Salmonellen

liebe www.ler,
möglicherweise ein immer wiederkehrendes Thema. Aber… was kann man gegen die Einrichtung (in diesem Fall Jugendherberge) unternehmen.

Meine Tochter liegt mit einer (welche ist noch nicht bekannt, gibt offenbar mehrere Arten, es hieß nur die Milz sei extrem vergrößert und ebenso die Leber) Salmonellenvergiftung auf der Intensivstation. Sie ist immer -vom Ausbildungsbetrieb vorgeschrieben - in einer offenbar recht ungepflegten Jugendherberge während des Blockunterrichts an der Berufsschule untergebracht. Die Ausbilder beschweren sich, dass nach dem Blockunterricht immer alle Auszubildenden 2 - 3 Wochen krank sind – dieses Mal Salmonellen, die anderen leichter, werden aber nun auch betreut.

Wie kann man - außer durch gründliches Händewaschen - sich vor solchen Infektionen schützen -
was ist nun von uns zu veranlassen - die ganze Wohnung „ausräuchern“?
Oder reicht ein Desinfektionsspray.
Viele Textilien kann man ja nicht mehr kochen, müssen wir die wegwerfen?

Ich wäre froh, hilfreiche Antworten zu bekommen
Danke Chris

Hi
Wenn solche Vorkommnisse regelmässig an der Tagesordnung sind wär es längst an der Zeit mal Das Gesundheitsamt/Gewerbeamt einzuschalten…
HH

liebe www.ler,

möglicherweise ein immer wiederkehrendes Thema. Aber… was
kann man gegen die Einrichtung (in diesem Fall Jugendherberge)
unternehmen.

Meine Tochter liegt mit einer (welche ist noch nicht bekannt,
gibt offenbar mehrere Arten, es hieß nur die Milz sei extrem
vergrößert und ebenso die Leber) Salmonellenvergiftung auf der
Intensivstation. Sie ist immer -vom Ausbildungsbetrieb
vorgeschrieben - in einer offenbar recht ungepflegten
Jugendherberge während des Blockunterrichts an der
Berufsschule untergebracht. Die Ausbilder beschweren sich,
dass nach dem Blockunterricht immer alle Auszubildenden 2 - 3
Wochen krank sind – dieses Mal Salmonellen, die anderen
leichter, werden aber nun auch betreut.

Wie kann man - außer durch gründliches Händewaschen - sich vor
solchen Infektionen schützen -
was ist nun von uns zu veranlassen - die ganze Wohnung
„ausräuchern“?
Oder reicht ein Desinfektionsspray.
Viele Textilien kann man ja nicht mehr kochen, müssen wir die
wegwerfen?

Ich wäre froh, hilfreiche Antworten zu bekommen
Danke Chris

Hi
Wenn solche Vorkommnisse regelmässig an der Tagesordnung sind
wär es längst an der Zeit mal Das Gesundheitsamt/Gewerbeamt
einzuschalten…
HH

hallo HH, da habe ich gestern auch angerufen, die brauchen aber vor Tätigwerden erst eine offizielle Mitteilung des Krankenhauses. Meines Wissens sind Salmonellen immer meldepflichtig, aber bisher passierte nichts. Der Sachbearbeiter hielt sich sehr bedeckt, zumal die Jugendlichen —obwohl volljährig —bisher sich nicht trauten, sich zu beschweren, schließlich sind auch alle Zimmer stark Schimmelbefallen. Und wenn schon soviel sichtbarer Schimmel…
Naja, drück mir die Daumen, dass endlich was unternommen wird und auch die Art der Salmonellen nicht die Bösartigste ist und meiner Tochter es hoffentlich bald besser geht.
Gruß Chris

Hi Christel,

mormalerweise wird jeder festgestellte Befund von Salmonellen nach dem Budesseuchengesetz erfaßt und man muß angeben was man mit wem und wo vor der Infektion gemacht, gegessen usw. hat. Wenn aber das Krkh nicht aktiv wird so sollte es spätestens das untersuchende bakteriologische Institut werden. Die machen auch normalerweise die Meldung.

Gruß
Falckus

P.S. Der die Dinger selber mal hatte und nicht fand, dass dies die beste Art abzunehmen ist.

