Scchiesspulver und burgen

hallo,

soweit ich weis, gab es vor dem 30 jährigen krieg eine sehr große anzahl von befestigten burgen.

im 30 jährigen krieg war jedoch(augrund des schwarzpulvers und kanonen?) der strategische schutz einer burg nicht mehr ausschlaggebend, und so kam es das viele burgen überrant, abgebrannt bzw. einfach übergeben wurden. darum auch die große anzahl an burgruinen.

wer kann mir mehr dazu sagen, und wer weis es genau?

gruß

rasta

hallo, RASTA

zu diesem Thema würde ich mich näher mit der Festung „Hohentwiel“ bei Singen beschäftigen.

Der Festungshauptmann Widerholt hielt diese Festung während des ganzen 30-jährigen Krieges und hat durch einige Nacht- und Nebelaktionen oder durch Belagerungen sämtliche Burgen der Umgebung erobert und zerstört, damit nicht Feinde sich dort festsetzen konnten.

Man kann also hier beides kennen lernen: Das Halten und das Zerstören von Burgen.

Dazu:

http://www.schloesser-magazin.de/de/objekte/ht/htth.php

und als Kostprobe:

_Konrad Widerholt (1598 - 1667)

Konrad Widerholt spielt in der Geschichte der Festung Hohentwiel eine herausragende Rolle. Die Kommandantur für den Berg wurde ihm von Herzog Eberhard III. kurz vor dessen Flucht ins Exil im Jahr 1643 übergeben. Der Hohentwiel war die einzige württembergische Festung im von Kaiserlichen besetzten Württemberg. Unter dem Kommando Widerholts widerstand sie allen Belagerungen der kommenden sieben Jahre. Diese Zeit stellte höchste Anforderungen an Widerholt: Er hatte nicht nur militärische Probleme zu lösen, auch die Versorgung mit Lebensmitteln, gesundheitliche und kaufmännische Probleme und die Organisation des Lebens auf der Festung waren äußerst schwierig. Mit Unterstützung seiner nächsten Untergebenen und durch abenteuerliche Überfälle, Geiselnahmen, die Lösegeld einbrachten, und diplomatischem Geschick wurde der Hohentwiel gehalten.
Konrad Widerholts strenger Protestantismus gilt als Bedingung für seine Widerstandskraft. Auf dem Hohentwiel ließ er 1645 eine Kirche erbauen. Er starb 1667 in Kirchheim unter Teck, wo er nach dem Verlassen des Hohentwiel mit einer Obervogtei belehnt worden._

Der Hohentwiel, also die Festung, wurde erst an die französischen Truppen Napoleons kampflos übergeben.
Diese sprengten die Anlage trotz gegenteiliger Versprechen gegenüber den württembergischen Festungsinhabern.

Aus dem Text des angegebenen Netzseite:

Diese Befestigung nützte den letzten Kommandanten des Hohentwiel nichts mehr, als sie vom französischen General Vandamme, der im 2. Koalitionskrieg mit übermächtigen napoleonischen Truppen vor dem Hohentwiel stand, zur Übergabe gezwungen wurden.
Die Besatzung räumte die Festung, deren anschließende Schleifung von Napoleon angeordnet wurde. Anfang 1801 war nach 900 Jahren aus der stolzen Festung eine Ruine geworden.

Ich denke, davon ausgehend findest du noch weitere Literatur.

Gruß Fritz, der unzählige Male von der Festungsruine über das umliegende Land, besonders den Bodensee und bei guter Sicht auf die Alpen, schaute

Hi,

in einem gröberen Raster stimmt es schon, dass der Einsatz von Schwarzpulver letztendlich das Zeitalter der Burgen beendete. Nur machten sowohl Kanonen als auch Burgen einen Entwicklungsprozess durch. Während des 30-jährigen Kriegs standen Geschütze noch sehr am Anfang ihrer Evolution, während Burgen noch nicht ihr Maximum erreicht hatten.
Natürlich fielen vor allem die älteren, im Prinzip noch mittelalterlichen Burgen, aber die Festungsbauer hatten bereits auf den Einsatz von Schießpunlver reagiert, vor allem indem die Mauern immer weiter verstärkt wurden, vorgelagerte Geschütztürme entstanden, aus denen die belagernden Batterien ihrerseits unter Feuer genommen werden konnten, und zunehmend auf angeschrägte Mauern gesetzt wurde, auf die die Kanonenkugeln in einem Winkel auftrafen, in dem sie weniger Schaden anrichteten, obwohl letztere Technik sich eigentlich erst in absolutistischer Zeit durchsetzte.
Auf der anderen Seite waren die Geschütze noch recht primitiv. Die Pulverladung, mit der man arbeiten konnte blieb beschränkt, weil die Rohre noch nicht so viel aushielten. Später entwickelte man Techniken, mit denen stabilere Rohre hergestellt werden konnten, die mit mehr Pulver schwerere Geschosse weiter und mit mehr Durchschlagskraft verschießen konnten.
Bis zu einem gewissen Grad herrschte im 30jährigen Krieg noch ein Gleichstand zwischen Festungsbaukunst auf der einen und Ballistik auf der anderen Seite.

