Sachen verschwinden bei Verfolgungswahn

Guten Tag,
ich kenne eine Person, die wahrscheinlich an Verfolgungswahn leidet. Bei ihr werden angeblich ständig Dinge, oft sogar Kleidungsstücke wie zum Beispiel Socken geklaut.
Außerdem Kleinigkeiten wie Schuhe, Messer, Scheren, etc.

Sie sucht sich immer Verantwortliche. Zunächst war es eine alte Frau, die etwa einen halben Kilometer von ihrem Haus entfernt wohnte. Angebliche habe sie sie sogar schon einmal beim Klauen gesehen.
Als diese starb, nahm sie ihre Nachbarin ins Visier.
Diese soll immer in ihr Haus eindringen, wenn sie gerade im Garten ist und die Tür auflässt.
Es gibt auch noch weitere Personen.

Der Punkt ist, dass es doch absolut ungläubig ist, dass
zunächst eine alte Dame nutzlose Kleidungsstücke klaut,
oder jemand in ihr Haus kommt, nur um Scheren zu stehlen.
Ich frage mich, wohin die ganzen Dinge verschwinden?
Wie kann man diese Person behandeln? Sie will sich nicht eingestehen, dass sie krank ist. Ist ist vollkommen überzeugt, dass bei ihr geklaut wird.
(Sie ist alt)
Ich bitte um Hilfe!
Dankeschön.

Hallo Michi,

vielen Dank für die Anfrage, ich werde mein bestes tun, darauf zu antworten.

Da du indirekt von der Person sprichst, gehe ich davon aus das es nur eine flüchtige Bekannte ist oder aber jemand aus deiner Verwandtschaft den du nicht magst. Wenn es sich um letzteres handelt, würde ich bestenfalls den Kontakt abbrechen.

Bist du aber tatsächlich besorgt, so solltest du nach weiteren Indizien suchen. Da die Dame älter ist, könnte es sein das eine Alzheimererkrankung vorliegt und sie Dinge verlegt und versucht ihre Vergesslichkeit zu verschleichern.

Paranoia, also Verfolgungswahn, ist häufig keine einzelne Erkrankung sondern ein Symptom verschiedener Störungen oder auch eine Stressreaktion. Falls die Dame in einem Alter ist, in dem sie Kriege und/oder Gefangenschaft miterlebt hat, oder tatsächlich einmal beraubt wurde, könnte ihr Wahnverhalten isoliert durch diesen Stress aufgetreten sein. Andernfalls gibt es eine ganze Reihe von Krankheiten die paranoide Tendenzen verursachen.

Es ist wichtig zu differenzieren. Hat die Person noch andere Auffälligkeiten an den Tag gelegt? Hört sie Dinge die nicht da sind? (Lärm, Stimmen, Klingeln etc)oder hat Sinnesstörungen? (Schmeckt etwas im Kaffee, riecht Rauch, fühlt etwas auf der Schulter o.ä.); ist mit Sicherheit geklärt das sie Unrecht hat?

Um zu testen ob eine wahnhafte Störung vorliegen könnte, sollte man die Dame behutsam (ohne Beschimpfungen, ohne Streit) auf die potentiellen Paradoxien hinweisen (zum Beispiel das bei der Frau Nachbarin noch nie der rote Pullover gesehen wurde oder das die Dame am Ende der Straße Rheuma hatte und keine Schere halten konnte - diese Argumente müssen allerdings der Wahrheit entsprechen!). Ist auch bei aussagekräftigen Argumenten deinerseits kein Einsehen zu gewinnen, kann das ein Indiz sein.

Was auch wichtig wäre, ist ob sie sich bedroht fühlt. Hat sie eine Theorie (oder mehrere Theorien) warum Ihr ihr Gut entwendet wird? Sieht sie ein Schema?

Bei Personen fortgeschrittenen Alters ist meist Alzheimer oder Altersdemenz der Grund für Paranoia. Falls die Fragen obenstehend, besonders die zur Theorie des Warums der Dame, mit ja beantwortet werden können, kann auch eine Erkrankung anderer Art vorliegen.

Wenn du den Fall weiter verfolgen möchtest, schreibe mir gern die Antworten und ich werde helfen.

