Satzstellung des Relativsatzes

Ich habe mehrfach in einer Arbeit Relativsätze folgendermaßen gebildet:

„Die Sitzung wird eröffnet mit der Diskussion über den neuen Roman von Norman Mailer.“

„Obwohl das Gespräch geprägt ist von sprachlichen Missverständnissen, Kritisierungen, Überinterpretationen und falschen Textauffassungen der Literaturkritikerin, verläuft es dennoch harmonisch.“

Sind diese Sätze falsch?? Mir ist klar, dass sie sich umgestellt eventuell BESSER anhören, aber so wie oben erscheinen sie mir trotzdem richtig… Insbesondere bei einem so langen Satz wie dem zweiten finde ich, dass er schwerer verständlich wird, wenn ich das „geprägt ist“ hinter „Literaturkritikerin“ stelle.

Kann mir jemand eine Regel dazu sagen? Ich finde dazu einfach nichts…

Vielen Dank!

Hallo
Das sind doch keine Relativsätze. In einem Relativsatz bezieht sich der Nebensatz auf etwas im Hauptsatz:

Der Mann, der neben mir wohnt, ist nett.
Das Land, wo die Zitronen blühen.
Ich spreche mit der Frau, deren Hund in meinen Garten gepinkelt hat.

Dein erster Satz ist ein ganz normaler Hauptsatz. Der Zweite Nebensatz (mit Konjuktion) und HauptS.

Regel : Nach subordinierenden Konjuktionen (wie: obwohl) steht das konjugierte Verb am ENDE des (Neben)satzes.
Bzw.: Das Partizip 2 (eröffnet) steht immer am Ende des Satzes.

Deine zweiten Satz könnte man mit zugekniffenen Augen so stehen lassen, da man der Verständlichkeit halber das Verb mal vorholen kann, falls eine sooooo lange Wortschlange folgt.
Satz Nummer 2: Nee, also beim besten Willen… :smile:

Liebe Grüße
Maria

Hi,
Ich kann dir bei deinen Grammatikalitätsurteilen gar nicht zustimmen — die Sätze sind mit ziemlicher Sicherheit beide korrekt. Ich finde sie noch nicht einmal stilistisch schlecht.
Ist das nicht eine Adjunktion, wenn man den Objektsatz (sind doch Objektsätze, oder?) ans Ende stellt? Dann wäre die OSV-Stellung des deutschen Nebensatzes immer noch eingehalten. Ich wüsste also nicht, was an solchen Sätzen falsch sein sollte.

Gruß,

  • André
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Nachfeld des Satzes.
Hallo André,

Ich kann dir bei deinen Grammatikalitätsurteilen gar nicht
zustimmen — die Sätze sind mit ziemlicher Sicherheit beide
korrekt. Ich finde sie noch nicht einmal stilistisch schlecht.

Da stimme ich dir voll zu.

Ist das nicht eine Adjunktion, wenn man den Objektsatz (sind
doch Objektsätze, oder?) ans Ende stellt?

Der Begriff wäre mir in diesem Zusammenhang neu.

Man spricht aber vom Nachfeld eines Satzes. Ich glaube allerdings, dass sich auch bei der entsprechenden Erklärung hierzu auf Canoo.net ein Fehler eingeschlichen hat:

http://www.canoo.net/services/Controller?dispatch=gl…

Teil eines Satzes, der in einem unabhängigen Nebensatz nach den infiniten Prädikatsteilen steht. Zum Beispiel: Im Satz „Sie hat ihrem Enkel ein Buch geschenkt, das er sofort las“ steht „das er sofort las“ im Nachfeld.

Das ist zwar ein gutes Beispiel, aber in der Definition sollte es meines Erachtens besser heißen:

Teil eines Satzes, der in einem unabhängigen Haupt satz nach dessen infiniten Prädikatsteilen steht oder als Nebensatz n+1ten Grades nach dem finiten Verb eines Nebensatzes n-ten Grades.

In gewisser Weise steht auch in diesem meinem letzten Satz der zweite, hier mit der nebenordnenden Konjunktion oder verbundene Nebensatz im Nachfeld des ersten Nebensatzes, mit dem er sich das finite Verb steht teilt.
:wink:

Mein Lieblingssatz ist ja immer noch der erste von Wolfgang Hildesheimer in seinen Mitteilungen an Max. ISBN: 3518377760 Buch anschauen, der vollkommen ohne Nachfelder auskommt und deshalb vollkommen unverständlich ist:

Wieder ist, wie Du, lieber Max, wahrscheinlich bereits festgestellt hast, ein Jahr vergangen, und ich weiß nicht, ob es Dir so geht wie mir: allmählich wird mir dieser ewigwährende Zyklus ein wenig leid, wozu verschiedene Faktoren, deren Urheber ich in diesem Zusammenhang, um mich keinen Unannehmlichkeiten, deren Folgen, die in Kauf zu nehmen ich, der ich gerne Frieden halte, gezwungen wäre, nicht absehbar wären, auszusetzen, nicht nennen möchte, beitragen.
(Ich glaube den Satz zitiere ich hier jetzt zum dritten Mal, aber er ist zu schön, als dass man ihn nur verlinken möchte.)

