Hallo an alle!
Was mir noch nicht ganz klar ist: Warum konnte die Reichsdeputation so einfach die Enteignung von kirchlichen Gütern beschließen? Warum hatte die Kirche keine Mitsprache? (bzw. es wurde wohl ignoriert oder zurückgewiesen)
Warum wird der Verlust von katholischem Besitz besonders betont? Liegt es daran, weil es durch die Reformation ohnehin schon nicht mehr so viele katholischen Besitztümer gab?
Fragende Grüße von
Sinkasin
Hallo !
Die politische Zielsetzung Napoleons und diejenige der deutschen Mittelstaaten sowie Preußens korrespondierten zeitweilig einander. Und vielen Publizisten und Staatsmänner schien die Zeit für einen solchen Schritt reif.
Der Papst machte keinen Versuch zur Rettung der geistlichen Fürstentümer des alten Reiches. Vielmehr hielt er sich bewußt zurück, nachdem die reichskirchlichen Bestrebungen gegen die Oberhoheit des Papsttums, von denen die Rede war, im Episkopalismus der deutschen Bischöfe und im Febronianismus Ausdruck gefunden hatten. Das fürstbischöfische Selbstbewußtsein, der patrikulare Absolutismus des bischöflichen Reichsadels, liefen den Ansprüchen des Papsttums zuwider : „Es ist die Parallele des Kampfes der größeren Stände gegen das Kaisertum“, konstatiert Aretin und gelangt zum Schluß, dass schließlich die alten universalen Mächte, Kaiser und Papst, im Sinne der partikularen Kräfte die Säkularisation begünstigten, die besser und zutreffender als Entmachtung des seit dem Westfälischen Frieden aufgestiegenen Reichsadels bezeichnet werden sollte. Darin liegt das eigentlich Umwälzende, um nicht zu sagen Revolutionäre dieses Vorgangs, dass in ihm eine bis dahin das Reich tragende und seine Katholizität bestimmende Schicht ausschied.
Die kurie mußte im übrigen Rücksicht auf Napoleon nehmen, sie hatte sich durch das Konkordat mit ihm die Hände gebunden und schickte beispielsweise den förmlichen, nicht sehr nachdrücklichen Protest gegen die Säkularisation an den Kurfürsten von Bayern erst zwei Tage vor der Verabschiedung des reichsdeputationshauptschlusses ab, so dass er erste nachträglich in München einging.
(„Fürstentum oder Bürgernation“)
Ich hoffe, ich konnte Dir helfen.
Gruß max
Hallo Sinkasin,
ergänzend zu Max muss man einfach den Zeitgeist anführen. Der Ruf der Kirche war damals noch schlechter als heute. Sie galt ím übertragenden Sinne als abbruchreif, als mittelalterlich, rückständig, überlebt.
Dass vieles dieser Urteile Propaganda war, um diesen legalen raubzug der Fürsten zu decken, stellt sich erst im Abstand der Jahrhuhnderte heraus. Die großen Ausstellungen zum 200. Jahrestag zeigen ja die Vielfalt der geistlichen Besitztümer, die oft besser verwaltet waren als die weltlichen. („Unterm Krummstab ist gut leben.“)
Deine Idee mit der Konfessionsspaltung ist sicher richtig. In den protestantischen Gebieten gab es eben nur noch kleinere geistliche Ländereien.
Andreas
Liest sich recht mühsam der Artikel. Aber ich will es versuchen:
Der Papst machte keinen Versuch zur Rettung der geistlichen
Fürstentümer des alten Reiches. Vielmehr hielt er sich bewußt
zurück, nachdem die reichskirchlichen Bestrebungen gegen die
Oberhoheit des Papsttums, von denen die Rede war, im
Episkopalismus der deutschen Bischöfe und im Febronianismus
Ausdruck gefunden hatten.
ich habe keine Ahnung was Episkopalismus und Febronianismus sind. Und außerdem: War der Papst nicht auch in Gefangenschaft? Zu der Zeit auch noch oder nicht mehr?
Stände gegen das Kaisertum", konstatiert Aretin und gelangt
zum Schluß, dass schließlich die alten universalen Mächte,
Kaiser und Papst, im Sinne der partikularen Kräfte die
Säkularisation begünstigten, die besser und zutreffender als
Entmachtung des seit dem Westfälischen Frieden aufgestiegenen
Reichsadels bezeichnet werden sollte.
Das verstehe ich nicht. Entmachtung des Reichsadels??
Die kurie mußte im übrigen Rücksicht auf Napoleon nehmen, sie
hatte sich durch das Konkordat mit ihm die Hände gebunden und
Welches Konkordat?
Ich hoffe, ich konnte Dir helfen.