Sonst rate ich abzuwegen ob die Dame sich selbst oder andere gefährdet. Wenn ja, sollte man den für ihre Stadt zuständigen Sozialpsychiatrischen Dienst einschalten. Wenn keine Gefährdung für sie oder andere vorliegt, brauch nicht gehandelt werden.

Mit freundlichen Grüße

Kitty

Hallo Michi12
Wenn jemand psychisch krank ist, wird die Person es nie eingestehen, dass sie krank ist. Geklaut hat da niemand, die Dinge sind einfach verlegt worden.

Um deinen Bekannten helfen zu können, bedarf es einer Behandlung, durch einen Arzt besser ein Psychiater. Dein Bekannter muss einwilligen, ohne einer Selbstgefährdung oder einer Gefährdung anderer muss sich kein Mensch behandeln lassen. Das bedeutet dein Bekannter muss sich überreden lassen, sich Behandeln zu lassen. Ist die Person nicht bereit, muss man abwarten bis eine Gefährdung eintritt. Ist die Situation so eskaliert, dass man es nicht mehr ertragen kann, so dass berufliche oder große Probleme in Familie-Bekanntenkreis auftreten, muss man nachhelfen. Nachhelfen bedeutet zwangsläufig eine Zwangseinweisung in die Psychiatrie. Nachhelfen ist nicht legal und sollte man schon für sich verantworten können. Da sind die Angehörigen gefragt. Ich würde mit den Angehörigen reden und die Situation klarstellen, was zu tun ist. Ich bin betroffener und kann sehr gut nachvollziehen, wie belastend solch eine Situation für alle beteiligten sein kann.
Schizophrenie

Hallo Kitty, vielen Dank für die Antwort!
Ich werde mir noch Gedanken machen, wie man mit
ihr sprechen könnte…
Dass ich indirekt von ihr spreche, liegt daran, dass
ich gerne anonym bleiben möchte. :wink:

Danke für die Antwort!
Wir werden demnächst mit der Person darüber sprechen;
dann sehen wir weiter…

Selbstverständlich!

Geh behutsam vor und notiere dir die Einzelheiten (Argumente der Person, generelle Reaktion, Zeichen von Angst usw) und entscheide dann.

Einen guten Rutsch.

Kitty

Hallo Kitty, vielen Dank für die Antwort!
Ich werde mir noch Gedanken machen, wie man mit
ihr sprechen könnte…
Dass ich indirekt von ihr spreche, liegt daran, dass
ich gerne anonym bleiben möchte. :wink:

Hallo, Michi12,

ganz am Ende bemerken Sie, die betreffende Person sei alt. Soweit ich mich auskenne, sind solche Phänomene bei alten Leuten, die beginnen, dement zu werden, nicht selten. Es hat dann sicher keinen Sinn, ihr das auszureden, denn sie selbst ist ja überzeugt, dass es so ist. Schlimmstenfalls bricht sie die Beziehung ab und will nichts mehr mit Ihnen zu tun haben, weil Sie ja mit „denen“ unter einer Decke stecken.

Holen Sie sich doch Rat bei einer psychiatrischen (besser noch: gerontopsychiatrischen) Ambulanz, einem psychiatrischen Pflegedienst oder so etwas ähnlichem. Am besten wäre sicher, die Person käme in Behandlung bei einem Psychiater, der Erfahrung mit alten Menschen hat. Doch wie man dahin kommt, ist sicher nicht ganz einfach. Vermutlich wird irgendwann auch in Frage gestellt sein, ob die Person noch allein leben kann.

So viel erst einmal?
Mit freundlichen Grüßen
Winfried Mall

Es ist oft bei älteren Menschen so, bitte schlussfollgern Sie daraus bloss keine psychiatrische „Erkrankung“. Mit so einem Menschen kann man nur liebevoll umgehen, psychiatrische Betreuung darf nicht in Betracht gezogen werden (info: http://www.psychiatrie-erfahrene.de/faq )…
Sie können mich auch tel. erreichen: http://weglaufhaus.de/beratung/index.html
Liebe Grüße
A. Skulski
Kontakt:
http://weglaufhaus.de/beratung/index.html