Scheidemünzen

Hallo!
Ich frage mich, ob angesichts der Gewinne durch die Ausgabe von Scheidemünzen das gleiche nicht auch für Geldscheine gelten müsste. Diese sind ja nicht so teuer, wie die Herstellungskosten derselben. Gehen diese Ausgabegewinne dann nicht an die EZB (bei den Münzen gehen sie ans Finanzministerium)?
Grüße
Malte

Hallo,

Ich frage mich, ob angesichts der Gewinne durch die Ausgabe
von Scheidemünzen das gleiche nicht auch für Geldscheine
gelten müsste. Diese sind ja nicht so teuer, wie die
Herstellungskosten derselben. Gehen diese Ausgabegewinne dann
nicht an die EZB (bei den Münzen gehen sie ans
Finanzministerium)?

es gibt keine Ausgabegewinne bei Geldscheinen. Um das zu erklären, fange ich mal mit den Münzen an. Die Münzen werden vom Staat ausgegeben und nicht von der EZB bzw. Bundesbank. Frau Merkel sitzt natürlich nicht mit Metallplättchen, Prägestock und Hammer im Büro, sondern läßt fremdfertigen. Tun wir der Einfachheit halber aber doch mal so, als wäre der Staat der Produzent. Es wird also Metall gekauft, verarbeitet und gegen Geldscheine verkauft. Mit den Geldscheinen wird dann irgendwas nutzloses gekauft. Die Differenz zwischen Herstellungskosten und Verkaufserlös ist dann der Prägegewinn.

Bei den Geldscheinen ist das ein bißchen anders. Tun wir da auch mal so, als produzierte die EZB die Scheine selbst. Der neueste 100er wird dann für 100 Euro an irgendeine Bank verkauft und der Gewinn ist dann … äh? 100 Euro abzgl. Produktionskosten? Was passiert, wenn mit dem gerade verkauften 100 Euro-Schein in ein paar Tagen die nächste Bank kommt und Scheine kaufen will? Hat die EZB dann wieder knapp 100 Euro Gewinn gemacht? Wenn dem so wäre, wäre die EZB unermeßlich reich und hätte vermutlich ganz Europa gekauft und für die USA ein faires Angebot gemacht.

Tatsächlich ist es so, daß Geld, das nicht in Umlauf ist, sondern bei der EZB im Keller liegt, kein Geld ist, sondern einfach nur bedrucktes Papier. Aus diesem Grund macht die EZB auch keinen Gewinn mit dem Geldverkauf, sondern nur Verluste (Produktionskosten, Lagerung). Nur gut, daß die EZB Geld nicht nur verkauft, sondern auch verleiht, und damit wird dann doch noch ein bißchen Geld verdient.

Gruß,
Christian

Danke erstmal, aber noch mal ein paar Nachfragen - ein paar Sachen bleiben mir noch unklar.

Es wird also Metall gekauft, verarbeitet
und gegen Geldscheine verkauft. Mit den Geldscheinen wird dann
irgendwas nutzloses gekauft. Die Differenz zwischen
Herstellungskosten und Verkaufserlös ist dann der Prägegewinn.

Aber eigentlich werden die Münzen ja durch die EZB ausgegeben und geregelt - sprich - wie du unten bei den Scheinen geschrieben hast - die Münzen liegen zwar irgendwo rum, der Metallgewinn verbucht der Staat, aber der Zeitpunkt der Ausgabe wird von der EZB festgelegt. Die Ausgabe wird gegen anderes Geld erfolgen, also im sinnvollen Falle wohl bar durch Geldscheine. Also hat die EZB keinen Verlust und keinen Gewinn gemacht, weil sie den Gegenwert ja wieder bekommt. Geldmenge stagniert. Auch, wenn die Münzen aus dem Verkehr gezogen werden, da die EZB diese ja vorher gekauft hat und dann einfach dem Staat sagt, dass dieser neue prägen soll.
Soweit alles richtig?

Bei den Geldscheinen ist das ein bißchen anders. Tun wir da
auch mal so, als produzierte die EZB die Scheine selbst. Der
neueste 100er wird dann für 100 Euro an irgendeine Bank
verkauft und der Gewinn ist dann … äh? 100 Euro abzgl.
Produktionskosten?
Was passiert, wenn mit dem gerade
verkauften 100 Euro-Schein in ein paar Tagen die nächste Bank
kommt und Scheine kaufen will? Hat die EZB dann wieder knapp
100 Euro Gewinn gemacht?