Gruß Gernot

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Kicher,
den kannte ich trotzdem noch nicht. Bis zur Hälfte kommt man ja gut mit, aber am Ende lassen sich die Verben plötzlich nicht mehr zuordnen…
Geil!

LG

Hi,

Mein Lieblingssatz ist ja immer noch der erste von Wolfgang
Hildesheimer in seinen Mitteilungen an Max. ISBN: 3518377760 Buch anschauen,
der vollkommen ohne Nachfelder auskommt und deshalb vollkommen
unverständlich ist:

„Wieder ist, wie Du, lieber Max, wahrscheinlich bereits :festgestellt hast, ein Jahr vergangen, und ich weiß nicht, ob es Dir :so geht wie mir: allmählich wird mir dieser ewigwährende Zyklus ein :wenig leid, wozu verschiedene Faktoren, deren Urheber ich in diesem :Zusammenhang, um mich keinen Unannehmlichkeiten, deren Folgen, die :in Kauf zu nehmen ich, der ich gerne Frieden halte, gezwungen wäre, :nicht absehbar wären, auszusetzen, nicht nennen möchte, :beitragen.”

Finde ich nur schwer verständlich, aber nicht unverständlich. Hier die Auflösung:

„Wieder ist ein Jahr vergangen, wie Du, lieber Max, wahrscheinlich bereits festgestellt hast, und ich weiß nicht, ob es Dir so geht wie mir: allmählich wird mir dieser ewigwährende Zyklus ein wenig leid, wozu verschiedene Faktoren beitragen, deren Urheber ich in diesem Zusammenhang nicht nennen möchte, um mich keinen Unannehmlichkeiten auszusetzen, deren Folgen nicht absehbar wären und die ich, der ich gerne Frieden halte, gezwungen wäre, in Kauf zu nehmen.”

Von mir ist nur das „und die“ kurz vor dem Ende, ansonsten ist das ein Werk von Copy & Paste.
Der Verfasser hat nur die Möglichkeiten der deutschen Sprache vollkommen ausgenutzt und auch überzogen: das gebeugte Verb immer am Ende und möglichst keinen neuen Satz anfangen. In diesem Satzungetüm sieht man, dass es eben nicht gut ist, immer das zu machen, was geht. Das trifft aus meiner Sicht auch auf die ursprünglichen Frage zu: All die Sätze, die da stehen, sind so möglich, weil man eben der Übersichtlichkeit halber das gebeugte Verb vorziehen darf.
Aber sowohl die UP als auch der TExt von Wolfgang Hildesheimer sind Beispiele dafür, dass man nciht alles tun sollte, was man tun kann.
Ist es nicht ein Armutszeugnis an das GEdächtnis, dass man solch kurze Sätze wie im UP nicht mehr überblicken kann, und deswegen das gebeugte Verb vorzieht, als würde man sonst den ÜBerblick verlieren? Die Unterstellung, dass die UP nicht weiß, dass es zwar wie in ihren Beispielen möglich ist, aber eigentlich andersrum gehört, ist auch nicht viel schmeichelhafter. Für mich sind das Auswirkungen des Umstandes, dass die Menschen immer weniger lesen (und einander zuhören, und selber reden…) und viel davon dann noch auf Englisch und so die keine der beiden Sprachen richtig beherrschen oder voneinander abgrenzen können (nein, ich habe meinen Beruf nicht kurzzeitig vergessen)

Die Franzi

Zwei habbich noch…!
Danke für die Erklärung, ich vermocht’s nicht zu begründen. Und auch für den Satz, der ist großartig!

Ich kenne einen ähnlichen:

Wer den Pfeiler, der an der Brücke, die über den Fluss, der durch das Dorf, in dem der Mann, der das Halsband, das magische Kräfte, die Wunder vollbringen können, besitzt, hat, wohnt, fließt, führt, steht, tritt, stirbt.

Auch schön:

Die, die die, die die, die die, die stören, anmachen, ärgern, nerven, fliegen raus.

Grüße,

  • André
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