Schilddrüse?

Hallo zusammen,

vorab: ich bin weiblich, 33, habe keine bekannten Vorerkrankungen.

Weil meine Augen momentan oft gereizt und sehr lichtempfindlich sind, war ich kürzlich beim Augenarzt.

Dieser hat mich mit „Ihre Sonnenbrille ist zu schlecht“ abgespeist, meine Frage nach möglicherweise allergischer Reaktion wurde mit „jaja, sie haben deutliche Anzeichen einer allergischen Bindehautentzündung, aber das kann ihnen ja egal sein, ist eh nicht therapierbar“ abgetan.

also bin ich im netz auf der suche nach möglichen Erkrankungen und bin hierbei auch auf die Schilddrüse als mögliche Ursache gestossen, da ich auch das ein oder andere Symptom mit Hinweis auf Schilddrüsenerkrankung habe.

Mein Problem ist aber, dass meine Symptome nie gleich stark sind. z.B. sind meine Augenprobleme hauptsächlich vormittags. Des weiteren bin ich sehr verfroren und blaue Flecken habe ich schon, wenn ich eine Tischkante nur sehe. Mein Blutdruck war schon immer niedrig. Haarausfall, trockene Haut habe ich auch; ich war bereits vor längerer Zeit wegen Depressionen in Behandlung, die ich aber schon länger im Griff habe. Konzentrieren ist eher schwierig, meine Merkfähigkeit ist auch nicht die beste.

Mir fiel z.B. auch auf, dass meine Muskeln schon nach kurzer körperlicher Anstrengung schmerzen, obwohl ich drei-bis viermal die Woche Sport, auch Kraftsport, mache. Meine Kondition bekomme ich auch nicht besser aufgebaut.

Treppensteigen wird bereits vor dem ersten Stock anstrengend, die Oberschenkel schmerzen, das Atmen wird deutlich hörbar. Per Hand etwas aufschreiben ist kaum leserlich, weil die Hand beim Schreiben nach kurzer Zeit verkrampft und dann nicht mehr viel geht.

In den letzten Wochen habe ich immer wieder leichte Halsschmerzen und denke mir „aha, jetzt kommt ne Erkältung“ - es kommt aber keine. Kann sein, dass ich vier, fünf Tage lang immer so nachmittags eben dieses leichte Halskratzen habe, dann aber wiedermal zwei, drei Tage gar nicht.

Ich habe auch bereits auf Pollen/Allergie getippt, aber erstens passiert mir das auch bei Regen, Hausstaub schließe ich eigentlich auch aus, weil ich zu Hause kaum solche Probleme habe - ein Allergietest letzte Woche verlief auch ohne Befund, ich habe auf nichts auch nur ansatzweise reagiert. Könnte noch mehr Sachen aufzählen, aber jetzt mal die Frage:

Könnte das die Schilddrüse sein, auch wenn nicht alle Symptome ständig und gleichmäßig auftreten? Müsste ich nicht immer dieselben Symptome haben?

ich weiß, ich sollte das alles einen Arzt fragen, aber ich habe keinen „Hausarzt“, weil ich eigentlich fast nie krank bin, und die Ärzte, bei denen ich bis jetzt war, lassen mich befürchten, nicht ernst genommen zu werden. ich will mich nicht mit meiner internet-vermutung blamieren…

Vielen Dank für Hinweise
Grüße
alex

Hallo Alex,

also deine übrigen Symptome können schon auf die Schilddrüse hindeuten, kommen aber sicher auch noch andere Dinge in Betracht. Dass Schilddrüsenprobleme auch die von dir geschilderten Augenprobleme hervorrufen können, war mit bisher neu, bin aber auch keine Fachmann. Wobei man natürlich beachten muss, die Schilddrüse ist ja nicht die Milz ( notwendig aber verzichtbar ) sondern die Hormone werden so ziemlich für alles im Körper gebraucht. Daher könnte das auch von der Drüse kommen, oder eben auch nicht.

Was die Ärzte angeht, was soll ich sagen . Mir ging es nie anders. Ich gehe mittlerweile nicht mehr zum Arzt, sondern leide halt. Klar ist natürlich, dass Du niemals, falls Du nachmal zum Doc gehst, erzählen darfst, dass Du schon mal wegen Depri behandelt wurdest. Höchste Schubladengefahr !! Wie wir dieses Problem mit den schlechten, desinteressierten Ärzten lösen können, ist ein anderes Thema.

