Schiffstypen

Hallo!
Habe gegoogelt und auch meine Lexika befragt (u.a. das wunderbare „Große Buch der Schiffstypen“ von Dudszus/Köpcke), aber mir brennt die Zeit auf den Nägeln und ich hoffe einfach mal, hier kann mir jemand meine Frage(n) aus dem Effeff beantworten :wink:

Welche Schiffstypen kann man in England im 13. Jhdt. annehmen? Ich lese immer nur, die Kogge wäre der vorherrschende Schiffstyp der Zeit gewesen, aber da steht einem automatisch die Hansekogge vor Augen, schwer mit England in Einklang zu bringen. Und Fischerboote? Gab’s da schon was Spezielles? Im Text bin ich auf ein „rowing cob“ gestoßen, welches mich vor ein Rätsel stellt. Euch auch?

Freue mich auf Input!
Gruß,
Eva

Hallo, Eva,
habe gerade mal mein Schiffstechnischs Wörterbuch zu Rate gezogen und finde dort:

coble (=coble boat) Coble(boot) n (kleines englisches Fahrzeug, luggergetakelt, größter Tiefgang vorn, Achterschiff flach; das Boot wird mit dem Heck voran an Land gezogen)
~oar Coblebootriemen m

lugger Lugger, Logger (kleines zwei- od. dreimastiges Fahrzeug mit Luggersegeln (EWP: meist zum Fischfang eingesetzt)

lugsail Luggersegel, Rahsegel kleinerer Fahrzeuge

Hilft Dir das weiter? Soll ich mal nach weiteren englischen Schiffstypen der Zeit suchen?

Gruß
Eckard

Hallo !

Sieh Dir den Teppich von Bayeux an. Dort findest Du ein paar Schiffe, mit denen die Normannen England erobert haben. Alle ähnlich den Wikingerbooten. Diese gab es auch im nächsten Jahrhundert in England.

Man weiß bis heute ja nicht mal, wie die Schiffe des Columbus genau aussahen und das war im 15./16.Jahrhundert.

mfgConrad

Hallo Eckart!
Zu „Logger“ sagt „Schiffstypen“ 18. Jhdt.? „Cob/coble/cobble“ habe ich inzwischen in einem engl. Lexikon von 1964 gefunden, das bei mir ein Schattendasein in einer Ecke fristete, und habe mich im Text schlicht für „kleines Ruderboot“ entschieden. Wozu den Leser quälen

-)

Wenn Du Zeit & Lust hast, such gerne noch nach Schiffen der Zeit - meine Dankbarkeit ist Dir gewiss! Was sagt Deine Quelle zu „Hulk/Holk“?

Grüßle,
Eva

Sieh Dir den Teppich von Bayeux an. Dort findest Du ein paar
Schiffe, mit denen die Normannen England erobert haben. Alle
ähnlich den Wikingerbooten.

Hallo Conrad!
So ab Mitte 1200 AD scheint es differenziertere Schiffstypen zu geben, die Kogge (evtl. aus der „Knorre“ hervorgegangen), wie gesagt, und den seit 1000 AD in England als seegehendes Schiff (im Gegensatz zum Kontinent, dort flussfahrendes Treidelschiff) belegten „Hulk“, dazu ein Zitat aus dem ausführlichen Eintrag in „Schiffstypen“: „Interessant für die Bedeutung des Hulks im 13. Jhdt. ist das Siegel der engl. Stadt Hulkesmouth von 1295, auf dem ausdrücklich das dargestellte Schiff als Hulk bezeichnet wird.“

Natürlich sehe ich „Schiffstypen“ nicht als Bibel und bin froh über alle zusätzlichen Informationen. Ich würde auch nicht so ein Aufhebens machen, aber im Text heißt es ewig nur „Schiff“ oder „Boot“ und das wird in Häufung 'n büsch’n eintönig…

Grüße,
Eva

Hallo Eva!

Die Kogge ist aber kein englischer Schiffstyp oder?

Man hat wenig Wissen über Schiffe aus dieser Zeit. Selbst bei den „bekannten“ Columbusschiffen weiß man heute noch nicht, wie sie besegelt waren.
Bilder und Gemälde entsprechen meistens nicht den Tatsachen. Einzig der Teppich von Bayeux zeigt wohl die Wirklichkeit.

Noch etwas zu Columbus : Es gibt 60 Gemälde, die ihn zeigen, aber keiner der Maler hat ihn je gesehen. Zu Heinrich : Man vermutet, das Heinrich der Seefahrer eine Seefahrtsakademie gegründet hat, man weiß es nicht. Daher werden die englischen Quellen auch nicht sicherer sein.

mfgConrad

Was sagt Deine Quelle zu „Hulk/Holk“?

Hallo, Eva,

hulk (a cog-like, heavy, clumsy ship of the Middle Ages) Koggenähnliches, schweres, plumpes Schiff des Mittelalters);
… des weiteren und in neuerer Zeit:
Hulk od. Holk - Blockschiff; Rumpf eines abgetakelten Schiffes; entmastetes Wrack …
Außerdem: Klotz, ungeschlachter, ungefüger Mensch (EWP: z.B. nannte sich ein Wrester „Hulk“)

hulky plump, ungeschlacht

Hulks nicht mehr ganz seefähiger Schiffe dienten, verankert auf dem Fluß, u.a. als Lager"haus", Gefängnis u.ä.

