…schichtenspezifisches Sexualverhalten. Einfacher ausgedrückt:
Je höher die soziale Schicht, desto phantasievoller
das Sexualverhalten, je niedriger desto primitiver der Sex mit Rein
und Raus. Und dabei blieben eben hauptsächlich die Lust der Frauen
auf der Strecke. Der Volksmund hatte unrecht: Dumm vögelte nicht
besser als klug…
Okay,
also mich würde brennend interessieren woraus dies resultiert und warum dies so ist…
Haben „dumme“ Frauen keinen Wunsch nach Emanzipation?
Oder sind nur die „dummen“ Männer dumm und die Frauen sind es nur, weil sie es mit sich machen lassen, aber sich eigentlich phantasievolleren Sex wünschen…
Sind die „dummen“ Männer jetzt „dumm“ oder die „dummen“ Frauen oder alle beide? Kennt die Unterschicht keinen anderen Sex?
Wie kriegt man eine „dumme“ Frau dazu einem „schlauen“ Mann gegenüber offener zu sein und mehr neues Auszuprobieren…
Viele Fragen! Freue mich auf viele Meinungen zu diesen Themen…
der Kinsey-Report bezieht sich auf eine Erhebung aus der zweiten Hälfte der 1940er Jahre in den USA.
Seine Bedeutung lag und liegt vor allem darin, dass man erkannte, das die tatsächlich ausgeübte Sexualität in doch sehr großem Ausmaß von der damals als normal angesehenen Sexualität abwich, woraus man ein verändertes Verständnis von normaler und pathologischer Sexualität gewann. Als normal gilt seitdem, was tatsächlich von vielen praktizziert wird, nicht mehr nur, was der Fortpflanzung direkt dient.
Damit war der Grundstein für die gesellschaftliche Anerkennung von Homosexualität und anderen Spielarten der Sexualität gelegt.
Ob die einzelnen Ergebnisse der Studie heute noch Geltung beanspruchen können, das würde ich allerdings bezweifeln. In den 60 Jahren seitdem hat sich gesellschaftlich doch vieles verändert.
Gruß
Tahere
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schichtspezifische Differenzen im Sexualverhalten werden auch heute noch in soziologischen Studien bestätigt
Spontan fällt mir ein:
Pierre Bourdieu, „Die feinen Unterschiede“ (dort geht es aber nicht um Sexualverhalten allein, sondern allgemein um „Stil/Geschmack“)
oder aktueller:
Karl Lenz, „Soziologie der Zweierbeziehung“ (hier wird das Thema, meiner Erinnerung nach sogar der Kinsey-Report, passim erwähnt)
Tahere hat Recht, dass die Kinsey-Reporte veraltet sind, weil sich die Schichtstrukturen verändert haben; einige Soziologen sprechen schon gar nicht mehr von „Schichten“, sondern von „Lebensstil-Milieus“
in der Soziologie geht es nicht darum, rauszufinden, welche Schicht den „besseren Sex“ hat, sondern lediglich um Schichtdifferenzen; die Frage nach „besser“ halte ich für verfehlt; nach welchem objektiven Kriterium denn?
könnte sein, dass ich Dein Posting missverstanden habe, aber setzt Du (und der Kinsey-Report) „Unterschicht“ mit „dumm“ gleich? Halte ich für ein starkes Stück!
nein ich unterstelle niemandem Dummheit aufgrund von finanziellen Dingen. Ich glaube auch, dass man eine „Unterschicht“ auch nicht definieren kann. Jedenfalls höchstens in Geldangelegenheiten. doch ich kenne viele Menschen, die nicht in einer großen Wohnung aufgewachsen sind und trotzdem Abitur gemacht und viel auf dem Kasten haben. Nur haben die den gleichen Sex, wie ein verzogenes Bonzen-Kind?
Ist es eher Bildungsabhängig???
Deswegen das „dumm“ in Anführungsstrichen.
