Hallo Wissende!
Die Griechen sind im Krieg mit den Persern. Xerxes schafft es doch tatsächlich aufs griechische Festland und zwar gewaltig tief. Die Marathon-Anekdote muss ich ja wohl jetzt nicht zum Besten geben. Alles bekannt. Themistokles überlegt sich geniale strategische Züge, die die Seeschlacht bei Salamis zugunsten der Griechen entscheidet.
Die Geschichte zählt immer drei bedeutende Schlachten, die man ja angeblich als „Retter der europäischen Kultur“ betrachtet, da im Falle einer Niederlage bei diesen Schlachten die Perser Griechenland besetzt hätten, was einen ausgebliebenen Siegeszug Alexanders des Großen in Persien zur Folge gehabt hätte (jedenfalls abgeklungenermaßen) und damit vor Allem keine direkte Blütezeit des Hellenismus in Persien etc.
Leute, verratet mir bitte, welche Schlacht ich vergessen habe!
Infos zu Quellenangaben, Links zu Schlachtaufbau (falls vorhanden oder rekonstruiert) und beteiligte Militärs sind sehr erwünscht!
Danke für Eure Hilfe Leute!
Lawrence
Hallo Wissende!
Die Griechen sind im Krieg mit den Persern. Xerxes schafft es
doch tatsächlich aufs griechische Festland und zwar gewaltig
tief. Die Marathon-Anekdote muss ich ja wohl jetzt nicht zum
Besten geben. Alles bekannt.
Hallo,
der Perserkönig, dem die Griechen „Marathon“ verdankten, war Dareios.
Die Geschichte zählt immer drei bedeutende Schlachten, die man
ja angeblich als „Retter der europäischen Kultur“ betrachtet,
Nicht nur „man“! Lies die „Perser“-Tragödie von Aischylos und staune darüber, dass schon er, ein Mitkämpfer in den Perserkriegen, den Sieg der Griechen auf die athenische Demokratie zurückführt!
Leute, verratet mir bitte, welche Schlacht ich vergessen habe!
Wenn’s unbedingt die heilige Dreizahl sein soll, plädiere ich für die Einbeziehung von Plataiai/Platää: 479, der Sieg der Griechen auch zu Land nach dem Seesieg von Salamis 480.
War das gemeint?
Schöne Grüße!
H.
Servus
Ich würde auch sagen dass die Schlacht von Plataiai die gesuchte sein könnte. Dort wurde der letzte Rest des persischen Landheeres (Xerxes war bereits wieder in Persien) von den Griechen (vor allem Spartaner) vollständig vernichtet. Das war dann der Grundstein für den Aufstieg Griechenlands und dem ersten Vordringen in den persischen Raum.
MfG
Christoph
Dort wurde der letzte Rest des
persischen Landheeres (Xerxes war bereits wieder in Persien)
von den Griechen (vor allem Spartaner) vollständig vernichtet.
… der letzte Rest ist gut. Schließlich war bei Salamis lediglich die persische Flotte geschlagen worden. Das Heer unter Mardonios war nach wie vor ungeschlagen und den verbündeten Griechen nach Truppenstärke überlegen (wenn auch Herodot schamlos übertreibt). Tatsächlich wurde 479 der letzte Rest der persischen Flotte vernichtet - in der Seeschlacht von Mykale.
Das mit der ‚Dreizahl‘ ist ohnehin ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Wenn man das westliche Mittelmeer mit in Betracht zieht (ein nicht unbedeutender Teil der griechischen Oikumene), so wäre auf jeden Fall noch die Schlacht von Himera (im Jahr von Salamis) zu nennen, die die griechische Vorherrschaft auf Sizilien gegen Karthago sicherte. Ansonsten wäre mit Marathon und Salamis auf jeden Fall die heroische wenn auch militärisch ziemlich sinnlose Verteidigung der Thermopylen zu nennen - die freilich eine politische Notwendigkeit war, weil die Entscheidung, die Verteidigungslinie an den korinthischen Isthmos zurück zu nehmen, zum Auseinanderbrechen des griechischen Bündnisses geführt hätte.
Marathon und insbesondere Salamis spielen historisch eine deutlich herausgehobene Rolle - nicht einmal so sehr wegen ihrer militärischen Bedeutung, sondern wegen der Auswirkungen, die sie auf die Ausbildung der athenischen Demokratie hatten.
Freundliche Grüße,
Ralf
… der letzte Rest ist gut. Schließlich war bei Salamis
lediglich die persische Flotte geschlagen worden. Das Heer
unter Mardonios war nach wie vor ungeschlagen und den
verbündeten Griechen nach Truppenstärke überlegen (wenn auch
Herodot schamlos übertreibt).
Schon schwierig ungeschlagen zu bleiben wenn man noch keinen richtigen Kampf geführt hat…
Ohne die Flotte die stets dem Landheer folgte und sie versorgte war das Landheer verwundbar geworden. Und dass bei Plataiai die persische Armee vernichtet wurde ist ja wohl unbestritten, oder?
Das mit der ‚Dreizahl‘ ist ohnehin ziemlich an den Haaren
herbeigezogen. Wenn man das westliche Mittelmeer mit in
Betracht zieht (ein nicht unbedeutender Teil der griechischen
Oikumene), so wäre auf jeden Fall noch die Schlacht von Himera
(im Jahr von Salamis) zu nennen, die die griechische
Vorherrschaft auf Sizilien gegen Karthago sicherte.
