Schickt mir ein Liebesgedicht!

Hallo liebe Literaturfreunde!

Ich sitze gerade an der mühevollen Arbeit, eine Anthologie von Liebesgedichten zusammenzustellen für eine Freundin, die demnächst heiratet. Eine ganze Menge habe ich schon - aber ich finde, es fehlt dem ganzen noch an Pfiff.
Daher meine Bitte an euch: Nennt oder schickt oder schreibt mir eines euer Lieblinggedichte zum Thema, das die Welt bewegt - was klassisches, was Lustiges, was Skurriles… nur viellelicht weniger was über unerfüllte Liebe und Schmerz/Leid/Tod des Partners: Ist ja für ein frisches Brautpaar gedacht! :smile:

Also, würde mich riesig über Resonanz freuen!

Liebe Grüße

Lilia

Hallo Lilia,

hier ist von Peter Rühmkorf

Außer der Liebe nichts

Flüchtig gelagert in dieses mein Gartengeviert,
wo mir der Abend noch nicht aus dem Auge will,
schön ist’s,
hier noch sagen zu können: schön,
wie sich der Himmel verzieht und die Liebe zu Kopf steigt,
all nach so viel Unsinn und Irrfahrt
an ein seßhaftes Herz zu schlagen, du spürst
einen Messerstich tief in der ledernen Brust
DIE FREUDE.

Wo nun dieser mein Witz das Land nicht verändert,
mein Mund auf der Stelle spricht,

  • hebt sich die Hand und senkt sich für garnichts das Lid -
    doch solang ich noch atmund-rauchund-besteh,
    solang mich mein Kummer noch rührt
    und mein Glück mich noch angeht,
    will ich
    was uns die Aura am Glimmen hält,
    mit langer Zunge loben!

Unnütz in Anmut: Dich,
wo die Nacht schon ihr Tuch wirft
über dein ungebildetes Fleisch, es kehren
alle Dinge sich ihre endliche Seite zu,
und aus ergiebigem Dunkel rinnt
finstere Fröhlichkeit…
Ich aber nenne diesseits und jenseits der Stirn
außer der Liebe nichts,
was mich hält und mir beikommt.

Aus Peter Rühmkorf, Gesammelte Gedichte, Rohwohlt 1976

Hallo,
mein Lieblings-Liebesgedicht ist eigentlich ein Trennungsgedicht und insofern für deine Zwecke wenig geeignet. Es ist die sentimentale wie geniale „Sachliche Romanze“ von Erich Kästner, zu finden unter anderem in „Dr. Erich Kästners lyrische Hausapotheke“:

Als sie einander acht Jahre kannten
(und man darf sagen: sie kannten sich gut),
kam ihre Liebe plötzlich abhanden.
Wie andern Leuten ein Stock oder Hut.

Sie waren traurig, betrugen sich heiter,
versuchten Küsse, als ob nichts sei,
und sahen sich an und wußten nicht weiter.
Da weinte sie schließlich. Und er stand dabei.

Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken.
Er sagte, es wäre schon Viertel nach Vier
und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken.
Nebenan übte ein Mensch Klavier.

Sie gingen ins kleinste Cafe am Ort
und rührten in ihren Tassen.
Am Abend saßen sie immer noch dort.
Sie saßen allein, und sie sprachen kein Wort
und konnten es einfach nicht fassen.

Mit einer Träne im Knopfloch
André

Hallo.
ich geb zwar meine Gedichte nur zaghaft weiter, aber solange es ncht kommerziell genutzt wird(!) ist es ok.und wer weiß vielleicht werd ich s berühmt :smile:
also hier mal eins:

kein Wald vor lauter Bäumen

Wie ein Reh, flink, schnell
versteckt in des waldes Dickicht
dunkler Schatten wird hell
tritts du in schwarze Licht

Tiefes Funkeln bricht durch
schneeweiße Stille regiert
bleib bei Mut gegen Furcht
was auch passiert

Siehst du das unsichtbare Nichts
das so stark bedeutend wird
beleuchtet von deiner Schönheit wie Licht

Träume können so schön sein
ich träume vom paradiesischen Ort
mit dir schleife ich meinen Verstand fein
denn du bist hier nicht fort

Ich wünschte du sähest, was ich seh
doch bist du sehend blind
erkenn doch du bist eine gute Feh
und nicht was alle anderen sind

sag, siehst du nicht
siehe, ich liebe dich

© Martin Heckl

Hallo, Lilia,

meine „Lieblingsliebesgedichtliste“ ist riesengroß, ich hab also mal nach der Kürze ausgewählt…und gleich ein Minirätsel draus gemacht…*lächel*

Morgens und abends zu lesen

_Der, den ich liebe
Hat mir gesagt
Daß er mich braucht.