D.h. durch den Verkauf des 100€-Scheins wird die Geldmenge gesteigert, die beim Ankauf von einer anderen Bank dann wieder sinkt.
Aber das ist ja nicht zwangsläufig der Fall, dass wieder zurück gekauft wird. D.h. wenn die Geldmenge steigt, ist das Baumwollpapier doch trotzdem auf dem Markt und keine 100€ wert? Versteh ich nicht, wieso da kein Gewinn produziert wird.

Nur gut, daß die EZB Geld nicht
nur verkauft, sondern auch verleiht, und damit wird dann doch
noch ein bißchen Geld verdient.

Durch Kredite an die Geschäftsbanken? Dadurch steigt dann wieder die Geldmenge. Eigentlich paradox, dass die Geschäftsbanken Geld aufnehmen müssen, da sie das ja durch das Geld der Kunden eigentlich besitzen. Davon ist zwar ein Teil bei der EZB eingelagert (sogar verzinzt), aber ja nicht alles!

Grüße & vielen Dank schonmal, wenn sich da jemand erbarmen will!
Malte

Danke erstmal, aber noch mal ein paar Nachfragen - ein paar
Sachen bleiben mir noch unklar.

Mal schaun, was man dagegen machen kann.

Es wird also Metall gekauft, verarbeitet
und gegen Geldscheine verkauft. Mit den Geldscheinen wird dann
irgendwas nutzloses gekauft. Die Differenz zwischen
Herstellungskosten und Verkaufserlös ist dann der Prägegewinn.

Aber eigentlich werden die Münzen ja durch die EZB ausgegeben
und geregelt - sprich - wie du unten bei den Scheinen
geschrieben hast - die Münzen liegen zwar irgendwo rum, der
Metallgewinn verbucht der Staat, aber der Zeitpunkt der
Ausgabe wird von der EZB festgelegt.

Nein, die Münzen werden von den nationalen Zentralbanken bedarfsorientiert in Verkehr gebracht und im Falle der Bundesbank hat diese schon bei Übernahme vom Bund, zu der sie verpflichtet ist, den Nennwert zu berappen (vgl. § 10 Münzgesetz).

Die Ausgabe wird gegen
anderes Geld erfolgen, also im sinnvollen Falle wohl bar durch
Geldscheine. Also hat die EZB keinen Verlust und keinen Gewinn
gemacht, weil sie den Gegenwert ja wieder bekommt. Geldmenge
stagniert.

Nein, sie steigt aufgrund des vorherigen Bezahlens des Nennwertes an den Bund. Beim eigentlichen Inverkehrbringen bleibt sie in der Tat konstant.

Bei den Geldscheinen ist das ein bißchen anders. Tun wir da
auch mal so, als produzierte die EZB die Scheine selbst. Der
neueste 100er wird dann für 100 Euro an irgendeine Bank
verkauft und der Gewinn ist dann … äh? 100 Euro abzgl.
Produktionskosten?
Was passiert, wenn mit dem gerade
verkauften 100 Euro-Schein in ein paar Tagen die nächste Bank
kommt und Scheine kaufen will? Hat die EZB dann wieder knapp
100 Euro Gewinn gemacht?

D.h. durch den Verkauf des 100€-Scheins wird die Geldmenge
gesteigert, die beim Ankauf von einer anderen Bank dann wieder
sinkt.
Aber das ist ja nicht zwangsläufig der Fall, dass wieder
zurück gekauft wird. D.h. wenn die Geldmenge steigt, ist das
Baumwollpapier doch trotzdem auf dem Markt und keine 100€
wert? Versteh ich nicht, wieso da kein Gewinn produziert wird.

Das liegt einfach daran, daß die EZB für die 100 Euro 100 Euro bekommt. Wenn der Laster einer Bank vorfährt und die Säcke eingeladen werden, wird das Konto der Bank bei der EZB/Bundesbank mit dem gleichen Wert belastet.

Anderer Ansatz: Daß beim Kauf der Rohmaterialien und der Herstellung der Scheine Aufwendungen zu buchen sind, ist wohl klar. Schauen wir uns nun die Ausgabe der Scheine an:
Verbindlichkeiten ggü. Kreditinstituten an Bargeldumlauf (Passivkonto!)