Versuch’s nochmal 
Grüße Sinkasin
Episkopalismus, Febronianismus
Hallo !
Schon merkwürdig! Du stellst eine Frage, ohne das Drumherum zu kennen!
Solch eine Geschichte kann man eigentlich nur im Zusammenhang begreifen
Episkopalismus : Im röm.-kathol. Kirchenrecht die Ansicht, wonach die oberste Kirchenmacht in der Gesamtheit der Bischöfe und ihrem allgemeinen Konzil beruht. Im Gegensatz zu dem jetzt herrschenden Papalsystem , das sich als die unumschränkte Machtvollkommenheit des Papstes darstellt. In der alten Kirche, wie noch jetzt in der griechischen, herrschte das Episkopalsystem.
Durch die mittelalterliche Papstgewalt zurückgedrängt, trat es im 15. Jahrhundert auf den Konzilien von Konstanz und Basel wieder hervor, bis endlich im Unfehlbarkeitsdogma von 1870 das Papalsystem über das Episkopalsystem den Sieg davontrug.
Febronianismus : Katholisches Kirchenverfassungsprogramm, benannt nach dem Pseudonym Justinus Febronius des Trierer Weihbischofs Joh. Nikolaus von Hontheim (1701 - 1790). Er entwickelte auf der Grundlage eines entschiedenen Episkopalismus nach dem Vorbild des Galikanismus den Plan einer von Rom unabhängigen, auch die Protestanten einschließenden Reichskirche. Sein Hauptwerk „De statu ecclesiae et legitima protestate Romani Pontificis“
1763 - 1773 hatte trotz Indizierung größten Einfluß auf das Staatskirchenrecht vieler Länder.
Rest folgt!!
Gruß max
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Konkordat von 1447
Hallo !
Nikolaus V. (1447-1455), wird gemeinhin als erster
Renaissancepapst angesehen. Er wirkte vor allem als
Versöhnungs- und Friedenspolitiker. Während er sich
verhältnismäßig rasch mit König Alfonso von Neapel
einigen konnte, erreichte er allgemeine Anerkennung
im Heiligen Römischen Reich erst nach Auflösung
des romfeindlichen Bundes der deutschen Kurfürsten.
Köln, Trier, Sachsen und Pfalz hatten sich mit Frank-
reich verbündet, das die Resignation Felix’ V., das
Einlenken Nikolaus’ V. gegenüber den Baslern und
die Berufung einer Universalsynode auf französi-
schem Boden betrieb. Auf dem Aschaffenburger Für-
stentag vom Juli 1447 wurde Nikolaus V. schließlich
im Reich als rechtmäßiger Papst anerkannt.
An die Basler aber wurde die ernsthafte Mahnung
zur Auflösung ihrer Versammlung gerichtet. Nikolaus
V. erklärte sich bereit, die von seinem Vorgänger
Eugen IV. geschlossenen Fürstenkonkordate vom Fe-
bruar 1447 und dessen Zusagen über die Kaiserkrö-
nung zu bestätigen. Der Stimmungsumschwung zu-
gunsten des Papstes Nikolaus V. war das Verdienst
des königlichen Gesandten Enea Silvio Piccolomini,
des nachmaligen Papstes Pius II. (1458-1464). Am
21. August 1447 gebot schließlich ein Edikt Fried-
richs III. die reichsrechtliche Anerkennung des Pap-
stes Nikolaus V. Die Beschlüsse des Aschaffenburger
Fürstentages bahnten dann den Weg zum Abschluß
des Wiener Konkordats von 1448 zwischen dem Kai-
ser und dem päpstlichen Legaten Kardinal Juan de
Carvajal. Dieses Konkordat hat im Reich bis zur Sä-
kularisation im Jahre 1803 gegolten. Es verankerte
das päpstliche Besetzungsrecht von Kanonikaten und
Benefizien, garantierte die Erträgnisse der Kurie, lei-
stete aber keinen Beitrag zur notwendigen Reform der
Kirche. Vor allem vermochte es nicht die bestehenden
Antipathien gegen die römische Kurie zu beschwich-
tigen und die immer vernehmlicher werdenden Re-
formforderungen zu dämpfen.
In Rom und im Kirchenstaat glückte Nikolaus V.
die unblutige Befriedung, indem er die aufgehobene
römische Selbstverwaltung wiederherstellte und die
Barone aussöhnte. Als Kunstmäzen und Bauherr
wirkte dieser Papst beim Ausbau der Peterskirche und
des Vatikans, im Brücken- und Straßenbau, als Bi-
bliophile gründete er die berühmte Vatikanische Bi-
bliothek; in seiner Kanzlei beschäftigte er führende
Humanisten seiner Zeit.
