Hallo - ich suche ein Wort, das im 17. Jahrhundert bekannt war. Mit der heutigen Lyrikmail bekam ich ein Gedicht von Paul Fleming, 1609-40. In einer Art Liebeslamento schreibt er seiner Angebeteten, er habe gehört, „dass du dich samt meiner Salibanden zu Bette hast gelegt…“
Meine reichlich vorhandenen Wörterbücher und auch das Internet halfen nicht weiter. Wer kennt die Salibanden? Freundlich grüßt Marie
ich suche ein Wort, das im 17. Jahrhundert bekannt
war. Mit der heutigen Lyrikmail bekam ich ein Gedicht von Paul
Fleming, 1609-40. In einer Art Liebeslamento schreibt er
seiner Angebeteten, er habe gehört, „dass du dich samt meiner
Salibanden zu Bette hast gelegt…“
Meine reichlich vorhandenen Wörterbücher und auch das Internet
halfen nicht weiter. Wer kennt die Salibanden?
„meiner Salibanden“ ist ein alter Genitiv
es sind also nicht „die Salibanden“, sondern eine, nämlich Flemings Epistel an seine Angebetete.
Gänzlich erschließen kann ich es mir ohne Kontext und gesicherten Nachweis nicht, wes Inhalts das Brieflein ist.
Spontan fiel mir dazu aber „Salbader“ ein.
Dieses ein weiteres untergegangenes Wort mit der Bedeutung „salbungsvoll reden“.
Denkbar wäre aber auch eine Anlehnung an das lateinisch/italienische (Salz + Bad)
Dann hätte Fleming kein süßes, sondern eher ein ätzendes (aus seinen Tränen ob der Ablehnung komponiertes) Schreiben verfasst.
aber vielleicht haben wir hier Besser-Wisser im Brett
„meiner Salibanden“ ist ein alter Genitiv
es sind also nicht „die Salibanden“, sondern eine, nämlich
Flemings Epistel an seine Angebetete.
Gänzlich erschließen kann ich es mir ohne Kontext und
gesicherten Nachweis nicht, wes Inhalts das Brieflein ist.
Spontan fiel mir dazu aber „Salbader“ ein.
Denkbar wäre aber auch eine Anlehnung an das
lateinisch/italienische (Salz + Bad)
aber vielleicht haben wir hier Besser-Wisser im Brett
besser weiß ich’s auch nicht, nur etwas zur Ergänzung:
Soweit ich das überblicke, wird die „Salibande“ in zwei Gedichten Flemings erwähnt:
ich suche ein Wort, das im 17. Jahrhundert bekannt
war. Mit der heutigen Lyrikmail bekam ich ein Gedicht von Paul
Fleming, 1609-40. In einer Art Liebeslamento schreibt er
seiner Angebeteten, er habe gehört, „dass du dich samt meiner
Salibanden zu Bette hast gelegt…“
Meine reichlich vorhandenen Wörterbücher und auch das Internet
halfen nicht weiter. Wer kennt die Salibanden?
„meiner Salibanden“ ist ein alter Genitiv
es sind also nicht „die Salibanden“, sondern eine, nämlich
Flemings Epistel an seine Angebetete.
Gänzlich erschließen kann ich es mir ohne Kontext und
gesicherten Nachweis nicht, wes Inhalts das Brieflein ist.
Spontan fiel mir dazu aber „Salbader“ ein.
Dieses ein weiteres untergegangenes Wort mit der Bedeutung
„salbungsvoll reden“.
Denkbar wäre aber auch eine Anlehnung an das
lateinisch/italienische (Salz + Bad)
Dann hätte Fleming kein süßes, sondern eher ein ätzendes (aus
seinen Tränen ob der Ablehnung komponiertes) Schreiben
verfasst.
aber vielleicht haben wir hier Besser-Wisser im Brett
viele Grüße
Geli
oh wie nett, ich bin ganz hin von soviel Freundlichkeit. Den Genitiv hatte ich schon erkannt, aber ich geb noch mal den gesamten Kontext ein, wenn das hier geht:
Paul Fleming
An Makarien.