Doch blenden wir mal den Begriff „Schichten“ etwas aus,
einige
Soziologen sprechen schon gar nicht mehr von „Schichten“,
sondern von „Lebensstil-Milieus“
sagtest du…
Ist das nicht fast das gleiche, nur „Schichten“-Übergreifend und unüberschaubarer?
Welche Lebensstile zählen denn dazu?
Sebastian
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ursache - wirkung ?
für mich besagt die studie nicht mehr, als dass es eine stat. korrelation der daten schichtzugehörigkeit: unterschicht und sexualverhalten: weniger phantasievoll gibt.
sowohl für die kategorien schichtzugehörigkeit und sexualverhalten als auch die jeweiligen zuordnungen gibt es keine angabe, wie diese zustandekommen. ist unterschicht hier alles, wofür das merkmal einkommen unter xy euro zutrifft, oder mehrere solcher merkmale oder was.
mir ist klar, dass wir alle uns unter den begriffen etwas vorstellen können. aber ganz sicher nicht jeder das gleiche. eine vorstellung kann sein, im nachhinein schichtzugehörigkeit und IQ zu korrelieren. das mag nicht notwendig falsch sein, hat aber nichts mit wissen zu tun.
letztlich (siehe betreff) finde ich es erstaunlich, wie leicht mensch dazu in der lage ist zwischen unterschiedlichen phänomenen ursache - wirkungs prinzipien abzuleiten. das scheint ein gehirntriebdes menschen zu sein.
im konkreten kann es doch bei der studie auch sein, dass beide gemessenen werte schichtzugehörigkeit: unterschicht und sexualverhalten: weniger phantasievoll nur deswegen korrelieren, weil sie eine gemeinsame ursache haben, oder weniger realistisch, gar nichts miteinander zu tun haben: in österreich ist anfangs der 60er jahre die geburtenrate nach oben gegangen, gleichzeitig wurden dort auch mehr störche gesichtet…
Hi Stefan,
kannst du darauf noch ein bisschen näher eingehen?:
letztlich (siehe betreff) finde ich es erstaunlich, wie leicht
mensch dazu in der lage ist zwischen unterschiedlichen
phänomenen ursache - wirkungs prinzipien abzuleiten. das
scheint ein gehirntriebdes menschen zu sein.
letztlich (siehe betreff) finde ich es erstaunlich, wie leicht
mensch dazu in der lage ist zwischen unterschiedlichen
phänomenen ursache - wirkungs prinzipien abzuleiten. das
scheint ein gehirntriebdes menschen zu sein.
hm, ich bin selbst kein fachmann (erkenntnistheoretiker oder so…) aber wenn ich mir vor allem den umgang mit statistiken (wie ja auch im beispiel hier…), selöbst in zeitungskommentaren ansehe…es erstaunt mich immer wieder wie sehr wir aus einer ‚gemessenen‘ (=scheinbaren) korrelation von daten auf ‚innere zusammenhänge‘ a la ursache wirkung schliessen.
das kann man aber nicht mit der sicherheit, mit der diese zushg. dann behauptet werden, bsiweilen führt es zu den witzigen interpretationsmögliochkeiten wie bei der geschichte mit der geburtenrate in österreich und der anzahl der gesichteten störche…
manchmal gibt es aber zusammenhänge, von denen man erst gar nicht galubt, sie existieren. zb. hatte ich mal gehört, dass der eisverkauf in washington d.c. und die anzahl der herzinfarkte in bombay ‚begründet‘ korrelieren, weil gewisse grossklimatische zushg. dazu führen, dass mit einer hohen sommertemperatur in wash. das feucht-heisse in bombay auch stärker ist, was zu den beobachteten statistiken führt…egal obs stimmt, aber es zeigt, dass dieser trieb des menschen ja durchaus gesund ist, er erschliesst uns ja erst die welt. aber es funzt halt nicht immer, sogar sehr viel seltener als man ahnt…
(siehe betreff)
Welcher Betreff?
öh, „ursache - wirkung“?
…ok, ich sehe gerade, es wird hier nicht betreff sondern titel genannt. für mich ist das aber eher sowas wie email, daher ‚betreff‘…