Santideva bzw. Bodhicaryavatara

Theravada
Moin Thomas,

das hat nichts mit meinen Gefühlen zutun, wieso auch ? Solche eine Diskussion ist mir einfach zu albern und zu abwegig um sie überhaupt ernsthaft führen zu können. Sicher, im Prinzip kann man alles Diskutieren, auch ob das Ei nicht in eigentlich ein Fahrad ist und Erwin heisst, aber auch meine Zeit ist begrenzt.

Das Argument (und auch nicht mein Argument, weil ich es ja aus
diesem
dtv-Bändchen wohl unkritisch übernommen hatte)

nein, das: „Ich bin mir im Moment allerdings nicht ganz im Klaren darüber, welche Bedeutung diese Unterscheidung genau hätte. Denn im Grunde genommen wären ja - nach dem, was ich vorhin schrieb - beide Schulen nicht authentisch im Sinne der urbuddhistischen Lehre, oder?“

Ist deine ureigenste Aussage und ich sehe nichts im Text von Mylius, was solch eine Folgerung rechtfertigen würde.

war ja nicht,

dass die Schulen der Lehre widersprechen würden, wohl aber,
dass sie mit ihren beiden Deutungen über die urbuddhistische
Lehre hinausgehen,

Diese Aussage ist ja auch soweit in Ordnung auch wenn der Begriff „Deutung“ hier fehl am Platze ist. Es handelt sich um „Erläuterungen“ nicht um „Deutungen“. Wenn man ein Beispiel anführt, um etwas zu erläutern, geht das auch über den urprüngliches Sachverhalt hinaus. Dennoch kann es manchmal hilfreich sein, um den ursprünglichen Sachverhalt zu verstehen und es ist auch kein Problem, wenn jemand anders diesem Beispiel nicht folgen will/kann.

dass sich also die Lehren von „Selbst“ und

„Leere“ im Pali-Kanon (ich hoffe, ich sage jetzt nichts
Falsches, denn - so wie ich es verstanden habe - ist das doch
die früheste Quelle, oder?) noch nicht finden,

ähm…Thomas…also bitte, du hast selbst Textstellen aus der Einleitung dieses Buches zitiert, wo vom Nicht-Selbst als Teil der Urbuddhistischen Quellen die Rede ist. Dies wird im Mahayana weiter vertieft (erläutert) und führt eben zum Begriff von Sunyata (Leerheit). Nicht-Selbst (Antman) ist aber nicht das gleiche wie Lehrheit (Sunyata)!! Nicht-Selbst (Anatman) gehört zur Urbuddhistischen Leehre, der Begiff Sunyata (Lehrheit) wurde erst später durch das Mahayana (da insbesondere Nagaryuna) geprägt, um das Konzept vom Nicht-Selbst weiter zu erläutern. Es mag Theravada-Buddhisten geben, die dieser Erläuterung nicht folgen mögen. Das ist aber völlig ok, es ist ja nur eine Erläuterung.

mithin als

spätere Zusätze anzusehen sind - ausgehend von der
zugrundegelegten Behauptung, dass Buddha selbst darüber keine
Angaben gemacht habe.

Wie kommst du darauf ? Natürlich hat Buddha dazu Aussagen gemacht, dazu kannst nahezu in jedem belieben Buch über die Grundlehre des Buddhismus nachlesen und ganz sicher auch in dem dir vorliegenden Buch von Mylius.

Weil ich ja die Schriften nicht auswendig kenne, müsste ich
also danach suchen, wo sich etwas derartiges findet, also ob
das stimmt. Für mich ist das ziemlich schwer, weil mir die
Unkenntnis der Begrifflichkeiten zu schaffen macht.

Kein Problem, les einfach das dir vorliegende Buch von Mylius über die Einleitung hinaus. :smile:

Da Mylius Anatman in seiner Einleitung als Bestandteil der Urbuddhistischen Lehre erwähnt bin ich mir sicher, dass er es auch im Weiteren Teil seines Buches erwähnt.

