Schallprobleme Teppboden auf Parket direk kleben ?

Guten Tag!

wäre sehr dankbar wenn jemanden mir einen Tipp geben kann.

Problem: der Fußboden im Wohnzimmer ist aus Parkett und der Schall nach unten ist unerträglich für die Nachbaren untendrunter.

Frage: soll ich
a) den Parketboden ausreisen und auf dem Estrich direkt die Gummiunterlage für einen Wand-zu-Wand Teppich darauf legen, oder
b) einfach die Gummiunterlage auf das Parket kleben und dann den Teppichboden darauf spannen bzw. legen?

Freue mich auf Ihren Rat.
Viele Grüße
Gerbera66

Servus,

ich würde zuerst einmal die Sockelleisten entfernen und die Estrichfugen kontrollieren.
Zum Verständnis: Beim Gehen bringst du den Boden (Estrich) zum schwingen. Wenn sich die Schingungen nicht fortsetzen können (Kontakt zum Mauerwerk) nimmt man den Schall nicht war (oder nur sehr gering). Also bitte die Fugen kontrollieren ob sich dort Parkettklebstoff oder Steine, Schrauben… verstecken. Diese Sachen (Fremdkörper) entfernen. Des Weiteren bitte die Sockelleiste anders befestigen bzw. unter die Sockelleisste ein Schallschutzband kleben. Das Scahllschutzband sieht aus wie ein Tesa-Moll (Moosgummi-Streifen einseitig klebfähig). Somit kannst Du auch hier wieder die Schallbrücke unterbrechen. Diese Aktionen kosten fast nur Zeit und kein Geld. Nur wenn dies nichts bringen sollte (Verbundestrich und kein schwimmender Estrich) die Teppichlösung. Dann würde ich allerdings nach pers. Geschmack (Parkett ist massiv und fest) entscheiden ob ich den Aufbau auf oder anstelle des Parketts mache.
Viel Erfolg
Martin Hofer

Guten Tag Herr Hofer,

danke für die genaue Anleitung. Ich werde es versuchen mit dem Schallschutzklebeband. Wenn ich darf, melde ich mich bei Ihnen wieder.

Herzliche Grüße
Gerbera66

Guten Tag!

wäre sehr dankbar wenn jemand mir einen Tipp geben kann.
Problem: der Fußboden im Wohnzimmer ist aus Parkett und der Schall nach unten ist unerträglich für die Nachbarn unten drunter.
Frage: soll ich a) den Parkettboden rausreißen und auf dem Estrich direkt die Gummiunterlage für einen Wand-zu-Wand Teppich darauf legen,
oder b) einfach die Gummiunterlage auf das Parkett kleben und dann den Teppichboden darauf spannen bzw. legen?

Freue mich auf Ihren Rat.
Viele Grüße
Gerbera66

Hallo, Gerbera66, zunächst ist wichtig, wem das Parkett gehört. Nur wenn es Ihr eigenes frei verfügbares Parkett ist, kann über einen Umbau nachgedacht werden, dies aber nur am Rande.

Ein Rausriss und eine Neubelegung mit Teppichboden (Tebo)ist natürlich eine radikale Methode, die zudem teuer ist, letztendlich aber das Schallproblem am besten behandelt. Natürlich ist auch ein dicker Tebo nicht ganz geräuschlos, wenn z.B. jemand bei jedem Schritt feste auftritt. Ich habe in der Verwandtschaft einen solchen Fall mit einem steifen Kniegelenk, da hört man auch jeden Schritt, wenn das gesamte Körpergewicht über das steife Knie auf den Boden „kracht“.