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Hallo,

als ich einen meldepflichtigen Keim hatte, wurde ich 4 Wochen nach dem Befund vom Gesundheitsamt über die Meldepflicht informiert.

Das zuständige Labor hatte meinen sehr ansteckenden Keim dem Gesundheitsamt gemeldet.

Ich allerdings wusste 4 Wochen nichts von meiner Ansteckungsgefahr und konnte nach dieser Zeit auch nicht mehr nachhalten, was ich vor 4 Wochen, wo gegessen hatte.

Somit war der Fall für das Gesundheitsamt auch abgeschlossen!

Dies war meine Erfahrung zu diesem Thema. Sorry, dass ich keinen Rat weiß, aber scheinbar brauchen Behörden einfach etwas länger…

Viele liebe Grüße und gute Besserung deinem Kind!

Jule

Hi
Ich denke mal ne Kontrollbegehung sollte auch auf einen Hinweis hin geschehen… zur Kontrolle jedenfalls.
HH

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Christel,

um an Salmonellen zu erkranken, bedarf es schon der Aufnahme einiger Millionen Keime. Das bedeutet: Tröpfchen- und Schmierinfektionen von Mensch zu Mensch (oder von unbelebten Gegenständen zu Mensch) sind die Ausnahme. Vielmehr müssen für eine Infektion Salmonellen auf (geeignete) Lebensmittel gelangen, sich dort einige Stunden bis Tage (unter geeigneten Bedingungen - Wärme) vermehren können, und das Lebensmittel darf unmittelbar vor Verzehr nicht (nochmal) erhitzt werden. Klassisch: Der Kartoffelsalat mit Mayonnaise beim Vereinssommerfest, der auf Vorrat fürs Wochenende vorbereitet wurde.

Fragt sich noch, wie die Salmonellen überhaupt ins Lebensmittel gelangen. Da gibt es einmal menschliche Dauerausscheider, bei denen nach (manifester oder unbemerkter) Infektion die Salmonellen im Gallengangssytem weiterleben. Macht so jemand mit ungewaschenen Händen einen Kartoffelsalat… Daher Beschäftigungsverbot in der Gastronomie für Dauerausscheider (Bundesseuchenschutzgesetz). Zum anderen kommen Samonellen aus der Massentierhaltung, vor allem von Geflügel. Praktisch alle Eier (!) haben heute Salmonellen. Stehen sie zu lange herum, und wird dann noch aus ihnen irgendwas eßbares gemacht, was nicht gekocht wird, so kann ebenfalls die Infektionsdosis überschritten werden. Andere Möglichkeit: Anfassen rohen Fleisches mit nachfolgendem Zubereiten ohne Händewachen nicht kochbarer Lebensmittel mit nachfolgend längerem Stehenlassen derselben.

Also: Slip, Pyjama, Bettwäsche einmal auskochen plus Klodesinfektion ist sicher einmalig sinnvoll, mehr braucht es an Hygienemaßnahmen zunächst eimmal nicht. Das gilt allerdings nur für Eure Seite, nicht aber für die Jugendherberge. Es ist ein unding, daß in einem Hochlohnland Verhältnisse auftreten wie in der Dritten Welt. Das gute ist: Ihr sitzt dank der Gesetzeslage an einem ziemlich langem Hebel. Zu tun ist folgendes:

  1. medizinische Dokumentation der Infektion bei möglichst vielen Betroffenen (einfache Stuhlkultur)
  2. Dafür sorgen, daß die Infektion pflichtgemäß an das Gesundheitsamt gemeldet wird (hierzu explizit beim Arzt nachfragen)
  3. Mit dem Gesundheitsamt in Kontakt treten - alle Beteiligten seien in der gleichen JuHe zu Gast gewesen.

Der Salmonellen-Subtypus kann bestimmt werden. Damit kann man sagen, ob jene eventuell bei der JuHe (in der Speisekammer oder im Stuhl von Angestellten) gefundenen Erreger identisch sind mit denjenigen bei den Betroffenen.

Überflüssig zu sagen, daß das ganze ziemlich aufwendig ist und deshalb von allen Seiten mehr als schlampig gehandhabt wird. Und das, obwohl Salmonellen vor allem für ältere Menschen lebensbedrohlich sind. Die Gesetzeslage ist aber klar auf Eurer Seite. Falls mit mehreren Winken mit dem Zaunpfahl nichts geht (Stichwort: Untätigkeit/Disziplinarverfahren), so droht ihr am besten, Euch an die Presse zu wenden (diese ist für solche Themen immer sehr dankbar).