Gruss
Marion

Moin Thomas

Ich weiss ja nicht, was da sonst noch so steht, aber aus
obigen klingt für mich weniger ein Marxist, als der Standpunkt
eines waschechten, orthodoxen Theravadins :smile:

Jetzt habe ich nachgesehen und weiß jetzt, was das überhaupt
ist *g*,

Falls du das Buch von Mylius tatsächlich gelesen hast, hast du das auch vorher schon gewusst :smile:

„ein bodhisattva … ein „Erleuchtungswesen“ [sei], das die
Voraussetzung für Buddhaschaft und damit für das Eingehen in
das nirbbana erreicht hat, hierauf aber aus Güte und Mitleid
solange verzichtet, bis alle Wesen diese Voraussetzungen
erreicht haben.“ Bisher dachte ich, jeder direkte Anwärter auf
die Buddhaschaft wäre ein Bodhisattva (die Begriffe sind für
mich so ungeheuer sperrig).

*seufz*

Eine solche Auffassung war dem ursprünglichen Buddhismus gänzlich
fremd. Der älteste Buddhismus bestreitet nicht die Realität der Welt.

Ganz genau, auch der älteste Buddhismus kannte nämlich die Lehre von Anatman.

Das will mir wieder - sorry - nicht ganz einleuchten, denn
Anatman war doch - nach deiner Beschreibung - eben nicht
Atman. Bin ich jetzt ganz auf dem Holzweg? Jedenfalls ziemlich
verwirrt …

Genau lesen kann vielleicht hilfreich sein :smile:

Der Buddhismus antwortet dahingehend, dass es sich

in der Reihe der Existenzen nicht um dasselbe, mit sich
identische Wesen handelt, dass sich aber andererseits auch
nicht verschiedene Wesen einander ablösen.

Genau diesen Gedanken haben die Mahayana-Lehrer wieder
aufgegriffen. Eigentlich gehört hier der Konditionalnexus hin.

Das scheint mir noch fundamentaler zu sein, als die
Kausalität, also an dem „Satz vom Widerspruch“ (A kann nicht
zugleich A und Nicht-A sein) zu rühren. Ich reime mir das so
zusammen, dass schon die Setzung des „A“ nach der
buddhistischen Lehre falsch sein müsste, weil A sozusagen
zwangsweise die Dichotymie von A und Nicht-A nach sich zieht.
Die Folge wäre ein Umkehr"schluss", dass eben doch A und
Nicht-A zugleich möglich/wirklich/notwendig wären, und es
deshalb - also genau aus diesem Grunde - kein „A“ geben
kann/darf. ???

Der Buddhistische Konditionalnexus bedeutet im Grunde nichts anderes als „Entstehen in Abhängigkeit“. Wenn du „A“ mit „Tasse Kaffee“ gleichsetzt und dich nun nach obigem Schema fragst, ob es „A“ nun gibt oder nicht, würde dir jeder vernünftige Buddhist sagen: Lass dir den Kaffee schmecken bevor er kalt wird :smile:

Falls du mal über die
Einführung hinaus in dem Buch weiterblätterst wirst du dazu
sicher auch Kapitel finden, genau wie zu sunya (leer)).

Ja, das werde ich tun, zumal meine erste Lektüre schon
ziemlich lange zurückliegt (wie ich ja schon gesagt habe). Ich
erhoffe mir allerdings in der Regel von Einleitungen bzw.
Einführungen in der Regel eine Erleichterung der Lektüre :smile:

Siehe mein vorheriges Posting. Da Mylius in seiner Einleitung Anatman (Anatta) erwähnt, kann man wohl davon ausgehen, dass es auch später noch vorkommen wird.

Wenn du
also den Unterschied zwischen Psychologie und Philosophie
kennst, kennst du auch den Unterschied zwischen Yogacara und
Madhyamika. Hier bei geht es im Wesentlichen um Methoden.

Gestatte mir zwei Vermutungen, was du meinst:

  1. Y vs. M = Erfahrung vs. Denken ?
  2. Y vs. M = Praxis vs. Theorie ?

Nein, das meine ich nicht. Was ich meine steht bereits in einem Posting weiter oben. Der Vergleich mit Psychologie und Philosophie war eigentlich als Hilfestellung für dich gedacht, da ich anahmn, dass das für dich vertraute Begriffe sind.

Ähm…willst du dich jetzt lustig machen ?

