Sakrileg

Hi!

Ich habe den Roman Sakrileg von Dan Brown gelesen und interessiere mich für dessen Wahrheitsgehalt. Trifft es zu, dass Jesus mit Maria Magdalena verheiratet war? Wurde der „Gottestatus“ Jesu wirklich auf einer Versammlung 200 Jahre nach dessen Tod festgelegt? Über Quellenangaben würde ich mich freuen.

Vielen Dank im Vorraus

Hi,

Trifft es zu,
dass Jesus mit Maria Magdalena verheiratet war?

Sagen wirs mal so: Wenn es so gewesen war, dann hat man das ganz gekonnt bis heute totgeschwiegen.

Beweise oder zuverlässige Quellen gibt es keine.

Die Vermutung siegt hier und die ganzen Mythen, die man später z.T. erfand, die einfach entstanden.

Maria Madgalena war seine liebste Jüngerin, das steht fest. Steht wohl auch so in der Bibel.

Wie weit die Liebe ging, weiss man nicht. So wie man wenig über Jesu Leben weiss. Ob Maria Magdalena von Jesus Kinder hatte, weiss niemand. Niemand weiss ob das „Sang Real“ Erfindung und Mythos ist, oder etwas Wahrheit dran hängt.

Allerdings würde ich mal annehmen das die zwei nicht nach dem jüdischen (beide waren jüd. Glaubens) Ritus geheiratet haben. Damals hätte sich kaum ein Rabbi gefunden beide zu trauen (nehme ich mal an). Außerdem hatte sich Jesus ja schon „selbstständig“, sprich unbeliebt gemacht. Ich nehme an sie hätten sich eher gegenseitig ein Versprechen gegeben und zusammen gelebt. Und damals gab es ja noch keine Standesämter. Daher - alles Vermutung.

Wurde der
„Gottestatus“ Jesu wirklich auf einer Versammlung 200 Jahre
nach dessen Tod festgelegt?

Ja, das Konzil von Nikäa. Die genaue Definition, die dann auch die Spaltung der west- und ost-römischen Kirche zu Folge hatte, kann ich dir aber nicht sagen.

Über Quellenangaben würde ich mich
freuen.

Schau mal in das Brett Religion und suche im Archiv. Da wirst du fündig. Ansonsten amazon durchwühlen.

Gruß
Helena

PM
Hallo Heinz,

Zufall? Bei mir ist heute frisch das neue PM-Magazin ins Haus getrudelt. Darin beschäftigt sich ein Artikel mit Dan Browns Thesen und deren Wahrheitsgehalt.

Demnach ist die ganze Geschichte so ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Das einzige Pro-Brown-Argument ist, daß Jesus als Rabbi eher verheiratet war, da ein den Geboten folgender Rabbi verheiratet zu sein hatte (á la „seid fruchtbar und mehret euch“). Nun wurde Jesus von seinen Gegnern so ziemlich alles vorgeworfen, nur nicht, daß er nicht verheiratet war, was ziemlich bemerkenswert ist. Allerdings findet sich im NT auch kein einziger Hinweis darauf, daß er verheiratet war, was sich aber dadurch erklären ließe, daß Jesus dadurch von der göttlichen, vergeistigten Ebene aufs Menschendasein reduziert würde.

Gruß
mowei

Aktuelle P.M.!
Hallo Heinz,
schau mal in die aktuelle P.M., da wird genau diese Frage (und andere zu dem Thema) untersucht:

http://www.pm-magazin.de/de/heftartikel/artikel_id87…

Gruß Alex

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Oder so! :wink: owT

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Allerdings würde ich mal annehmen das die zwei nicht nach dem
jüdischen (beide waren jüd. Glaubens) Ritus geheiratet haben.
Damals hätte sich kaum ein Rabbi gefunden beide zu trauen

nach dem jüdischen ritus ist niemand spezieller notwendig, auch kein rabbi. jeder kann heiraten, indem er der frau vor zwei zeugen eine wertsache, meistens einen ring, übergibt und sie ihn annimmt. mehr ist für eine gültige ehe nicht erforderlich. daß ein rabbi jemanden „traut“ bzw. daß sich ein rabbi finden muß der dies tut, ist eine christliche vorstellung.