Was mich jetzt so beim Schreiben und Gedankenkreisen aber komisch deucht, Treppensteigen ist schon bei der zweiten Etage ein Problem ( bei mir ja auch ) aber Sport machst Du. ( Ich glaube ich bin vor 6 oder 7 Jahren das letzte mal auf dem Fahrrad gesessen , ansonsten „no sports“ mangels Kraft ). Wie geasgt, klingt komisch, nicht nur für Laien, auch für Ärzte.

Grüßle

Eric

Vorab:

Vom ganzheitlichen, psychosomatischen Standpunkt aus betrachtet, deutet eine Missempfindung und Beschwerden im Bereich der Schilddrüse darauf hin, dass Du zur Zeit ein Leben führst, was Dir - aus welchen Gründen auch immer - zuwider ist. Vielleicht solltest Du da mal ansetzen …

Es geht vereinfacht gesagt um Selbstbestimmung, d.h. ggfls. um ein Gefühl des Ausgeliefertseins, des „Nicht-Bestimmen-könnens“. Wenn Du ein solches Gefühl hast, solltest Du die Ursache dafür möglichst beheben und versuchen, wieder aktiv Kontrolle über Dein Leben und Deinen Lebensweg auszuüben.

Das kann ein Jobwechsel, Wohnortwechsel, whatever sein. Nimm Dein Leben in die Hand !

Die Art und Weise wie Du schreibst, also vor allem die Tatsache, dass Du momentan intensive, umfassende Missempfindungen quer durch den ganzen Körper hast, spricht meines Erachtens nach für eine psychische oder psychosomatische Ursache.

Es heisst nicht, dass ich Deine Empfindungen als Spinnerei abtun will. Vielmehr sind diese Emfindungen für dich subjektiv vorhanden, das kann Dir auch niemand absprechen.

Allerdings scheinst Du nervlich momentan labil zu sein. Du machst Dir Sorgen.

Damit solltest Du versuchen, aufzuhören.

Liebe Grüße !

Hallo Alexa,

ich bin mir sicher, dass Du ein Schilddrüsenproblem hast! Alle von Dir genannten Symptome passen sehr gut. Ich hatte fast alle Symptome auch und hätte ansonsten nie zum Arzt gemusst. Auch ich habe über mehr als 10 Jahre schlimme Arzterfahrungen bezüglich meiner Symptome gemacht und keine vernünftige Diagnose bekommen, bis ich dann als letzten Rettungsanker einen bekannten privaten Schilddrüsenarzt aufsuchte (alles auf eigene Kosten), der dann endlich die richtige Diagnose stellte.

Deine Schilderungen zeigen mir, dass Du Dich mit ziemlicher Sicherheit in einer Unterfunktion befindest. Alle Deine Symptome passen zu einer Unterfunktion:

  • trockene Augen/Augenprobleme

  • Verfrorenheit

  • niedriger Blutdruck

  • Haarausfall

  • trockene Haut

  • Depressionen

  • Konzentrationsprobleme

  • schlechtes Gedächtnis

  • Muskelschmerzen/-krämpfe

  • Atemprobleme

  • Kloßgefühl (=> Halsschmerzen)

Die blauen Flecken passen indirekt auch zum Krankheitsbild. Wenn Du diese Erkrankung schon längere Zeit hast, dann sind die Nebennieren in Mitleidenschaft gezogen und schwach, d. h., dass Stresshormon Cortisol kann nur noch in niedrigeren Mengen produziert werden. Bevor die Nebennieren jedoch das Cortisol nur noch in geringeren Mengen produziert, kommt es zu einer erhöhten Cortisolproduktion. Dies hat u. a. zur Folge, dass man sehr, sehr leicht blaue Flecken bekommt. Cortisol wird nicht nur zur Stressverarbeitung benötigt, sondern auch zu einem großen Teil zur richtigen Verarbeitung der Schilddrüsenhormone. Leider muss ich Dir sagen, dass es nur sehr, sehr wenige gute Ärzte gibt, die sich mit dieser Materie gut auskennen.

Zu Depressionen: Eine Schilddrüsenfehlfunktion ruft sehr, sehr häufig eine Depression hervor. Hier handelt es sich jedoch nicht um eine echte Depression, sondern einfach nur um ein Symptom, das durch eine nicht oder falsch eingestellte Schilddrüse hervorgerufen wird. Wenn der fT3-Wert (einer der zwei Schilddrüsenhormonwerte) zu niedrig ist, was z. B. bei einer Konversionsstörung von T4 (der andere Schilddrüsenhormonwert) in T3 vorkommt, dann ist das Symptom „Depression“ (es ist in dem Falle nur ein Symtpom) extrem häufig. Gibt man dem Patienten dann das Schilddrüsenhormon T3, oder besser: wird die Schilddrüse richtig eingestellt, dann verschwinden auch die Depressionen.