Von einer Buchung auf einem Ertragskonto keine Spur.

Nur gut, daß die EZB Geld nicht
nur verkauft, sondern auch verleiht, und damit wird dann doch
noch ein bißchen Geld verdient.

Durch Kredite an die Geschäftsbanken? Dadurch steigt dann
wieder die Geldmenge. Eigentlich paradox, dass die
Geschäftsbanken Geld aufnehmen müssen, da sie das ja durch das
Geld der Kunden eigentlich besitzen.

Nur zu wenig, um den Kreditbedarf zu decken, wobei die verschiedenen Institute verschiedene Schwerpunkte der Finanzierung haben. Während die genossenschaftlichen Institute und Sparkassen weitgehend ohne Liquidität der Zentralbank auskommen (eben weil bei ihnen soviele Sparguthaben liegen), sieht das in anderen Institutsgruppen ganz anders aus.

Davon ist zwar ein Teil
bei der EZB eingelagert (sogar verzinzt), aber ja nicht alles!

Guthabenverzinsung bei der EZB? Da wäre mir neu.

Gruß
Christian

Hi Christian!
Danke, ich glaub jetzt hab ich das verstanden!

Davon ist zwar ein Teil
bei der EZB eingelagert (sogar verzinzt), aber ja nicht alles!

Guthabenverzinsung bei der EZB? Da wäre mir neu.

Die Mindestreserve, also ein bestimmter, glaube auch individueller Prozentsatz der Verbindlichkeiten der Geschäftsbanken, der bei der EZB eingezahlt werden muss, wird verzinzt. Das war bei der Mindestreserve bei der Bundesbank nicht der Fall (also erst seitdem diese bei der EZB liegt).
Quelle folgt auf Wunsch!
Grüße
Malte

Hallo Malte,

Danke, ich glaub jetzt hab ich das verstanden!

fein.

Davon ist zwar ein Teil
bei der EZB eingelagert (sogar verzinzt), aber ja nicht alles!

Guthabenverzinsung bei der EZB? Da wäre mir neu.

Die Mindestreserve, also ein bestimmter, glaube auch
individueller Prozentsatz der Verbindlichkeiten der
Geschäftsbanken, der bei der EZB eingezahlt werden muss, wird
verzinzt.

Ja, das stimmt, die Mindestreserve wird mit dem Hauptrefinanzierungszinssatz verzinst (wirklich nur mit „s“). Aber daüber hinausgehende Guthaben eben nicht.

Gruß
Christian

Hi Christian!
Gut, das auch noch mal gesichert zu wissen :wink:
Was machst du eigentlich im real life um das ganze zu wissen?
Grüße
Malte

Guthabenverzinsung bei der EZB? Da wäre mir neu.

Die Mindestreserve, also ein bestimmter, glaube auch
individueller Prozentsatz der Verbindlichkeiten der
Geschäftsbanken, der bei der EZB eingezahlt werden muss, wird
verzinzt.

Ja, das stimmt, die Mindestreserve wird mit dem
Hauptrefinanzierungszinssatz verzinst (wirklich nur mit „s“).
Aber daüber hinausgehende Guthaben eben nicht.

Mit dem Hauptrefinanzierungssatz? Sicher? Also mit 4% p.a.?
Bisher dachte ich, dass die MR mit dem Satz der Einlagefazilitäten verzinst wird…
Ich lerne aber natürlich gern dazu. Eine Quelle wäre toll :smile:

Viele Grüße,
Marco

Guthabenverzinsung bei der EZB? Da wäre mir neu.

Die Mindestreserve, also ein bestimmter, glaube auch
individueller Prozentsatz der Verbindlichkeiten der
Geschäftsbanken, der bei der EZB eingezahlt werden muss, wird
verzinzt.

Ja, das stimmt, die Mindestreserve wird mit dem
Hauptrefinanzierungszinssatz verzinst (wirklich nur mit „s“).
Aber daüber hinausgehende Guthaben eben nicht.

Mit dem Hauptrefinanzierungssatz? Sicher? Also mit 4% p.a.?
Bisher dachte ich, dass die MR mit dem Satz der
Einlagefazilitäten verzinst wird…
Ich lerne aber natürlich gern dazu. Eine Quelle wäre toll :smile:

http://www.ecb.int/pub/pdf/other/geldpolitik2004de.pdf

S. 83 unten links

Gruß
Christian