Hallo ChristianSimon
Super, dass Du Dich mit der Erziehung Deines Hundes auseinandergesetzt hast. Und trotzdem jagt das Tier - die gute Nachricht dabei ist: Du bist nicht alleine. Die schlechte: das wird harte Arbeit.
Erst einmal ist jeder Hund ein Raubtier, das grundsätzlich jagt. Manche Hunde leben das allerdings nicht an der lebendigen Fauna (Katzen, Rehe, andere in Hundeaugen jagbare Haus- und Wildtiere), sondern an „Ersatzmaterial“ wie zum Beispiel Bällen, Kongs, Stöcken oder durch Hüten, Treiben und andere Aktivitäten aus. So weit so gut - aber was hilft Dir das?
Erstens bringt Dir das vielleicht einen kleinen Trost, denn (praktisch) kein Hund jagt nicht, der physisch dazu in der Lage ist. Dein Hund ist genau in dem Alter, in dem dieses Verhalten nun ernsthaft gefestigt und mit einem Adrenalinschub sondergleichen verknüpft wird. Um ihm das Jagen jetzt noch ganz und gar wegzutrainieren, ist es jetzt zu spät. Beim Thema Jagen ist Vorsorge besser denn „heilen“. Das heisst jetzt aber nicht, dass Du gar nichts mehr machen kannst. Im Gegenteil, es wird nur ein hartes Stück Arbeit.
In dem, was ich oben beschrieben habe, finden wir zweitens nämlich einen Lösungsansatz. Jagdverhalten kannst Du nicht wegtrainieren, aber evtl. kanalisieren auf Wege, die für Dich und die Umwelt akzeptabel sind. Jagen ist ein Trieb, der, wenn er vorhanden ist, nicht einfach ausgeschaltet werden kann. Mit viel (und ich meine sehr, sehr, sehr viel) Geduld und Fachwissen hingegen, kann das Jagen aber unter Kontrolle gebracht werden. Ob Du das selbst schaffen kannst, kann ich Dir natürlich nicht sagen - gerade bei dieser Problematik ist es sehr empfehlenswert, sich an eine Fachperson zu wenden. Mit Fachperson meine ich aber nicht jemanden, der mit Stachel, Teletakt oder Sprayhalsband u.Ä. arbeitet - suche Dir jemanden, der wirklich eine Ahnung hat von dem, was er tut und es nicht nur behauptet. Solche Personen sind aber sehr schwierig zu finden.
Was Du tun kannst um das Jagdverhalten Deines Hundes unter Kontrolle zu kriegen, ist also es als gegeben zu akzeptieren. Erst dann kannst Du versuchen den Hund alternativ auszulasten. Die Diskussion dauert an, ob man mit jagenden Hunden Jagdspiele (Stöcke, Bälle, u.Ä. werfen, Zerrspiele, etc.) üben soll oder nicht. Ich persönlich finde es unumgänglich, gerade weil dieser Trieb nicht unterdrückt werden kann. Alles, was den Hund auf diesem Gebiet auslastet und beschäftigt, so dass er eben nicht unerwünschtes Verhalten (bei dem nicht nur sein, sondern auch das Leben anderer Menschen und Tiere aufs Spiel gesetzt wird) zeigt, ist erlaubt. Gib dem Hund also gar keine Chance auf Wild im Wald aufmerksam zu werden, sondern beschäftige ihn so, dass es ihm Spass macht und er dennoch auf seine Kosten kommt. Zusätzlich trainierst Du den Grundgehorsam - gibt es einen Wildpark in der Nähe wo man mit Hunden hindarf? Übe z.B. gezielt, damit der Hund sich auch von äsenden Rehen hinter dem Gitter nicht ablenken lässt. Sei kreativ!
Zum Thema kann ich Dir auch folgendes Buch empfehlen:
http://www.amazon.de/Antijagdtraining-Wie-Hunde-Jage…
Wenn Du noch Fragen hast, darfst Du diese natürlich gerne stellen.
Gruss,
Semiramis