Der Zusammenhang von T3 und Depressionen ist übrigens in jedem psychiatrischen Lehrbuch nachzulesen. Seltsamer Weise schauen die wenigstens Ärzte bei depressiven Patienten nach diesem Wert und gleichen das Hormondefizit folglich auch nicht aus. Lieber geben sie den Patienten Psychopharmaka, die bei Schilddrüsenpatienten jedoch extrem kontraproduktiv sind, weil sie sich negativ auf die Schilddrüsenfunktion auswirken. Wie schon erwähnt: Gleicht man das Hormondefizit aus, verschwinden in den aller meisten Fällen auch die Depressionen!

Was die Häufigkeit der Symptome angeht: Diese schwankt, ist eigentlich nie gleich. Es können auch noch mehr Symptome dazukommen oder auch wieder welche verschwinden. Es kann auch sein, dass man zeitweise symptomfrei ist. Dies ist aber selten.

Meiner Meinung nach klingt Deine ganze Beschreibung nach einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, bei der der Körper die Schilddrüse im Laufe der Zeit nach und nach zerstört, so dass es zu einer Unterfunktion kommt. Diese Erkrankung wird auch Hashimoto-Thyreoiditis oder Autoimmunthyreoiditis genannt und ist eine der häufigsten Ursachen für eine Unterfunktion.

Was solltst Du nun tun?

Du solltest Dir auf jeden Fall einen Termin bei einem guten Endokrinologen geben lassen. Wenn Du die Sache unbehandelt lässt, dann wird alles nur noch viel schlimmer. Eine unbehandelte Schilddrüsenerkrankung zieht Folgeschäden nach sich! Lasse Dir eine Kopie der Befunde ab sofort immer aushändigen. Einen Endokrinologen in Deiner Gegend kannst Du in Bens Liste finden. Kommentare zu einzelnen Ärzten kannst Du einsehen, wenn Du Dich dort registrierst. Weiterhin empfehle ich Dir das Schilddrüsenforum http://www.ht-mb.de/forum/ . Schaue dort speziell in der Rubrik Hashimoto.

Gerne kannst Du Dich auch mit mir persönlich in Kontakt setzen, denn ich kenne dieses Krankheitsbild nur zu gut.

Ich wünsche Dir alles Gute und vielleicht schreibt man sich ja persönlich.

Viele Grüße
Catlyn

Hallo,

vielen Dank für Deine ausführliche Antwort - ich werde mich auf die Suche nach einem passenden Arzt machen und dann schaun wir mal. :smile:

Viele Grüße
alex

Hallo,

vielen Dank für Deine Antwort.

Ich denke zwar nicht, dass ein so großer Teil meiner Symptome psychisch bedingt ist - dazu geht es mir eigentlich zu gut - aber ich werds im Hinterkopf behalten.

Viele Grüße
alex

Hallo Eric,

Was die Ärzte angeht, was soll ich sagen . Mir ging es nie
anders. Ich gehe mittlerweile nicht mehr zum Arzt, sondern
leide halt. Klar ist natürlich, dass Du niemals, falls Du
nachmal zum Doc gehst, erzählen darfst, dass Du schon mal
wegen Depri behandelt wurdest. Höchste Schubladengefahr !! Wie
wir dieses Problem mit den schlechten, desinteressierten
Ärzten lösen können, ist ein anderes Thema.

Die Depri ist auch schon einige Jahre her, die erwähnte ich nur hier, weil ich eben gelesen habe, dass das zusammenhängen kann. Einem Arzt erzähle ich das nur auf Nachfrage.

Was mich jetzt so beim Schreiben und Gedankenkreisen aber
komisch deucht, Treppensteigen ist schon bei der zweiten Etage
ein Problem ( bei mir ja auch ) aber Sport machst Du. ( Ich
glaube ich bin vor 6 oder 7 Jahren das letzte mal auf dem
Fahrrad gesessen , ansonsten „no sports“ mangels Kraft ). Wie
geasgt, klingt komisch, nicht nur für Laien, auch für Ärzte.

Ja, ich gehe zwei- bis dreimal die Woche Standardtanzen (Turnier-Ebene) und ein-/zweimal die Woche Kraftsport. Das ist echt komisch für mich, dass mich Treppensteigen so anstrengt. Wobei ich auch im Kraftsport meine Gewichte nur sehr geringfügig steigern kann.

Danke für Deine Antworte
viele grüße
alex