Sadomasochistische Doktorspiele?

Hallo,

ist es normal, wenn Mädchen im Grundschulalter Doktorspiele
spielen, die sadomasochistisch sind? Einer spielt sozusagen wohl das „Opfer“ der andere den „Täter“. Bsp: Eine (beides Mädchen) spielt einen Scheich, die andere eine Haremsdame die zum Sex per Messer (Filzstift) gezwungen wird. (beide haben natürlichen keinen richtigen Sex)
In meinen Augen gehört das nicht mehr in die Kategorie „Doktorspiel“.
Wie seht ihr das?

MfG
Elmar

Hallo Elmar,

in diesem Fall käme es wohl auf den Verlauf der Doktorspiele an. Zu den Anzeichen für Missbrauchsproblematiken gehört z.B. häufig ein nicht altersgemäßes Detailwissen über sexuelle Handlungen. Auch könnte es einen Unterschied machen, ob bei diesem Spiel der spielerische Aspekt im Vordergrund steht oder der sexuelle.

Heißt: Es könnte sich grundsätzlich einfach nur um ein Rollenspiel wie „Cowboy und Indianer“ handeln, bei dem die Kinder die sexuelle Ebene miteinbeziehen. Angesichts des sex-and-crime-Fernsehens gäbe es dafür durchaus Modelle.

Eine andere Frage wäre die „Begeisterung“ beider Kinder beim Spiel. Wenn beide ihre Rolle gewählt bzw. sie gemeinsam die Rollen verteilt haben, würde ich das anders werten, als wenn einer von beiden hier spielbestimmend wäre - und das könnte durchaus auch das „Opfer“ sein.

Im Normalfall spielen Kinder lieber Helden als Verlierer, lieber Täter als Opfer. Dennoch muss das keine Rückschlüsse auf pathologisches Verhalten erfordern. Die Rolle des Weißen, der an den Marterpfahl gebunden wird, kann auch keiner leiden - trotzdem muss es halt einen geben, der ihn spielt.

Hier wäre also einiges mehr an Informationen wichtig, um sich ein vollständigeres Bild von der Sache machen zu können.

Schöne Grüße,
Jule

Um mal aus dem Nägkästchen zu plaudern ohne nun zu viel zu sagen:

Das habe ich in der Richtung auch gemacht. Ohne irgendwelche negativen Ereignisse, die vorhergingen (soweit ich weiß zumindest nicht). Auch heute geht meine Sexualität in Richtung „Opferrolle“. Alles immer freiwillig.

Wohlmöglich steckt so eine Vorliebe schon in einem, bevor man überhaupt eine kleinste Vorstellung von Sexualität hat.

Wie Jule sagt, wenn das freiwillig passiert, dann sehe ich da erst mal wenig Handlungsbedarf. Nicht jedes Opfer kennt die Rolle wirklich und nicht jeder dominante (im sexuellen Sinn) Mensch ist ein potentieller Vergewaltiger.

Hallo,

das lässt sich wahrscheinlich pauschal nicht beantworten, es kommt (wie Jule bereits geschrieben) hat, wohl auf die Gesamtsituation und den Kontext derarertiger Spiele hin.

Tatsächlich berichten viele erwachsene Sadomasochisten und Sadomasochistinnwen, daß sie bereits im Kreinkindalter diese Phantasien hatten und sowohl autoerotisch, als auch im Rahmen von Kinderspielen derartige Situationen gesucht haben - Stichwort: „Ich wollte immer der sein, der an den Marterpfahl gebunden wird.“

Von mir selbst kann ich berichten, daß ich sadomasichistische Phantasien hatte, so lange ich zurückdenken kann. Die früheste datierbare Phantasie hatte ich mit 5 1/2 jahren; es war beileibe aber nicht die erste. Andere BDSMler, die ich kenne, berichten das von sich ähnlich.

Faszinierenderweise ist die Phase der „Doktorspiele“ an mir vorübergegangen; dazu kann ich also nichts sagen. Autoerotische Spiele kammen aber auch bei mir in diesem ASlter schon vor, ohne daß ich hätte benennen können, was das eigentlich ist und warum das so ein gutes Gefühl bei mir auslöst.