Zur Therapie: Keine Antibiotika akut, da diese zu erhöhten Raten von Dauerausscheidern führen. Bei Dauerausscheidern aber Versuch mit ebendiesen, falls erfolglos, Versuch mit Entfernung der Gallenblase. Nötig in erster Linie bei Gastronomietreibenden.

Allgemeine Hinweise für das Verhindern von Salmonelleninfektionen im Haushalt:

  1. Händewaschen vor dem Kochen - jeder kann Dauerausscheider sein (Desinfektion: nicht nötig bzw. u.U. kontraproduktiv, Stichwort: „Platzhalterflora“).
  2. Nochmaliges Händewaschen plus Abwaschen von Arbeitsgerät und Küchenflächen nach Zubereitung rohen Fleisches und rohen Eiern.
  3. Kühlung plus baldiger Verzehr aller nichtkochbaren Lebensmittel.

Während 1. und 3. im Allgemeinbewußtsein verankert sind, fehlt vor allem für Punkt 2 (auch und vor allem bei Gastronomietreibenden) die gesundheitspolitische Aufklärung. Und das trotz mehren hunderttausend Infektionen pro Jahr und dutzenden bis hunderten Todesfällen.

viele Grüße,

Oliver

Hallo Oliver,
erst einmal tausend Dank für die ausführliche Antwort.n Gesundheitsamt und Lebensmittelaufsicht habe ich (!) schon informiert - der Stationsarzt gibt es jetzt auf den Weg (seit Dienstagabend Salmonelleninfektion bekannt.).

Leider sind die Lebensmittel vom bewussten Tag (Donnerstag, 5.9.) gestern schon vernichtet gewesen. Situation ist aber mit Mittagessen so:
ab 11:30 steht es in offenen Kübeln zum Warmhalten in dem Tresen zwischen Küche und Speisesaal. Die Gruppe meiner Tochter hat bis 15:00 Berufsschule und bekommt dann regelmässig die Reste -sofern noch vorhanden- aus den ausgekratzten Behältnissen. Aus Verzweiflung und Hunger essen die Jugendlichen sogar gammeligen Salat und meine Tochter hat dann noch 2 Eihälften ergattert…

Der Pudding steht u n g e k ü h l t die ganzen Stunden auf dem Tresen - das zur Lebensmittelhygiene.

Ich habe nun auch den Ausbildungsbetrieb - sprich die Stadt Kiel informiert und zwar die Ausbildungsabteilung und den Personalrat (nur letzterer ist interessiert, warum?)

Die Jugendherberge ist zu 60 % in allen Räumen vom Boden bis zur Decke mit schwarzem Schimmel versehen (den anderen sieht man ja nicht). Wenn meine Tochter zum Wochenende nach Hause kam, roch selbst die Bettwäsche intensiv nach „muchelig“.

um an Salmonellen zu erkranken, bedarf es schon der Aufnahme
einiger Millionen Keime.

Sicher spielt eine Rolle, dass durch die Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten das Immunsystem meiner Tochter eh geschwächt ist und sie mit 49 kg bei 163 auch nicht viel zuzusetzen hat.

Das bedeutet: Tröpfchen- und

Schmierinfektionen von Mensch zu Mensch (oder von unbelebten
Gegenständen zu Mensch) sind die Ausnahme. Vielmehr müssen für
eine Infektion Salmonellen auf (geeignete) Lebensmittel
gelangen, sich dort einige Stunden bis Tage (unter geeigneten
Bedingungen - Wärme) vermehren können, und das Lebensmittel
darf unmittelbar vor Verzehr nicht (nochmal) erhitzt werden.
Klassisch: Der Kartoffelsalat mit Mayonnaise beim
Vereinssommerfest, der auf Vorrat fürs Wochenende vorbereitet
wurde.

Da lerne selbst ich nocht Neues - so pingelig war ich eigentlich nicht, wird aber seit Montag praktiziert…

Also: Slip, Pyjama, Bettwäsche einmal auskochen plus
Klodesinfektion ist sicher einmalig sinnvoll, mehr braucht es
an Hygienemaßnahmen zunächst eimmal nicht. Das gilt allerdings
nur für Eure Seite, nicht aber für die
Jugendherberge. Es ist ein unding, daß in einem
Hochlohnland Verhältnisse auftreten wie in der Dritten Welt.

