Schädlinge auf Orangenbäumchen

Hallo liebe Wissende,

ich bzw. meine Pflanze hat folgendes Problem:

es ist ein selbstgezüchtetes Orangenbäumchen (ca. 40 cm hoch aus Kernen gezüchtet *kurzmegastolzsei*), dass irgendeinen komischen Befall hat:

auf den Blättern ist so eine klebrige, durchsichtige, tröpfchenförmige Substanz, die auch durch abduschen nicht wirklich abgeht. Aber was echt merkwürdig ist: neben der Pflanze sind auch solche kleine, durchsichtige Tröpfchen, die klebrig sind. Also, die scheinen irgendwie abzufallen.

Wie gesagt, ich dusche sie regelmäßig mit warmen Wasser ab, aber es nützt nix. Die Blätter sehen nicht wirklich gesund aus, sind aber auch nicht verschrumpelt oder so. Mehr so hellgrün mit gelblichen Schatten.

Da das Pflänzchen ja mein „Ziehkind“ ist, hängt auch mein Herz dran, und auf diesem Wege hoffe ich, dass mir jemand helfen kann.

Viele Grüße
Sabine

Hallo Sabine,

ich kann Deine Besorgnis gut verstehen. Immerhin ist so ein selbstgezognes Bäumchen was besonderes. Und Citruspflanzen sind sowieso toll!

Leider ist 'ne Ferndiagnose kaum möglich, ich kann nur ein paar Vermutungen äußern.
Aber erst mal 'ne komische Frage: Steht neben Deinem Bäumchen eine andere Pflanze, die vielleicht von Schädlingen befallen ist? So helle, klebrige Tröpfchen kenne ich z.B. vom Hibiskus. Könnte es sein, dass es von der anderen Pflanze auf die Orange getröpfelt ist?

Bei der klebrigen Substanz handelt es sich wohl um die Ausscheidungsprodukte von ungewünschten Gästen (bei Blattläusen bilden sich z.B. viele Sprenkel auf den Blättern und um die Blumentöpfe herum - spätestens da wird man dann auf den „Feind“ aufmerksam).

Am besten nimmst Du Deinen Zögling (und evtl. Nachbarpflanzen) noch mal ganz genau in Augenschein - Hast Du eine Lupe? Blattläuse halten sich gern an den frischen Trieben auf (das zarte, junge Grün). Andere Schädlinge findet man sonst noch an den Blattunterseiten und an den Stellen Stengel/Blatt. Sind da vielleicht „wollige“ Krümel an Verzweigungen (Wolläuse) oder sehr kleine, weiß-gräuliche Stäbchen an der Blattunterseiten (Thripse) oder feine Gespinste an der Triebenden (Spinnmilben)? Die Gespinste findet man am besten, wenn man die Pflanze mit einer Sprühflasche ganz fein mit Wasser bestäubt - da bleiben dann feine Wassertröpfchen hängen.

Obwohl sich diese klebrigen Tröpchen definitiv nach Blattläusen anhören. Die findest Du leicht. Bei Blattläusen kann man ein Spritzmittel aus Wasser, Schmierseife und Spiritus zusammenmischen - die genaue Zusammensetzung müßte ich erst raussuchen. Dann gibt es natürlich noch diverse chemische Mittelchen im Gartenhandel oder Baumarkt (auf die greife ich zurück).

Bekommt Deine Orange genügend Dünger? Verwendest Du Citrusdünger?Citruspflanzen brauchen ziemlich viele Nährstoffe (Starkzehrer). Die hellgrünen Blätter mit den gelblichen Schatten hören sich für mich nach Eisenmangel an - passiert leicht bei Citruspflanzen. Hier helfen spezielle Eisendünger, die der Pflanze in größeren Abständen gegeben werden (bei jedem zehnten Gießen oder als Blattdüngung). Eigentlich sollen die Citrusdünger Mangelerscheinungen vorbeugen, aber ich „füttere trotzdem zu“. Bei akuten Mangenerscheinungen kann man eine höhere Dosis verabreichen (steht alles auf der Flasche). Ich verwende Dünger von Algoflasch - haut bisher ganz gut hin.

Ich hoffe, Du kommst „dem Feind“ auf die Spur und die Orange erholt sich bald wieder. Schreib’ doch mal, ob Du Erfolg hattest.

Liebe Grüße
Jane

Hallo Jane,

danke sehr für deine Antwort!! Werde mich direkt mal in einen Baumarkt begeben, und Mittel gegen Blattläuse und den Citrusdünger kaufen!! Ich wusste garnicht, dass die so anspruchsvoll sind.

Es steht in der Tat ein Benjamini neben meiner Orange, und zwar erst seit kurzem, seitdem wir umgezogen sind. Aber der Befall auf der Orange war schon vorher. Meinst du, ich sollte Benni mal wegstellen, damit er nicht auch noch befallen wird?

Nochmal vielen Dank für deine Antwort,
und ich hoffe, bald von Erfolgen berichten zu können!!

