Scheiss Selbstmordgefährdete!

Hi Matze

Ohne dich kränken zu wollen.

Zitat: „…Nur ist das eine große Problem, wie sie häufig bei dem Thema, dass sich die Betroffenen gar nicht helfen lassen wollen (können etc).“

Weshalb versuchst du es dann? Es scheint dich ja doch zu belasten?

Ruf den psychiatriscen Notdienst der jeweiligen Stadt an, die kümmern sich dann schon professionell um die Person.

Ich finde es zwar gut dass du Empathie hast und dich um solche Menschen kümmerst aber denk vielleicht auch mal an dich und deine Bedürfnisse. Das ist meine persönliche Meinung.

Liebe Grüße
Siân

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Hallo Matze,

hier ne Einschätzung zu geben, ist sicher unmöglich, aber warum nicht mal ein wenig spekulieren

Ich könnte mir vorstellen, Dein Problem mit dem Suizid (anderer) hängt vornehmlich an zwei Scharnieren:

Generell muss ich sagen, dass ich Beweggründe die einen in die
Situation bringen sehr gut nachvollziehen kann, da ich
aufgrund meiner Erkrankung auch schon desöfteren solche
Gedanken hatte. Also um es ausführlicher zu schreiben: von
Zeit zu Zeit kommen bei mir auch gewisse Todessehnsüchte auf.

Erstens hieran: Wie die ANDEREN kommst auch Du bis zur Stufe der Sehnsucht, aber anders als die von Dir genannten ANDEREN willst Du diese Stufe nicht als Sprungbrett zur „Lösung“ nehmen, sondern siehst sie eher als Bedrohung: als verlockender Ausweg, der aber dann doch für Dich keiner ist, als vermeintliche Lösung, die aber ganz im Gegenteil für Dich die radikale Nicht-Lösung ist.

Insofern glaube ich, dass dies:

Und um in einer Floskel abzuschliessen:

„Selbstmord ist (und bleibt) keine Lösung!“

für Dich keineswegs eine bloße FLOSKEL ist, sondern ein eherner Grundsatz; ein Grundsatz, der zumindest in seiner Stärke Dich von den ANDEREN unterscheidet, und ein Grundsatz, den Du vielleicht durch das Tun der ANDEREN ein wenig bestritten siehst; was läge da näher als den Vorwurf des Egoismus zwischen Dir und die ANDEREN zu schieben, die ja doch Dein innerstes so dermaßen herausfordern?

Nur ist das eine große Problem, wie sie häufig bei dem Thema,
dass sich die Betroffenen gar nicht helfen lassen wollen
(können etc).

Und sowas frustriert.

Weshalb frustriert es Dich? Weil den ANDEREN der Wille zum Grundsatz fehlt, weil sie davon frei, vielleicht sogar befreit sind, weil sie das Sprungbrett nutzen wollen können?

Beneidest Du nicht vielleicht insgeheim ein wenig den Selbstmörder um seinen Mut zum Sprungbrett, seine Haltung, dort eine Lösung zu sehen, wo Du KEINE Lösung sehen wollen kannst, wo aber ganz offensichtlich zumindest eine Ab-lösung ständig lockt?

Was würdet ihr denken -euch fühlen- wenn
ihr durch Deutschland reist, für einen geliebten Menschen, um
für ihn dazu sein. Keine Umstände scheut, also alles nur
menschlich Mögliche macht - mit scheinbarem Erfolg - um dann
am nächsten Tag nach einem Anruf zu hören „Ich bin auf der
Intensivstation, ich habe mir die Pulsadern aufgeschnitten“.

Wie würdet ihr euch fühlen wenn ihr hört, das euer Vater mit
einer Überdosis Tabletten auf der Intensivstation liegt und
zwischen Leben und Tod schwebt…?

Und wie fühlt ihr euch dann wenn eine Freundin schreibt „heute
Nacht beende ich mein Leben“?

Irgendwie gibt einem das das Gefühl nichts wert zu sein, oder
irre ich mich??

In diesem Gedanken sehe ich das zweite Scharnier: Warum solltest DU nichts wert sein, wenn ein ANDERER sein Leben beenden will?