Ists so / Makarie / als wie mir wird gesagt /
du solst / so balde du die Post von mir verstanden /
daß Ich enthalten sey in weit-entlegnen Landen /
da es sechs Stunden eh’ / als in den unsern tagt.
Dich haben über mir von Hertzen sehr beklagt /
So gar auch / daß du dich samt meiner Salibanden
zu Bette hast gelegt / und ungescheut der Schanden
Offt öffentlich von mir / Ich weiß nicht was gefragt.
Diß habest du so offt / so lang und viel getrieben /
Biß daß du endlich gantz darüber bist geblieben.
Ists so / Makarie / Exempel einer Gunst /
die Todt und Leben trutzt / so muß ich mich zwar krencken /
hoch über deinen Fall / doch einer solchen Brunst
nicht minder auch mit lust zu aller zeit gedencken.
ich geb noch mal den
gesamten Kontext ein, wenn das hier geht:
Paul Fleming
An Makarien.
Ists so / Makarie / als wie mir wird gesagt /
du solst / so balde du die Post von mir verstanden /
daß Ich enthalten sey in weit-entlegnen Landen /
da es sechs Stunden eh’ / als in den unsern tagt.
Dich haben über mir von Hertzen sehr beklagt /
So gar auch / daß du dich samt meiner Salibanden
zu Bette hast gelegt / und ungescheut der Schanden
Offt öffentlich von mir / Ich weiß nicht was gefragt.
Diß habest du so offt / so lang und viel getrieben /
Biß daß du endlich gantz darüber bist geblieben.
Ists so / Makarie / Exempel einer Gunst /
die Todt und Leben trutzt / so muß ich mich zwar krencken
/
hoch über deinen Fall / doch einer solchen Brunst
nicht minder auch mit lust zu aller zeit gedencken.
also zuerst ein Resümee in heutigem Deutsch - so wie ich mir das zusammenreime:
Fräulein Makarie kriegt Nachricht von Herrn Fleming, dass dieser sich (für länger)in einer weit entlegenen Weltgegend aufhält, und vermutlich nicht wiederkehrt.
Eine salibande (betrübliche)Nachricht für Fräulein Makarie, die darob sich nicht enthalten kann gegen jede Konvention ihrer Zeit immer wieder von Herrn Fleming zu sprechen (was man als anständiges Fräulein zu unterlassen hätte).
Herrn Flemings Abwesenheit betrübt sie schließlich dermaßen, dass sie den Geist aufgibt.
Fräulein Makarie ist also an Liebesleid gestorben.
Herrn Fleming ist schwer geschmeichelt.
Wiewohl - ein wirklich anständiges Fräulein hätte seinen Schmerz für sich behalten und ihn nicht aller Welt gezeigt.
saliband ist demnach ein Ding mit ätzender, sogar tödlicher Wirkung. Noch immer ist mir die Etymologie gar nicht klar.
die Endung -band(us, -a, -um) meint wahrscheinlich eine adjektivische Konstruktion, ähnlich wie moribundus, was ja sterbend, sterblich meint und aus mors, mortis = der Tod gebildet wird.
Nur habe ich hier kein lateinisches Wörterbuch und kann darum nicht nachschlagen, welches Substantiv zu saliband gehört. Möglich wäre sel, salis = salz.
Das ein Posting tiefer vorgeschlagene Salibene wäre dem zu Folge der Eigenname für ein nicht sehr nettes Mädchen (=gut wie Salz). Wobei Salz natürlich andererseits lebensnotwendig ist, für Mensch und Vieh.
Also - ich taste hier im für mich sehr Trüben.
Etymologen an die Frage-Front, bitte!
Hallo, Geli,
bei Kluge finde ich das Wort „Salband“ als Synonym für „Webkante“ (16.Jh.). Es ist in der Form „Selfkant“ noch heute als Landschaftsbezeichnung (am Rande NRW zu B und NL) gebräuchlich.
Grüße
Eckard
Hallo Eckard, !
