Schattendasein 'beenden'?

Liebe Sprachexperten,
wie heißt es korrekt:
Er tritt aus seinem Schattendasein.
oder
Er beendet sein Schattendasein?

Ich bin für letzteres, da ein „Dasein“ eben eher beendet wird … Wenn man beide Formulierungen googelt, gibt es aber deutlich mehr Treffer für die erste Variante - darunter auch bei der Süddeutschen usw.

Danke und Gruß
Jana

Moin, Jana,

wie heißt es korrekt:
Er tritt aus seinem Schattendasein.
oder
Er beendet sein Schattendasein?

da geraten wir in ein Fahrwasser, wo es kein „korrekt“ mehr gibt, sondern nur noch Stil. Stil wiederum bedingt, dass die Elemente sinnvoll angordnet werden, dazu muss der Schreiber sie aber erstmal verstanden haben.

Da gab es vor hundert Jahren mal die Wendung „Er tritt aus dem Schatten heraus“; gemeint war damit keineswegs der eigene Schatten, sondern der, den der Mentor warf. Und was ein fixer Jung ist, der erkennt das sofort wieder und lässt eine Figur aus ihrem Schattendasein hervorstolpern.

So, nun weißt Du, wie Metaphern zuschandengeritten werden: schlecht gehört, falsch verstanden, begriffen eh nicht, aus diesen Zutaten eine neue Wendung geschaffen.

Gruß Ralf

Moin Ralf,
d.h. „Schattendasein“ ist an sich schon schlecht - nicht nur als Schicksal, sondern auch semantisch?

„Schatten“ und „hervortreten“ einerseits und anderseits „Schattendasein“ und „beenden“ bilden doch recht logische Paare? Vielleicht auch zu viel Logik für solch „geflügelte Worte“? :wink:

Gruß
Jana

Hi Jana,

d.h. „Schattendasein“ ist an sich schon schlecht - nicht nur
als Schicksal, sondern auch semantisch?

ein Schattendasein mag es durchaus geben, aber wie trete ich daraus hervor?

„Schatten“ und „hervortreten“ einerseits und anderseits
„Schattendasein“ und „beenden“ bilden doch recht logische
Paare?

Das schon.

Vielleicht auch zu viel Logik für solch „geflügelte Worte“? :wink:

Na ja - „geflügelte Worte“ ist schon sehr hoch gegriffen. Zitate aus literarischen Machwerken werden manchmal zu solchen.

Gruß Ralf

Grüß Dich, Ralf,
ich denke, dass man ein Schattendasein durchaus beenden kann.
Heraustreten kann mann allerdings aus einem Dasein nicht.

Und wenn man aus einem Schatten heraustritt, dann sollte man tunlichst mit angeben, wer oder was diesen Schatten geworfen hat.

„Er wollte sein bisheriges Schattendasein beenden. Dazu musste er aber aus dem Schatten seines übermächtigen Vaters heraustreten.“ (Der Satz ist natürlich wegen der Doppelung „Schatten“ nicht gerade von literarischer Qualität, soll hier aber nur zur 'Verdeutlichung mal so stehen bleiben.)

Gruß
Eckard

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Hallo ihr zwei,
schön, dass ihr es so seht wie ich.
Um aber die Verwirrung komplett zu machen, habe ich jetzt auch noch das Duden-Universalwörterbuch bemüht. Und siehe da: Man tritt aus einem Schattendasein heraus. Ist selbst auf den Duden kein Verlass mehr?

Oder ist das einfach ein Fall in dem man mit Logik nicht weiterkommt?

Jana

Hallo Jana,

wie heißt es korrekt:
Er tritt aus seinem Schattendasein.
oder
Er beendet sein Schattendasein?

ich habe die bereits vorhandene Diskussion aufmerksam gelesen.
Verrätst Du uns bitte den Kontext, in dem Du Schattendasein verwenden möchtest?

Ich muss sagen, ich bekomme bei beiden Formulierungen stilistische Bauchschmerzen.
Daher wüsste ich gerne, auf was das hinaus soll.

viele Grüße
Geli

Hallo Geli,
ich korrigiere Texte anderer Autoren über Zisterzienserklöster. Es geht darum, dass bisher vor allem die Männerklöster erforscht wurden. Und da taucht folgender Satz auf:
Erst in jüngerer Zeit traten auch die Frauenklöster aus ihrem Schattendasein hervor.

