Safran

Gruß euch edlen Helferleins!

Für einen Mittelalterlich angehauchten Liedtext müsste ich wissen, ob es Safran damals schon in Deutschland/Europa gegeben hat. Wie wertvoll war er dann? Hatten „einfache“ Leute überhaupt eine Chance an Safran gekommen? Wäre er als Tauschware in Frage gekommen?

Welches andere seltene Gewürz (am liebsten Zweisilbig) war wohl eine begehrte, aber seltene Tauschware im Mittelalter?

Dank denen, die ihr hochgeschätztes Wissen mit mir teilen wollen!

Gott behüt` euch,
Sabine

Servus,

Für einen Mittelalterlich angehauchten Liedtext müsste ich
wissen, ob es Safran damals schon in Deutschland/Europa
gegeben hat.

Ja. Safran gehört zu den schon am längsten gehandelten Gewürzen, neben Nelken, Muskat und Pfeffer. Der Anbau im Mittelmeerraum setzt an der Schwelle zur Neuzeit ein.

Wie wertvoll war er dann?

Lot zu Lot in Gold aufgewogen.

Hatten „einfache“ Leute
überhaupt eine Chance an Safran gekommen?

Grob geschätzt: Ein Tagelöhner hätte sich sicherlich ein paar Gramm Safran kaufen können, wenn er vielleicht fünfhundert Jahre lang gearbeitet hätte.

Kurzerhand: Nein.
Für Leibeigene waren Handelswaren jeder Art so gut wie unzugänglich - das gilt aber nicht bloß für Gewürze.

Wäre er als
Tauschware in Frage gekommen?

Ja. Fast so gut wie Gold; allerdings etwas leichter zu fälschen (vgl. Saflor, Färberdistel)

Welches andere seltene Gewürz (am liebsten Zweisilbig) war
wohl eine begehrte, aber seltene Tauschware im Mittelalter?

Muskat (an der Schwelle zur Neuzeit - das Mittelalter hat lange gedauert und umfasst viele Epochen), Nelken (etwas früher), Pfeffer

Viele interessanten Einzelheiten bei Gernot Katzer von der Uni Graz, der für Internet-Verhältnisse ausgesprochen seriös arbeitet:

http://www.uni-graz.at/~katzer/germ/Croc_sat.html

Schöne Grüße

MM

Hallo !

Safran (v. arab. za’ferān, lat. Crocus), die Narben von Crocus sativus, der zur Gewinnung derselben vielfach kultiviert wird (vgl. Handelspflanzen, S. 737). Die Safranblüten enthalten einen mehrere Zentimeter langen Griffel, der sich an der Spitze in drei 2,5–3 cm lange, fadenförmige, allmählich sich erweiternde, orangerote Narben teilt (s. Tafel ð »Arzneipflanzen II«, Fig. 10, mit Text). Letztere allein werden gesammelt und möglichst schnell getrocknet. 70,000 bis 80,000 Blüten liefern 1 kg getrockneten S., und jede Pflanze treibt nur 1–2 Blüten. S. bildet ein loses Haufwerk einzelner oder noch zu je dreien zusammensitzender, gesättigt braunroter, sich fettig anfühlender Fäden, riecht intensiv, fast betäubend, schmeckt bitter, gewürzhaft, ist sehr hygroskopisch und enthält Safrangelb (Polychroit, Crocin) von außerordentlichem Färbungsvermögen, ein gelbes, dickflüssiges, schweres ätherisches Öl (Safranöl), Traubenzucker und 4,4–7 Proz. mineralische Stoffe. Die größte Quantität des Safrans wird gegenwärtig in Spanien (Valencia, Alicante und Novelda, 45,000 kg jährlich) gewonnen, der höher geschätzte französische stammt aus dem Arrond. Pithiviers im Gâtinais (Produktion 2–4000 kg), als der vorzüglichste gilt der niederösterreichische (Meissau etc.), der aber nur in sehr geringer Menge produziert wird. Weniger geschätzt ist der englische und der türkische S. S. wird viel verfälscht mit Blüten von Calendula, Carthamus, Kollodiumfäden etc., mit Beschwerungsmittel, wie Baryt, Gips etc., auch werden extrahierte Narben gefärbt. Man benutzt S. als Gewürz (besonders im Orient) und zum Färben von Speisen, zu Goldfirnis, kaum noch in der Medizin. Er wirkt stark erregend und bewirkt in größern Gaben heftige Kongestionen. S. spielt seit den ältesten Zeiten eine große Rolle als Arzneimittel, Gewürz oder Farbmaterial. Er wird erwähnt in der ältesten indischen Medizin, bei Salomo, Homer, Hippokrates, Theophrast u.a. und galt im Altertum als »König der Pflanzen«. Im 10. Jahrh. wurde er in Spanien, wohin ihn die Araber gebracht hatten, kultiviert, nach Frankreich, Italien und Deutschland soll er durch die Kreuzfahrer gekommen sein. Im 15. und 16. Jahrh. scheint die Safrankultur bei uns von Belang gewesen zu sein. Später nahm der Gebrauch des Safrans immer mehr ab, und nur in einigen Gegenden hat sich eine eigentümliche Vorliebe für ihn erhalten. Reiche Araberinnen färben noch jetzt Augenlider, Fingerspitzen und Zehen mit S. Wilder, falscher S., s. ð Saflor und ð Colchicum. Kapsafran besteht aus den getrockneten Blüten einer Skrofulariazee vom Kap, Lyperia crocea, die annähernd Geruch, Geschmack und Färbungsvermögen des Safrans besitzen. Chemischer S. s. ð Safransurrogat. Vgl. Kronfeld, Geschichte des Safrans (Wien 1892).