Viele liebe Grüße
Sabine

Also, ich tippe mal nicht auf Blattläuse, denn die hättest du gesehen. Blattläuse sammeln sich in großen Gruppen oder Kolonien und sind daher recht auffällig, weil an der Pflanze fremd.
Da Du von Tröpfchen redest… Ich tippe mal auf Schildläuse. Der Lateinische Name dafür ist Coccus hesperidum, oder auch Citrus Schildlaus. Es ist ein ovales, grünes bis braunes, leicht buckliges Insekt. Die Ovale Form entsteht durch einen Schildförmigen Rückenpanzer, der aus einer weichen Wachsartigen Schicht besteht, das Insekt befindet sich darunter, wie aich die winzigen Jungtiere, die mobil sind, im Gegensatz zu den Alttieren. Diese Schildläuse ‚spritzen‘ Ihren klebrigen, süssen Kot einige Centimeter weit von sich, daher die Tropfen auf den Blattern. (Übrigens: Waldhonig besteht zum Großteil aus den Auscheidungen, den die Bienen im Wald anstelle von Nektar sammeln) Verfolgt man die ungefähre Schußrichtung zurück, findet man auch den Schädling.
Schau mal unter dem Link für eine genau Bestimmung, der lateinische Name hilft, und englisch sollte man dafür auch leider lesen können ;o)
http://edis.ifas.ufl.edu/CH195

Es ist eher eine natürliche Sache: Der Schädling gelangte auf die Pflanze, natürliche Feinde fehlen, die Umstände sind gut für das Gedeihen des Schädlings, er vermehrt sich daher recht gut. Einhalt gebieten kann man oft nur mit Insektiziden oder eben ein wenig Arbeit.
Schildläuse kann man zum einen mit einem in Spiritus getauchten Wattestäbchen abwischen. Das macht Arbeit, aber nach ein paar Mal und wenn die Pflanze nicht so groß ist, hat man zumeist die Schädlinge los. Oder man versucht es mit einer Schmierseifen-Spiritus Lösung, die man spritzt, oft reicht auch dies. Auch Neem Produkte helfen recht gut, müssen aber wie die Schmierseife oft mehrfach angewendet werden.
Anders die chemischen Insektizide wie Dimethoat und Imidachloprid: An einem bedecken Tag oder am Abend angewendet können die Mittel gut einziehen und verteilen sich über die Leitungsbahnen in der ganzen Pflanze, und wirken so gegen die Schädlinge.
Das hat den Nachteil das man Früchte die innerhalb von 6-8 Wochen nach der letzten Behandlung geerntet, nicht verzehrt werden können, so lange dauert es, bis diese Mittel abgebaut werden.

Zum Dünger: Kaufe vielleicht keinen der teuren Citrusdünger. Es gibt deren so viele am Markt, gute wie schlechte Produkte, das es zu müssig ist, hier ein Produkt empfehlen zu wollen.
Es ist daher besser, einen guten Universaldünger zu benutzen, wie HaKaPhos Nährsalz. Man kann es in 1 Liter Dosierflaschen kaufen, oder im 5 kg Eimer. Das Nährsalz wird in Wasser aufgelöst und ist von der Zusammensetzung der ideale Citrusdünger. Es ist daher günstiger, ergibiger und besser geeignet, als die Spezialprodukte am Markt.
Und mach Dir keine sorgen um Eisenmangel, daran wird deine Pflanze ganz sicher nicht leiden. Das Symptom für Eisenmangel, die typische Chlorose sähe anders aus.
Schau vielleicht einmal, ob es nicht vielleicht eine harmlose Winterchlorose ist… Die Tage sind zwar nett mild, ja warm, aber die Nächte empfindlich kühl. Es könnte also sein, daß die Pflanze von den Wurzeln einfach zu inaktiv ist, und daher nicht genug Wasser und Nährstoffe aufnehmen kann, und daher leicht aufgehellte Blätter, eben eine Winterchlorose zeigt.
Das behebt sich von allein mit steigenden Temperaturen und damit bessrerer Aufnahme der Nährstoffe. Der Dünger von Algoflash enthält nämlich, auch wenn seine Nährstoffzusammensetzung nicht so dolle ist, genug Eisen. Also daran liegt es sicher nicht.
Und das mit der doppelten Dosis… Bei HaKaPhos wäre es nicht nötig, weil hier die Nährstoffe bereits viel höher konzentriert sind…

Also alles in allem: Noch ist nichts verloren, die Schildläuse bekommen man doch recht gut in den Griff, so oder so.
Und gegen die Aufgehellten Blätter: Ruhig Blut! Wenn die Wurzeln in Ordnung sind, dann gibt sich das mit den steigenden Temperaturen von allein. Was helfen kann ist, Gießen und dabei lauwarmes Wasser verwenden.
Citruspflanzen sind gar nicht sooo anspruchsvoll. Also, nur keine Scheu.

Gruß,

Steffen Reichel
http://www.citrus-online.de