Das würde sich mit dem decken, was ich vermutet hab, dass die Gute im Gedicht sich mit irgendeinem Kleidungsstück des Angebeteten zu Bette legt:wink:
Die Beschreibung bzw. Benennung von Kleiderdetails, die wir heute nicht mehr kennen, ist in der Literatur ja gar nicht so selten. Und vielleicht ist die/das Sal(i)band(e) ein Band, was die Schulter oder den Ärmelsaum eines Gehrocks oder was auch immer zierte. In einer leidenschaftlichen Nacht vom Gehrock abgerissen, kann das schonmal zur Trophäe oder zum Erinnerungsstück werden:wink:
Gruß, Dine
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
dass die Gute im Gedicht sich mit irgendeinem
Kleidungsstück des Angebeteten zu Bette legt:wink:
Hmm, Dine,
da kömmbt mir ein gar fürchterlicher Verdacht. Mag es sich bei diesem „Saliband“ gar um ein Strumpfband handeln? Eines jener Accessoires, die der Herr vorzeiten trug, um die Strümpfe vom Rutschen abzuhalten?
Dass er dieses der Verehrten hinterließ, als er sich in Lande begab, in denen es sechs Stunden früher tagt (einmal nach
Russland, ein andermal nach Persien)?
Dies scheint mir auch in dem anderen von Kreszenz gefundenen Gedicht Flemings „An den Mohn“ (ich vermute, es heißt in Wirklichkeit „An den Mond“!) sich zu bestätigen, wo F. fragt: „Du weist es / wie es steht ümm meine Salibande.“
Grüße
Eckard
gibt es heute noch als „Sellwend“ im fränkischen Dialekt
nur: webtechnisch ist das die Stelle, wo das Webstück rechts oder links aufhört.(der Faden mit dem Weberschiffchen gewendet und zurückgeschossen wird)
dass die Gute im Gedicht sich mit irgendeinem
Kleidungsstück des Angebeteten zu Bette legt:wink:
so intim fürchte ich, waren die beiden im Gedicht nicht
Hmm, Dine,
da kömmbt mir ein gar fürchterlicher Verdacht. Mag es sich bei
diesem „Saliband“ gar um ein Strumpfband handeln? Eines jener
Accessoires, die der Herr vorzeiten trug, um die Strümpfe vom
Rutschen abzuhalten?
auch hier: ein derart intimes Liebespfand in einem Gedicht dieser Zeit erwähnt, entspräche aufs heutige übersetzt hardcore pornographie.
Im empfindsamen Barock dieses Gedichts sind wir nicht mehr auf der Ebene „honni soit qui mal i pense“.
Dass er dieses der Verehrten hinterließ, als er sich in Lande
begab, in denen es sechs Stunden früher tagt (einmal nach
Russland, ein andermal nach Persien)?
wir reden hier vermutlich nicht von Ortszeit, sondern von Wegstunden. Soo fürchterlich weit entfernt hat sich der Dichter nicht.
Dies scheint mir auch in dem anderen von Kreszenz gefundenen
Gedicht Flemings „An den Mohn“ (ich vermute, es heißt in
Wirklichkeit „An den Mond“!)
definitiv nein. Gemeint ist die Blume. Mohn wird seit der Antike mit Schlaf, Rausch, Tod(essehnsucht)verknüpft
sich zu bestätigen, wo F. fragt:
„Du weist es / wie es steht ümm meine Salibande.“
ein Strumpfband wäre in diesem Zusammenhang sehr seltsam. Salibande = Stimmung des Dichters, nicht Gegenstand
ein Strumpfband wäre in diesem Zusammenhang sehr seltsam.
Salibande = Stimmung des Dichters, nicht Gegenstand
Hallo, Geli,
ich sehe es ein, ich habe mich da wohl wieder einmal auf gedankliche Abwege leiten lassen.
Allerdings hat F. die beiden Reisen nach Moskau und Isfahan wirklich (mit seinem Fürsten zusammen) unternommen.
Grüße
Eckard