Schall

Ich habe gelesen, dass man bei hochfrequente Töne schlechter Richtungshören kann? Wieso? Ich dachte immer tieffrequente Töne kann man überhaupt keine Richtungen zuordnen (siehe Bass).
Tim

Hallo Tim,

Ich habe gelesen, dass man bei hochfrequente Töne schlechter
Richtungshören kann? Wieso? Ich dachte immer tieffrequente
Töne kann man überhaupt keine Richtungen zuordnen (siehe
Bass).

Unser Ohr verfügt über die erstaunliche Fähigkeit, die Phasendifferenz zwischen zwei Tönen im linken und rechten Ohr zu „messen“. Über diese Phasendifferenz errechnet das Gehirn die Laufzeitdifferenz der Töne und daraus die Richtung. Im Bassbereich ist diese Phasendifferenz zu klein und nicht auswertbar. Bei hohen Tönen kann die Phasendifferenz weit über 180° hinaus wachsen und läßt keine eindeutige Laufzeitmessung und Richtungserkennung mehr zu.
Am besten sind immer aperiodische Frequenzgemische zu orten. Dann dienen die mittleren Frequenzen zur Grobortung und die hohen zur Feinabstimmung.

Jörg

Hi,

Ich habe gelesen, dass man bei hochfrequente Töne schlechter
Richtungshören kann? Wieso? Ich dachte immer tieffrequente
Töne kann man überhaupt keine Richtungen zuordnen (siehe
Bass).
Tim

Beides ist richtig.
Gutes Richtungshören klappt nur bei „mittleren“ Tönen, und das sind nahezu alle, die uns im täglichen Leben bedeutsame Information zukommen lassen.
Gruss,

Hi Tim,

Jörg hat es schön beschrieben und es ist wenig dazu zu ergänzen.

Die Sprache spiel sich in den mittleren Hörfrequenzen ab nd die sind mithin die wichtigsten.
Du hast übrigens eine erstaunliche Fähigkeit, die Du bei der nächsten Party oder einem anderen Ereigniss mit mehreren Personen ausprobieren kannst, das Partyhören.
Du setzt Dich hin und schließt die Augen.
Dann kannst Du, ohne den Kopf zu bewegen von einer Gruppe zur nächsten ‚umschalten‘, will meinen Du kannst Dich trotz aller Nebengeräusche (die anderen Gespräche zähle ich jetzt dazu) auf eine Gruppe konzentrieren. Du kannst hin und her oder kreuz und quer ‚wandern‘. Alles über die Phasendifferenz.

Gandalf

auswertbar. Bei hohen Tönen kann die Phasendifferenz weit über
180° hinaus wachsen und läßt keine eindeutige Laufzeitmessung
und Richtungserkennung mehr zu.

Und deswegen wird bei hoheren Frequenzen zu Richtungserkennung nicht die Phase, sondern die Amplitudendifferenz durch Abschattung, sowie die Beeinflussung der Tonfarbe durch die sehr stark richtungsabhängige Aussenohrübertragungsfunktion. UNd diese ist um so wirksamer, je höher die Frequenz.

Evolutionsbediengt werden am besten kurze Klickgeräusche erkannt und geortet. UNd diese haben einen überproportionalen Anteil an hohen und sehr hohen Frequenzen im Spektrum.

MfG

C.

auswertbar. Bei hohen Tönen kann die Phasendifferenz weit über
180° hinaus wachsen und läßt keine eindeutige Laufzeitmessung
und Richtungserkennung mehr zu.

Und deswegen wird bei hoheren Frequenzen zu Richtungserkennung
nicht die Phase, sondern die Amplitudendifferenz durch
Abschattung, sowie die Beeinflussung der Tonfarbe durch die
sehr stark richtungsabhängige Aussenohrübertragungsfunktion.
UNd diese ist um so wirksamer, je höher die Frequenz.

das wollte ich jetzt genauer wissen und habe folgendes Experiment durchgeführt: Auf einen Kopfhörer werden zwei Sinustöne etwa gleicher Lautstärke und Frequenz aus je einem Generator auf den rechten und linken Kanal gegeben. Die Generatorfrequenzen werde so eingestellt, dass die Differenz etwa zwischen 0,5 und 1 Hz liegt. Man hört das an der Schwebung, wenn man beide Kopfhörerhälften gleichzeitig an ein Ohr hält. Jetzt ist die Frage, ob man die Schwebung auch noch hört, wenn man den Kopfhörer normal aufsetzt. Auf beide Ohren wirkt dann die gleiche Amplitude und Frequenz, jedoch mit fortlaufend sich ändernder relativen Phasenlage. Das Ergebnis war, dass die Phasenverschiebung bis 500 Hz noch sehr deutlich wahrnehmbar war und ab etwa 1000 Hz praktisch unhörbar wurde.

Evolutionsbediengt werden am besten kurze Klickgeräusche
erkannt und geortet. UNd diese haben einen überproportionalen
Anteil an hohen und sehr hohen Frequenzen im Spektrum.

Ich denke, das liegt weniger an der Evolution, als viel mehr daran, dass solche Töne rein physikalisch am besten zu orten sind. Z.B. ist die Ortung eines 1 kHz Sinustones in einem Raum praktisch unmöglich. Das liegt einfach daran, dass das Signal durch Echos derart verfälscht wird, dass eine Auswertung nicht mehr möglich ist. Bei kurzen Schallimpulsen lassen sich dagegen Direktschall und Echos gut unterscheiden.

Jörg