Liebe/-r Experte/-in,
ich wüsste gern, wie in Sanskrit die Mehrzahl von „mantra“ lautet.
Gibt es überhaupt eine Mehrzahlbildung? Die Mehrzahl von „cakra“ (Chakra) ist „cakra“, soviel ich weiß.
In einigen Yogaschulen wird auch von „mantram“ gesprochen. Was ist der Unterschied? Wann sagt man „mantra“ und wann „mantram“?
Danke für Ihre Antwort,
Antonia Dittrich
Hallo Antonia,
„mantra“ ist ein maskulines Substantiv, genaugenommen ist „mantra“ der Wortstamm. Wir verwenden meistens den Wortstamm, aber soweit ich weiß, werden Sanskrit-Wörter in Indien häufig auch in ihrer deklinierten Form im Akkusativ Singular gebraucht - dann heißt es „mantram“. Je nach Kontext kann das streng grammatikalisch sogar korrekt sein. Der Nominativ heißt übrigens „mantraH“ (gesprochen: mantraha), den benutzt man aber soweit mir bekannt ist nur im Satzzusammenhang (d.h. in richtigen Sanskrit-Sätzen).
In der Pluralform wird das „a“ in verschiedenen Fällen am Ende lang, also „mantraa + Endung“. Im Akkusativ wird das dann zu „mantraan“ (mit „n“ am Ende), im Nominativ zu „mantraaH“, aber das ist wie gesagt nur im Satzzusammenhang gebräuchlich. Wie sinnvoll es ist, einen Wortstamm in den Plural zu setzen, um ihn dann im Kontext einer anderen Sprache zu verwenden, ist eine andere Frage. Ich habe jedenfalls noch nirgendwo die Pluralformen „mantraan“ oder „mantraaH“ außerhalb von Sanskrit-Texten gehört oder gelesen, genausowenig wie „mantraa“. Aber Deklinationen oder Pluralformen von Fremdwörtern, die denen der Ursprungssprache entsprechen, sind auch nicht so ungewöhnlich, z.B. wird als Genitiv von „Jesus Christus“ meistens der lateinische Genitiv „Jesu Christi“ gebraucht, oder der Plural des griechischen Wortes „Dogma“ lautet „Dogmata“. Aber ich denke trotzdem, dass man mit „Mantras“ gut beraten ist 
Hier nochmal zusammengefasst:
Wortstamm: mantra
Nom. Sg.: mantraH
Akk. Sg.: mantram
Nom. Pl.: mantraaH
Akk. Pl.: mantraan
Mit „cakra“ sieht das übrigens etwas anders aus. Da es ein Neutrum ist, wird es anders dekliniert:
Wortstamm: cakra
Nom. Sg.: cakram
Akk. Sg.: cakram
Nom. Pl.: cakraani
Akk. Pl.: cakraani
„cakraa“ wäre dann die theoretische Pluralform des Wortstammes.
Viele Grüße
Kai
Lieber Kai,
wow! Das nenn’ ich eine prompte super Antwort!!!
Vielen Dank, sehr ausführlich und für mich gut nachvollziehbar. Richtig toll erklärt, ich danke Dir sehr, hab mich wirklich gefreut und kann viel damit anfangen.
Toll, dass Du so gut Sanskrit kannst 
Liebe Grüße,
Antonia
Liebe Frau Dittrich,
Sanskrit hat für den Plural kein S.
Die Mantra oder die Chakra zu sagen gilt jedoch im
Deutschen ebenso wie die Mantras oder die Chakras, das
ist eine „Vereinbarung“ bei Übersetzungen, in denen
Einzelterme im Plural in anderssprachigen Sätzen
Verwendung finden. Mantren oder Chakren wäre eher
schmerzhaft. Mantram statt Mantra sagt man, wenn man
ganz besonders hochnäsig und verblödet ist.
Bisschen was probieren?
http://www.imn.htwk-leipzig.de/~bunk/sanskrit.htm
Ihnen einen guten Abend
Sanatanas
Lieber Herr Sanatanas,
vielen Dank für die Ausführungen. Sie haben Recht, Mantren hört sich auch schon so unbeholfen an, als würde da was nicht stimmen. Ich musste schmunzeln, als ich das las.
Aber gut zu wissen, dass es diese „Vereinbarung“ gibt, selbst wenn es noch immer nicht ganz richtig klingt.
Anhand des Links konnte ich einen Einblick in die (für mich) recht umfangreiche Grammatik bekommen. Vielen Dank, das ist sehr interessant:smile:
Viele Grüße,
Antonia Dittrich
PS:
Einigermaßen authentische und unverbildete Mantra aus
der vedischen Zeit interpretiert, wie ich meine, z.B.
Shubda Mudgal. Sie müssten mir eine Adresse an
[email protected] schreiben, dann kann ich Ihnen bspsw.
eine Musikdatei „Smaran Mantra“ senden - ein, wenn auch
flüchtiger, Eindruck davon, dass
Selbstverständlichkeiten wie der Sonnenaufgang einst
eine andere Bedeutung hatten und wesentlich
intensivere, emotionale Bezüge hergestellt wurden.
Sanatanas
vielen Dank für die Ausführungen. Sie haben Recht,
Mantren
hört sich auch schon so unbeholfen an, als würde da
was nicht
stimmen. Ich musste schmunzeln, als ich das las.
Aber gut zu wissen, dass es diese „Vereinbarung“ gibt,
selbst
wenn es noch immer nicht ganz richtig klingt.
Anhand des Links konnte ich einen Einblick in die (für
mich)
recht umfangreiche Grammatik bekommen. Vielen Dank,
das ist
sehr interessant:smile:
Viele Grüße,
Antonia Dittrich