Kurz gesagt: Die Situation, die Du beschreibst, kann alles oder nichts bedeuten. Weder ich noch die Freunde, von denen ich schreibe, sind jemals mißbraucht worden, und obwohl es schon mehrfach untersucht wurde, konnte auch statistisch keine Korrelation zwischen BDSM-Neigung und Mißbrauchserfahrung nachgewiesen werden. Trotzdem kann die Situation, die du beschreibst, natürlich das Nachspielen einer Mißbrauchsituation sein. Oder einfach nur ein kindliches Herumexperimentieren. Oder der Ausdruck einer vorhandenen Neigung. Oder oder oder …

Liebe Grüße,
Max

ist es normal, wenn Mädchen im Grundschulalter Doktorspiele
spielen, die sadomasochistisch sind? Einer spielt sozusagen
wohl das „Opfer“ der andere den „Täter“. Bsp: Eine (beides
Mädchen) spielt einen Scheich, die andere eine Haremsdame die
zum Sex per Messer (Filzstift) gezwungen wird. (beide haben
natürlichen keinen richtigen Sex)
In meinen Augen gehört das nicht mehr in die Kategorie
„Doktorspiel“.
Wie seht ihr das?

MfG
Elmar

Absolut nicht mehr innerhalb der Norm. Die zwei (oder eine davon) hat entweder unfreiwillig einen so gearteten Film gesehen, oder etwas erzählt bekommen oder im schlimmsten Fall etwas erlebt.

Da würde ich mal einen Profi zu einem Gespräch hinzuziehen.

LG

Absolut nicht mehr innerhalb der Norm. Die zwei (oder eine
davon) hat entweder unfreiwillig einen so gearteten Film
gesehen, oder etwas erzählt bekommen oder im schlimmsten Fall
etwas erlebt.

Sorry, dieser apodiktischen Aussage muss ich widersprechen. Dazu gibt es einfach zu viel belegte Fälle von Menschen, die derartige Phantasien bereits als Kinder hatten, ohne daß ihnen etwas erzählt wurde, sie etwas erlebt haben oder sie so etwas gesehen haben. Um mich selbst als Beispiel heranzuziehen: Ich habe um 1980 in meinem oberbayerischen Heimatdorf definitiv keinen Zugang zu irgendwlchen sadomasochistischen Darstellungen gehabt, geschweige denn etwas erlebt. Ich wurde auch nie mißbraucht. Auch nicht geschlagen. Und ich bin (wie du auch an anderen Postings siehst) nicht der einzige mit dieser Erfahrung - und auch nicht der jüngste.

Ich halte eine undifferenzierte Betrachtungswweise, die solche Erfahrungsberichte ignoriert, für sehr bedenklich.

Gruß,
Max

6 „Gefällt mir“

Nägkästchen ?

Was ist das?

Vielen Dank für eure ganzen Antworten! Fand ich sehr hilfreich, da es mich auch beruhigt. Die Bekannte von mir meinte sogar, dass die Dominante im Spiel ihrem ‚Opfer‘ die Brüste abgeschnitten hat (welche noch gar nicht da waren, waren ja noch Kinder. Also imaginiert)… Und heute spielt sie im erwachsenen Leben gerne beim Sex das Opfer. Das sei aber weniger geworden, seitdem sich ihre Persönlichkeit verändert habe. Ein Prozess von vielen Jahren.

Was sagt eigentlich die Psychoanalyse dazu???

Nägkästchen ?

Ich nehme an, dass ist einem verrutschten Zeigefinger zu schulden:
g statt h
Nägkästchen statt Nähkästchen

Gruß
Elke

Was sagt eigentlich die Psychoanalyse dazu???

Deine Fantasien sind sehr interessant.

2 „Gefällt mir“

frag mich wirklich, was dir das bringt

Narzisst?

Richtig, Nähkästchen. Da waren die Finger wieder schneller als die Augen. Verzeihung.

Zustimmung.
Mein Dorf war im Norden, aber ansonsten meine Erfahrungen deckungsgleich mit dem Denker.