Du wirfts den ANDEREN vor, sie wären egoistisch, weil sie Dir durch ihr Tun dieses Gefühl geben, musst Dir aber wohl auch umgekehrt vorhalten lassen (deutest Du ja auch selbst an), dass Dein Denken zutiefst egozentrisch ist, als würde sich der Suizid anderer, ja das ganze Denken anderer gerade um DICH drehen …

Du bringst Dich damit in eine recht ungute Gedankenverkettung:
Auf der einen Seite erhebst du den völlig größenphantatistischen Gedanken, die ANDEREN könnten sich bei der Beendung des EIGENEN Lebens just um DICH scheren, ein Gedanke, der Dich ob seiner maßlosen Überheblichkeit auf der anderen Seite dann förmlich zu der Schlußfolgerung zwingt:
Sie bedenken mich,
sie tun es dennoch,
ergo: ich bin (ihnen) wertlos!

Aber wer sein soziales Umfeld einfach so ignorieren kann und
wirklich nur um ‚seinen Problemen ein Ende zu setzen‘ sich
umbringt, der ist meiner Meinung nach KEINEN Deut besser, als
die achso schlechte krankmachende Gesellschaft, auf die man
immer so pauschal schimpfen kann. Weil solche Menschen machen
einen mindestens genauso krank.

Wozu dient dieser Pauschalvorwurf? als verdeckte Selbstanklage? als Distanzierung von den ANDEREN und ihren Grundsätzen im Namen der Moral? als Distanzierung vom eigenen drohenden Suizid?

Insofern finde ich die Ratschläge anderer in diesem Thread zu kurz denkend, die sagen: Belaste Dich nicht mit den ANDEREN, ruf den Notdienst, zieh Dich zurück, etc., weil ich nicht glaube, dass Du damit der Problematik entfliehen kannst.

Viele Grüße
franz

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Hallo Malte,

Ich kann deine AUfregung darüber nachempfinden.

Vielleicht hättest du auch das Problem in deiner Überschrift konkreter benennen können.

Was dich stört ist ja nicht per se Selmstmordgefährdete, sondern das Verhalten von einigen Selbstmordgefährdeten…oder besser gesagt Scheinselbstmordgefährdete.

Es ist halt auch eine psychische Krankheit an sich, dass Menschen Aufmerksamkeit gewinnen wollen, in dem sie einen bevorstehenden Selbstmord dem Gegenüber ankündigen.

Sowas passiert auch allzusehr in Partnerschaften, wo dann bei Trennung oder anderen problemen der Partner fast erpresst wird damit, dass man ja sich selbst was antun könnte.

Ich behaupte einfach, dass dieses egozentrische Verhalten so gar nicht sein MUSS und gar nichts mit der Depression zu tun hat. Also es ist keine zwingende Nebenerscheinung.

Ich kann nur einen Grund akzeptieren, warum man sowas ankündigt.

Wenn man weiss, dass man selbstmordgedanken hat und so eine AHnung hat, dass dies zb heute Abend ganz stark sein wird und man selber davor Angst hat, dann ist es völlig normal zu sagen: Hey so und so kannst du rüberkommen mir gehts grad nicht so gut oder so ähnlich.

Diese Aussage ist völlig in Ordnung. Aber es ist völlig was anderes und zeugt von Egoismus pur, wenn jemand sagt: „ich bring mich heute um“ und dann das Telefonat unterbricht usw.

Ich hatte auch einen ähnlichen Situation erlebt.

Da wurde dann auch das Handy ganz ausgemacht und alle Möglichkeiten mit der Person zu sprechen ausgeschaltet…ich bin dann hin…Klingel…keiner geht ran…Lass mir von einer Bekannten die Haustür öffnen…also völlige Angst und Sorge… Klopfe an die Tür…keiner macht auf…erst nachdem wir dann vor der Tür mit der Bekannten die Möglichkeit in betracht zogen doch noch Polizei und Krankenwagen zu rufen wurde die Tür geöffnet.

Was war? DIe Person war unter der Dusche und hat wohl alles ausgeschaltet weil sie alleine sein wollte!!!

Wohl gemerkt NACHDEM ein Selbstmord angekündigt wurde.

Warum ich nicht sofort einen Krankenwagen etc. gerufen habe…so was hatte ich mit dieser Person schon ein paar Mal.

