Schächten und Fleischqualität

Ohne eine Diskussion über den Tierschutz anstrengen zu wollen (!):

Ist die Qualität (Haltbarkeit, Bekömmlichkeit, Geschmack…) bei geschächtetem Tier anders als bei in „westlicher“ Weise geschlachtetem Tier? Bei letzterem wird das Hirn mit einem Bolzenschuss zertrümmert (oder das Auge aus dem Schädel geschossen…) , danach blutet das Tier aber genauso zuckend und windend aus wie beim Schächten, bei dem der Halsschnitt beim unbetäubten Tier gesetzt wird.

Was genau ändert sich, biochemisch, küchentechnisch?

Freunde, die 2 Schweine mästeten, bestanden dereinst darauf, dass das für sie selber bestimmte Tier zuerst geschlachtet würde. Sie meinten, die Adrenalinausschüttung beim 2. Tier, welches ja die Panikschreie und den Blutgeruch seines Artgenossen erleben würde, würde die Fleischqualität des 2. Tieres mindern. Und ich erinnere mich an eine alte Maßgabe, nach der zum Schlachten bestimmte Tiere nach dem transport zum Schlachter dort noch eine Nacht in einem Stall gehalten wurden, um sich vorm Töten zu beruhigen. Beim Schächten ist es angeblich auch erforderlich, dass das Tier ruhig steht, sich also nicht in Angst und PAnik befindet…?

vorläufig gemüsekauend, dalga

Hallo Dalga,

Ohne eine Diskussion über den Tierschutz anstrengen zu wollen
(!):

:smile: da gibt es auch sehr genaue Regeln, auch ohne Diskussion.

Ist die Qualität (Haltbarkeit, Bekömmlichkeit, Geschmack…)
bei geschächtetem Tier anders als bei in „westlicher“ Weise
geschlachtetem Tier? Bei letzterem wird das Hirn mit einem
Bolzenschuss zertrümmert (oder das Auge aus dem Schädel
geschossen…) ,

Also naja, das Hirn wird nicht direkt zertrümmert. Der Bolzen durchschlägt die Hirnschale und verletzt das Hirn massiv. Das Tier ist danach NICHT tot, sondern es handelt sich hierbei um eine Betäubung mit Todesfolge. Das heißt insbesondere, dass das Herz weiter schlägt und es ist daher kein Unterschied zum Schächten. Bis auf die Regeln der Religion, die wurden halt missachtet.

danach blutet das Tier aber genauso zuckend
und windend aus wie beim Schächten, bei dem der Halsschnitt
beim unbetäubten Tier gesetzt wird.

Genau, deshalb kein Unterschied.

Was genau ändert sich, biochemisch, küchentechnisch?

Nix.

Ausnahme: wenn nicht richtig gearbeitet wird kann es durchaus vorkommen, dass das Ausbluten nicht ordentlich geschieht. Ich glaube aber nicht, dass dies im Profibereich passiert. Und im Privatbereich sind Schlachtungen im Normalfall nicht mehr erlaubt.

Freunde, die 2 Schweine mästeten, bestanden dereinst darauf,
dass das für sie selber bestimmte Tier zuerst geschlachtet
würde. Sie meinten, die Adrenalinausschüttung beim 2. Tier,
welches ja die Panikschreie und den Blutgeruch seines
Artgenossen erleben würde, würde die Fleischqualität des 2.
Tieres mindern. Und ich erinnere mich an eine alte Maßgabe,
nach der zum Schlachten bestimmte Tiere nach dem transport zum
Schlachter dort noch eine Nacht in einem Stall gehalten
wurden, um sich vorm Töten zu beruhigen. Beim Schächten ist es
angeblich auch erforderlich, dass das Tier ruhig steht, sich
also nicht in Angst und PAnik befindet…?

Ja! Absolute Zustimmung. Früher nannte man das manchmal „der Eber uriniert ins Fleisch“, was faktisch zwar falsch ist aber das Ergebnis recht gut beschreibt. Die Stressssituation führt zu Hormonausschüttungen die zu schmecken sind. Man muss sich vor Augen halten, dass Schweine zu den stressanfälligsten Tieren gehören! Allerdings werden meines Wissens nach Schweine sehr selten geschächtet… :smile:

Das ruhige Stehen des Tieres hat aber soviel ich weiß auch wieder rituelle Bedeutung, da die Schächtung auch unter Gebeten abläuft.

Ciao, Holger

Hallo Dalga,

wie schon beschrieben ändert sich durch den Schächtvorgang an sich nichts im Hinblick auf die Qualität oder Lagerungsfähigkeit des Fleisches.

Für die Tiere, die zur Schächtung gelangen, gelten in der jüdischen Tradition bestimmte Aufzuchtregeln. Massentierhaltung kommt nicht in Frage, kein genetisch verändertes Futter etc.

Von daher kenne ich eine ganze Reihe von Leuten, die geschächtetes Fleisch kaufen ohne Juden zu sein.

Viele Grüße

Iris