Natürlich könnte man dem Problem auch aus dem Weg gehen und den Satz komplett umformulieren. Aber das wäre ja zu einfach :wink:

Lieben Gruß
Jana

Hallo, Jana!

Um aber die Verwirrung komplett zu machen, habe ich jetzt auch
noch das Duden-Universalwörterbuch bemüht. Und siehe da: Man
tritt aus einem Schattendasein heraus.

Im Universalduden lese ich:

_Schat|ten|da|sein, das: in den Wendungen [nur] ein S. führen, fristen (nur kümmerlich existieren; sich nicht entwickeln können); aus dem S., seinem S. hervor-, heraustreten (aus einem Status der Unbedeutendheit, einer kümmerlichen Existenz[form] o.Ä. herauskommen, ihn überwinden).

© Duden - Deutsches Universalwörterbuch 2001_

Ist selbst auf den Duden kein Verlass mehr?

Ich weiß nicht, was dich in diesem Falle am Duden zweifeln lässt.
Ich finde die angebotenen Wendungen passend, wohl verständlich und auch stilistisch in Ordnung.
Und selbst gegen „das Schattendasein beenden“ habe ich nichts einzuwenden.

Gruß Fritz

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Erst in jüngerer Zeit traten auch die Frauenklöster aus ihrem
Schattendasein hervor.

Hallo,

Jana!

Soll ein Buch, dessen Autor sowas schreibt, wirklich gedruckt und verkauft werden?
Ich hab ja nur gelegentlich Schulbücher vor der Genehmigung zur Einführung vorgelegt bekommen, lasse aber da solche Formulierungen nicht durchgehen. Jeder Schüleraufsatz bekäme an den Rand „Bild!“: Frauenklöster treten hervor, man denke!
Aber vielleicht bin ich da zu kleinlich?
Tät mich interessieren.
Gruß!
Hannes

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Hallo Jana und Hannes,

ich korrigiere ständig beruflich ähnlich „tolle“ Texte. Das Bild mit den Frauenklöstern finde ich auch völlig verkehrt und würde es keinem meiner Autoren durchgehen lassen.

Aber ich möchte doch auch die Autoren in Schutz nehmen. Wenn man sie nämlich mit den eigenen Bedenken konfrontiert, sehen sie - meistens wenigstens - selbst, dass es so nicht geht und haben dann oft eigene bessere Vorschläge. Man wird manchmal einfach blind für den eigenen Text, wenn man nicht den nötigen Abstand hat.

Gruß

Irene

Hallo Jana,

ich korrigiere Texte anderer Autoren über
Zisterzienserklöster.

Kernlehrsatz für alle die Fremdtexte korrigieren, an den Autor gerichtet:
nur destruktive Kritik bringt Dich weiter.

Es geht darum, dass bisher vor allem die
Männerklöster erforscht wurden. Und da taucht folgender Satz
auf:
Erst in jüngerer Zeit traten auch die Frauenklöster aus ihrem
Schattendasein hervor.

aua aua aua

Frauenklöster sind
a) Häuser (Gebäude)
b) Gemeinschaften aus mehreren Personen

a) hat der Autor schon einmal ein Haus wandern sehen?
Dazu braucht man Teflonschienen und sehr schweres Gerät …

b) Eine Kongregation kann ein Schattendasein führen. Das ist völlig korrekt

Aber sie kann als Körperschaft (= mehrere Personen) nicht aus diesem hervortreten.
Kollektiv einen Schritt in die Sonne? Wie soll das gehen?

Natürlich könnte man dem Problem auch aus dem Weg gehen und
den Satz komplett umformulieren. Aber das wäre ja zu einfach
:wink:

Sei mir nicht böse - aber damit machst Du es Dir einfach. Der Job eines Korrektors ist es, schiefe Formulierungen gerade zu rücken.

Du bearbeitest offenbar einen wenigstens semi-wissenschaftlichen Text.
Da ist Seriosität gefragt.
Der Autor will ernst genommen werden.

Wenn die Metapher wie ein Schluck in der Kurve hängen bleibt, sieht jeder (ernsthafte) Leser dem Text hinterher an, dass sich da jemand nicht genug Mühe gegeben hat.

In einem Roman mit entsprechendem Inhalt kann manche Flapsigkeit durchgehen lassen. Da passt der beendete Schatten und sein Dasein womöglich sogar hin.