ich finde das lustig, daß hier über jesus spekuliert wird, indem völlig falsche dinge über das judentum angenommen werden.

gruß
datafox

allenfalls eine ‚neu‘-christliche vorstellung

nach dem jüdischen ritus ist niemand spezieller notwendig,
auch kein rabbi. jeder kann heiraten, indem er der frau vor
zwei zeugen eine wertsache, meistens einen ring, übergibt und
sie ihn annimmt. mehr ist für eine gültige ehe nicht
erforderlich. daß ein rabbi jemanden „traut“ bzw. daß sich ein
rabbi finden muß der dies tut, ist eine christliche
vorstellung.

zu der fraglichen zeit hatte auch die christliche kirche noch nix mit eheschließungen zu tun. das kam erst viele hundert jahre später (wann genau, müßte ich nachschauen.)

gruß
ann

PM - die Bildzeitung der Wissenschaft…
Wer glaubt,was da drin steht…

Mea Culpa Datafox,

ich habe meine Lektion „jüdische Religion und Rituale“ noch nicht gelesen, sie liegt noch im Regal. Vorher muss ich noch die „Kriminalgeschichte des Christentums“ fertiglesen.

Da bei den jüdischen Hochzeiten (in Israel, als ich in den 80ern Au Pair war) bei denen ich eingeladen war, immer ein Rabbi da war, nahm ich an, das dies so sein muß.

Gruß
Helena

Moin, moin,

die erste Vermutung, daß Jesus mit Maria Magdalena verheiratet war, habe ich in „Der heilige Gral und seine Erben“ von Baigent/Leigh (erschienen im Bastei/Lübbe-Verlag) gefunden. Die meinen, M.M. sei - von Jesus schwanger geworden - irgendwann nach Frankreich gekommen und sei dort die Stammutter der Merowinger geworden. Das ist natürlich totaler Stuß!
Aber seitdem geistert diese Vermutung - oder das Gerücht, der Blödsinn, der Schwachsinn, was immer Du willst - durch die Literatur.
Garniert wird das Ganze in der Regel mit irgendwelchen Verschwörungstheorien, die allermeist darauf hinauslaufen, daß die Kirche irgendetwas unterdrückt, um ihren Machtanspruch - in diesem Fall ihre Interpretationhoheit der Gestalt Jesus - nicht zu gefährden bzw. nicht zu verlieren.
Daß über eine Heirat Jesu im Neuen Testament nichts berichtet wird, heißt natürlich nicht, daß er nicht verheiratet war; zu schließen aber, daß er verheiratet gewesen sein müsse, weil ein Rabbi zu seiner Zeit eben in der Regel verheiratet war, ist ein argumentum e silentio, und solche Argumente sind in der wissenschaftlichen Diskussion immer die schwächsten.
Wenn Dich interessiert, was man mit solchen argumenta e silentio alles vermuten, wahrscheinlich machen oder „beweisen“ kann, dann versuch mal, „Jesus, Gestalt und Geschichte“ von Ethelbert Stauffer (erschienen 1957, Dalp-Taschenbücher 332) zu finden.
Stauffer war Prof. für NT in Erlangen und wurde von den anderen Neutestamentlern bloß noch mitleidig belächelt.
Das letztemal ist die Verbindung Jesus - M.M. beschrieben worden in „Die Frau des Pilatus“ von Gisbert Haefs. Das ist freilich ein Roman und kein Bericht, und Haefs verzeihe ich das, weil ich ihm alles verzeihe. Sonst kann ich diese ganze Konstruktion nur noch unter psychopathologischen Aspekten sehen.

Have a nice day - Rolf

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Hallo,

so „gekonnt“ war das wohl nicht. In den letzten 2000 Jahren hat die Kirche so gut wie jeden Andersdenkenden und Kritiker als Häretiker, Ketzer bezeichnet und mit dem Tode bestraft, gerne durch Verbrennen auf dem Scheiterhaufen.
Soviel zur Wahrheitsfindung in der Christenheit.

