Schiller-Zitat gesucht

Hallo Experten,

diese zwei Zitate, angeblich von Friedrich Schiller, fand ich in englischen Texten.

“When beauty is perceived, thought is unified with feeling.”
“The way to the head must be opened through the heart.”

Kennt jemand den genauen Wortlaut im Deutschen?

Für Aufklärung dankt Bukhard

Hallo, Burkhard,

“When beauty is perceived, thought is unified with
feeling.”

Wird Schönheit wahrgenommen, sind Verstand und Gefühl vereint.

“The way to the head must be opened through the heart.”

Der Weg zum Kopf (scilicet: Vertsand, Denken) muss über das Herz ( = Gefühl) eröffnet werden.

Die Übersetzungen sind von mir.
Und solche Sätze würde ich in den ästhetischen Schriften Schiller suchen.
Etwa in den „Kallias-Briefen“ oder in „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“.

Viel Glück beim Suchen. :wink:

Gruß Fritz

Hallo Burkhard,

zum zweiten:
„Der Weg zum Kopf muß über das Herz geöffnet werden“

hab ich bei Google einfach „Weg Kopf Herz“ eingegeben.
Aber jetzt kommen die Mini-Kerls und ich hab nicht mehr Zeit.
Wenn es nachher noch aktuell ist, guck ich weiter.
Grüße
Elke

Hallo, Burkhard:smile:

The way to the head must be opened through the heart.

Der Weg zum Kopf muss über das Herz geöffnet werden lautet der Originaltext und ist aus den Briefen „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“, die in den Horen veröffentlicht wurden.
beim zweiten zitat bin ich absolut nicht sicher, es könnte aber aus der gleichen quelle sein.
lieben gruss aus Wien, jenny

Hallo, jenny

wie immer: ein Herz, eine Seele, ein Verstand, und daher auch ein Gedanke!

Und natürlich *.

Und einen lieben Gruß zum ersten Advent nach Wien! :wink:

Fritz

Hallo, Elke,

du bist unglaublich! :wink:

Das

Es geht also um eine grundlegende Wahl sogleich zu Beginn
von Studium und Wissenschaft. Das alte „Sapere aude“, „Habe
Mut, weise zu sein“, steht am Anfang - gegen eigene Trägheit
und Feigheit. Da muß der Weg zum Kopf über das Herz geöffnet
werden!

findet sich hier:

http://www.legamedia.net/dy/articles/article_15644.php

Es scheint um die Antrittsvorlesung Schillers in Jena zu
gehen. Dorther aber ist das Zitat wohl nicht.

Aber damit ist der weitere Weg für Burkhard geöffnet!

Einen schönen ersten Advent. Und liebe Grüße!

Fritz

oT
Da sitz ich lächelnd und dachte ähnlich!
auch Dir einen schönen, friedlichen Tag!
und einen lieben gruss nach KA aus Wien, jenny

Noch nicht ganz
Hallo Ihr Lieben,

erst einmal herzlichen Dank für eure Bemühungen.

Die Briefe über die ästhetische Erziehung habe ich ziemlich systematisch durchforstet, habe aber die beiden Zitate dort nicht gefunden (kann natürlich auch sein, dass ich sie einfach übersehen habe). Logisch erschien mir diese Quelle als Herkunfstort auch.

Vielleicht findet sichs ja noch.

Herzlich!

Burkhard

Servus, Burkhard:smile:

Die Briefe über die ästhetische Erziehung habe ich ziemlich
systematisch durchforstet,

zumindest was das eine zitat betrifft…hmmm…*anlächel*

zitat:
Nicht genug also, daß alle Aufklärung des Verstandes nur insoferne Achtung verdient, als sie auf den Charakter zurückfließt; sie geht auch gewissermaßen von dem Charakter aus, weil der Weg zu dem Kopf durch das Herz muß geöffnet werden. Ausbildung des Empfindungsvermögens ist also das dringendere Bedürfnis der Zeit, nicht bloß weil sie ein Mittel wird, die verbesserte Einsicht für das Leben wirksam zu machen, sondern selbst darum, weil sie zu Verbesserung der Einsicht erweckt.

aus:http://www.dreigliederung.de/essays/1795-06-001.html
aus dem achten Brief

wobei ich zugebe, dass ich nicht ganz richtig aus dem kopf zitiert, bzw. aus dem englischen übersetzt habe:smile:

lieben gruss aus Wien, jenny

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Servus, Burkhard und Jenny,

diesmal bin ich schneller, aber nicht ganz sicher.

_ Achtzehnter Brief.