Es gab einen Schiffstyp „Pinke“, ein dreimastiges Küstenschiff mit Lateinersegeln.

Eine Pinasse (allerdings etwas später - zu Nelsons Zeiten) war ein leichtes, wendiges zweimastiges Beiboot oder Begleitschiff.

Ich nehme an, Du bewegst Dich räumlich im England? In anderen Weltgegenden oder europäischen Ländern gab es natürlich jeweils auf die örtlichen Gegebenheiten hin konstruierte Fahrzeuge.

Grüße
Eckard

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Noch etwas gefunden :

Auf einer Landkarte aus der Mitte des 13. Jahrhunderts habe ich drei Zeichnungen des englischen Typs „Kiel“ oder „Nef“ gefunden.
Diese Schiffe dienten als Transportschiffe ins „Gelobte Land“.
Sehen aus wie Wikingerboote mit dem typischen Rahsegel.

Ein Relief auf einem Taufstein in Winchester zeigt eine „Holk“. Mit Hecksteuerruder. Sonst wieder ähnlich dem Wikingerboot.

mfgConrad

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Hallo, Conrad!
Weil ich denke, dass es viele hier in diesem Brett interessiert, schreibe ich auf, was in in meinen „Schiffstypen“ zu Deinen Hinweisen gefunden habe.

Auf einer Landkarte aus der Mitte des 13. Jahrhunderts habe
ich drei Zeichnungen des englischen Typs „Kiel“ oder „Nef“
gefunden.
Diese Schiffe dienten als Transportschiffe ins „Gelobte Land“.
Sehen aus wie Wikingerboote mit dem typischen Rahsegel.

„Nef: allg. frz. Bezeichnung für „Schiff“, speziell für ein einmastiges Frachtschiff, das sich vom 11. bis zum 16.Jhdt. in verschiedenen Entwicklungsstufen wandelte. Als Nef wurden an der westfranzösischen Küste vom 11. bis 13. Jh. koggenähnliche Schiffe bezeichnet, die sich als Mischtyp aus Normannenschiffen und völligeren Schiffstypen romanischer Länder entwickelten. … Obwohl, zeitlich u. örtlich bedingt, Unterschiede auftraten, war das Nef nach jahrhudertealter Gepflogenheit ein auf Kiel in Klinkerbauweise breit u. bauchig gebautes Schiff. Gegenüber der nordischen Kogge waren stärker gerundete Stevenformen üblich. Der oberste Plankengang verlief über den größten Teil der Schiffslänge fast ohne Sprung, stieg aber an den Schiffsenden zu den Steven steil empor. Nach dem 11. Jh. bekam das Nef vorn u. hinten größere balklengerüstartige Aufbauten (Kastelle), die im Lauf der Zeit beplankt u. in den Schiffskörperverband einbezogen wurden. Das einmastige Schiff fuhr mit einem Rahsegel, zu Ende des 13. Jh. kam ein Bugspriet hinzu. Nach dem Beispiel der Kogge wurden die ursprünglich vorhandenen ein oder zwei Seitenruder durch das Heckruder ersetzt.“
Es geht noch weiter, aber das wäre zuviel. Über das Keel gibt es ebenfalls einen größeren Beitrag, er fuhr auf den Flüssen Nordenglands hauptsächlich Kohle.

Ein Relief auf einem Taufstein in Winchester zeigt eine
„Holk“. Mit Hecksteuerruder. Sonst wieder ähnlich dem
Wikingerboot.

Mit Betonung auf „ähnlich“. Und selbst Wikingerboot war nicht gleich Wikingerboot, da gab es Schnigge, Skeidh, Drakkare… :wink:

Wünsche ein gutes neues Jahr!
Eva

Hallo Eckard!
„Hulk“ war doch auch der große Grüne, oder? Nee, nicht Joschka, der andere, durchgefärbte :wink:

Es gab einen Schiffstyp „Pinke“, ein dreimastiges Küstenschiff
mit Lateinersegeln.

Jau. im westl. Mittelmeergebiet etwa im 15. Jhdt, zur gleichen Zeit mit der Karavelle entstanden.

Eine Pinasse (allerdings etwas später - zu Nelsons Zeiten) war
ein leichtes, wendiges zweimastiges Beiboot oder
Begleitschiff.

Es gab laut meinem schlauen Buch auch ein Pinaßschiff, im 16. und. 17. Jh kleinerer Dreimaster.

Ich nehme an, Du bewegst Dich räumlich im England?

Ja. Küste von Devon - ach, wär ich da… Habe in „Vergessene Künste“ von John Seymour inzwischen auch eine genaue Beschreibung des "coble gefunden. Manchmal weiß ich selbst nicht mehr, was sich bei mir im Lauf meiner Tätigkeit für kuriose Sachbücher angesammelt haben; sogar das Finanzamt hat schon aufgehört nachzufragen, wozu ich all die Bücher über Dolche, Rüstungen und Foltermethoden brauche…

Wünsche auch Dir ein gesegnetes neues Jahr!
Eva