Samt im Mittelalter ?

Ich möchte gerne wissen ,ob im Mittelalter Samt benutzt wurde.
Auf Märkten sehe ich oft Leute in Samtgewändern.Von einigen
Mittelalterfreaks ist mir gesagt worden,Samt habe es im MA
nicht gegeben.Was stimmt denn nun?Gab es Samt oder nicht?

Gruss Runa

Hi, klar gabs den:

Die Uni Regensburg schreibt:

„Samat: Samt; ähnlich dem heutigen Nickistoff, damals aber wesentlich prächtiger, da er aus Seide hergestellt wurde und teilweise mit Gold und Silber durchwoben war. Samt wurde in Italien hergestellt. Die Zentren der Samtweberei waren zunächst Lucca, später auch Venedig, Florenz, Genua und Mailand. Samt, ein Luxusstoff des Adels und hoher kirchlicher Würdenträger, wurde für repräsentative Kleidungsstücke und als Dekorationsstoff verwendet.“

Artikel z.B:

L.G. Deruisseau, Samt und Seide, 1957 L.G. Deruisseau : „Samt und Seide in der italienischen Renaissance“ , in: Ciba-Rundschau 17 , 1957 , S.603-608 .

Kat. Reich an Samt, 1993 Reich an Samt und Seide. Osmanische Gewebe und Stickereien , hg. v. C. Erber, Bremen 1993 .

Hallo !

Samt wurde benutzt, aber ganz sicher nicht in dem Maß, wie es heute scheint. Samt kam vor allem aus Venedig und kaum ein Durchschnittsarbeitnehmer aus dem Mittelalter konnte sich das leisten.
Hier ein wenig zum Gebrauch von Samt :

Im frühen Mittelalter war die vornehmste Kleidung und auch teuerste, die aus Pelzen.
Es waren Röcke aus Marder- oder Fischotterfellen, aus den Fellen der Zieselmaus. Die Kosten waren genau festgelegt, da man sich immer mehr verschuldete, um sich diese Kleidung erlauben zu können. Schon Karl der Große sah sich veranlaßt, durch besondere Erlasse dem Luxus in der Bekleidung entgegenzutreten.
Nach seinem Tode wetteiferte der Adel dann mit den teuersten Röcken.
Zwischen 1330 und 1350 fand die französische Tracht in Deutschland Eingang. Man trat diesem Umschwung in Sitte und Tracht sofort energisch entgegen, aber mit wenig Erfolg.
Es folgten in den Städten die verschiedensten Kleiderordnungen.
Im 15. Jahrhundert folgten in allen Städten die verschärften Kleiderordnungen in immer kürzer werdenden Abständen. Sie vermochten aber nicht den immer weiter entfesselten Hang zur Eitelkeit zu bremsen.
Namentlich war es der reiche Bürgerstand, der es dem Adel gleichtun wollte oder diese sogar noch übertrumpfte. Sodass der Adel, um sich vor gänzlicher Verarmung zu schützen, nun unter sich freiwillige Vereinbarungen traf, z.B. 1479, vor dem großen Turnier in Würzburg :

"Nachdem einem jeglichen Ritter guter Sammet und Perlen zu tragen vorbehalten ist, so haben wir doch hierin beschlossen, dass ihrer keiner einen golddurchwirkten Stoff noch gestickten Sammet tragen soll, darin er sich zu schmücken auf solchem oder naderem Turnier vornehmen wolle; welcher das überführe, der soll von allen Rittern und Edelen verachtet sein, auch in dem Turnier zu keinem Vortanz oder Dank zugelassen werden. Es sollen auch die gemeinen Edelen, so nicht Ritter und doch Turniers- und Rittergenossen sind, keinen Schmuck von Perlen, gestickt oder anders tragen, denn eine Schnur um eine Kappe oder Hut. Es soll auch keiner Gold, von Ketten, Schnüren oder gestickt tragen, er trage es denn verdeckt und unsichtlich als es die Alten getan und hergebracht haben. Und soll derselbe auch keinen Sammet, darin er sich auf solchem Turnier schmücken wolle, anderes denn zum Wams nach seinem Gefallen tragen, und welcher das überführe, der soll von anderen Rittern und Edelen verschmäht, der Vortänze und der Dänke beraubt sein. Usw.

Samt ist damals wohl eines der teuersten Stoffe gewesen und wie man sieht, man wurde von der Obrigkeit veranlaßt, sich nicht durch zu große Anschaffung zu sehr zu verschulden.
Kleiderordnungen gab es also nicht, um alle gleich aussehen zu lassen, sondern um der Verschwendung Einhalt zu gebieten. Die Prunksucht sollte damit beendet werden.

Wenn heute auf einem sogenannten „Mittelaltermarkt“ selbst der Schweinehirt und der Schuster in Samt herumlaufen, so sind das Wunschvorstellungen dieser Leute. Man trug grobes Leinen und einfach Gewebtes.

Gruß max

Wenn heute auf einem sogenannten „Mittelaltermarkt“ selbst der
Schweinehirt und der Schuster in Samt herumlaufen, so sind das
Wunschvorstellungen dieser Leute. Man trug grobes Leinen und
einfach Gewebtes.

Hallo, Max,

genialer Beitrag, nur trug man als einfacher Mensch auch nicht den Rupfensack.
Beinlinge und eine Bruche (Unterhose), ein einfaches Hemd und ein Wams nannten auch Bauern ihr Eigen. Größtenteils sogar Schuhe.

Grüße,

Marcus

Hallo,
Danke für eure antworten.Bin jetzt etwas schlauer.

Gruss Runa