Scheiss gebaut?

Hallo.

The most important, most extreme, and most incurable
dispute is that waged in us by two of our most basic
strivings: the one that desires form, shape, definition and
the other, which protests against shape, and does not want
form.
Gombrowicz

Ich hab jetzt ca. ne Stunde draufrumgekaut und muß sagen ‚seh ich nich‘. Ok, ist nur ein Ausschnitt, wer weiss in welchem Zusammenhang das entstanden ist.
Nur seh ich wirklich nicht das irgendetwas in mir das etwas gegen Form oder Definition hätte, gegen eine Einzige die mir keinen Spielraum mehr lässt habe ich etwas. Generell möchte ich eher meine Definitionen selber festlegen können und selber entscheiden wann ich genug Zusammenhang habe, das ist aber kein Disput in mir sondern einfach die Lust unterschiedlichste Wahrnehmungen auszuprobieren, die Lust die Möglichkeiten, die mir meine Unfähigkeit letztendliche Wahrheiten zu finden gibt, voll auszutesten, eine Struktur zu errichten die vielleicht funktioniert, meine eigene Logik zu finden und zu schauen was dabei mit meinen Emotionen geschieht, welche Befürchtungen auftauchen, kurz wie meine ‚aufgeklärte patriarchale Determinierung‘ reagiert und dies wieder in neue Konstrukte einfließen zu lassen.
Kurz ich habe keine Probleme damit ein Narr zu sein, den Bücherschrank vergess ich bestimmt nicht, und der wird mir einen Kontakt mit meiner Umwelt auch weiterhin ermöglichen (mal abgesehen davon dass das meißte was die Menschheit in ihrem ‚Common Sense‘ transportiert eher närrisch ist, aber das ist eine andere Geschichte).
Weiterhin riecht der Textausschnitt für mich ein wenig nach Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Ist wohl Dualist der Gombrowicz, diese Weltsicht ist mir leider zu flach und ist sogar geeignet mir diverse Agressionen zu entlocken.

Grüße
Stefan

Hallo Stefan,

[…] sondern einfach die Lust unterschiedlichste Wahrnehmungen auszuprobieren, die Lust die Möglichkeiten, die mir meine Unfähigkeit letztendliche Wahrheiten zu finden gibt, voll auszutesten, eine Struktur zu errichten die vielleicht funktioniert, meine eigene Logik zu finden und zu schauen was dabei mit meinen Emotionen geschieht, welche Befürchtungen auftauchen, kurz wie meine ‚aufgeklärte patriarchale Determinierung‘ reagiert und dies wieder in neue Konstrukte einfließen zu lassen.

the one that desires form, shape, definition

Du beschreibst die Fähigkeit, Bezüge zu sehen, Strukturen zu finden, ja z.T. als durchaus beängstigend. Vielleicht ist es die Faszination: Zusammenhänge zu erkennen, zu schaffen. Die auch erschrecken können. Eine Tür zu öffnen, die sich diesmal vielleicht wieder schließen läßt, beim nächsten Mal vielleicht nicht. Die Figuren in Gombrowicz’ „Kosmos“ geraten immer tiefer in den Strudel selbstgeschaffener Bezüge & Deutungen. Typisch auch für Figuren Nabokovs, z.B. in „Despair“.

the other, which protests against shape, and does not want form.

…die Erkenntnis, wie sehr man sich in selbstreferentiellen Bezügen, den daraus geschaffenen (aus Sicht der Figuren: erkannten) Strukturen verstricken kann. Das Zurückschrecken vor dem Schluß, der aus konsequent zuende Gedachtem erwachsen kann. Vielleicht läßt es sich so lesen.

Ist wohl Dualist der Gombrowicz […]

die zitierte Sentenz stellt zwei Gegensätze in Bezug zueinander. Reicht das schon zum Dualismus? Hm.

Viele Grüße
Diana