Wenn das Parkett jedoch nicht Ihnen gehört (Mietwohnung), dann hilft nur der goldene (preisgünstigere) Mittelweg, nämlich Perserteppiche oder modern gemusterte Teppiche dekorativ im Wohnzimmer auf den Parkett-Gehwegen zu verteilen bzw. zu verlegen. Anregungen hierzu findet man (frau) in größeren Möbelhäusern in deren Ausstellungsräumen. Allerdings sollte berücksichtigt werden: Je kleiner diese losen Teppiche sind (oder je dünner), um so leichter verrutschen diese Dinger. Dann kommt ggf. parkettschädliches Doppelklebeband zum Einsatz oder andere Teppichstopps, und dann kann es schnell zu Stolperfallen oder auch zu Parkettveränderungen kommen.

Wird ein Parkett entfernt, dann muss in der Regel der Estrich neu aufbereitet werden, um zu vermeiden, dass später Dellen und Unebenheiten im schrägen Schlaglicht auf dem Tebo sichtbar bleiben. Das heißt also: Parkett raus, schleifen des Estrichs mit Staubabsaugung, grundieren, spachteln des Untergrundes, neu grundieren, dann entweder nur Teppichboden draufkleben oder in 2 Schichten a.) Dämmmaterial (kann auch Filz sein) und dann Tebo draufkleben oder spannen.

Das Verspannen von Tebo ist auch eine gute Methode, aber sehr aufwändig, daher teuer und wird von den wenigsten Bodenlegern perfekt beherrscht mangels Sachkenntnis (wird zu selten praktiziert) und mangels geeignetem (sehr teurem)Spezialwerkzeug.

Eine neuere Methode ist die Verlegung von Tebo mittels Haftfolie auf den Estrich oder auf das Dämmmaterial, das hat den Vorteil, es kann leicht wieder entfernt werden.

Grundsätzlich ist Parkett als Untergrund gut geeignet. Es kann aber in seltenen Fällen zu unberechenbaren Geruchsbildungen kommen, wenn Klebematerialien des Tebo´s sich nicht mit Lacken des Parkett´s vertragen und/oder es zu Weichmacherwanderungen kommt. Auch auf Parkett kann verspannt werden, wenn die Parkettrandbereiche ausreichend stabil sind und nicht durch die Spannkräfte des Tebo´s hochgerissen werden können. Außerdem muss bei allen solchen Arbeiten beachtet werden, ob nachher die Türen noch passen, denn z.B. Parkett raus und Tebo rein, kann leicht zu zu kurzen Türen führen.

Außerdem gibt es Teppichfliesen in unterschiedlichsten Oberflächen-Konstruktionen und mit unterschiedlichsten Rückenausstattungen. Ich habe z.B. in einem Zimmer Veloursfliesen auf Dämmschicht und diese auf dem Estrich lose verlegt und darauf lose Teppiche liegen, welche aber immer ein wenig wandern !!!
Ich hoffe, damit alles angesprochen zu haben.

Viel Grüße zurück, Jürgen Albrecht

Danke!
Guten Tag Herr Albrecht,

danke für die ausführliche Antwort. Ihre Informationen sind sehr wertvoll.
Ja, die Wohnung gehört mir und deshalb ich möchte es mir bequem machen. Ich werde mir einige Kostenvoranschläge geben lassen um den Estrich für einen Tebo zu legen vorbereiten. Ich will die Lösung, die die höchste Wahrscheinlichkeit anbietet, das Problem zu lösen. Am Moment es ist als würden wir hier wie die Nomaden in Zelten neben einander leben, und alles vom anderen mitbekommen.
Wenn ich Tebo auf dem Parkett kleben würde, auf was sollte ich achten, so dass das Geruchsproblem nicht auftaucht?

Wäre es auch wichtig bevor alles losgeht, eine Bemessung des Schall von einen außen stehenden Experten messen zu lassen, z.B. jemand von der IHK? Wie heißt so einen Experten?