Aber ein Fachbuch/Fachaufsatz über Klöster.
Nein Danke!

viele grüße
geli

Hallo, Geli, Jana, und auch alle anderen,

ich glaube, dass hier sehr griffelspitzig mit einer Formulierung umgegangen wird.

Erst in jüngerer Zeit traten auch die

Erforschungen der

Frauenklöster aus ihrem Schattendasein hervor.

Frauenklöster sind
a) Häuser (Gebäude)
b) Gemeinschaften aus mehreren Personen

Das ist aber doch in den Kontext gar nicht gemeint. Hinter dem Wort Frauenkloster verbirgt sich doch dem Kontext nach: Die Erforschung der Frauenklöster im Verhältnis zu den Männerklöstern.

Also muss dies nur in den Satz eingefügt werden und der Kittel ist geflickt!

Gruß Fritz

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Hallo Fritz,

Erst in jüngerer Zeit traten auch die

Erforschungen der

Frauenklöster aus ihrem Schattendasein hervor.

nein, Erforschungen können schon gleich nicht aus dem Schattendasein hervortreten oder was auch immer. Denn das Heraustreten aus dem Schattendasein wird ja durch diese Erforschungen gewährleistet.

Im Übrigen glaube ich zwar auch, dass man mal über das eine oder andere schiefe Bild hinwegsehen kann, solange es nicht direkt lächerlich ist, aber ich bin ganz sicher, dass ich genau wie Jana über diesen Ausdruck gestolpert wäre. Auch wenn man sich dann sagt, dass er zur Not stehen bleiben könnte, bin ich doch auch dafür, alle Stolpersteine lieber gleich zu entfernen. Und wie oben schon gesagt: Normalerweise sind die meisten (seriöseren) Autoren durchaus bereit, konstruktiv an der Verbesserung ihres Textes mitzuarbeiten, zumal Sachkenntnis auf einem Gebiet wie Zisterzienserklöstern noch nicht unbedingt Sattelfestigkeit im Ausdruck voraussetzt oder gar mit sich bringt.

Gruß

Irene

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Hinkende Vergleiche
Hallo, Irene!

Verzeih, aber mir scheint da ein Widerspruch vorzuliegen, wenn du sagst:

nein, Erforschungen können schon gleich nicht aus dem
Schattendasein hervortreten oder was auch immer.

Und gleich darauf:

Denn das Heraustreten aus dem Schattendasein wird ja durch diese
Erforschungen gewährleistet.

Also treten sie doch aus dem Schattendasein heraus.

Oder bin ich nun schon ganz verwirrt durch die Spitzfindigeiten in diesem Faden hier.

Bilder und Metaphern sind Vergleiche. Und Vergleiche hinken bisweilen. Aber hast du schon mal hinkende Vergleiche gesehen? :wink:

Gruß Fritz

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Liebe Irene, Fritz und alle anderen,
vielen Dank für die rege Diskussion!

Trotz der Bewertungspunkte muss ich Irene recht geben: Das Schattendasein wird durch die Forschungen beendet. Die Forschungen sind also nur das Mittel.

Die ursprüngliche Frage war ja, ob man aus einem Schatten dasein heraustreten kann oder ob man nicht doch eher - entgegen der Duden-Meinung - ein solches beendet …

Und was die aufgeworfenen Stilfragen angeht: Es ist eine populärwiss. Publikation - da finde ich solche Formulierungen noch in Ordnung. Außerdem kommt man dann irgendwann an den Punkt, wo man liebsten den Text komplett umformulieren würde. Aber der Autor hat nun einmal Texthoheit - ich ändere schon genug und versuche das Schlimmste zu vermeiden. Aber alles ändern kann man eben nicht … Inhaltlich ist es auf jeden Fall richtig.

Danke!
Jana

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Jana locuta
causa finita! :wink:

Gruß Fritz

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Die ursprüngliche Frage war ja, ob man aus einem
Schatten dasein heraustreten kann oder ob man nicht doch
eher - entgegen der Duden-Meinung - ein solches beendet …

Also wenn jemand mein Buch kontrollierte und für so eine Luftlochkorrektur Geld wollte, würde ich ihn auslachen…bevor ich ihn zum Teufel jage:wink:

Du riskierst, dich zu blamieren. Frage wenigstens, wie der Autor es gemeint hat. Ich hätte es nämlich genauso geschrieben, wenn ich es so gemeint hätte, wie es da steht.

mfg:smile:
rené

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