Möglicherweise war Jesus ein ganz anderer Mensch, als er in der Bibel und anderer christlichen Literatur dargestellt wird. Vielleicht war er ein kleiner Revoluzzer, der König der Juden werden wollte und ist damit den Römern auf die Füsse getreten. Die Kreuzigung würde dies wieder plausibel machen. Zumindest eher als die verzweifelten Versuche der christlichen Kirchen, den Tod Jesu zu begründen.
Ich will damit nur sagen, dass scheinbar vieles nicht stimmt, was als Wahrheit verkauft wird.

Gruß,
Francesco

Da bei den jüdischen Hochzeiten (in Israel, als ich in den
80ern Au Pair war) bei denen ich eingeladen war, immer ein
Rabbi da war, nahm ich an, das dies so sein muß.

das war mir klar.

daß da ein rabbiner anwesend ist hat aber andere, ganz simple gründe: die bürokratischen verflechtungen mit dem staat lassen sich einfacher regeln (vor allem in ländern mit ziviler trauung, dort hat nur der rabbiner das befugnis, eine zivile ehe zu stiften) und weil es einfach teil seines jobs ist solche zeremonien zu leiten und das besser kann als andere :smile: er ist aber keine figur, die die „ehe stiftet“. die ringübergabe vor 2 zeugen stiftet die ehe. der anwesende rabbiner ist immer auch gleichzeitig einer der zeugen.

das geht sogar soweit, daß es vorgekommen ist, daß teenager nach der schule mit einem ring aus dem kaugummiautomaten vor ein paar freunden „hochzeit gehalten haben“ und diese geschieden werden mußte. denn sie hatten die ehe geschlossen!

gruß
datafox

zu der fraglichen zeit hatte auch die christliche kirche noch
nix mit eheschließungen zu tun. das kam erst viele hundert
jahre später (wann genau, müßte ich nachschauen.)

ich habe mich schlecht ausgedrückt! ich meinte nicht die damalige zeit. die meisten christen oder christlich sozialisierten menschen glauben, daß eine jüdische ehe von einem rabbi gestiftet wird. das ist völlig normal und nachvollziehbar, da man immer bekannte bilder auf das fremde projiziert. (das machen juden genauso mit christlichen dingen.)

gruß
datafox

ich habe mich schlecht ausgedrückt! ich meinte nicht die
damalige zeit.

nun, ich dachte, wir sind hier im brett „geschichte“ und der ursprungsposter fragte, ob jesus verheiratet war. draufhin meinte jemand, es hätte sich wohl kaum ein priester zur eheschließung gefunden. so jedenfalls sinngemäß.

religion oder politik können wir woanders diskutieren. (wobei ich dir ja durchaus in der sache recht gebe. diesmal)

gruß
ann

Oha…
Hallo,
zunächst mal Gratulation für deinen fundierten Beitrag.
Da du dich ja offensichtlich gut auszukennen scheinst, wäre ich dir sehr verbunden, wenn du diese etwas vertiefen könntest, z.B. mit einigen Textnachweisen (vielleicht aus einer neueren Ausgabe).
Ich lerne gerne dazu, daher schon mal im Voraus vielen Dank für die Mühe.

Gruß Alex

Wer glaubt,was da drin steht…

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Hi,

das der biblische Jesus, oder Jesus „wie ihn die Kirche hingearbeitet hat“, nicht viel mit dem (falls es ihn wirklich gab) Jesus zu tun hat, weiss ich auch. Mit Sicherheit stecken auch in den nicht-kanonisierten Schriften Fitzelchen der Wahrheit. Leider hat uns Jesus nichts hinterlassen, leider hat sein Apostel Petrus sein „Erbe“ an sich gerissen, leider wurde viel vernichtet. Daher kann seine Ehe/Liebe zu Maria Magdalena eben nur ein „Mythos“ bleiben und die Spekulationen um deren Kinder oder das Sang Real, werden Mythos bleiben.

Gruß
Helena