Untervermittlung Frankreichs, das das Erbe der
Visconti in Mailand anstrebte und eine entwürdigende
Beugung der Basler Konziliaristen zu verhindern
suchte, vermochte Nikolaus V. schließlich die Überre-
ste der Kirchenspaltung auszuräumen. Er erkannte
Felix V. eine Rente auf Lebenszeit und das suburbi-
karische Bistum Sabina zu, als dieser Gegenpapst am
[Propyläen-Weltgeschichte: Friedrich Merzbacher: Europa im 15. Jahrhundert, S. 20 ff.Digitale Bibliothek Band 14: Propyläen-Weltgeschichte, S. 9183 (vgl. PWG Bd. 6, S. 382 ff.) © Ullstein Verlag]
Gruß max, der Rest folgt.
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Konkordat von 1801, Pius VII.
Hallo !
Pius VII. Papst von 1800 - 1823, wurde 1809 - 1814 in französischer Haft gehalten.
1801 erkannte dieser Papst im Konkordat von 1801 die durch den verbeamteten Klerus institutionalisierte Religion und damit die revolutionären sozialen Umwälzungen an.
Hab ich die Prüfung bestanden ?
Gruß max
Hallo !
Schon merkwürdig! Du stellst eine Frage, ohne das Drumherum zu
kennen!
Solch eine Geschichte kann man eigentlich nur im Zusammenhang
begreifen
Hallo Max!
weißt Du, wenn ein Kind die Landesausstellung in Schussenried sieht und dann fragt: „Wieso konnte man denen das einfach so wegnehmen?“ - da steht man dumm da. Ich denke es sind zwei Paar Schuhe - die ganzen Hintergründe zu kennen (und das gebe ich zu, daran fehlt’s) - und auf der anderen Seite aber die Hintergründe verständlich zu übermitteln.
Wie kann man Kindern Geschichte begreiflich machen? (Was bei mir schon nicht gelungen ist).
Ich werd mich schon irgendwie durchwühlen und mich dann um eine Antwort für einen 10-Jährigen bemühen. Vielleicht hätte ich das gleich schreiben sollen.
Du kannst Dich glücklich schätzen, wenn du alle Zusammenhänge kennst und verstehst. Bei mir ist das Interesse da, aber es klaffen eben viele Lücken.
Sinkasin
Du kannst Dich glücklich schätzen, wenn du alle Zusammenhänge
kennst und verstehst. Bei mir ist das Interesse da, aber es
klaffen eben viele Lücken.
Hallo !
Ich kenne/kannte bisher auch wenig davon. Erst durch die Fragen kommt das Interesse.
Aber, schön wäre es und erleichternd, wenn man weiß, es ist für ein Kind. Dann läßt man diese ganzen „fremden“ Wörter weg und sagt es in einfachen Worten.
gruß Max
Dann läßt man diese ganzen „fremden“ Wörter weg
und sagt es in einfachen Worten.
Das sagst Du so einfach…
Mir ist bisher immer noch keine „einfache“ Antwort eingefallen, denn dazu muß ich erstmal die ganzen Fremdwörter und das drumherum wirklich verstehen. Ich denke, daran merkt man immer, ob man etwas wirklich verstanden hat (in allen Fächern) wenn man etwas mit einfachen Worten erklären kann.
Gruß Sinkasin
Hallo, Sinkasin,
eigene Recherche hilft in solchen Fällen weiter: Google ist Dein Freund!
Febronianismus , 1763 durch J. Febronius ausgelöste Bewegung (bis 1806) in der katholischen Kirche, in der auch österreichische Bischöfe für eine selbständigere Stellung gegenüber dem Papst und für eine Nationalkirche eintraten.
http://www.google.de/search?q=Febronianismus&ie=UTF-…
Episkopalismus. Wie der französische Episkopalismus sich auf die Pragmatische Sanktion von Bourges 1438 stützte, so der deutsche reichkirchliche Episkopalismus auf die „Konkordate der deutschen Nation“ im 15. Jahrhundert, besonders auf das Wiener Konkordat von 1448. Auf diese Konkordate gestützt, wahrte die deutsche Reichskirche die „Freiheiten der deutschen Nation“ gegenüber Rom, und dies besonders bei den Bischofswahlen durch die Domkapitel. Dieser Episkopalismus war Ausdruck des „Reichsbewußtseins“ des Heiligen Römischen Reiches, dessen Träger bis zur Säkularisation vor allem die Fürstbischöfe und besonders die drei geistlichen Kurfürsten von Mainz, Köln und Trier waren.
http://www.st-georgen.uni-frankfurt.de/bibliogr/scha…
Gruß
Eckard
Richtig, Eckard, das sind für ein Kind endlich mal leichtverständliche Sätze!!
Gruß Max