NEIN! *ähäm* entschuldige: nein! Ich wälze nur meinen Geist
hin und her zwischen den Begriffen und Bedeutungen. Viele der
Begriffe habe ich noch nie (bewusst) gehört, obwohl ich sie
sicher schon einmal als Worte gelesen habe. Aber es sind nicht
die Begriffe, die mich interessieren, sondern ihr Inhalt.
Daher überlese ich manchmal die (indischen) Begriffe bzw. sie
entfallen mir einfach wieder (die klingen ja auch alle so
ähnlich, das ist ja wie Vokabellernen *brr* *schüttel*).

Dann wundert micht nichts mehr. Was würdest du wohl zu mir sagen, wenn ich zwar eine Diskussion über europäische Philosophie mit dir führen wollte, aber nicht Willens bin entsprechendes philosophisches Vokabular zu verwenden und alle Richtungen, Schulen, Philosophen etc. ständig munter durcheinanderwerfen würde, weil ich keine Lust habe, mir die Begriffe und/oder Namen zu merken ? Das wäre wahrhaft eine lustige Diskussion, findest du nicht ? :smile:

Sehr schön, ich bin ja auch musikwissenschaftlich tätig, ohne
selbst regelmäßig ausübender Musiker zu sein.

Gibt es einen Muskikwissenschaftler, der kein einziges Musikinstrument spielt, ja nicht mal singt oder ähnliches ? Ja, der sich sogar strikt weigert, Musik zu „praktizieren“, weil er meint, das läge eben nicht im Bereich seines Interesses ? Eigentlich müsste dieser Musikwissenschaftler sich sogar weigern, Musik zu höhren, weil auch das ja schon ein Erlebnis wäre. Nun ja, vermutlich gibt es auch das :smile:

Gruss
marion

Klärung?!
Hallo Marion,

Falls du das Buch von Mylius tatsächlich gelesen hast, hast du
das auch vorher schon gewusst :smile:

möglich, aber das ist Jahre her. Und ich finde nicht, dass man sich diese Namen wirklich gut merken kann - naja, Auswendiglernen war noch nie meine Stärke.

„ein bodhisattva … ein „Erleuchtungswesen“ [sei], das die
Voraussetzung für Buddhaschaft und damit für das Eingehen in
das nirbbana erreicht hat, hierauf aber aus Güte und Mitleid
solange verzichtet, bis alle Wesen diese Voraussetzungen
erreicht haben.“ Bisher dachte ich, jeder direkte Anwärter auf
die Buddhaschaft wäre ein Bodhisattva (die Begriffe sind für
mich so ungeheuer sperrig).

*seufz*

Das eigentliche Problem scheint mir zu sein, dass die Begriffe vieldeutig sind, du sie aber durch dein Vorwissen glättest. Ich finde z. B. im Glossar bei bei Mylius (S. 424) folgende Erklärung:
Boddhisatta: (Sanskrit: Bodhisattva), ein Wesen, das bestimmt ist, nach einer mehr oder minder großen Zahl von Existenzen die Buddhaschaft zu erlangen. Die letzte Wiedergeburt vor diesem Ziel erfolgt als Mensch.“
Daraus kann man doch eigentlich nur schließen, dass er vorher eben kein Mensch war - oder wenn er einer war, dann eben kein Bodhisattva.

Wenn du jetzt erweiternd davon abgehst und sagst, es ist der Verzicht auf das Nirvana, dann muss ich mich fragen, wie denn die Verhältnisse wischen Bodhisattva, Buddha und dem Nirvana genau zu fassen sind. Es war ja gerade Buddha, der davon abgesehen hat, sofort ins Nirvana einzugehen (wenn ich mich recht erinnere). Was also ist hier zuerst? Führt Buddhaschaft zum Bodhisattva oder umgekehrt Boddhisattva zur Buddhaschaft?

Nein, das meine ich nicht. Was ich meine steht bereits in
einem Posting weiter oben. Der Vergleich mit Psychologie und
Philosophie war eigentlich als Hilfestellung für dich
gedacht, da ich anahmn, dass das für dich vertraute Begriffe
sind.