Viele Grüße
Gerbera66

Guten Tag Herr Albrecht,
danke für die ausführliche Antwort. Ihre Informationen sind sehr wertvoll. Ja, die Wohnung gehört mir und deshalb ich möchte es mir bequem machen. Ich werde mir einige Kostenvoranschläge geben lassen, um den Estrich für Tebo zu verlegen vorzubereiten. Ich will die Lösung, die die höchste Wahrscheinlichkeit anbietet, das Problem zu lösen. Im Moment ist es, als würden wir hier wie die Nomaden in Zelten nebeneinander leben, und alles vom anderen mitbekommen.

Wenn ich Tebo auf dem Parkett kleben würde, auf was sollte ich achten, so dass das Geruchsproblem nicht auftaucht?
Wäre es auch wichtig bevor alles losgeht, eine Bemessung des Schalls von einen außenstehenden Experten messen zu lassen, z.B. jemand von der IHK? Wie heißt so ein Experte?
Viele Grüße
Gerbera66

Hallo, Gerbera66,
vielen Dank für das feedback. Also ich würde mir 2 verschiedene Arten von Kostenvoranschlägen machen lassen, wobei allerdings darauf zu achten ist, dass Kostenvoranschläge mit allen möglichen Tricks kostenmäßig überschritten werden können. Manche Handwerker nehmen sogar Geld für den KV (Kostenvoranschlag) und wollen das dann mit einem evtl´n Auftrag verrechnen…!?

Also einmal KV auf der Basis: Tebo auf Parkett. Hierbei würde ich die Methode mit dem Haftvlies bevorzugen, weil 1. der Tebo wieder leicht aufnehmbar ist und er 2. genau so gut am Boden fixiert ist, wie ein fest verklebter Tebo. Und dieser Tebo für das Haftvlies hat schon vom Hersteller aus eine Filz-Vliesschicht auf der Tebo-Rückseite (nach Vorwerk-Tebo fragen). Dabei auch den KV-Geber fragen, ob mit Langzeitgerüchen zu rechnen ist und ob er das Nichtauftreten garantieren kann.

Dann auf Basis: Parkett raus und weiter wie in meiner ersten Antwort. Als Alternative können Sie ja mal fragen, ob einer der KV-Geber sich auf das Verspannen von Tebo versteht und wie er die Untergrundbeschaffen- heit voraussetzt. Wenn er Referenzen nennen kann (zum Besichtigen), dann wäre das der richtige „Spanner“. :smile:

Das mit dem Messen des Schalles ist eine sehr diffizile Angelegenheit. Zunächst ist Schall im Wohnbereich sehr subjektiv zu sehen (hören), weil den Einen was stört, was den Anderen nicht stört. Außerdem verbreitet sich der Schall auf verschiedenen Wegen: Über die Luft, über die Mauern, über den Fußboden und zu allem Überfluss auch noch über sog. Schallbrücken. Diese Schallbrücken entstehen z.B. beim Hausbau, wenn der Estrich nicht schwimmend (ohne Verbindung zur Wand) angelegt wurde. Bei schwimmendem Estrich wird auch ein Schaumstoffstreifen zwischen Wand und Estrich vorinstalliert, dass der folgende Estrich nicht die Schallwellen an die Wand weiterleiten kann. Ganz vermeiden lässt sich das sowieso nicht, weil noch niemand eine „schwimmnde Zimmerdecke“ erfunden hat. Aber unter dem Estrich sollte ja auch Dämmmaterial verbaut sein. Deswegen denke ich, hat eine Experten-Schallmessung wenig Sinn.

Was aber Sinn machen würde, wäre ein Gutachter für Wohn-Baufragen, das könnte aus Ihrem Bekanntenkreis ein Architekt sein, oder eben von der IHK ein solcher GUa für diesen Fachbereich. Der könnte wirklich sagen, was als Umbaumaßnahme Sinn macht und was nicht. Diesen Menschen aber vor Auftragserteilung genau die Sachlage schildern, ob er dazu Stellung nehmen kann, oder nicht.

Gutes Gelingen, Jürgen Albrecht