Irgendwann gehst du halt nicht mehr vom schlimmsten aus…trotzdem ist man sich aber nie sicher und macht sich wie blöde SOrgen und denkt sich was ist wenn es diesmal wirklich ernst ist? Und dann geht man halt doch wie ein Bekloppter vor das Haus usw…

Ja und das ist Psychoterror pur und es ist sehr wohl Egoismus.

Und wenn dann irgendwann doch die Ankündigung wahr gemacht wird, das ändert an dem vorherigen Psychoterror dann auch nichts mehr.

MfG

Hi Matze!

Tut mir wirklich leid, falls ich Dich in meinem Artikel verletzt haben sollte, das wollte ich echt nicht.
Das ist halt auch so die Sache mit dem Internet… man weiß leider sehr wenig über den anderen und kann sich kein genaues Bild machen.

Aber du hast mein ganz ehrliches Mitgefühl; die Situationen die du schilderst sind echt schlimm…
…ich kenn sowas auch und weiß wie fertig einen das macht. Ich kann echt verstehen, was du schreibst.

Ich könnte dir jetzt auch sagen: Dann entferne dich doch von den anderen, lass dich nicht mehr vereinnahmen, zieh eine Grenze!
Aber das ist alles nich so einfach… im Gegenteil, es ist scheiße schwer… :frowning:
Denn du bist offensichtlich ein Mensch, der sich nicht so einfach abwenden kann, der halt helfen will…

…und dabei musst du irgendwie mehr auf dich selbst achten!
Sonst kannst du irgendwann auch andren nich mehr helfen.

Sowas wie hier Frust ablassen ist schon mal ganz gut, denk ich. (Sorry, wenn ich’s dir versaut hab)

Aber irgendwie muss da langfristig noch was andres her…
…hm… nur was? Du schreibst ja, die Menschen wollen sich nicht helfen lassen… ([Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hi,

manchmal frage ich mich schon was der gemeine Sternchengeber für ein seltsamen Geschöpf ist.

http://www.bgv-muenchen.de/images/branche/gurke.jpg
(ein eventuell zutreffendes Foto, die genauere Bezeichnung des hier abgelichteten Individuums muss sich erst noch herausstellen)

spekulieren

Ja. Zwar sind es ja recht nette Spekulationen, aber nicht so ganz zutreffend. Zwar stimmen bestimmte Punkte schon mit meinem persönlichen Selbstbild überrein, doch ist das bestimmt nicht die ganze Wahrheit.

(Entschuldige wenn ich etwas zynisch bin, aber irgendwie bin ich mit manchen Antworten hier sehr unzufrieden, nicht unbedingt weil sie nicht meiner Meinung entsprechen, sondern weil sie teilweise einfach inhaltlich falsch sind und einfach nur beweisen, dass manche nicht wirklich lesen was ich schreibe. Ich habe das Gefühl, dass die meisten mich kritisierenden Antworten einfach nur aus der Wahl meines Titels ausgehen, was ich sehr enttäuschend finde. Ich will jetzt ja nicht anmaßen, dass ein stilistischer ‚Griff ins Klo‘ nicht das ausgefeilteste Mittel ist, aber ein Blick auf die Klicks [welche ja wie Sternchen völlig irrelevant, aber dennoch existent sind] zeigt zumindest, das er ‚medienwirksam‘ war)

Erstens hieran: Wie die ANDEREN kommst auch Du bis zur Stufe
der Sehnsucht, aber anders als die von Dir genannten ANDEREN
willst Du diese Stufe nicht als Sprungbrett zur „Lösung“
nehmen, sondern siehst sie eher als Bedrohung: als
verlockender Ausweg, der aber dann doch für Dich keiner ist,
als vermeintliche Lösung, die aber ganz im Gegenteil für Dich
die radikale Nicht-Lösung ist.

Ja das stimmt, habe ich aber schon erwähnt. Ich stolpere immer wieder über das Wort Bedrohung. (Ich weiss nicht - ich will dir jetzt keinesfalls etwas unterstellen, aber ich finde Formulierungen wie Sprungbrett, Lösung (bzw. Verkettungen damit, um mal auf einer mehr sprachlichen Ebene zu bleiben) oder Befreiung haben ja schon fast suggestiven Charakter. Siehst du Selbstmord als Lösung?! oooder provokant?)

