Hallo Demenzia!
Ich meine Rolf so zu verstehen, dass es nicht
ausschließlich um die Gabe von Medikamenten gehen
sollte - was heute leider nur allzu oft der Fall ist.
Naja, genauso habe ich es leider auch verstanden, und genau das ist meines Erachtens nach nicht der Fall. Wir befinden uns innerhalb der Behandlung von „psychisch Kranken“, zusätzlich befinden wir uns doch im „Krankenhaus“.
In Frage kommen also Psychiater und Psychotherapeuthen, welche hier statt gründlicher Anamnese und intensiver Bemühungen in der Auseinandersetzung mit den psychischen Probleme angeblich zum Rezeptblock greifen sollen.
Alleine die Tatsache, dass Psychotherapeuthen in diesen Kliniken ansässig sind, und dass die keine Medikamente verordnen dürfen, lässt bei mir die Frage aufkommen: wozu beschäftigt man die denn dann?
Die Wirklichkeit sieht doch anders aus: in psychiatrischen Stationen wird sich sehr intensiv durch das Zusammenspiel von ganz vielen Händen und unterschiedlichen Therapien, welche allesamt modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechen, versucht, psychische Leiden zu lindern. Gearbeitet wird störungsgerichtet, in Gruppen und auch alleine, und äußere Faktoren bleiben nicht unberücksichtigt.
Auch der Körper bleibt durch Sporttherapie, Massage und Physiotherapie nicht auf der Strecke. Zusätzlich werden auch die Sinne angesprochen - wo dies möglich ist - es gibt Musikenspannung, Kochgruppen, Ergotherapie, aber auch Gruppen im Freien.
Und all das auch noch für „Lau“ für den Patienten (wenn wir bei dem Vergleich zum Mittelalter sind; hier konnte sich wohl nur ein kleiner Prozentsatz der Bevölkerung die Dienste eines Arztes leisten).
Er hat meines Erachtens nach sich nur darüber gewundert, dass man
sich sogar schon im Mittelalter auch um das Seelenheil des
Menschen parallel gekümmert hat, bzw. dies berücksichtigte für
die Heilung.
Er hat gefragt: „Man sah, wie mit viel Verständnis für diese Leute vorgegangen wurde. Ersetzt heutzutage die Verabreichung von Medikamenten, das Einfühlungsvermögen des Arztes?“, meiner Meinung nach „rhetorisch“.
Meine Antwort ist, das Gegenteil ist der Fall. In keinem Zweig der Medizin gab es so große Fortschritte wie im Bereich der Psychiatrie in den letzten Jahrzehnten.
aus das hat Rolf doch gar nicht behauptet. Allerdings beruht
die Anamnese eines Homöopathen auf lange Gespräche und tiefer
gehende Fragen, also „wo tut’s denn weh“. Soll heißen, ein
Homöopath beschäfigit sich ungleich intensiver mit dem
Menschen ihm gegenüber als ein „normaler“ Arzt.
Nicht im Bereich der psychologischen Behandlungsmöglichkeiten einer effizienten, ökologischen und modernen Klinik. Wenn wir uns hier in einer Diskussion gegen die Schulmedizin befinden, dann ist das eventuell etwas anderes, aber das war wohl kaum Thema der Ausgangsfragestellung und wäre auch nicht Thema dieses Brettes.
Ich kenne im Bekanntenkreis beides: Leute die in einer Klinik arbeiten, Leute die eine homeopathische Praxis unterhalten (bei der Behandlung psychischer Störungen). Dies soll nicht repräsentativ sein, aber zumindestens ist es hier so, dass die einen bei minimalem Arbeitsaufwand sich die Taschen voll machen, während die anderen sich bei maximalen Arbeitsaufwand kaputt schuften. Man wäre überrascht, wer wer ist.
Auch diesen sehr bemühten Menschen gegenüber finde ich es ungerecht, ihre gesellschaftlcihe Leistung derart herabzuwürdigen. Wir reden hier von 50-60 Stunden die Woche bei ca. 1000 EUR Gehalt.
Womit unterstützt du deine Behauptung, das seine
Pseudomedikamente und Pseudobehandlungen?
Naja, das muss ich nicht näher ausführen: in der Medizin wird mit Arzneimitteln bzw. Behandlungen vs. Placebos gearbeitet, wobei dem einen eine Wirksamksubstanz bescheinigt ist und dem anderen nicht.
Ein Pseudomedikament oder eine Pseudobehandlung ist für mich ein Placebo, bei dem verargumentiert wird, dass es Wirksubstanzen enthalten soll, deren Wirsamkeit aber im Placebovergleich nicht nachgewiesen werden kann.
Z.B. ist Akkupunktur „nach den altehrwürdigen“ Richtlinien (diese Energiepunkte) zwar wirksam , unterscheidet sich aber nicht von einer Placebobehandlung (zufälliges Stechen) in seiner Wirksamkeit. Es hat also eine Placebowirkung (die ja nicht zu unterschätzen ist), aber eben keine Wirksubstanz ausser dem Placebo. Nur wird es eben anders behandelt bzw. genannt.
Zusätzlich gibt es auch Homeopathen am Markt, welche mit paranormalen Fertigkeiten aufzuwarten wünschen.
Ich weiß nicht, was daran paranormal ist, dass jemand seit
über 2 Jahren keine Blinddarmbeschwerden mehr hat (chronische
Reizung), nur weil er beim leisesten Zwicken drei Globuli
nimmt (rechne dir mal den Materialwert aus: drei Globuli
innerhalb ca. 4 Monaten). Vorher war der Patient
durchschnittlich 1 x alle zwei Monate bei der Ersten Hilfe mit
den typischen Symptomen einer Blinddarmentzündung (und nun
frag bitte nicht, warum man da nciht gleich operiert hat. Es
ist heute nun mal offensichtlich so, dass sowohl die Erste
Hilfe als auch Belegchirurgen nicht mehr allzu schnell im
Falle Blinddarm zum Messer greifen).
Naja, jetzt sind wir wohl wieder in der Allgemeinmedizin. Die Psychologie kennt Reizdarmsyndrome und stellt umfangreiche Forschung zu dem Thema an: auch psychische Komponenten werden hierbei nicht unterschätzt, eine Psychotherapie kann indiziert sein (Vgl. auch http://de.wikipedia.org/wiki/Reizdarm).
naja, wie oben schon gesagt, das habe ich zumindest auch so
nicht verstanden, das Rolf jegliche GAbe von Medikamenten
anfeindet.
Naja, das wäre auch verfehlt: in den meisten Fällen psychischer Störung ist eine Behandlung sowohl mit Medikamenten (also anerkannten Heilmitteln) als auch Psychotherapie indiziert. Beidem gemeinsam wird eine größere Erfolgsrate bescheinigt als nur dem einen oder nur dem anderen.
Psychologie ist für mich die Würdigung, dass eben nicht nur der Körper, sondern vielmehr auch der Geist bei einer Reihe von Krankheiten mit behandelt werden muss. In keiner anderen Disziplin der Heilkunde ist diese Würdigung so stark ausgeprägt, von daher scheint mir Kritik verfehlt.
Lieben Gruß
Patrick