Der Sieg bei Himera konnte die Karthager genau 80 Jahre aufhalten. Der Sieg bei Plataiai beendete jegliche persische Expansion nach Europa nachhaltig. Wieso also sollte Himera wichtiger sein als Plataiai???
Marathon und insbesondere Salamis spielen historisch eine
deutlich herausgehobene Rolle - nicht einmal so sehr wegen
ihrer militärischen Bedeutung, sondern wegen der Auswirkungen,
die sie auf die Ausbildung der athenischen Demokratie hatten.
Und Plataiai nicht? Die persische Flotte war mehr oder weniger für die Versorgung des Landheeres zuständig. Eine Triereme kann kein Land erobern. Wäre das persische Heer bei Plataiai nicht geschlagen worden hätten alle vorherige Siege gegen die Perser nutzlos gewesen.
Freundliche Grüße,
Ralf
MfG
Christoph
Schon schwierig ungeschlagen zu bleiben wenn man noch keinen
richtigen Kampf geführt hat…
Schon schwierig, zu
der letzte Rest des persischen Landheeres
zusammenzuschmelzen, wenn man noch keinen richtigen Kampf geführt hat…
Ohne die Flotte die stets dem Landheer folgte und sie
versorgte war das Landheer verwundbar geworden. Und dass bei
Plataiai die persische Armee vernichtet wurde ist ja wohl
unbestritten, oder?
Hatte ich das bestritten? Ist mir nicht erinnerlich …
Der Sieg bei Himera konnte die Karthager genau 80 Jahre
aufhalten. Der Sieg bei Plataiai beendete jegliche persische
Expansion nach Europa nachhaltig. Wieso also sollte Himera
wichtiger sein als Plataiai???
Es ging um die ominöse Dreizahl - nicht darum, Himera sei ‚wichtiger‘ gewesen als Plataiai. Was die sizilischen Griechen übrigens in der Tat so gesehen haben dürften. Außerdem ging es um die Verengung des Blicks auf Hellas - nicht nur dort stand die griechische Oikumene unter Druck.
Marathon und insbesondere Salamis spielen historisch eine
deutlich herausgehobene Rolle - nicht einmal so sehr wegen
ihrer militärischen Bedeutung, sondern wegen der Auswirkungen,
die sie auf die Ausbildung der athenischen Demokratie hatten.
Und Plataiai nicht? Die persische Flotte war mehr oder weniger
für die Versorgung des Landheeres zuständig. Eine Triereme
kann kein Land erobern. Wäre das persische Heer bei Plataiai
nicht geschlagen worden hätten alle vorherige Siege gegen die
Perser nutzlos gewesen.
Ich habe doch unmissverständlich von innenpolitischen Auswirkungen gesprochen, oder? Marathon war nicht zuletzt auch die Verteidigung der noch recht jungen politischen Ordnung der Isonomia gegen Restaurationsversuche der Peisistratiden. Von ungleich größerer Bedeutung allerdings die sozialen Auswirkungen des für Salamis von Themistokles aufgelegten Flottenbauprogramms. Ohne diese wäre das perikleische Athen undenkbar gewesen - und das ist das eigentliche historische Erbe Athens, seine geschichtliche Wirkung.
Freundliche Grüße,
Ralf
Der Sieg bei Plataiai beendete jegliche persische
Expansion nach Europa nachhaltig.
Diese Sicht ist anachronistisch. Der griechisch-persische Konflikt war keine Auseinandersetzung Europa-Asien - dieses griffige Bild brachte erst Herodot auf, wobei die Trennung alles andere als scharf ist. Sicher betrachtete (der aus Halikarnassos stammende) Herodot sich selbst nicht als ‚Asiaten‘. ‚Europa‘ und ‚Asien‘ sind bei Herodot kulturelle Kategorien, nicht eindeutig abgegrenzt geographische.
Der Konflikt war kein europäisch/asiatischer, sondern einer der griechischen Oikumene (mit ihrer in sich stark gegliederten Polisstruktur, die natürlich das kleinasiatische Ionien ebenso wie die Kolonien des westlichen Mittelmeers und am Schwarzen Meer einschloß) mit dem zentralistischen persischen Großreich. Dieser Konflikt begann nicht erst mit Marathon (bzw. dem vorangegangenen persischen Ultimatum), sondern mit dem ionischen Aufstand und er endete auch nicht 479 mit Plataiai, sondern fand mit dem sog. Kalliasfrieden 448 (der ein historisches Problem für sich darstellt) einen vorläufigen Stillstand. Der Sieg von Plataiai war nur eine kurze Atempause. Allenfalls ein Wendepunkt (da wäre jedoch Salamis die plausiblere Wahl), jedenfalls kein Schlußpunkt.
Vor allem Athen war bewusst, dass die persische Bedrohung mit Plataiai durchaus nicht „nachhaltig“ beseitigt war. Daher die Gründung des attisch-delischen Seebundes im Jahr nach Plataiai und der Übergang zum Gegenangriff und zur Befreiung Ioniens. Noch Philipp II. und Alexander waren bestrebt, die makedonische Hegemonie und den korinthischen Bund mit der Aufgabe nicht nur der Vergeltung, sondern auch des Schutzes vor der persischen Bedrohung zu legitimieren.
Freundliche Grüße,
Ralf
Servus
Normalerweise diskutiere ich recht gerne aber von Haarspaltereien halte ich nichts. Von daher erspare ich mir weitere Ausführungen zu diesem Thema.
MfG
Christoph