„Selbstmord ist (und bleibt) keine Lösung!“

für Dich keineswegs eine bloße FLOSKEL ist, sondern ein
eherner Grundsatz; ein Grundsatz, der zumindest in seiner
Stärke Dich von den ANDEREN unterscheidet, und ein Grundsatz,
den Du vielleicht durch das Tun der ANDEREN ein wenig
bestritten siehst; was läge da näher als den Vorwurf des
Egoismus zwischen Dir und die ANDEREN zu schieben, die ja doch
Dein innerstes so dermaßen herausfordern?

Nein es ist nicht die ‚Versuchung‘ oder Eifersucht etc. blabla sondern es ist einfach -mir fehlen die richtigen Worte, würde ich frei sprechen, würde ich wohl wieder in die Fäkalsprache abrutschen- es ist einfach *nicht schön* wenn ein Mensch den man liebt stirbt! Was ist das Problem das zu verstehen?? In unserer heutigen weltumspannenden Gesellschaft von Homo Sapiens (Menschheit wäre wohl stilistisch schöner aber da ich grade selber über meine komische Formulierung lachen muss, lass ich sie mal stehen) gibt es meines Wissens keine Subkultur (schliessen wir mal irgendwelche Satanisten oder whatever aus) in der sich Freunde oder Verwandte sich gegenseitig einen baldigen Tod wünschen!?!
(BITTE BITTE keine Anspielungen auf Madagassen oder wie die heissen, sonst krieg ich einen hysterischen Nervenzusammenbruch und fang an mir die Haare rauszurupfen…! [nein tue ich nicht])

Nur ist das eine große Problem, wie sie häufig bei dem Thema,
dass sich die Betroffenen gar nicht helfen lassen wollen
(können etc).

Und sowas frustriert.

Weshalb frustriert es Dich? Weil den ANDEREN der Wille zum
Grundsatz fehlt, weil sie davon frei, vielleicht sogar befreit
sind, weil sie das Sprungbrett nutzen wollen können?

nope.

Beneidest Du nicht vielleicht insgeheim ein wenig den
Selbstmörder um seinen Mut zum Sprungbrett, seine Haltung,
dort eine Lösung zu sehen, wo Du KEINE Lösung sehen wollen
kannst, wo aber ganz offensichtlich zumindest eine Ab-lösung
ständig lockt?

Hmm eventuell ein klitzekleines bisschen, aber dieses klitzekleine bisschen äusserst selten. Und hat recht wenig mit meinem Verständnis für Suizid zu tun. Ich weiß, dass solche Gedanken (sei es Todessehnsucht, oder dieser, wie gesagt selten auftretender Effekt) schlicht krank sind. Und ich finde diese Erkenntnis sollte genausowenig schwer sein, wie dass man sich bei Krankheit Hilfe sucht.

Und jetzt komme ich wieder zu meinem kritisierten Punkt: Ich denke jeder noch nicht völlig unzurechnungsfähige Mensch weiss, das Selbstmord nichts ‚normales‘ (vorsicht Reizwort - bitte nicht reizen lassen) ist.

. . .

Irgendwie gibt einem das das Gefühl nichts wert zu sein, oder irre ::ich mich??

In diesem Gedanken sehe ich das zweite Scharnier: Warum
solltest DU nichts wert sein, wenn ein ANDERER sein Leben
beenden will?

Ok erstens es ist nicht ein ‚ANDERER‘. Ein Anderer bist in dem Fall auch nicht du. Sondern Otto Normalsuizidgefährdeter aus Bayrisch-Kongo. Wenn er morgen Selbstmord begeht find ichs falsch ändert aber nichts an meinem Selbstwertgefühl (Sorry Otto, nicht persönlich gemeint *g*).

Zweitens geht es nicht um mich im Einzelnen (ja das wäre richtig egoistisch, sondern um mich (ein Individuum) im sozialen Umfeld (ja auch Bäcker gehören dazu auch wenn sie dort wirklich nur Gastrollencharakter haben, also Familie, Freunde bla bla) eines suizidalen Menschen.