Durch die Schönheit wird der sinnliche Mensch zur Form und zum
Denken geleitet; durch die Schönheit wird der geistige Mensch
zur Materie zurückgeführt und der Sinnenwelt wieder gegeben.

Aus diesem scheint zu folgen, daß es zwischen Materie und
Form, zwischen Leiden und Thätigkeit einen mittleren Zustand
geben müsse, und daß uns die Schönheit in diesen mittleren
Zustand versetze. Diesen Begriff bildet sich auch wirklich der
größte Theil der Menschen von der Schönheit, sobald er
angefangen hat, über ihre Wirkungen zu reflektieren, und alle
Erfahrungen weisen darauf hin. Auf der andern Seite aber ist
nichts ungereimter und widersprechender, als ein solcher
Begriff, da der Abstand zwischen Materie und Form, zwischen
Leiden und Thätigkeit, zwischen Empfinden und Denken unendlich
ist und schlechterdings durch nichts kann vermittelt werden.
Wie heben wir nun diesen Widerspruch? Die Schönheit
verknüpft die zwei entgegengesetzten Zustände des Empfindens
und des Denkens
, und doch gibt es schlechterdings kein
Mittleres zwischen beiden. Jenes ist durch Erfahrung, dieses
ist unmittelbar durch Vernunft gewiß._

Passt das?
Fritz

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das zweite zitat???
könnte es sich dabei um:

_ Die Schönheit verknüpft die zwei entgegengesetzten Zustände des Empfindens und des Denkens _
handeln?
das ist das einzige, was ich jetzt auf die schnelle gefunden habe…es ist auch aus den briefen, und zwar aus dem 18.
das komplette zitat heisst:
Die Schönheit verknüpft die zwei entgegengesetzten Zustände des Empfindens und des Denkens, und doch gibt es schlechterdings kein Mittleres zwischen beiden. Jenes ist durch Erfahrung, dieses ist unmittelbar durch Vernunft gewiß.

noch bin ich nicht ganz sicher, ob es das von dir gesuchte ist:smile:
lg.j.

LOLLOL und ohne worte:smile:
j.

Hab’s im Original gefunden
Hallo, Ihr Lieben,

in Schillers drittem Brief an den Herzog von Augustusburg vom 11.11.1793 habe ich das Original-Zitat gefunden, auf dem die englische Fassung zu basieren scheint:

„Durch das Empfindungsvermögen des Schönen wird … ein Band der Vereinigung zwischen der sinnlichen und geistigen Natur des Menschen geflochten …“

Herzlich!

Burkhard

Servus, lieber Burkhard:smile:

in Schillers drittem Brief an den Herzog von Augustusburg vom
11.11.1793 habe ich das Original-Zitat gefunden, auf dem die
englische Fassung zu basieren scheint:

nun ist es ja so, dass die 27 briefe „über die ästhetik“, die in den Horen erschienen sind, ja sowieso eine quasi zweitfassung sind, da die erste, soviel ich weiss, verbrannt ist. Aber alle 27 briefe beruhen auf der korrespondenz mit Herzog Friedrich Christian von Holstein-Augustenburg. Mich würde jetzt interessieren, ob du ein „Original“ dieses briefes gefunden hast, denn soweit ich weiss, sind die „Augustenburger Briefe“ eben alle vernichtet worden und Schiller hat sie mehr oder weniger aus der erinnerung neu verfasst und überarbeitet. Auch deswegen denke ich, dass Fritzens und meine angaben zumindest auf den *greifbaren* texten beruhen…
wie auch immer, es hat spass gemacht und hauptsache, du hast gefunden, wonach du suchtest:smile:
vielen dank fürs mail und lieben gruss aus Wien,
jenny

Hans Schulz
Hallo Jenny,

du hast sicher Recht; die Briefe an den Herzog von Augustusburg, aus denen ich zitiert habe, sind in weiten Teilen offenbar Vorläufer der Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen.

Ich habe sie in einer Ausgabe von Schillers Werken mit dem Hinweis „nach der Zusammenstellung von Hans Schulz“ (wer immer das gewesen sein mag) gefunden.

Meine Neugierde ist damit gestillt. Ich verwende diese Gedanken in meinen Seminaren zum Thema „Luxus verkaufen“, weil sich der Luxus, den ich meine, insbesondere durch seine ästhetische Dimension von neureichem Konsum unterscheidet.

Herzlich!

Burkhard

Hans Schulz arbeitete von 1911 bis zu seinem Tode 1915 am Lehrstuhl für Germanistik der Universität Freiburg.

danke, Burkhard…ich werd mich mal kundig machen, um rauszufinden, ob der mann was wusste, was wir nicht wissen…*GGG*
lg.j.