Du gehst mit einem Vorverständnis an die Begriffe heran, das ich möglicherweise nicht habe. Dadurch wird die Sache für mich eher schwieriger, weil ich zunächst erst einmal klären müsste, ob wir unter den Begriffen dasselbe verstehen. Das ist bei den Begriffen „Philosophie“ und „Psychologie“ noch schwieriger als bei dem Begriff „Boddhisattva“, weil ich bei diesem letzten Begriff ja keine eigenen Bedeutungen mit hineinbringe (weil ich mich da einfach erst einmal auf die Literatur verlassen muss, um zu wissen, was der/die andere meint), was aber bei „Philosophie“ und „Psychologie“ ganz sicher der Fall ist.

Dann wundert micht nichts mehr. Was würdest du wohl zu mir
sagen, wenn ich zwar eine Diskussion über europäische
Philosophie mit dir führen wollte, aber nicht Willens bin
entsprechendes philosophisches Vokabular zu verwenden und alle
Richtungen, Schulen, Philosophen etc. ständig munter
durcheinanderwerfen würde, weil ich keine Lust habe, mir die
Begriffe und/oder Namen zu merken ? Das wäre wahrhaft eine
lustige Diskussion, findest du nicht ? :smile:

Ich weigere mich nicht, ich habe meine Schwierigkeiten damit beschrieben. Wenn man etwa die Begriffe „tranzendent“ und „transzendental“ erläutern würde, könnte man genau sagen, wer wo welchen der Begriffe wie verwendet - und schon hätte man einen Dissenz, den man austragen könnte (also etwa die Frage, welche Verwendung zweckmäßiger wäre). Hegel z. B. verwendet bestimmte Begriffe wie z. B. die Begriffe „konkret“ und „abstrakt“ in genau umgekehrter Bedeutung wie alle anderen vor ihm. Das muss man wissen, und das kann man auch wissen. Dennoch kann man das erläutern, indem man sich eben auf eine Verwendung einigt.

Bei den buddhistischen Begriffen erscheint es mir im Moment so, als wenn manche den Begriff „so“ deuten, andere ihn „so“ (aber anders als die ersten natürlich), aber niemand zugeben würde, dass hier ein Unterschied vorliegt, den man diskutieren könnte. Der Begriff ist dann eben abgeleitet aus dem Urbuddhismus - und somit muss er eben stimmen. Das kann ich nicht verstehen bzw. wahrscheinlich ist das ein Missverständnis!

Gibt es einen Muskikwissenschaftler, der kein einziges
Musikinstrument spielt, ja nicht mal singt oder ähnliches ?
Ja, der sich sogar strikt weigert, Musik zu „praktizieren“,
weil er meint, das läge eben nicht im Bereich seines
Interesses ? Eigentlich müsste dieser Musikwissenschaftler
sich sogar weigern, Musik zu höhren, weil auch das ja schon
ein Erlebnis wäre. Nun ja, vermutlich gibt es auch das

-)

Ich weiß nicht, ob es so etwas gibt, aber eine Trennung von Musiktheorie und Musikpraxis ist nicht nur sinnvoll, sondern notwendig (obwohl sich natürlich beide Teile befruchten können und sollen). Diese Differenzierung kann ich bei praktizierenden Buddhisten (ich meine natürlich auch dich, traue mich aber nicht, das hinzuschreiben, um dich nicht schon wieder ungewollt zu verletzen) nicht entdecken kann. Aber wahrscheinlich ist die Vermischung die buddhistisch richtige Methode - der ich nur eben als Nicht-Buddhist nicht folgen kann.
Das kann ich akzeptieren, finde es aber unbefriedigend - und eigentlich richtig schade!

Aber da das Problem ja bei mir liegt, ist es eben mein Problem. Da hast du sicher Recht! Ich danke dir aber trotzdem nochmal für die Mühe, die du dir trotz deiner Lustlosigkeit gegeben hast. Und ich entschuldige mich nochmal dafür, dass ich dich eventuell verletzt haben sollte. Das war nun wirklich nicht meine Absicht!

Herzliche Grüße

Thomas

Hallo Demetrius,

danke für den Versuch, allerdings kann ich deiner Terminologie nach wie vor nicht so richtig folgen, wohl weil du sie selbst entwickelt hast. Einen Zusammenhang zur Bibel herzustellen, finde ich eher abstrus als hilfreich, es sei denn, du wolltest entmythologisieren, was aber nach meinem Eindruck von deiner Denkweise nicht der Fall ist. Du vermischst ja wieder genau das, was ich nach buddhistischer Doktrin doch eigentlich trennen sollte, so erscheint es mir jedenfalls.