Drittens natürlich kratzt das auch mein Selbstwertgefühl. Mal extrem ausgedrückt: gesetzt den Fall deine Freundin würde probieren sich selbst umzubringen. Würdest du nicht sofort überlegen, ob du etwas falsch gemacht hast? Wäre das deinem Ego zutunlich? Und kannst du in den Kopf deiner Freundin reinschauen und die waren Auslöser ‚sehen‘?
Wirst du mit 100%iger Sicherheit sagen können schuldfrei zu sein, auch wenn sie es in dein Gesicht sagt? Ja Vertrauen etc. aber wie weit kann man jemanden Vertrauen der einfach fliehen (Pardon diese Formulierung ist aber auch sehr in den Sprachgebrauch in Verbindung mit Selbstmord eingewachsen) -also- mit seinen Problemen nicht mehr zurecht kommt?

Ich würde sagen, an diesem Beispiel sollte man sehr wohl sehen das der Selbstmord einer nahestehenden Person das Selbstwertgefühl oder Selbstbewusstsein (ich benutze die Wörter fast als Synonyme).

Du wirfts den ANDEREN vor, sie wären egoistisch, weil sie Dir
durch ihr Tun dieses Gefühl geben, musst Dir aber wohl auch
umgekehrt vorhalten lassen (deutest Du ja auch selbst an),
dass Dein Denken zutiefst egozentrisch ist, als würde sich der
Suizid anderer, ja das ganze Denken anderer gerade um DICH
drehen …

Ich = Einzelperson vom sozialen Umfeld

Hmm mir gefällt gerade die mathematische Schreibweise; ich Versuche es mal so zu Erläutern

Schmerz(Suizidgefährdeter) = Größe_soz.Umfeld x Schmerz(Individuum) ??

Also: eine äusserst theoretische Überlegung (gefällt dir bestimmt)

Ist der Selbstmord legitim / nicht egoistisch wenn der Schmerz des Suizidgefährdeten größer ist als das summierte Leid des sozialen Umfelds?!
Man muss beachten: das soziale Umfeld ist groß (ich sprach von Bäckern; ist zwar etwas arg weit hergeholt, aber Betroffenheit wirst da ach noch merken), und der Schmerz des Individuums kann auch ziemlich hoch sein (aber auch gering etc).

-> Meine Meinung: legitim: nein. egoistisch: Grauzone.

Ist der Selbstmord egoistisch wenn der Schmerz des Suizidgefährdeten kleiner ist als das summierte Leid des sozialen Umfelds?!

-> Meine Meinung: legitim: nein. egoistisch: ja

Du bringst Dich damit in eine recht ungute Gedankenverkettung:
Auf der einen Seite erhebst du den völlig
größenphantatistischen Gedanken, die ANDEREN könnten sich bei
der Beendung des EIGENEN Lebens just um DICH scheren, ein
Gedanke, der Dich ob seiner maßlosen Überheblichkeit auf der
anderen Seite dann förmlich zu der Schlußfolgerung zwingt:
Sie bedenken mich,
sie tun es dennoch,
ergo: ich bin (ihnen) wertlos!

ICH bin ein kleiner unbedeutender Teil, aber Kleinvieh macht auch Mist.

Sie bedenken mich (und ihr soziales Umfeld),
sie tun es dennoch,
ergo: ich bin (ihnen) wertlos! -> teilweise korrekt.
ergo2: alle anderen auch. -> und das kann jemand verantworten?

Aber wer sein soziales Umfeld einfach so ignorieren kann und
wirklich nur um ‚seinen Problemen ein Ende zu setzen‘ sich
umbringt, der ist meiner Meinung nach KEINEN Deut besser, als
die achso schlechte krankmachende Gesellschaft, auf die man
immer so pauschal schimpfen kann. Weil solche Menschen machen
einen mindestens genauso krank.

Wozu dient dieser Pauschalvorwurf? als verdeckte
Selbstanklage?

nope.

als Distanzierung von den ANDEREN und ihren
Grundsätzen im Namen der Moral?

Als Distanzierung von den üblichen stereotypen fatalistischen Sichtweisen. Solang die Welt keiner besser macht, wird sies auch nicht.

als Distanzierung vom eigenen
drohenden Suizid?

*grübel* mitnichten :o)

Insofern finde ich die Ratschläge anderer in diesem Thread zu
kurz denkend, die sagen: Belaste Dich nicht mit den ANDEREN,
ruf den Notdienst, zieh Dich zurück, etc., weil ich nicht
glaube, dass Du damit der Problematik entfliehen kannst.

Entfliehen nein, konsequenter handeln - ja.