Gruß

Volker

Im 30-jährigen Krieg spielten Burgen schon deshalb nicht mehr die Rolle, die sie im Mittelalter hatten, weil die Rolle der Stadt immer wichtiger wurde. Somit wurden die Städte befestigt und das bis ins 19.Jhdt. hinein, wobei natürlich die Feuerwaffen entschieden. Jede Waffe erzeugt eine Gegenwaffe. So entwickelte sich der Festungsbau als solches vom Bau der einzelnen Burg zur Sicherung von Verkehrswegen, Grenzen usw. über befestigte Orte zu Festungswerken wie dem Westwall, der Maginotlinie, dem Ostwall oder den Alpenfestungen, die letzlich auch im vergangenen Krieg nur eine gewisse psychologische Wirkung hatten.

Hallo,

soweit ich weis, gab es vor dem 30 jährigen krieg eine sehr
große anzahl von befestigten burgen.

im 30 jährigen krieg war jedoch(augrund des schwarzpulvers und
kanonen?) der strategische schutz einer burg nicht mehr
ausschlaggebend, und so kam es das viele burgen überrant,
abgebrannt bzw. einfach übergeben wurden. darum auch die große
anzahl an burgruinen.

Die zahlreichen Burgruinen, die man z.B. entlang des Rheins sieht, stammen allesamt aus dem Mittelalter und wurden auch meistens in der Zeit zerstört - also ca. 150 bis 200 Jahre vor dem 30jährigen Krieg.

Im 30jährigen Krieg spielten die klassichen Burgen eigentlich keine nennenswerte militärische Rolle mehr, wie überhaupt die ganze Kriegsführung des 17. Jahrhunderts höchst mobil war mit bis 50% berittenen Soldaten in einigen Armeen.

Die Anlage von militärischen Befestigungen wurde dann wieder in der Zeit der stehenden Heere, also gegen Ende des 17. Jahrhunderts, im großen Stil aufgenommen, da diese Armeen befestigte Stützpunkte für ihre Magazinversorgung brauchten. Natürlich hatte sich die Befestigungskunst (z.B. Vauban) der gesteigerten Wirkung der damals modernen Artillerie angepasst, so daß diese Festungen kaum noch Ähnlichkeit mit mittelalterlichen Burgen oder Stadtmauern hatten.

Die Kriege des 18. Jahrhunderts waren dann auch vor allem Kriege um und vor Festungen. Die allermeisten Feld-Schlachten waren das Ergebnis einer Belagerung und des Versuchs, diese Belagerung von außen aufzuheben (Entsatz); typische Beispiele aus den Schlesischen Kriegen wären z.B. Mollwitz, Prag, Kolin, Lobositz usw.

Erst im 19. Jahrhundert wurden die feindlichen Feld-Armeen und nicht mehr die feindlichen Festungen Hauptziel jeder militärischen Operation.

viele Grüße,

Ralf

Stimmt nicht ganz: die meisten Rheinburgen wurden von Ludwig XIV. in den Eroberungszügen 1667-97 zerstört, also kurz nach dem 30.jährigen Krieg. Das heißt, daß die Burgen als Grenzbefestigungen für Frankreich noch zu dieser Zeit eine Bedrohung darstellten.

Stimmt nicht ganz: die meisten Rheinburgen wurden von Ludwig
XIV. in den Eroberungszügen 1667-97 zerstört, also kurz nach
dem 30.jährigen Krieg. Das heißt, daß die Burgen als
Grenzbefestigungen für Frankreich noch zu dieser Zeit eine
Bedrohung darstellten.

Das betrifft vor allem die Pfalz. Die Burgen am Mittelrhein und auch an der Mosel wurden vor allem in den Dauerfehden der drei Erzbischöffe (Köln, Trier, Mainz) gebaut und auch zerstört.

hallo alle, hallo fritz,

vielen dank für eure antworten und dir fritz vielen dank für diesen link. werd dort sicher mal hinfahren!!

viele grüße

rasta

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