Hallo
habe vor kurzem einen Lawinenkurs besucht und dabei folgendes gehört:
Eine verschüttete Person kann die Rettungsleute, die oben sind, sprechen hören. Umgekehrt jedoch nicht. Die Rettungsleute können den Verschütteten nicht hören wenn er ruft.
Wir haben dies diskutiert, jedoch konnte keiner eine plausible Antwort geben.
Die Vermutung ist, dass sich der Schall unter der Schneedecke nicht ausbreiten kann. Aber wieso genau?
Danke schon mal
Grüsse aus dem Schnee
kussji
Hallo!
Natürlich breitet sich der Schall in Schnee viel schlechter aus, als in Luft. Schnee ist aufgrund seiner enormen Oberfläche ein sehr guter Schall-Dämmer. Deswegen wirken Winterlandschaften so ruhig und friedlich, weil es objektiv viel leiser ist.
Zuerst müsste man annehmen, dass die Situation für die Retter und den Verschütteten ganz symmetrisch ist. Im einen Fall läuft der Schall durch die Luft und dann durch den Schnee, im anderen Fall umgekehrt. Nehmen wir mal vollkommen willkürlich an, dass die Luft den Schall um den Faktor 0,9 dämpft, der Schnee um den Faktor 0,1. In beiden Fällen kommt also 9% der ursprünglichen Intensität an.
Es gibt aber einen großen Unterschied: Für den Verschütten werden alle Nebengeräusche im selben Faktor gedämpft. Die Retter hören die Nebengeräusche beinahe ungedämpft. Bei allen Sinnesorganen ist es nun so, dass kleine Reize nur dann wahrgenommen werden können, wenn sie nicht durch andere große Reize „übertönt“ werden. (Ein Glühwürmchen, das in der Nacht hell leuchtet, würden wir am hellichten Tag kaum bemerken). Für den Verschütteten sind die Stimmen der Retter damit (cum grano salis) gleich laut wie das Gebell der Lawinenhunde. Für die Retter sind die Hilferufe des Verschütteten aber viel leiser als die Hunde und damit nicht hörbar.
Michael