So jetzt geh ich aber echt pennen. konsequent.

mfg
Matze

Hi Matze,

(ist lang geworden)

manchmal frage ich mich schon was der gemeine Sternchengeber
für ein seltsamen Geschöpf ist.

vielleicht besternen sie ja einfach mal den Mut zur Blamage …

Im Ernst: es gibt einfach verschieden Weisen, auf Postings wie das Deine zu antworten:

  • moralisierend: Was, Du beschimpfst die armen Selbstmörder auch noch …?
  • mit Allgemeinplätzen: Geh der Situation doch einfach aus dem Weg!

Das sind Antworttypen, die durchaus ihre Berechtigung haben, die aber letztlich doch zu glatt sind.

Meine Antwort war Spekulation, Provokation, Schlaudaherrederei, was sicher auf der einen Seite dämlicher und nerviger ist, als die anderen Antworttypen, auf der anderen Seite aber auch sinnvoller sein kann.

hier ne Einschätzung zu geben, ist sicher unmöglich, aber
warum nicht mal ein wenig spekulieren

Ja. Zwar sind es ja recht nette Spekulationen, aber nicht so
ganz zutreffend. Zwar stimmen bestimmte Punkte schon mit
meinem persönlichen Selbstbild überrein, doch ist das bestimmt
nicht die ganze Wahrheit.

Ich hatte auch nicht erwartet, dass sie allzu gut zutreffen; es waren ja schließlich MEINE Vorstellungen … :wink:

aber ein Blick auf die
Klicks [welche ja wie Sternchen völlig irrelevant, aber
dennoch existent sind] zeigt zumindest, das er ‚medienwirksam‘
war)

Du wolltest Ihn ja selbst ‚medienwirksam‘ haben; nicht nur mit dem ursprünglichen Titel, der eindeutig provokativ ist, sondern genauso mit dem zweiten Titel, der mit dem „biep“ eine (Selbst-)Zensur suggeriert, ein kleines Ich-würd-ja-gern-aber-darf-nicht

Ich weiss nicht - ich will
dir jetzt keinesfalls etwas unterstellen, aber ich finde
Formulierungen wie Sprungbrett, Lösung (bzw. Verkettungen
damit, um mal auf einer mehr sprachlichen Ebene zu bleiben)
oder Befreiung haben ja schon fast suggestiven Charakter.
Siehst du Selbstmord als Lösung?! oooder provokant?)

Die Unterstellung geht in Ordnung, weil ich meine Worte mit Bedacht gewählt habe.

Nein, ich sehe den Selbstmord keineswegs als „Lösung“, ich sehe ihn aber auch nicht als „Anti-Lösung“.

Die angeführten Worte sollen die Kognitionen des „Todessehnsüchtigen“ treffen, also die Spannung zwischen Wunsch und Tat: Ist diese Lösung eine für mich akzeptable? Soll ich meine derzeitige Stimmung als Sprung-Brett nutzen, weil ich -wenn überhaupt- sowieso nur in dieser Stimmung abspringen kann?, etc.

„Selbstmord ist (und bleibt) keine Lösung!“

für Dich keineswegs eine bloße FLOSKEL ist, sondern ein
eherner Grundsatz; ein Grundsatz, der zumindest in seiner
Stärke Dich von den ANDEREN unterscheidet, und ein Grundsatz,
den Du vielleicht durch das Tun der ANDEREN ein wenig
bestritten siehst; was läge da näher als den Vorwurf des
Egoismus zwischen Dir und die ANDEREN zu schieben, die ja doch
Dein innerstes so dermaßen herausfordern?

Nein es ist nicht die ‚Versuchung‘ oder Eifersucht etc. blabla
sondern es ist einfach -mir fehlen die richtigen Worte, würde
ich frei sprechen, würde ich wohl wieder in die Fäkalsprache
abrutschen- es ist einfach *nicht schön* wenn ein Mensch den
man liebt stirbt! Was ist das Problem das zu verstehen??

Ok, dass das nicht schön ist, ist mir vollkommen klar …

Das Problem des Verstehens ist, dass Menschen sehr unterschiedlich mit einem solchen Ereignis umgehen, und dass natürlich die Gründe für Dein sehr emotionales Ursprungsposting, verbunden mit einer klaren Anklage, nicht allein über die Ereignisse, sondern vor allem mit Bezug auf DEIN Denken und Erleben verstanden werden müssen.