Insbesondere dies:

Durch Sinneswahrnehmung, entsteht die ICH-Vorstellung im Geist
des Menschen (Verstand). Diese Vorstellung ist eine reine ILLUSION.

scheint mir merkwürdig zu sein, denn hier wird Begriffsbildung und Sinneswahrnehmung vermischt, ohne dass dafür eine Notwendigkeit bestünde. Was du vom Schleier der Maya schreibst, ist von Schopenhauer beeinflusst, trifft aber eigentlich auch nicht ganz das, was Schopenhauer sagen will.

Da nur EINE Vorstellung existiere kann, muß die falsche
Vorstellung vom ICH „sterben“, (mystischer Tod)
damit die richtige Vorstellung vom Selbst
„auferstehen“ kann.

(Ich finde es nett, dass du meine letzte Kritik an deiner Formulierung hier aufnimmst.)

Was du zum Karma schreibst, erscheint mir nicht logisch, sondern dogmatisch im Sinne einer ungeprüften Übernahme von Behauptungen.

Ich gehe davon aus, dass dieses jetzt verständlicher ist.

Leider nicht, aber das muss ja nicht an dir liegen - ich bin wohl doch zu philosophisch orientiert, um gewisse Dinge einfach so hinnehmen zu können.

Aber lass dir keine grauen Haare wachsen. Ich finde es nett, dass du es versucht hast, aus deiner Sicht eine Klärung meines Unverständnisses herbeizuführen. Dass das nicht funktioniert, ist wohl eben so.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Bodhisattva u. Glossar buddhistischer Begriffe
Moin Thomas,

möglich, aber das ist Jahre her. Und ich finde nicht, dass man
sich diese Namen wirklich gut merken kann - naja,
Auswendiglernen war noch nie meine Stärke.

Naja, so schreckliche Namen wie Herklit, Sokrates oder Schopenhauer hast du dir ja auch irgendwie gemerkt *g*.

Das eigentliche Problem scheint mir zu sein, dass die Begriffe
vieldeutig sind, du sie aber durch dein Vorwissen glättest.

Nein, eigentlich sind die Begriffe zum Glück nicht vieldeutig. Verwirrung entsteht höchstens durch Menschen die mit diesen Begriffen um sich werfen, ohne wirklich verstanden zu haben, was ein Begriff bedeutet, woher er stammt und wie er dort verwendet wurde. Aber ich denke, das Problem kennst du sicher auch von selbsternannten Philosophen, die mit philosophischen Begriffen um sich werfen, ohne zu wissen, was sie bedeuten. Das kann für jemanden, der grade anfängt sich mit einem Fachgebiet zu beschäftigen, natürlich verwirrend sein. Daher empfehle ich grade am Anfang möglichst an der Quelle zu bleiben und nur Literatur von anerkannten buddhistischen Lehrern bezüglich ihrer eigenen Tradition zu lesen, bis sich das eigene Wissen erstmal verfestigt hat.

Ich finde z. B. im Glossar bei bei Mylius (S. 424) folgende
Erklärung:
Boddhisatta: (Sanskrit: Bodhisattva), ein Wesen, das
bestimmt ist, nach einer mehr oder minder großen Zahl von
Existenzen die Buddhaschaft zu erlangen. Die letzte
Wiedergeburt vor diesem Ziel erfolgt als Mensch.“
Daraus kann man doch eigentlich nur schließen, dass er vorher
eben kein Mensch war - oder wenn er einer war, dann eben kein
Bodhisattva.

Wenn du jetzt erweiternd davon abgehst und sagst, es ist der
Verzicht auf das Nirvana, dann muss ich mich fragen, wie denn
die Verhältnisse wischen Bodhisattva, Buddha und dem Nirvana
genau zu fassen sind. Es war ja gerade Buddha, der davon
abgesehen hat, sofort ins Nirvana einzugehen (wenn ich mich
recht erinnere). Was also ist hier zuerst? Führt Buddhaschaft
zum Bodhisattva oder umgekehrt Boddhisattva zur Buddhaschaft?