[Lexikon: Safran. Meyers Großes Konversations-Lexikon (1905), S. 170281
(vgl. Meyer Bd. 17, S. 412 ff.)]

mfgConrad

Wäre er als
Tauschware in Frage gekommen?

Ja. Fast so gut wie Gold; allerdings etwas leichter zu
fälschen (vgl. Saflor, Färberdistel)

Schöne Grüße

MM

Hallo,
vielen lieben Dank für deine hilfreiche Antwort!

Wäre es also nicht realistisch, wenn eine (heimliche) „Heilerin“ als Gegenleistung „Safran, Brot und Wein“ erhielt, weil Safran viel zu wertvoll war? Dann muss ich den Text wohl umschreiben - vielleicht in Pfeffer, Brot und Wein …

Oder passt Brot und Wein auch nicht in die Situation?

Gruß,
Sabine

Wäre es also nicht realistisch, wenn eine (heimliche)
„Heilerin“ als Gegenleistung „Safran, Brot und Wein“ erhielt,
weil Safran viel zu wertvoll war? Dann muss ich den Text wohl
umschreiben - vielleicht in Pfeffer, Brot und Wein …

Auch Pfeffer war vermutlich zu teuer. Salz wäre eine Alternative. Wein tranken die ganz einfachen Leute vermutlich auch nicht, eher Bier.

Gruß,

Myriam

Hallo und danke… der Wein muss aber bleiben, sonst reimt es sich nicht mehr.
… tranken ihn nicht … weil sie nicht drankamen, nehme ich an? Und wenn sie mal jemand behandelte, der reich ist?
Salz geht auch nicht, passt nicht ins Versmaß.

LG
Sabine

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Servus,

der Wein muss aber bleiben, sonst reimt es
sich nicht mehr.

der Wein passt, finde ich, ganz gut: Er ist für einen gemeinen Mann bereits etwas Besonderes, liegt aber durchaus im Bereich des Möglichen und noch Erschwinglichen.

Vom 9. bis ins 14. Jahrhundert war in Mitteleuropa eine Periode ziemlich günstigen Klimas, eine kleine Warmzeit. Aus dem 13. Jahrhundert sind bis ins Niedersächsische hinein Terrassen nachweisbar, die wohl vornehmlich dem Feldgemüse-, aber auch dem Weinbau dienten. Orts-, Flur- und Straßennamen, die sich auf Weinbau an aus heutiger Sicht teils ziemlich seltsam anmutenden Orten beziehen, stammen aus dieser Periode. Auch z.B. der legendäre Frankfurter Äppler ist eigentlich ein Nachfolger des Wetterauer Weins, der später bei wieder rauherem Klima durch Apfel und Speierling ersetzt wurde.

Die Handelswege zeigen, dass bereits im Hochmittelalter z.B. Burgunder Wein etwas Besonderes war, aber noch im Bereich des Erreichbaren lag. Im 13. Jahrhundert fuhren Hamburger Handelsleute nach Nantes, La Rochelle und Bordeaux, um dort die Weine für die hanseatische „Cuvée“, den Rotspon, zu holen. Wobei da wohl die Grenze für den gemeinen Mann überschritten ist. Aber ein Eschweger? Bamberger? Gladbacher? täte schon ungefähr passen, denke ich.

Wenn man, wie in der beschriebenen Situation, etwas Besonderes hervorheben will, ist dafür der Weiße gut geeignet, weil der relativ anspruchsvoller in der Kellerwirtschaft ist.

Schöne Grüße

MM

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Hallo,

Wein passt schon. Den gabs (stark verdünnt und wahrscheinlich auch sehr
sauer) oft als Löhnung. Bei den Gewürzen wird es schwerer. Alle
„ausländischen“ waren, wie oben schon angedeutet, für das Volk
eigentlich unerschwinglich. Wie wäre es mit Kerbel oder Kümmel? Oder
kein Gewürz: Linsen …
vV
Richard