer-Pakt-Staaten in Bukarest das endgültige Ende der Breschnjew-Doktrin erklärt. Er ruft die eigenständige Lösung nationaler Probleme aus, was Honecker so geschockt haben soll, dass er frühzeitig abgereist ist. Kurz danach begann die Massenflucht über Ungarn und in die „Ständigen Vertretungen der BRD“.
Genau das Gleiche mit den
Ländern Polen, Ungarn und Tschechoslowakei (hieß sie damals
noch).
Bereits im Mai 1989 begann Ungarn damit, seine Grenzanlagen zu demontieren. Im Juni haben Gyula Horn und Alois Mock symbolisch ein Stück Grenzzaun zerschnitten. Die Loslösung Polens vom Kommunismus begann schon 1980 mit der Gründung der Solidarnosc, 1989 fanden in Polen schon freie Wahlen statt.
Die DM wollten sie alle haben. Insofern war Kohl
„Baumeister“ der Wiedervereinigung.
Gelder mögen geflossen sein - wäre nicht untypisch für Kohl. Allerdings doch wohl erst, als es überhaupt zu Verhandlungen über einen BRD-DDR-Zusammenschluss gab. Und da war die Öffnung der Mauer bereits - völlig ohne Westeinfluss - vollzogen.
Allerdings, der Wille und
die Durchsetzung kam vom Osten, besonders aus dem Gebiet, in
dem die größte Wirtschaftskraft der damaligen DDR lag: Sachsen
(heute mehr denn je). Honnecker hätte ein Blutbad
heraufbeschworen, hätte er Truppen eingesetzt. Die andere
Frage wäre gewesen: hätte die NVA überhaupt gefolgt?
Darauf hat Claus ja schon geantwortet. Es bleibt anzunehmen, sie hätte. Und wenn nicht die NVA, dann doch die VoPo und die sog. bewaffneten Betriebskampfgruppen. Die haben auch, wenn gottseidank auch nur im Kleinen.
Auch dürfte die Behauptung der CDU/CSU richtig sein, dass
große Teile der SPD (Bundestag) gegen die Wiedervereinigung
war (Wasserstrahl aus Saarbrücken war da ganz deutlich).
Richtig ist: Herr La Springbrunnen hat vor übereilten Schritten und den enormen Kosten gewarnt. Richtig ist auch, dass die SPD den Einigungsvertrag einstimmig angenommen hatte, bei der CDU gab es 14 Stimmen (!) dagegen. Doch nicht so ganz der heisse Herzenswunsch aller Christdemokraten gewesen, scheints.
Ob
wir schon die Wiedervereinigung hätten, wenn damals die SPD am
Ruder gewesen wäre??? Da kann man lange spekulieren.
Es ist natürlich müssig, zu spekulieren, was geschehen wäre, hätte Rau 1987 die Bundestagswahl gewonnen. Es bleibt aber doch anzunehmen, dass sich niemand eine solche Chance hätte entgehen lassen.
Denn die
UDSSR hätte sich vermutlich auch ohne Geld herausgehalten.
Nur… vermutlich! Das aber heute groß aufs Tablet zu bringen,
halte ich auch für geschmacklos! Eigenartigerweise hat die
CDU/CSU damit Erfolg!
Naja, für mich klingt es wie ein Mantra, dass die Union ständig wiederholt - in der Hoffnung, damit die nächste Wahl zu gewinnen.
Hoffen wie, dass wir Ostpreussen nicht schon jetzt zurück
bekommen! Dagegen ist die finanzielle Unterstützung der jungen
Bundesländer harmlos!
Das wird wohl nie geschehen. Immerhin haben sich ja unsere Politiker endgültig auf die Oder/Neisse-Grenze festgelegt.
Der größte Teil von Westdeutschland! Mich eingeschossen!
Auch hier hat Claus schon eine sehr gute Antwort gegeben.