In
unserer heutigen weltumspannenden Gesellschaft von Homo
Sapiens (Menschheit wäre wohl stilistisch schöner aber da ich
grade selber über meine komische Formulierung lachen muss,
lass ich sie mal stehen) gibt es meines Wissens keine
Subkultur (schliessen wir mal irgendwelche Satanisten oder
whatever aus) in der sich Freunde oder Verwandte sich
gegenseitig einen baldigen Tod wünschen!?!
(BITTE BITTE keine Anspielungen auf Madagassen oder wie die
heissen, sonst krieg ich einen hysterischen
Nervenzusammenbruch und fang an mir die Haare rauszurupfen…!
[nein tue ich nicht])

:wink:)

Niemand wünscht einander den baldigen Tod, da hast Du Recht, das hat aber auch meines Wissens keiner behauptet …

Aber die Suizidraten sind weder weltweit über alle Kulturen hinweg, noch innerhalb eines Landes über die Subkulturen hinweg auch nur annähernd gleich verteilt.

die erstbesten Statistiken, die ich gefunden habe, verlinkt:
http://www.lebens-klick.info/Dateien/Epidemiologie.p…

(solche vergleichenden Statistiken sind aus mehreren Gründen mit Vorsicht zu genießen, aber eine gewisse Tendenz bei der „globalen“ Verteilung ist unverkennbar; zur „subkulturellen“ Verteilung habe ich auf die Schnelle nix gefunden, aber möglicherweise ist ja auch der historische Trend in einem Land, hier: Österreich, dafür aufschlussreich).

Der Grund, weshalb ich die „Kultur“ überhaupt so wichtig als Faktor finde, ist, dass ich keinesfalls glaube, dass ab einem bestimmten Leidensdruck ganz simpel der Suizid induziert wird, wie bei einem überlaufenden Fass, sondern dass der Suizid ein kulturelles Handlungsmuster ist, das relativ autonom vom persönlichen Leiden ist, also viel mehr mit den angesprochenen „Grundsätzen“, Kognitionen, zu tun hat als mit dieser sowieso uerfassbaren Größe „Schmerz“

Ich weiß nicht, weshalb ich in dem Punkt so ausführlich geworden bin, da ich ja eigentlich den Eindruck habe, dass Du dies durchaus ähnlich siehst …

hat recht wenig mit
meinem Verständnis für Suizid zu tun. Ich weiß, dass solche
Gedanken (sei es Todessehnsucht, oder dieser, wie gesagt
selten auftretender Effekt) schlicht krank sind.
Und ich finde
diese Erkenntnis sollte genausowenig schwer sein, wie dass man
sich bei Krankheit Hilfe sucht.

und genau das halte ich für eine Abwehrhaltung Deinerseits; mein Gott, was es alles für seltsame Sehnsüchte gibt, und gerade die Todessehnsucht soll einfach „schlicht krank“ sein.

Versteh mich nicht falsch: ich möchte keinesfalls sagen: Wünsch Dir den Tod, machs, ist doch ganz normal, Du brauchst keine Hilfe, …

Mein Punkt ist der, dass die Unterscheidung Krankheit/Gesundheit hierfür ein schlechtes Maß sind; es gibt soviele Menschen, deren Leidensdruck immens ist, die aber ihre Todeswünsche konsequent wegdrängen (ich sag jetzt mit Bedacht nicht: verdrängen); ist das dann gesund? Brauchen diejenigen keine Hilfe?

Und jetzt komme ich wieder zu meinem kritisierten Punkt: Ich
denke jeder noch nicht völlig unzurechnungsfähige Mensch
weiss, das Selbstmord nichts ‚normales‘ (vorsicht Reizwort -
bitte nicht reizen lassen) ist.

Über „normal“ brauchen wir nicht diskutieren, über gesellschaftliche Normen eher, und in diesem Sinne ist Selbstmord tatsächlich nicht „normal“ (und in diesem Sinne ist der ganze psychiatrische Apparat ein gigantischer Normendurchsetzer, aber das nur en passant gesagt)

Suizidalität ist ganz sicher „unnormal“ genug, um erklärt, erforscht, therapiert werden zu müssen; das trifft aber meines Erachtens genauso auf ausbleibende Suizidalität zu, wenn sie „psychisch motiviert“ ausbleibt, von den verschiedensten internalisierten Imperativen nicht zugelassen wird.