Darum
Gebe ich auf mich acht
Sehe auf meinen Weg und
fürchte von jedem Regentropfen
Daß er mich erschlagen könnte._

-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-

Ich will mit dem gehen. den ich liebe.
Ich will nicht ausrechnen, was es kostet.
Ich will nicht nachdenken, ob es gut ist.
Ich will nicht wissen, ob er mich liebt.
Ich will mit ihm gehen, den ich liebe.

-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-

Schwächen

Du hattest keine
Ich hatte eine:
Ich liebte.

-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-

Alle drei sind vom selben Autor, dem auch die eigenwillige Interpunktion des ersten zu verdanken ist…*g*.

Wer kennt ihn?

Lieben Gruß aus Wien, jenny

:wink:

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Hallo Lilia,

hier findest Du jede Menge: http://www.deutsche-liebeslyrik.de/

Mein liebstes Liebesgedicht paßt nicht unbedingt zu dem von Dir genannten Anlaß :wink:

Love in the Asylum
Dylan Thomas_A stranger has come
To share my room in the house not right in the head,
A girl mad as birds

Bolting the night of the door with her arm her plume.
Strait in the mazed bed
She deludes the heaven-proof house with entering clouds

Yet she deludes with walking the nightmarish room,
At large as the dead,
Or rides the imagined oceans of the male wards.

She has come possessed
Who admits the delusive light through the bouncing wall,
Possessed by the skies

She sleeps in the narrow trough yet she walks the dust
Yet raves at her will
On the madhouse boards worn thin by my walking tears.

And taken by light in her arms at long and dear last
I may without fail
Suffer the first vision that set fire to the stars._

Viele Grüße
Diana

Hi Lilia!

Ich hätte da eins von Gottfired Benn, das dementsprechend skurril ist und vielleicht auch nicht ganz das, was du suchst:wink: aber ich find´s immer wieder gut, daher poste ich es. Vielleicht träfe es sogar den Geschmack des Brautpaares (ich kenn sie ja nicht):

Benn : Drohungen

_Aber wisse.
ich lebe Tiertage. Ich bin eine Wasserstunde.
Des Abends schläfert mein Lid wie Wald und Himmel.
Meine Liebe weiß nur wenige Worte:

Es ist so schön an deinem Blut.
Mein königlicher Becher!
Meine schweifende Hyäne!
Komm in meine Höhle. Wir wollen helle Haut sein.
Bis der Zedernschatten über die kleine Eidechse lief:
Du - Glück -

Ich bin Affen-Adam. Rosen blühn in mein Haar.
Meine Vorderflossen sind schon lang und haarig.
Baumast-lüstern. An den starken Daumen
kann man tagelang herunterhängen.

Ich treibe Tierliebe.
In der ersten Nacht ist alles entschieden.
Man faßt mit den Zähnen, wonach man sich sehnt.
Hyänen, Tiger, Geier sind mein Wappen. -

Nun fährst du über Wasser. Selbst so segelhaft.
Blondhäutig. Kühles Spiel.
Doch bitterrot, das Blut darin ist tot,
ein Spalt voll Schreie ist dein Mund.
Du, daß wir nicht an einem Ufer landen!
Du machst mir Liebe: blutigelhaft:
Ich will von dir. -

Du bist Ruth. Du hast Ähren an deinem Hut.
Dein Nacken ist braun von Makkabäerblut.
Deine Stirn ist fliehend: Du sahst so lange
über die Mandeln nach Boas aus.
Du trägst sie wie ein Meer, daß nichts Vergossenes
im Spiel die Erde netzt.

Nun rüste einen Blick durch deine Lider.
Sieh: Abgrund über tausend Sternen naht.
Sieh: Schlund, in den du es ergießen sollst.
Sieh: Ich. -_

Gruß, Dine

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

eins von Mascha Kaleko (1907-1975)
_Pihi

Vom Vogel Pihi hab ich einst gelesen,
Dem Wundertier im Lande der Chinesen.
Er hat nur einen Fittich: Stets in Paaren
Sieht man am Horizont der Pihi Scharen.
Zu zweien nur kann sich das Tier erheben;
Im Singular bleibt es am Boden kleben.

  • Dem Pihi gleich, gekettet an das Nest,
    Ist meine Seele, wenn du mich verläßt._

gruß
ann

Hallo, Lilia,
mein allerliebstes Liebesgedichchen stammt von Joachim Ringelnatz:

Ich habe Dich so lieb

Ich habe Dich so lieb
Ich würde Dir ohne Bedenken
Eine Kachel aus meinem Ofen schenken.

Ich habe dir nichts getan.
Nun ist mir traurig zu Mut.
An den Hängen der Eisenbahn
Leuchtet der Ginster so gut.

Vorbei verjährt
Doch nimmer vergessen
Ich reise.
Alles, was lange währt,
ist leise.

Die Zeit entstellt
Alle Lebewesen.
Ein Hund bellt.
Er kann nicht lesen
Er kann nicht schreiben.
Wir können nicht bleiben.

Ich lache.
Die Löcher sind die Hauptsache
An einem Sieb.
Ich habe Dich so lieb.