Eigenartig ist schon, dass mir niemals aufgefallen ist, dass grosse Teile von Westdeutschland ihrem heissen Verlangen nach Wiedervereinigung irgendwo öffentlich Nachdruck verliehen hätten. Vieleicht haben sie nur im stillen Kämmerlein gewünscht. Ich habe zwar buntgewandete Fahnenschwinger und Rittergutbesitzer aus obskuren deutschen Ostgebieten gehört, die lautstark und CSU-unterstützt Rückgaben forderten - aber da ging es immer um Polen und die CSSR.
Was ich aber in den 80ern gehört habe, war ein „Wenn´s dir hier nicht passt, dann geh doch nach Drüben“, so, als wolle man es nicht nur nicht zurückhaben, sondern auch noch alles Unliebsame aus dem eigenen Land dorthinschaffen.
In welchem Teil Deutschlands bist denn Du aufgewachsen? Alle,
mit denen ich vor 1990 darüber sparach, haben die DDR als
rechtmäßig zu Deutschland gehörig angesehen. Ein Krieg
zwischen beiden Staaten war unvorstellbar. Mit UDSSR ja, aber
nicht gegen die NVA.
In einer kleinen Stadt am Rhein in der Pfalz, in einer noch kleineren Stadt in Niedersachsen und schliesslich in einer grossen Stadt in Südbayern. Alle, mit denen ich vor 1990 darüber sprach, haben die DDR als eigenständigen Staat angesehen. Ein Krieg war nicht nur vorstellbar, sondern einer der Hauptängste (neben dem nuklearen Holocaust) meiner Generation. Gegen die UDSSR, deren Armee im Verbund mit der NVA und dem Warschauer Pakt angreifen würde. Die Aufmarschpläne der NVA sprechen da auch eine sehr deutliche Sprache.
Dann sind Deine Eltern evtl. extrem Links (kein Vorwurf)?
Mal davon abgesehen, dass ich bei extrem linken Eltern die DDR wohl kaum als „Feindbild“ gehabt hätte, mein Vater ist so grün wie er sich das als Unions-Wähler glaubt, erlauben zu können…
Und wer von den jungen Bundesländern kennt die alten
Bundesländer aus erster Hand?
Augenscheinlich recht viele. Letzthin habe ich irgendwo gehört, dass gut 2 Mio. Ostdeutsche ihren Lebensbereich in den Westen verlagert haben (hauptsächlich NRW und Süddeutschland), dass die Ostdeutschen ihre „neue Freiheit“ ausgiebig dazu genutzt haben, ihre „Neue Heimat“ kennenzulernen usw.
Übrigens bezeichne ich mich
nicht als Wessi! Ein Wessi ist kwein Angehöriger der alten
Bundesländer schlechthin. Es ist der laute, besserwissende aus
dem Westen. Genauso ist ein Ossi nicht unbedingt jeder aus dem
Osten! Verwende die Begriffe bitte anders!
Oh verzeihung. Ich wollte Dir damit sicher nicht zu nahe treten. In (West-)Berlin warst Du schon vor 20 Jahren ein Wessi, wenn du halt aus der Ex-BRD kamst. Ich seh das nicht so eng. Aber wenn´s dir lieber ist: Alt-Bundesländler. Klingt nur nicht so griffig…
Das solltest Du aber auch den Sachsen, Türingern… sagen!
Wenn die in die alten Bundesländer umziehen, dann „machen sie
´rüber“!
Und bei uns werden lukrative Jobs in Chemnitz und Frankfurt/Oder abgelehnt, weil man „da Drüben“ ja nicht wohnen kann…
Die DDR spukt nicht nur in den Westköpfen herum, sondern auch
im Osten!
Sie würde vieleicht etwas weniger spuken, wenn wir die real existierende BRD nicht gleich mit der Dampfwalze vermittelt hätten…
Ich bin 1990 bis 1994 extrem oft in Bandenburg und Sachsen
gewesen. Ich hatte keine Probleme. Wie heißt das Sprichwort.
„so wie man in den Wald hinein ruft, so hallt es heraus!“
Warum solltest Du auch Probleme gehabt haben? Vieleicht ist es auch nur mein empfindliches Feingefühl, dass mir fast jeden Abend um 20:00 den Eindruck vermittelt, dass wir irgendwo doch noch zwei getrennte Staaten sind…
Gruss
Peter