Irgendwie gibt einem das das Gefühl nichts wert zu sein, oder irre ::ich mich??

In diesem Gedanken sehe ich das zweite Scharnier: Warum
solltest DU nichts wert sein, wenn ein ANDERER sein Leben
beenden will?

Drittens natürlich kratzt das auch mein Selbstwertgefühl. Mal
extrem ausgedrückt: gesetzt den Fall deine Freundin würde
probieren sich selbst umzubringen. Würdest du nicht sofort
überlegen, ob du etwas falsch gemacht hast?

Ja

Wäre das deinem
Ego zutunlich?

Nein

Und kannst du in den Kopf deiner Freundin
reinschauen und die waren Auslöser ‚sehen‘?

Nein

Wirst du mit 100%iger Sicherheit sagen können schuldfrei zu
sein, auch wenn sie es in dein Gesicht sagt?

Nein

Aber es dürfte klar sein, dass ein Kontinuum besteht zwischen „selbst Zerbrechen“ am Selbstmord eines Nahestehenden und „einigermaßen gut darüber hinweg kommen“;

und der Punkt, an dem man sich in diesem Kontinuum befindet, hängt eben nicht vom Nahestehenden und seinem Tun und Lassen ab, sondern von sich selbst, den eigenen Kognitionen, den eigenen Imagos, den eigenen Wünschen …

Hmm mir gefällt gerade die mathematische Schreibweise; ich
Versuche es mal so zu Erläutern

Schmerz(Suizidgefährdeter) = Größe_soz.Umfeld x
Schmerz(Individuum) ??

Also: eine äusserst theoretische Überlegung (gefällt dir
bestimmt)

Ist der Selbstmord legitim / nicht egoistisch wenn der Schmerz
des Suizidgefährdeten größer ist als das summierte Leid des
sozialen Umfelds?!

Das Modell basiert auf Annahmen, die ich nicht teile:

  1. Ich bin von einer relativen Autonomie der Suizidalität vom Schmerz des Suizidalen überzeugt, platter gesagt: es bringen sich keineswegs einfach diejenigen um, denen es am schlechtesten geht; vielen geht es saumäßig, und sie können sich nicht umbringen.

  2. Ich bin davon überzeugt, dass die Größe von „Schmerz (Individuum)“ sehr viel stärker vom „(Individuum)“ abhängt als vom Ereignis Suizid eines Anderen

Das alles heißt nicht, dass ich nicht auch an den „Selbstmordgefährdeten“ moralische Ansprüche stellen würde, aber es heißt, dass ich erstens an ihn keine höheren moralischen Ansprüche stellen würde als an Nicht-Selbstmordgefährdeten, und zweitens, dass sich aus den genannten Gründen die „(Il)Legitimät“ eines Suizids nicht errechnend-kalkulierend bestimmen lässt.

Du bringst Dich damit in eine recht ungute Gedankenverkettung:
Auf der einen Seite erhebst du den völlig
größenphantatistischen Gedanken, die ANDEREN könnten sich bei
der Beendung des EIGENEN Lebens just um DICH scheren, ein
Gedanke, der Dich ob seiner maßlosen Überheblichkeit auf der
anderen Seite dann förmlich zu der Schlußfolgerung zwingt:
Sie bedenken mich,
sie tun es dennoch,
ergo: ich bin (ihnen) wertlos!

ICH bin ein kleiner unbedeutender Teil, aber Kleinvieh macht
auch Mist.

Sie bedenken mich (und ihr soziales Umfeld),
sie tun es dennoch,
ergo: ich bin (ihnen) wertlos! -> teilweise korrekt.
ergo2: alle anderen auch. -> und das kann jemand
verantworten?

warum sollte das jemand verantworten müssen? Dein kognitiver Syllogismus ist es, der Dich wertlos macht, nicht der Hauptsatz 2: „Sie tun es dennoch“ alleine …

Wie hast Du selbst so schön gesagt (sinngemäß, ich will die Passage jetzt nicht suchen): Man kann es nicht einfach auf die kranke Gesellschaft schieben!

Viele Grüße
franz