Gruß
Eckard

Ist ja für ein frisches Brautpaar gedacht! :smile:

Schade! Mein liebstes Liebesgedicht ist an eine Stadt gerichtet.

Hölderlins „Heidelberg“.

Liebe Grüße
fritz

Hallo Lilia, hallo Eckard,

mein allerliebstes Liebesgedichchen stammt von Joachim
Ringelnatz:

das ist auch das meinige

Und jetzt bist Du mir zuvorgekommen!
Grummel (aber schon verziehen).

Gandalf

Ich habe Dich so lieb

Ich habe Dich so lieb
Ich würde Dir ohne Bedenken
Eine Kachel aus meinem Ofen schenken.

Ich habe dir nichts getan.
Nun ist mir traurig zu Mut.
An den Hängen der Eisenbahn
Leuchtet der Ginster so gut.

Vorbei verjährt
Doch nimmer vergessen
Ich reise.
Alles, was lange währt,
ist leise.

Die Zeit entstellt
Alle Lebewesen.
Ein Hund bellt.
Er kann nicht lesen
Er kann nicht schreiben.
Wir können nicht bleiben.

Ich lache.
Die Löcher sind die Hauptsache
An einem Sieb.
Ich habe Dich so lieb.

Gruß
Eckard

jetzt hast du ja viel resonanz bekommen

Also, würde mich riesig über Resonanz freuen!

aber dennoch liest man nix mehr von dir.

seltsam.

meint
ann

Morgens und abends zu lesen

_Der, den ich liebe
Hat mir gesagt
Daß er mich braucht.

Darum
Gebe ich auf mich acht
Sehe auf meinen Weg und
fürchte von jedem Regentropfen
Daß er mich erschlagen könnte._

Das ist auch mein Lieblingsliebesgedicht…:smile:))

Herzlichen Dank!
Hallo an euch alle!

5 Tage sind ins Land gegangen: Erstmal herzlichen Dank für die vielen Anregungen! Meiner Ansicht nach ist es ja ein sehr persönliches statement, seine Lieblingsgedichte einfach so preiszugeben (oder sogar ein selbstverfasstes, vielen Dank !). Ich kann euren Geschmack bei der Auswahl nur löblichst erwähnen - er ist so gut, daß ich die meisten der genannten Gedichte schon in meiner Sammlung hatte… :smile:
Wie bitte, hier müffelts? Tjaja, die Sache mit dem Eigenlob…! :wink:

Also, dankesehr und scheut euch nicht vor weiteren guten Tips, denn der Hochzeitstermin rückt voran…

Liebe Grüße,
Lilia

Im übrigen: Hallo Ann, ich habe halt erstmal ein paar Tage gewartet, bis sich ein paar Beiträge gesammelt haben. Zudem soll es auch in unserer technisierten Welt noch Menschen geben, nicht nicht täglich über Internetzugang verfügen.

sorry!

Zudem
soll es auch in unserer technisierten Welt noch Menschen
geben, nicht nicht täglich über Internetzugang verfügen.

das vergesse ich immer :smile:

das vergesse ich immer :smile:

Hallo Ann!

Kein Thema - ich finde es ja selbst häufig ziemlich lästig, immer auf den Uni-Pc-Pool angwiesen zu sein… :smile:

Grüße
Lilia

Ich bin mir nicht ganz sicher ob folgende den Kern der Fragestellung erfüllen können. Trotzdem können sie ja beliebig aussortiert werden :smile:


Ich will versuchen, an die Zeit zu schreiben,
damit sie stillsteht, wenn du bei mir bist.
Ich will sie bitten, Gegenwart zu bleiben,
wenn keine Zukunft für uns übrig ist.

Ich will in einer hellen Abendstunde
Mit dir zum nahen Sternhimmel sehn
Und will mit deinem Mund an meinem Munde
Durch tausendeine unsrer Nächte gehen.

Ich will die Arme um dein Lachen legen
Und es beschützen vor der Traurigkeit.
Ich will auf sonnenwarmen Wiesenwegen,
den Zauber in uns spüren, den Zauber der Vollkommenheit.

Ich will mitunter an dein Wesen rühren,
in einer Sprache, die das Wort umgeht.
Ich will Dich liebend zu dir selbst verführen
Wie ein Gedicht, in dem dein Name steht.

Sabine Schönberger

Aneinander erwachen
Aus ahnendem Traum,
Die Augen aufmachen
In klingendem Raum.

Die Hände fühlen
Und schlafeswarm
Hinüberspülen
In deinen Arm.

So süß gebettet,
So Blut an Blut,
So sanft gerettet
Aus Nacht und Flut.

Im Grenzenlosen
So still zu zweit…
Der Tag weht Rosen
So leicht, so weit…

Eugen Roth

Das wären die, welche eventuell noch passen könnten.
Meine Lieblinge stammen von Erich Fried, allerding halte ich keines davon für passend in diesem Fall.