Ich finde in folgendem Text sind diese Zusammenhänge sehr schön erklärt: http://www.buddhanetz.org/texte/bodhisat.htm

Dr. Walpola Rahula, von dem der Text stammt, war übrigens Ceylonese, Mönch der Theravada Tradition und seit 1965 Professor an der Northwestern University, USA. Ich hab hier absichtlich diesen Text für dich angeführt (und keinen Text der Mahayana Tradition, obwohl das Boddhisattva-Ideal in der Mahayana-Tradition wesentlich tiefer verankert ist), weil das Buch von Mylius, aus dem der von dir zitierte Text stammt, ebenfalls der Tradition des Theravada angehört.

Ansonsten liest du ja grade selbst Santideva und mit dem Bodhicaryavatara einen der hervorragensten Texte der Mahayana-Tradition, die sich mit dem Bodhisattva-Ideal beschäftigen.

Du gehst mit einem Vorverständnis an die Begriffe heran, das
ich möglicherweise nicht habe. Dadurch wird die Sache für mich
eher schwieriger, weil ich zunächst erst einmal klären müsste,
ob wir unter den Begriffen dasselbe verstehen.

Dem kann ja abgeholfen werden.
Ein recht gutes und umfangreiches Glossar der buddhistischen Begriffe findet sich zum Beispiel hier: http://www.buddhanet.net/e-learning/history/b_gloss2…

Bei den buddhistischen Begriffen erscheint es mir im Moment
so, als wenn manche den Begriff „so“ deuten, andere ihn „so“
(aber anders als die ersten natürlich), aber niemand zugeben
würde, dass hier ein Unterschied vorliegt, den man diskutieren
könnte. Der Begriff ist dann eben abgeleitet aus dem
Urbuddhismus - und somit muss er eben stimmen. Das kann ich
nicht verstehen bzw. wahrscheinlich ist das ein
Missverständnis!

Ja, das denke ich auch. Der einzige, der hier immer versucht buddhistische Begriffe zu deuten bist du *g*. Aber falls du mal mit einem bestimmten Begriff Schwierigkeiten hast und auch das oben genannte Glossar dir nicht ausreichend weiterhilft bin ich immer gerne bereit zu helfen.

Ich weiß nicht, ob es so etwas gibt, aber eine Trennung von
Musiktheorie und Musikpraxis ist nicht nur sinnvoll, sondern
notwendig (obwohl sich natürlich beide Teile befruchten können
und sollen). Diese Differenzierung kann ich bei
praktizierenden Buddhisten (ich meine natürlich auch dich,
traue mich aber nicht, das hinzuschreiben, um dich nicht schon
wieder ungewollt zu verletzen) nicht entdecken kann.

Warum sollte mich etwas verletzten was DU nicht entdecken kannst ? *schmunzel*. Allerdings frage ich mich dann doch, mit welcher Einstellung du eigentlich an die Schriften des Buddhismus herangehst. Fast alle Autoren dieser Schriften, die du bisher so genannt und gelesen hast, dürften nämlich praktizierende Buddhisten gewesen sein *g*.

Aber

wahrscheinlich ist die Vermischung die buddhistisch richtige
Methode - der ich nur eben als Nicht-Buddhist nicht folgen
kann.
Das kann ich akzeptieren, finde es aber unbefriedigend - und
eigentlich richtig schade!

Nun ja, vielleicht wäre es ein guter Anfang für dich, erstmal zu versuchen, die Lehre des Buddhismus und der jeweiligen Schulen zu verstehen. Ein Buch das zum Beispiel fast ohne diese ganzen für dich so schrecklchen Begriffe *g* auskommt ist zum Beispiel das von mir hier schon öfters empfohlene Buch von Alex Kennedy, „Was ist Buddhismus“. Ob du dem dann aber folgen willst oder nicht kannst du dann ja immer noch entscheiden :smile:

Aber da das Problem ja bei mir liegt, ist es eben mein
Problem. Da hast du sicher Recht! Ich danke dir aber trotzdem
nochmal für die Mühe, die du dir trotz deiner Lustlosigkeit
gegeben hast.