Genau, aber in unserem Hochlohnland gibt es keine Menschen mehr bzw. dürfen nicht arbeiten, die einfache Arbeiten wie Lüften und Saubermachen übernehmen.

Das gute ist: Ihr sitzt dank der Gesetzeslage an einem
ziemlich langem Hebel. Zu tun ist folgendes:

  1. medizinische Dokumentation der Infektion bei möglichst
    vielen Betroffenen (einfache Stuhlkultur)
  2. Dafür sorgen, daß die Infektion pflichtgemäß an das
    Gesundheitsamt gemeldet wird (hierzu explizit beim Arzt
    nachfragen)
  3. Mit dem Gesundheitsamt in Kontakt treten - alle Beteiligten
    seien in der gleichen JuHe zu Gast gewesen.

Danke für Tipps, teilweise schon unternommen. Sehr interessant war das Telefonat mit der Lebensmittelaufsicht…*ggg*

Der Salmonellen-Subtypus kann bestimmt werden. Damit kann man
sagen, ob jene eventuell bei der JuHe (in der Speisekammer
oder im Stuhl von Angestellten) gefundenen Erreger identisch
sind mit denjenigen bei den Betroffenen.

Da braucht das Städtische Krankenhaus erstaunlich lange - oder will es den Erreger nicht herausrücken?

Überflüssig zu sagen, daß das ganze ziemlich aufwendig ist und
deshalb von allen Seiten mehr als schlampig gehandhabt wird.

Richtig!!! Doch für meine Tochter hängt eine Beendigung der Ausbildung ab. Sie lernt Fachangestellte für Bäderbetriebe - sprich Schwimmbäder usw.— alles optimale Ausbreitungsmöglichkeiten mit Gefährdung anderer…

Und das, obwohl Salmonellen vor allem für ältere Menschen
lebensbedrohlich sind. Die Gesetzeslage ist aber klar auf
Eurer Seite. Falls mit mehreren Winken mit dem Zaunpfahl
nichts geht (Stichwort: Untätigkeit/Disziplinarverfahren), so
droht ihr am besten, Euch an die Presse zu wenden (diese ist
für solche Themen immer sehr dankbar).

Ich warte noch den heutigen Tag ab, dann drohe ich mit der Presse.

Zur Therapie: Keine Antibiotika akut, da diese zu erhöhten
Raten von Dauerausscheidern führen. Bei Dauerausscheidern aber
Versuch mit ebendiesen, falls erfolglos, Versuch mit
Entfernung der Gallenblase. Nötig in erster Linie bei
Gastronomietreibenden. —

auch schon bei einer 19jährigen?

Allgemeine Hinweise für das Verhindern von
Salmonelleninfektionen im Haushalt:

  1. Händewaschen vor dem Kochen - jeder kann
    Dauerausscheider sein (Desinfektion: nicht nötig bzw. u.U.
    kontraproduktiv, Stichwort: „Platzhalterflora“).

in meinem Haushalt selbstverständlich

  1. Nochmaliges Händewaschen

macht man doch logischerweise, um die Hände zu reinigen, oder?

plus Abwaschen von Arbeitsgerät

und Küchenflächen nach Zubereitung rohen Fleisches und rohen
Eiern.

eben ist doch selbst im Privathaushalt normal, oder??? erstaunt fragende

  1. Kühlung plus baldiger Verzehr aller nichtkochbaren
    Lebensmittel.

Logisch?

Während 1. und 3. im Allgemeinbewußtsein verankert sind, fehlt
vor allem für Punkt 2 (auch und vor allem bei
Gastronomietreibenden) die gesundheitspolitische Aufklärung.
Und das trotz mehren hunderttausend Infektionen pro Jahr und
dutzenden bis hunderten Todesfällen.

Ich danke dir ganz herzlich und werde bei Bedarf weiter fragen.
Gruß Christel

Oliver, eine kleine Ergänzung noch, ich dachte Salmonellen gibt es nur um asozialen Milieu, – das ist offenbar ein Irrtum

Gruß Chris