Hm…ehrlich gesagt, diese Lustlosigkeit entdecke ich eher in deinen Postings. Ich frage mich manchmal, warum du dich überhaupt mit dem Buddhismus beschäftigst. Aber egal, solltest du mal wieder eine Frage haben, nur raus damit, auch wenn ich vermutlich durch die Beantwortung dieser Fragen mehr lerne als du :smile:

Gruss
Marion

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Anfänge
Hallo Marion,

Begriffen um sich werfen, ohne zu wissen, was sie bedeuten.

ja, du hast Recht, darunter leide ich schon (diesmal natürlich nicht bei dir!!), sondern bei den vielen selbsternannten Buddhisten. Allerdings ist es für mich ein Problem, die Qualität zu prüfen, weil ich die verschiedenen Traditionen nicht alle kenne.

nur Literatur von anerkannten buddhistischen Lehrern bezüglich ihrer eigenen
Tradition

Auch das ist richtig, eigentlich sogar selbstverständlich, allerdings ist das nicht einfach. Denn woher sollte ich z. B. wissen, welcher Tradition Mylius angehört, wenn du es mir nicht gesagt hättest?

http://www.buddhanetz.org/texte/bodhisat.htm

Danke für den Link!

http://www.buddhanet.net/e-learning/history/b_gloss2…

Auch für diesen!

bin ich immer gerne bereit zu helfen.

Ok, das merke ich mir auch! :smile:

mit welcher Einstellung du eigentlich an die Schriften des
Buddhismus herangehst.

Meine Einstellung ist die, dass ich das Prinzip theoretisch begreifen möchte.

Alex Kennedy, „Was ist Buddhismus“.

Ich besorge es mir, vermute aber aufgrund der vielen Einführungsbücher, die ich schon eingesehen habe, dass dort wieder nur die vier edlen Wahrheiten und der achtfache Pfad aufgelistet und ein wenig erläutert sind. Aber vielleicht ist das ja bei diesem Autor anders.

Ich frage mich manchmal, warum du dich
überhaupt mit dem Buddhismus beschäftigst.

Warum beschäftigt man sich mit Theorien? Weil diese möglicherweise Aufschluss über die Welt oder zumindest über mögliche Sichtweisen der Welt ergeben - und weil Denkweisen einfach interessant sind (auch und gerade wenn sie anders sind als die eigene Denkart).

Herzliche Grüße

Thomas

Hallo Thomas,

in diesem Leben werden wir uns wohl nicht mehr Verstehen (unsere Aussagen betreffend). :- )))
Ich kann mit der Theorie nichts anfangen – die Ihr da betreibt – und Du kannst mit meinen Aussagen nichts anfangen.

>>>Einen Zusammenhang zur Bibel herzustellen, finde ich eher abstrus als hilfreich, es sei denn, du wolltest entmythologisieren,>>Du vermischst ja wieder genau das, was ich nach buddhistischer Doktrin doch eigentlich trennen sollte, so erscheint es mir jedenfalls.>>scheint mir merkwürdig zu sein, denn hier wird Begriffsbildung und Sinneswahrnehmung vermischt, ohne dass dafür eine Notwendigkeit bestünde.>>Was du zum Karma schreibst, erscheint mir nicht logisch, sondern dogmatisch im Sinne einer ungeprüften Übernahme von Behauptungen.>>Aber lass dir keine grauen Haare wachsen.

Noch zum wesentlichen Unterschied zwischen dem wirklichen Christentum und anderen Religionen.
Beim Christentum kann und muss man sein Seelenheil nicht erarbeiten, weder durch ein gutes Leben, gute Taten, ein gutes Karma, körperliche Wiedergeburt etc.

Rein durch demütiges aufnehmen Jesus Christus. Eine reine Gnadengabe, die durch den Kreuzestod Jesu, dank seiner Liebe zu uns erst möglich wurde, können wir alle ewiges Leben haben.

Aber gerade diese Demut scheint uns stolzen Westlern zu widersprechen.

Dieser Unterschied ist so grundsätzlich, dass eine Vereinigung mit Ansichten etc anderen Religionen nie möglich sein wird. Das kann man drehen und wenden wie man will, oder es gerne hätte, es geht einfach nicht!